Heute in allen grossen Schweizer Städten: Demo zum schnellen Ausstieg aus der fossilen Energie © KS
Demonstration Stuttgart © CS
Transparent von Klimastreikenden © KS

Wenn Gymnasiasten gegen Dieselfahrer demonstrieren

Hanspeter Guggenbühl / 02. Feb 2019 - Klima- gegen Autoschutz, junge Elite gegen Mittelstand, Umwelt- gegen Sozialpolitik. Lässt sich das verknüpfen? Ein Versuch.

Gewiss, der Titel ist ein Kurzschluss. Die Gymnasiastinnen und Studenten in der Schweiz demonstrieren mit ihren Schülerstreiks nicht direkt gegen die neuen Gelben Westen, die in Deutschlands Städten gegen Diesel-Fahrverbote auf die Strasse gehen. Und auch nicht ausdrücklich gegen jene in Frankreich, die höhere Treibstoffsteuern bekämpfen. Trotzdem mutet die Situation bizarr an: Null CO2-Emissionen schon ab 2030, also auch Null Diesel, Benzin und Kerosen, verlangt die jugendliche Elite in der Schweiz. Freie Fahrt für alle Autos fordern die von Porsche-Mitarbeiter Ioannis Sakkaros angeführten Gelben Westen an den gestrigen und heutigen Demonstrationen in Stuttgart, wo die Regierung ab 1. Januar partielle Fahrverbote für alte Dieselautos (Euro Norm 4) einführte.

Gelbe Westen: Freie Fahrt für alle Dieselautos. Bild: CS

Die gegensätzlichen Demonstrationen erinnern etwas an die 1980er-Jahre. Damals forderten die Grünen und die Umweltverbände Benzinrationierungen und Tempo 100 auf allen Autobahnen, um Luftverschmutzung und Waldschäden zu bekämpfen. Strassenverkehrsverbände und die Autopartei reagierten mit dem Slogan «Freie Fahrt für freie Bürger». Technischer Umweltschutz (Katalysatoren) und Tempo 120/80 entschärften diesen Konflikt. Der Ausstoss von Stickoxiden, Kohlenwasserstoff sowie die Ozonkonzentration in der Atemluft sanken. Die klimarelevanten CO2-Emissionen aber stiegen weiter. Der Siegeszug des Autos und die Abhängigkeit von dieser unproduktiven Mobilität setzten sich fort.

Spontane Bewegungen statt strukturierter Widerstand

Doch in der Auseinandersetzung zwischen Umwelt- und Autobewegten hat sich seither Wesentliches verändert: In den 1980er-Jahren und danach gab es klare politische Fronten. Sachwalter der Natur waren die Grünen, Umweltorganisationen und, mit einigen Ausnahmen, die Linken. Auf der andern Seite standen Wirtschafts-, Autoverbände und bürgerliche Parteien. Dazwischen gab es Verhandlungsplattformen – von Parlamenten bis zu runden Tischen.

Die heutige Auseinandersetzung entstand spontan und eher zufällig. Einzelne Ereignisse oder Personen brachten ein latentes Unbehagen oder eine lange unterdrückte Wut zum Ausbruch. Eindeutige Strategien oder Strukturen aber fehlen. Denn streikende Schülerinnen und Gelbe Westen wehren sich gleichermassen gegen jegliche Vereinnahmung ihrer Bewegung. Etablierte Parteien oder Gruppen, die auf den einen oder andern Sponti-Zug aufspringen möchten, werden abgewiesen. Eine Sondersession des Parlamentes, wie weiland zum Waldsterben, steht nicht auf dem Programm. Das erschwert traditionelle politische Verhandlungen.

Dazu kommt: Die heutigen Fronten sind verschoben. Langfristige stehen kurzfristigen Interessen gegenüber. Schülerinnen und Studenten streiken für ein erträgliches Klima in der Zukunft, Gelbe Westen für freie Fahrt oder tiefere Steuern hier und jetzt. Die grünen Forderungen sind eher elitär, diejenigen der Gelben Westen eher proletarisch. Ökologische und soziale Anliegen stehen sich hier diametral entgegen. Ein gemeinsamer Nenner ist nicht erkennbar.

Ungleicher Konflikt, gleiche Ursachen

Dieser neue Konflikt lässt sich aber auch deshalb nicht schnell auflösen, weil die Ursachen eine lange Vergangenheit haben. Wirtschaft und Regierungen haben der Bevölkerung seit Beginn der 1950er-Jahre weis gemacht, das Wachstum von Wirtschaft und Wohlstand lasse sich ewig und unbegrenzt fortsetzen. Wirtschaftsförderung hatte stets Priorität gegenüber ordnenden Eingriffen, sowohl gegenüber der Umwelt- als auch gegenüber der Siedlungspolitik und Raumplanung.

Damit nahm die internationale Arbeitsteilung zu. Sie stärkte die Zentren, schwächte die Peripherie und vergrösserte die wirtschaftliche und gesellschaftliche Kluft zwischen urbanen Eliten und ländlicher Bevölkerung. Gleichzeitig schritt die räumliche Entflechtung von Wohn-, Arbeits- und Konsumstandorten voran. Die Agglomerationen wucherten weit ins Land hinaus. Die Pendeldistanzen und übrigen Verkehrswege verlängerten sich, und die Abhängigkeit vom Auto nahm zu. In Frankreich, Italien oder Deutschland ist diese Abhängigkeit heute ausgeprägter als hierzulande, weil die Regierungen die Bahnen dort aus der Fläche abzogen, während die Schweiz ihren öffentlichen Verkehr ausbaute und die Fahrpläne verdichtete.

Unterschiedliche Opfer, schwer fassbare Feinde

Unter dieser Entwicklung leidet heute die Jugend. Ihr hinterliessen die Alten und Profiteure der Hochkonjunktur die mit Klimagasen überlastete Luft, mit Schadstoffen übersäte Böden und verschandelte Landschaften. Ebenso leiden die Angehörigen des unteren Mittelstands in der Peripherie. Die Globalisierung drängte sie an den Rand, machte sie zu Autoabhängigen und liess sie – relativ – verarmen.

Aus diesem Grund kämpfen beide Gruppen gegen einen schwer fassbaren Feind: Die Klimastreikenden gegen die wachsende Menge an CO2, die Gelben Westen gegen die ungleiche Verteilung von Wohlstand, Beachtung und automobiler Freiheit, denn nicht alle können sich den Umstieg auf neue Diesel- oder Elektroautos leisten.

Klimastreikende: System statt Klima verändern. Bild: KS

Für den ungleichen Kampf gibt es keine gemeinsame Basis. Nur eine vage Ahnung, welche eine Gruppe von jugendlichen Demonstranten auf ihrem Transparent formulierte: «System Change, not Climate Change». Das ist ein langer Weg – länger als bis zum Jahr 2030.

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keine

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Dossier: Klimapolitik

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12 Meinungen

SuS u. Studierende fordern den Klimanotstand. Gebt ihnen diesen, Heizungen in Schulhäusern auf 12°C setzen, 3 bis 5G abschalten, Internetzugang per Handy verschlingt Unmengen an Energie. Die demonstrierende Jugend vergisst, dass ihr Aufwachsen in grossem Wohlstand auf den Leistungen der zu Sündern geschmähten, älteren Generation beruht. Weiter geht vergessen, dass es keinen Beweis gibt, dass die aktuelle Erwärmung menschgemacht ist. Es war auch schon wärmer auf der Erde, bevor der homo sapiens irgend etwas verbrannte. 5% des CO-2-Anfalles sind anthropogen, der Rest ist Natur. Die geschürte Klimapanik (in den 1970ern wurde Eiszeit prophezeit) ist ein neoliberales Konstrukt, zwecks Generierung von Wachstum. Die ach so umweltfreundlichen Brennwertheizkessel leben noch 5 Jahre, Wärmepumpenboiler je nach Wasserhärte 7 - 12 Jahre. Alte Heizkessel und Boiler hielten 50 - 70 Jahre! Dreifachverglasungen kondensieren nach 8 bis 12 Jahren, Zweifachverglasungen hielten 20 bis 40 Jahre. So heizt man den Konsum an, verschleudert Unmengen an grauer Energie u. Rohstoffen. Elektromobilität? Woher kommt der Strom? Woher der Platz für die Ladestationen? Wie können wir das Verteilnetz so verstärken, dass es den immensen Strombedarf transportieren kann? Woher kommen die seltenen Erden, von denen es viel zu wenig gibt, um den gesamten Fuhrpark mit Akkus zu versorgen? Das heutige Infrastrukturniveau brauchte 150 Jahre Aufbau (Verkehrswege/Stromnetze), es in 20 Jahren umzukrempeln, ist illusorisch.
Urs Lauper, am 02. Februar 2019 um 12:18 Uhr
Kluger Text von Hanspeter Guggenbühl. Und ja, die intellektuelle Fantasie ist herausgefordert: System Change – wenn es gelänge, den Widerstand gegen die Zerstörung der Umwelt mit dem Widerstand gegen die schleichende Verarmung der Massen zu verbinden. Der wahre Gegner beider Aufstände ist identisch; welche Botschaft brauchen wir, damit das schlagartig allen klar wird und sich als Bild in Herz und Hirn brennt?
Billo Heinzpeter Studer, am 02. Februar 2019 um 14:07 Uhr
Eine kleine Ergänzung zum Artikel von Guggenbühl. Er schreibt: «Technischer Umweltschutz (Katalysatoren) und Tempo 120/80 entschärften diesen Konflikt», da wäre anzumerken, dass die Rechtsaussen unter Leitung der SVP sich vehement und mit «FakeNews» gegen die Katalysatoren wehrten… Sie hätten lieber weiter Blei mit dem Salat gefressen.
Im Übersax-Blick stand man könne den Katalysator nirgendwo leeren (!). Gottlob hat damals BR Egli (CVP) dem Spuk ein Ende bereitet mit der Einführung des Katalysators.
Rolf Raess, am 02. Februar 2019 um 17:30 Uhr
Ja, Herr Lauper, Sie haben in vielem recht. Und trotzdem, in Vielem müssen wir uns verbrauchmässig zurücknehmen. Jetzt ist Ausverkauf. Nur Prozente, Prozente, Prozente.. auf Kleider z.B. auch diese Produktion verbraucht Energie, belastet die Umwelt usw.
Bei Haushaltgeräten - sagt man - werde kurze Lebenszeit programmiert usw,
Elisabeth Schmidlin, am 02. Februar 2019 um 21:52 Uhr
Es wird zunehmend klar, dass es so nicht weiter gehen kann. «System Change, not Climate Change» trifft es: Unser Wachstums- und Wettbewerbsorientiertes Wirtschaftsmodel zerstört Umwelt und den sozialen Zusammenhalt.

Es mag sein, dass ein Systemwechsel ein langer Weg ist, aber dies ist kein Grund die unausweichlichen Reformen nicht sofort an die Hand zunehmen. Ein erster Ansatz kann durchaus der Versuch sein, den Kapitalismus neu zu erfinden. Erweist er sich als unreformierbar, wird er sowieso auf die eine oder andere Weise abgelöst werden.
Matthias Vogelsanger, am 03. Februar 2019 um 12:26 Uhr
Ja, Urs Lauper, Internet-Streaming braucht auch viel Energie und die Anreize der Branche fördern dies noch (Flatrates, Streamingdienste...). Doch ihre Ängste bezüglich der Nachhaltigkeit von Materialeinsatz für Energieeffizienz (Thermische Isolation, Rohstoffe für neue Mobilitätsformen) und vorallem das anzweifeln des Menschgemachten Klimawandels scheinen mit etwas Dinosaurierhaft.
Aber der Materialeinsatz den Sie anzweifeln ist doch immerhin die leicht weniger schlechte Lösung weder Häuser mit Heizsystemen aus der Vorkriegszeit und Tonnagen von Heizöl über dem Gefrierbunkt zu halten oder unmengen Brennstoffe unwiederbringlich zu verbrennen um für Freizeit und Beruf die Strassen zu verstopfen. Zudem können viele der Baustoffe nach ihrem Gebrauch Zweckgebunden wiederverwendet / Rezykliert werden - wenn auch unter gewissem Energieaufwand. Anders die fossilen Kohlenstoffe welche nach einmaliger Umwandlung für Jahrhunderte in der Atmosphäre ihr unwesen treiben, cumulativ!

Doch das «weniger ist mehr» beim Konsumwahn muss eben auch wieder an Bedeutung gewinnen. Wir *alle* müssen klar unsere Besitzgier (Wohnfläche, Individuelle Mobilität) senken, das kann so tatsächlich nicht weiter wachsen!

Hier noch Links (im Gebäudeberwich hab ich grad nichts zur Hand);
Mythos Sondermüll: Batterie-Recycling funktioniert!
https://www.electrive.net/2019/01/16/mythos-sondermuell-batterie-recycling-funktioniert/
Christian Vögtli, am 03. Februar 2019 um 13:03 Uhr
@Elisabeth Schmidlin: In der DDR war geplante Obszoleszenz verboten. Es gab gesetzliche Vorgaben, wie lange ein Gerät leben muss. Heute wird Obszoleszenz eingebaut, auch die Frage, warum Windows-Rechner immer langsamer werden, mit jedem Update, geht in diese Richtung. Heute einen Fernseher zu bauen, der 30 Jahre hält, macht keinen Sinn, wegen der ändernden techn. Standards. Aber dass viele TV's nach 2.5 Jahren den Geist aufgeben, kann es nicht sein.
@Rolf Raess: Blei im Benzin war kein Problem, bis man die Phosphate in den Waschmitteln verbot. Der Ersatzstoff TAED macht das Blei wasserlöslich, damit wurde das Blei zum Problem, weil durch unseren Körper aufnehmbar. Die Benzol-Beimischung ins Benzin führte zu Problemen bei Membranvergasern und auch bei 4-Taktern. Benzol ist cancerogen. Mit dem Katalysator hat man gewissermassen den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben, indem Benzol anstelle von Blei im Benzin verwendet wurde, auch ist der Verbrauch angestiegen. Der Lufthygiene war der Kat zuträglich. Die traurigste Rolle spielte das Strassenverkehrsamt des Kt. Bern: Anfangs schauten die jeden Neuwagen an, ob er Kat habe. Dann verlangten sie ein Herstellerzertifikat, um Arbeit zu sparen. Weh dem, der einen Wagen ohne Zertifikat aber mit Kat hatte: Der zahlte jahrelang Strafsteuern, obwohl im Fzg-Ausweis die Auflage «US-KAT83» eingetragen war, also ohne Kat der Wagen gar nicht in Verkehr gesetzt werden durfte. Umweltvorschriften instrumentalisiert aus reinem Fiskalinteresse.
Urs Lauper, am 03. Februar 2019 um 13:40 Uhr
Ich bin nicht der Meinung, dass man die Jungen, die derzeit zu Zigtausenden ihren in jeder Hinsicht berechtigten Unmut kundtun einfach als «jugendliche Elite» benennen kann. Und auch die Gelbwesten (die in Stuttgart sind eine Marginalie) sind nicht einfach «Dieselfahrer». Wenn die Aussage im Titel steht, dann nützt es auch nicht viel, wenn sie sie im ersten Satz wieder etwas realtiviert wird.
Wir Zentraleuropäer (!) sind aktuell mit zwei aktivistischen Bewegungen konfrontiert, die beide gute Gründe für ihre Proteste haben. Diese in einen Gegensatz zu stellen halte ich für konstruiert. Beide weisen im Grunde auf das selbe Problem hin, nämlich, dass das kapitalistische Wirtschaften in der Pleite, der Unglaubwürigkeit angelangt ist (wie vor über 100 Jahren vorausgesagt). Den einen wird, wie diese zum Ausdruck bringen, die Zukunft geklaut, weil die Grenzen des schadlosen Wachstums (wie vor über 50 Jahren vorausgesagt) erreicht sind, den anderen wird ebenfalls die Zukunft geklaut, weil die neoliberale Strategie der Ausplünderung von jeder Arbeitskraft (und jeder Rohstoffquelle), zugunsten unendlichen Wachstums der Profite einer Oligarchenschicht, die faktisch die Welt regiert, ihren Duldungsmoment erreicht hat. Konstruktiv wäre beiden Vorschläge zur Konvergenz ihrer Anliegen vorzuschlagen.
Hanspeter Gysin, am 03. Februar 2019 um 18:27 Uhr
Was bei der ganzen Diskussion fehlt ist die Globalisierung welche dazu führt, das Güter und Teile davon zur Bearbeitung über ganze Kontinente und Länder verschoben werden. Oft nur um bei Löhnen einzusparen. Dann der dem Kapitalismus geschuldete Wachstumszwang.

Der Buchautor Hans E. Pestalozzi schrieb es treffend im Buch «Auf die Bäume, ihr Affen"

"»Wir sind für Wachstum«, war der Titel einer Inseraten-Kampagne der Schweizer Banken. »Das Wachstum der Wirtschaft muss angekurbelt werden«, so das Rezept der Manager. Verdrängt man denn die Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte?

Warum ist man nicht fähig, einige ganz einfache Rechnungen zu machen? 2% Wachstum bedeutet Verdoppelung in 35 Jahren. Eine Verdoppelung muss man sich ganz konkret vor Augen führen. Dies heisst: In 35 Jahren von allem, was wir heute in der westlichen Industriewelt an materiellen Gütern und Dienstleistungen haben, doppelt so viel! Doppelt soviel Strassen, Doppelt soviel Autos, Doppelt soviel Häuser, Doppelt soviel Ferienreisen, Doppelt soviel Medikamente, Doppelt soviel Bier, Doppelt soviel Koteletten usw. Jeder nur einigermassen vernünftige Mensch sieht sofort ein, dass ein solches Rezept heller Wahnsinn ist. Aber die Herren wollen ja nicht 2 % Wachstum, sondern 6 %, um ihre Probleme lösen zu können"
Edgar Huber, am 03. Februar 2019 um 22:50 Uhr
@Urs Lauper: Besten Dank für Ihre spannende Darstellung von ökonomischen Zusammenhängen, die den streikenden Schülern entgehen.
Ihren Beispielen gewollter technischer Obszoleszenz wäre noch das der Glühbirne anzufügen. Mit dem fadenscheinigen Argument der Stromersparnis wurden Stromsparlampen propagiert, da diese aber anfänglich rund 20mal teurer als konventionelle Glühbirnen waren, erliess die EU ein totales Verkaufsverbot für Glühbirnen. Diese bot nach 100 Jahren Entwicklung keine verkaufs- und umsatzfördernde Innovationen mehr. Fadenscheinig darum, weil neben den grossen Stromverbrauchern im Haushalt wie Boiler, Waschmaschine, Geschirrspüler, Backofen, Fernseher sowie Geräte, die konstant am Netz hängen wie Modems, Tiefkühler und Kühlschrank, die Ersparnis bei der Beleuchtung nicht wirklich ins Gewicht fällt.
Die Sparlampen der ersten Generation waren sehr teuer, ihre Lichtfarbe grässlich, sie summten und leuchteten erst nach Minuten in voller Stärke. Die Angaben zur Lebensdauer waren krass irreführend: Schon nach vier Jahren gaben sie den Geist auf. In unserem Haus sind über 80% der Glühlampen seit 30 Jahren im täglichen Betrieb.
Die nächste Generation angeblicher Energiesparlampen waren Halogenlampen, die mittlerweile auch verpönt und des Teufels sind. Jetzt sind LED-Lampen en vogue, die sich allerdings als nicht reparierbar erweisen. Geht der in Leuchten eingebaute LED-Chip kaputt, kann sie gleich entsorgt werden. So läuft das Geschäft mit dem «Klimaschutz» blendend.
Arnold Fröhlich, am 05. Februar 2019 um 12:21 Uhr
Wir haben tatsächlich echte Probleme zu lösen, was auch möglich ist!
1. Abhängigkeit vom Erdöl reduzieren (liebe Junge, mehr als eine Reduktion ist nicht sinnvoll...)
2. Artensterben, insbesondere Insekten und Singvögel, verhindern. Dies hat direkt mit dem Mensch zu tun: Monokulturen, Gift, tierfeindliche Bauweisen
3. Umgang mit Schlachttieren (doch, das ist ein verstecktes RIESENproblem, auch in der Schweiz. Unhaltbar!)
4. Plastikmüll in den Meeren
5. usw.

Generell geht es darum, verantwortungsvolle Nachhaltigkeit anzustreben.
Die CO2 und insbesondere die Dieselstory ist aus meiner Sicht kein echtes Problem und verhindert so den Fokus auf die wirklich dringenden, echten Probleme. (Zu) Kurz zum CO2: 96% der 0.04% CO2 sind natürlich. Anthropogen ist also 1 Molkül auf 10‘000 Luftmolkülen. Früher war das CO2 bis zu 16x höher als heute, ohne Überhitzungsgefahr. Zum Diesel: Strassengrenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. In Arbeitsräumen bei 960. Ein Gasherd liegt bei 6000, eine simple Kerze bei 120. Ein Witz, das Ganze....
Also: Packen wir die echten Probleme an. Fleischkonsum drastisch reduzieren, nicht jedes Jahr ein neues Handy, keine Urlaube mit dem Flugzeug. Saisonal, regional und biologisch einkaufen. Sonnenkollektoren, Solarzellen und Elektroautos, Ölheizungen ersetzen durch nachhaltige Heizungen. Das alles ist JETZT machbar. Alle können hier real etwas beitragen. Die CO2-Geschichte lenkt von den echten Problemen ab.
Jan-Martin Mächler, am 05. Februar 2019 um 18:16 Uhr
Herr Mächler, Ihre Rezepte sind richtig, aber Ihre Analyse falsch. Ausserdem verwechseln Sie CO2 und NO2 bei den Grenzwerten.

Die Klimaerwärmung ist ein riesiges Problem. Bei dem Einfluss von CO2 und auch Wasserdampf auf die Atmosphäre handelt es sich um eine Art Waage mit grossen Mengen natürlichen Ursprungs, wie Sie sagen. Aber das zusätzliche anthropogene CO2 stört dieses Gleichgewicht und macht das Klima ein bisschen wärmer. Das stört weniger die Natur, als die vielen Menschen, die schon heute sehr prekär leben, z.B. durch Missernten.
Theo Schmidt, am 11. Februar 2019 um 12:27 Uhr

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