Die französische Radio-Journalistin Nadia Daam wurde massivst bedroht © Europe 1

Die französische Radio-Journalistin Nadia Daam wurde massivst bedroht

Über Frauenrechte informieren kann tödlich sein

Barbara Marti / 02. Mai 2018 - Autoritäre Regierungen, Fundamentalisten und kriminelle Organisationen bedrohen Journalistinnen, die über Frauenrechte informieren.

Dies geht aus einem Bericht der Organisation «Reporter ohne Grenzen» hervor. Er dokumentiert für die letzten zwei Jahre über 60 Attacken auf Journalistinnen und Journalisten, die über Frauenrechte recherchiert und berichtet haben. Sie reichen von Drohungen bis hin zum Mord.

Feministische Journalistinnen ermordet

Die meisten Täter werden nie zur Verantwortung gezogen. Einige Fälle aus den letzten zwei Jahren:

  • Gauri Lankesh, Chefredaktorin einer feministischen Zeitschrift in Indien, wurde vor ihrem Haus von zwei Männern auf einem Motorrad erschossen. Sie hatte der hindu-nationalistischen Regierungspartei BJP vorgeworfen, sexistische Politik zu machen.
  • Die mexikanische Journalistin Miroslava Breach, die über die Frauenmorde in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juarez berichtet hatte, wurde in ihrem Auto erschossen.
  • In Afghanistan fielen sieben Reporterinnen und Reporter des kommerziellen Nachrichtensenders «Tolo News» einem Attentat zum Opfer. Frauenrechte sind ein wichtiges Thema dieses Senders. Die Attentäter warnten nach dem Attentat andere Medien, «Obszönität, fremde Kultur, Irreligiosität und Nacktheit» zu fördern.

Massivste Drohungen

Die französische Journalistin Nadia Daam hatte letzten Herbst auf Europe 1 öffentlich gemacht, dass die Initiantinnen eines Hilfetelefons gegen Belästigungen im öffentlichen Raum diesen Dienst wegen massivster Drohungen bereits nach ein paar Tagen wieder einstellen mussten. Daam erhielt darauf Vergewaltigungs- und Morddrohungen, auch gegen Familienmitglieder. Ihr Mail und ihre Konten auf sozialen Medien wurden gehackt und ihre Wohnadresse öffentlich gemacht. Nachts hämmerte jemand an ihre Wohnungstüre. Schliesslich riet ihr die Polizei, ein paar Tage wegzuziehen. Berufskolleginnen und -kollegen solidarisierten sich in einem offenen Brief mit Daam.

Journalistinnen zum Schweigen bringen

Der Fall von Daam ist laut «Reporter ohne Grenzen» exemplarisch: Wer über Frauenrechte informiert, müsse vor allem damit rechnen, über das Internet beleidigt bis massiv bedroht zu werden. Solche Attacken müsse man sehr ernst nehmen. Es gehe darum, Journalistinnen zum Schweigen zu bringen.

Eine Auswertung der gemeldeten Fälle zeigt auch, dass fast jede Dritte, die über Frauenrechte informiert, mit realer physischer Gewalt rechnen muss. Die Attacken gegen Journalistinnen und Journalisten sind grenzenlos. «Sie betreffen arme Länder wie auch die demokratischsten», heisst es im Bericht. Danach ist die Dunkelziffer hoch. «Reporter ohne Grenzen» fordert unter anderem, die Täter entschlossener zur Verantwortung zu ziehen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitschrift «FrauenSicht».

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Eine Meinung

Bereits seit dem Balkankrieg wage ich zu behaupten, dass es die Mütter sind, die ihre Söhne schlecht erziehen und diese gegen andersdenkende JournalistInnen aufhetzen. Es sollte eigentlich heissen: Ehret die Mütter, die ihre Söhne zum Frieden und zum Respekt der Frauen erziehen! Dies würde diesen Müttern und Grossmüttern aber nur gelingen, wenn sie auch ihre Väter ernsthaft zur Erziehung ihrer Kinder beiziehen und den pubertierenden Buben und Jünglingen die Ängste vor dem weiblichen Geschlecht abbauen. Der Erhalt einer extremistischen Religion, inklusive die christliche, baut eben auf dem Verhalten ihrer Mütter, die ihren Glauben zum Zwecke ihres eigenen Überlebens zu radikalisieren suchen und so ihre Söhne zum Krieg gegen andersdenkende ermuntern. «-Ismen» sind demnach weder für Frauen noch für Männer und folglich generell zu bekämpfen. Erst dann werden auch Meuchelmorde an Journalistinnen sich verhindern lassen, wahrscheinlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber dennoch anzustreben.
Beat von Tscharner, am 03. Mai 2018 um 09:58 Uhr

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