Kinder schaden Frauen und der Umwelt, sagt Verena Brunschweiger. © iug

Kinder schaden Frauen und der Umwelt, sagt Verena Brunschweiger.

Ein Manifest gegen die Mutterschaft

Barbara Marti / 15. Apr 2019 - Der Staat soll nicht Mütter fördern, sondern kinderfreie Frauen, schreibt eine Gymnasiallehrerin. Die Reaktionen sind kontrovers.

Kinder sind für die Umwelt eine grosse Last und benachteiligen Frauen auf vielfältige Weise, schreibt Verena Brunschweiger in ihrem Buch «Kinderfrei statt kinderlos – ein Manifest». Mit dem Begriff «kinderfrei» bezeichnet sie Frauen, die einen reflektierten Entscheid gegen ein eigenes Kind getroffen haben. «Kinderlos» hingegen sind Frauen, die nicht schwanger werden können, obwohl sie das möchten.

Egoistische Eltern

Einige Thesen der deutschen Autorin:

  • Die meisten Eltern haben eigene Kinder aus egoistischen Gründen. Falls dies nicht der Fall wäre, könnten sie ein Kind adoptieren oder sich um ein Pflegekind kümmern.
  • Frauen lassen sich einreden, dass Kinder zu ihrem Lebensglück gehören. Sie ordnen sich damit den Ansprüchen einer patriarchalen Bevölkerungspolitik unter. Brunschweiger schreibt von «Gehirnwäsche».
  • Die Kosten für Kinder wollen Eltern nicht selber tragen. Sie erwarten, dass Kinderfreie sie finanziell unterstützen.
  • Kinder sind eine grosse Belastung für die Umwelt. Man sollte deshalb darauf verzichten, Kinder auf die Welt zu stellen. Wer es trotzdem tut, sollte vom Staat nicht noch dafür belohnt werden. Im Gegenteil: Der Staat soll kinderfreie Frauen fördern, meint die Gymnasiallehrerin und wirbt für einen Vorschlag der Nachhaltigkeitsorganisation «Club of Rome»: Im Alter von 50 Jahren sollen Frauen ohne Kinder 50’000 Euro (57'000 Franken) für verantwortungsbewusstes Handeln erhalten.

Im Netz heftig angegriffen

In Zeitungsinterviews kritisierte Brunschweiger, dass sich nur kinderfreie Frauen für ihre Lebensweise rechtfertigen müssen, aber nicht Mütter. «Die ganze Kultur ist darauf ausgerichtet, Kinder zu wollen», sagte sie im «Kurier». Sie möge zwar Kinder, wolle aber deshalb keines auf die Welt stellen. Für diesen Entscheid wolle sie nicht «gedisst» werden. Brunschweiger hat mit ihren Äusserungen eine Kontroverse ausgelöst. In den sozialen Medien warfen ihr Kritiker Egoismus vor. Ihre Thesen seien menschenfeindlich. Andere pflichteten ihr bei. Mutterschaft müsse nicht das Lebensziel von Frauen sein.

«Regretting Motherhood»

Vor ein paar Jahren gab es schon einmal eine hitzige Debatte über Mutterschaft. Anlass war eine Befragung, welche die Soziologin Orna Donath unter dem Titel «Regretting Motherhood» (Die Mutterschaft bereuen) veröffentlichte. Alle Befragten hatten Kinder. Und alle sagten, diese zu lieben, nicht aber ihre Mutterrolle. Im Nachhinein bereuten sie, Mutter geworden zu sein.

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Infosperber-DOSSIER:
«Pro und Contra Bevölkerungskontrolle»

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitschrift FrauenSicht.

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8 Meinungen

Frau Brunschweiger hat recht, wenn sie sagt:"Sie möge zwar Kinder, wolle aber deshalb keines auf die Welt stellen. Für diesen Entscheid wolle sie nicht «gedisst» werden.»
Schön wäre es aber, wenn sie das als kategorischen Imperativ behandeln würde und Frauen/Eltern die Kinder wollen nicht per se «dissen» würde als gehirngewaschen und egoistisch.

Dass man Frauen die keine Kinder wollen mit 50'000 Euro unterstützen soll und Frauen die Kinder haben dafür nicht, ist wohl etwas vom Frauenfeindlichste das ich je gelesen habe. Praktisch überall auf der Welt zeigen Armutsberichte, dass allein erziehende Frauen im ärmsten Teil der Bevölkerung überproportional vertreten sind während Singles und kinderlose Paare in der Tendenz deutlich besser da stehen.

Zu welchem Zweck dienen eigentlich solche Bücher? Divide et impera? Trennung auf allen Stufen der Bevölkerung? Der perfekt optimierte Konsument und Arbeiter ohne weitere Verpflichtungen und Beziehungen? Das Buch erhält eine Aufmerksamkeit wie nur wenige andere. Der Vorschlag mit den 50'000 Euro kommt vom einflussreichen Club of Rome. Das gibt mir wirklich zu denken. Wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft?

Hier eine, wie ich finde, sehr lesenswerte Kritik zum Buch:
https://www.rubikon.news/artikel/sundenbock-kind
Stöckli Marc, am 15. April 2019 um 11:50 Uhr
Dieses endlose Gejammer kinderfreier Frauen, die ihr Dasein auf die Verteidigung ihres Entscheides fokussieren, mag ich mir nicht mehr anhören. Wo bitte schön sind die Vorwürfe an kinderlose Frauen? Ich habe noch keinen ernstzunehmenden Vorwurf gelesen. Kann es vielleicht sein, dass damit eigens produzierte Schuldgefühle übertüncht werden sollen? Als dreifacher Vater kann ich folgendes sagen:
1. Ich finds super, gibt es kinderfreie Menschen (alleine schon wegen des Hütens unserer Kinder).
2. Wer Kinder eine ökologische Schweinerei findet, müsste den Gedanken konsequent zu Ende führen. Der Mensch an sich ist eine ökologische Sauerei - kleine Menschen etwas weniger als grosse...
3. Macht Kinder oder lasst es bleiben. Spielt mir echt keine Rolle. Ich persönlich halte mich aber lieber dort auf, wo es sie gibt, die Kinder. Ist einfach etwas bunter und fröhlicher. Ist das nun ein Vorwurf?
Stefan Moser, am 15. April 2019 um 13:36 Uhr
«Kinder sind eine grosse Belastung für die Umwelt.» Menschen sind eigentlich so gesehen alle eine Belastung für die Umwelt. Der Planet hat mit uns Menschen nur vorübergehend Mühe, er wird uns schliesslich überleben.
Die Chinesen hatten jahrzentelang staatliche Ein-Kind-Politik verordnet. Jetzt ist sie abgeschafft, weil sie ein paar grössere Probleme verursacht hat.
Ruth Obrist, am 15. April 2019 um 13:45 Uhr
Bravo Barbara Marti! Wie das gehen könnte schreibt die Philosophin Svenja Flasspöhler in ihrer brillanten Streitschrift «Die potente Frau» (Ullstein, 2018).
Bald 8 Milliarden Mütter, davon 80 Millionen ungewollte Kinder/ Jahr (Quelle WHO). Ihr müsst euch selber helfen, liebe Frauen, auf uns Männer ist kein verlass. Kinderwunsch von Frauen in Ehren, der ist nach dem ersten Kind meist vorbei. Das reicht auch.
Walter Schenk, am 15. April 2019 um 14:08 Uhr
Es mag nicht der «political correctness» entsprechen, das zu sagen, ist aber eine Realität: Derzeit die grösste Fertilitätsrate haben einige afrikanische Länder, wo Frauen 5, 6, 7 Kinder haben und wo die Grundlagen für Ernährung, Bildung und Beschäftigung für alle nicht gegeben ist. Wohin gehen sie dann?
Ruth Obrist, am 16. April 2019 um 10:53 Uhr
Jedem sein eigener Lebensentwurf. Einfach nicht die anderen dafür bezahlen lassen. Von daher sollten Begünstigungen für Familienmodelle mit Kindern gestrichen werden.
Urs Mueller, am 16. April 2019 um 18:32 Uhr
@Mueller:
Wir finanzieren Rüstungsfirmen, Banken, fossile Energien, die Atomkraft, ausbeuterische Kredite an ehemalige Kolonien und verschulden uns in selbstzerstörerischer Art und Weise in fremden Devisen um die Exportwirtschaft irgendwie am leben zu halten. Diese Aufzählung ist bei weitem nicht abschliessend.

Aber das Unterstützen von Kleinfamilien, dass geht dann natürlich zu weit.

@Obrist:
Ich vermute die Menschen gehen dahin, wo der Rohstoff und Reichtum jetzt ist, der ihnen geraubt wurde. Schaut man aus dem Fenster, bekommt man eine Ahnung wer einer dieser Räuber sein könnte.
Stöckli Marc, am 17. April 2019 um 08:36 Uhr
@ M Stöckli:
«Ich vermute die Menschen gehen dahin, wo der Rohstoff und Reichtum jetzt ist, der ihnen geraubt wurde.» Das ist schon so. Aber die heute problematisch gewordene hohe Geburtenzahl in vielen schwarzafrikanischen Ländern kann nicht allein mit der ausbeuterischen Kolonialisierung durch Belgien, Frankreich, England entschuldigt werden, sondern man sollte die aktuellen, oft ebenso ausbeuterischen Handelsbeziehungen mit den ehemaligen Kolonien und deren Despoten korrigieren, damit die jungen Männer nicht in Scharen nach Europa ziehen, sondern Beschäftigung in ihren Herkunftsländern finden.
Ruth Obrist, am 19. April 2019 um 12:03 Uhr

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