Arg verstörte Falken an der Falkenstrasse

Niklaus Ramseyer © Ramseyer
Niklaus Ramseyer / 01. Jun 2018 - Die neuste «NZZ am Sonntag» feiert den Krieg als «Spiel» und als «Verkörperung der brüderlichen Liebe». Wie bitte?

«Männer lieben am Krieg die Klarheit.» Unter diesem Titel will die neuste NZZ am Sonntag ihrer geneigten Leserschaft aufzeigen, «warum Männer gerne in den Krieg ziehen». Der Text beginnt so: «Der Krieg ist ein brutales, tödliches Spiel, aber ein Spiel; das beste, das es gibt.»

Der Krieg «das beste Spiel, das es gibt»? Da fragt der Autor, ein Patrick Imhasly, schon mal nicht, für wen denn dieses Spiel «das beste» sei: Aktuell für die Bauern im Jemen, denen die saudische Luftwaffe mit US-Kampfjets Familie, Kühe, Kinder und den ganzen Bauernhof zusammenbombt, um das Land auszuhungern? Für die unbewaffneten Palästinenser, welche im Freiluftgefängnis Gaza von israelischen Besatzungssoldaten durch den Gitterzaun hindurch mit Hochleistungsgewehren zu Dutzenden «spielend leicht» erschossen oder verstümmelt werden? Oder gar für jene Millionen von Männern, Frauen und Kindern in Vietnam, denen die US-Army ihr Land mit grässlichsten Bomben, von Napalm bis hin zum Chemiekampfstoff Dioxin, nachhaltig zerstört und vergiftet hat?

Die alle meint Imhasly offenbar nicht. Er meint wohl den «Kriegs-Spieler» und «Vietnamveteran» William Broyles, dessen Essay er zum Thema zitiert und wärmstens zur Lektüre empfiehlt. Oder meint er auch ein wenig sich selber am Schreibtisch (weit vom Schuss) an der Falken(!)strasse in Zürich. So oder so: Dieser Broyles und sein Bewunderer Imhasly können beide ganz offenbar nicht einmal zwischen einem Spiel (Fussball, Klavier, Jassen etc.) und blutigem, gewalttätigem Ernst (Krieg, Zerstörung, Verstümmelung, Vergewaltigung etc.) unterscheiden.

Ob der Krieg für den Photojournalisten Nick Ut, der das Bild, das für den Vietnamkrieg steht, «schoss», auch nur ein Spiel war? Aus Dokumentation «How the Photo ‹Napalm Girl› changed the Vietnam War» (NBC-News, 28.3.2018).

«US-Vaterland» worldwide?

Imhaslys Anlass für seinen grässlichen Kommentar: Der «Memorial Day» in den USA, an dem die Amerikaner all jener Menschen gedenken, «die für ihr Vaterland im Krieg gefallen sind». Genauer wäre: Die Amerikaner gedenken jener US-Soldaten, die in US-Kriegen irgendwo gefallen sind. Im Vaterland USA selber ist seit über hundert Jahren nämlich kein US-Soldat mehr «gefallen». Und auch zuvor (mit Ausnahme der Unabhängigkeitskämpfe gegen Engländer und Franzosen) gab es im US-Inland «Gefallene» nur im Bürgerkrieg (1861 bis 1865), in den üblen völkermörderischen Vernichtungskriegen gegen die nordamerikanische Urbevölkerung oder in rassistischen Pogromen gegen die aus Afrika eingeschleppten schwarzen Sklaven. Weil und wenn sich diese Unterdrückten halt auch mal wehrten.

Hunderttausende gefallene US-Soldaten hingegen überall in der Welt (Jaja, Herr Imhasly, auch im Zweiten Weltkrieg als «Befreier Europas» von den Nazis, wie Sie jetzt sofort einwenden werden. Nur sollten Sie dann den oft verschwiegenen entscheidenden Anteil der Roten Armee am Sieg gegen das Dritte Reich vom wichtigen Wendepunkt bei Stalingrad an nicht vergessen). So oder so wird da faktisch die ganze Welt zum «Vaterland» jeglicher US-Truppen deklariert und usurpiert – von Vietnam über Afghanistan bis in den Irak und nach Syrien: US-Vaterland worldwide, sozusagen. Dabei muss gleich wieder mal daran erinnert werden, dass auch in den meisten Ländern Europas (ausser in Frankreich und der Schweiz etwa) weiterhin US-Besatzungstruppen stationiert und toleriert bleiben. Wohingegen sämtliche russischen Verbände nach der Wiedervereinigung, sehr zu Recht, auch aus Deutschland abgezogen sind.

Von Schweden und Frauen keine Ahnung

Weil Imhasly also den grundlegenden Unterschied zwischen bewaffneter Verteidigung im Notfall und Angriffs- beziehungsweise Besatzungskrieg (als primitives Mittel der weltweiten Herrschaftsausübung einer kleinen Elite unter Missbrauch armer Teufel im eigenen Land) nicht kennt oder jedenfalls nicht erwähnt, kann er am Schluss seines Elaborats dann auch noch die schwedische Regierung zitieren. Diese wolle mit einer Broschüre «ihre Bürger auf Kriege und Krisen vorbereiten». Was hat den nun das neutrale Schweden mit den Erfahrungen eines wie auch immer kleinen Mitverantwortlichen für die Gräueltaten der US-Army in Vietnam (Broyles) zu tun?

Weil er diesen grundlegenden Unterschied jedoch nicht macht, fragt er sich dann auch: «Reagieren Frauen grundsätzlich anders, wenn die Welt aus den Fugen gerät?» Und er antwortet: «Ich weiss es nicht.» Doch Herr Imhasly, das weiss man längst: Frauen reagieren im Krieg so mutig oder tapfer oder verängstigt bis feige wie auch Männer. Aber wenn es einen üblen Angreifer zu vertreiben und die Existenz zu verteidigen gilt, wachsen Frauen wie Männer oft gleichermassen über sich hinaus. Die erfolgreichen Kommandantinnen kurdischer Truppen haben es in Nordsyrien jüngst genau so gezeigt wie andere Widerstandskämpferinnen früher schon oft. Für sie war und ist das aber ganz sicher nie «ein Spiel», sondern eine existenzielle Notwendigkeit in höchster Not. Nuance!

Irrtümer und Unfug noch und noch

Dazwischen behaupten Broyles und Imhasly ebenso keck, wie völlig falsch, dass «das Führen von Kriegen den Männern gleichsam im Blut liegt». Als ob da jeder ein «Kriegführ-Gen» in sich trüge. Krieg nämlich sei «eine klassische Männererfahrung». Und sie fragen sich, warum wohl «Männer gerne in den Krieg ziehen». Diese Frage ist etwa gleich dumm, wie zu fragen, wieso Frauen aus Osteuropa «gerne» als Zwangsprostituierte nach Westeuropa «ziehen». Gerade der US-Krieg gegen Vietnam zeigte, dass jeder, der genug Geld oder Beziehungen hatte, alles tat, um diese «klassische Männererfahrung» zu vermeiden.

Imhaslys Versuche einer Antwort auf seine falsche Frage sind entsprechend falsch: Etwa, weil im Krieg «Klarheit» herrsche, meint er. Das Gegenteil trifft zu: Es herrscht – jedenfalls im Gefecht – sofort Chaos. «Im Krieg weiss man, wer Freund und Feind ist», behauptet er weiter. Das stimmt schon an der Front oft sehr schnell gar nicht mehr. Und gar manchem US-Marine dämmerte es in Vietnam bald einmal grundsätzlich, dass die Reisbauern am Mekong kaum seine Feinde sein können – dass sein «Feind» wohl ganz im Gegenteil eher die verlogene Regierung daheim in Washington sei, die ihn Tausende Meilen entfernt von seinem Vaterland in den «Horror» («Apocalypse Now») geschickt hatte. Filme wie „Go Tell the Spartans“ oder «The Deer Hunter» beleuchten dies ebenso, wie eben «Apocalypse Now».

Dass sich sein Broyles nur reichlich stammtischpsychologisch und feige in die eigene Tasche lügen könnte: „Sorry folks, wir haben Vietnam zerschlagen und vergiftet und sind dann mit Schimpf und Schande davon gejagt worden, aber es liegt uns halt im Blut, wir können nicht anders.» Dieser naheliegende Schluss kommt Imhasly nicht in den Sinn.

Untaugliche Schreibtischtäter

Gänzlich unsäglich wird sein Text erst recht, wenn er behauptet: «Der Krieg ist die Verkörperung der brüderlichen Liebe.» Er stelle «die einzige utopische Erfahrung dar, welche die meisten von uns jemals im Leben machen können». Und «dass der Krieg für viele Männer die einzige Möglichkeit darstelle, mit den mystischen Seiten ihrer Seele in Kontakt zu treten». Fast «wie die Frauen bei der Geburt eines Kindes».

Brandschatzen, erschiessen, vergewaltigen, verstümmeln, versengen, um «mit den mystischen Seiten der Seele in Kontakt zu treten»? Wie krank ist das denn? Oder ist es nur Ausdruck erotischer Impotenz? Das könnte ja auch zu so ungeheuerlicher Verklärung und Romantisierung gewalttätig-kriegerischen Männerverhaltens führen. Imhasly schreibt, der «verstörende» Essay des ehemaligen US-Zugführers Broyles habe ihn «zutiefst verunsichert». Man merkt es deutlich. Vergleicht er doch sogar einen leichten Verkehrsunfall in Zürich mit dem grässlichen Krieg in Vietnam. Aber man hätte es ahnen können: Von Krieg und Militär hat der Verehrer des amerikanischen Vietnamveteranen Broyles an seinem Schreibtisch in Zürich noch nicht mal übungshalber eine Ahnung. Auf telefonische Nachfrage, was er denn militärisch in der Schweizer Armee sei und mache, gibt Imhasly jedenfalls zu, «gar nichts». Der Fachausdruck dafür heisst «untauglich».

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Niklaus Ramseyer ist Pz-Offizier a D der Verteidigungsarmee im neutralen Staat Schweiz.

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16 Meinungen

Wenn «Mann» diese Klarheit am eigenen Leib erfahren will, soll er sich doch einen Schuss geben lassen und sterbend zurückgelassen oder stundenlang auf dem Feld/primitiven Sanitätsfahrzeugen/Frischluftlazaretten auf Hilfe warten. Qual, Panik und das coole Nahetoderlebnis wird ihn sicher von solchen Verirrungen heilen.
Kurt Wieser, am 01. Juni 2018 um 12:32 Uhr
Danke Herr Ramseyer, dass Sie das gemerkt haben! Nein, nein, nicht untauglich. Der Wehrminister hat sicher Verwendung für Patrick Imhasly und RUAG & Co. auch. Kriegsverherrlichung beginnt nun für mich an der Falkenstrasse durch Kündigung aller Abos. Denn Krieg beginnt bekanntlich auch mit Schwachsinn.
Walter Schenk, am 01. Juni 2018 um 12:34 Uhr
Da hat wohl auch das kollegiale Feedback versagt. Im Impressum der Wissensredaktion (!) steht, Imhasly sei studierter Biologe und habe später als Termitenforscher gearbeitet. Ok, da geht es manchmal auch etwas brutal zu und her...
Ob er er mit Jahrgang 68 Ernst Jünger oder Klaus Theweleit gelesen hat und jene Diskussionen kennt? Fehlen der NZZ die Kulturhistoriker?
Danke Niklaus Ramseyer und Infosperber
Jürg Brühlmann, am 01. Juni 2018 um 13:35 Uhr
Ich finde es Wahnsinn, dass ein solch gestörter Typ in einer unserer bekanntesten Zeitungen solchen Unsinn verbreiten kann. Auch das ist natürlich ein Ergebnis der Gehirnwäsche in der Schweiz während des sogenannten kalten Krieges. Man muss sich als Schweizer wirklich schämen.
Joseph Goldinger, am 01. Juni 2018 um 13:50 Uhr
Die NZZ des Herrn Chef-Redaktors Eric Gujer leistet sich halt leider immer mal wieder einen 'Ausrutscher' bei der Qualitätssicherung ... Das macht auch nicht wirklich was, weil der Herr aus Herrliberg das strukturelle Defizit bis zu den Wahlen 2019 eh trägt, ob es etwas grösser wird oder etwas kleiner bleibt.
Konrad Staudacher, am 01. Juni 2018 um 14:53 Uhr
Guter Artikel!

Der in der NZZ publizierte Beitrag dürfte nur einer von vielen kommenden sein, da die Mainstream Presse auch die Leute in der Schweiz auf Krieg vorbereiten und einschwören soll. Schliesslich haben wir einen Kampfjet Kauf vor uns! Denn Krieg soll es sein, so hat es die 1% Weltelite beschlossen.

Zu Schweden und der Broschüre für den Kriegsfall lässt sich folgendes sagen: Schweden kann als «failed state» bezeichnet werden und das dürfte auch die schwedische Regierung langsam merken. Die Polizei ist nicht mehr willens und in der Lage, die schwedischen Bürger zu beschützen. D.h. über kurz oder lang wird es dort zum Bürgerkrieg kommen, falls sich die Schweden nicht das eigene Land einfach wegnehmen lassen wollen. Ich hoffe, es ist allen Touristen/Touristinnen bewusst, dass Frauen jederzeit und überall mit Vergewaltigung rechnen müssen, dass bei Angriffen nicht nur Messer und Schusswaffen zur Anwendung kommen, sondern seit vielen Monaten auch Handgranaten. Die Anzeige bei der Polizei können Sie sich schenken, es wird nichts unternommen bzw. man wird Ihnen empfehlen, gar keine Anzeige zu erstatten.

Für Journalisten jeglicher Couleur wäre es also angebrachter, einen Reiseführer für die Kriegsgebiete Europas zu schreiben, statt Kriegsspiele im Kopf zu spielen. Schweden ist schliesslich nicht das einzige europäische Land, in das man touristisch unbedarft und unvorbereitet auf die herrschende Gewalt besuchen könnte.
Elisabeth Heer, am 01. Juni 2018 um 15:16 Uhr
Es sind ähnliche wirre Gedankengänge wie wenn es um Jäger, Jagd und ihre Beute geht!!! Die Tiere würden sich selbst anbieten zum Abschuss und sie wprden wissen dass der Jäger nicht böswillig tötet! Unglaublich zu was Schreibtischtäter und verbissene Traditionalisten fähig sind - weltfremd und komplet von der Rolle!!!
Marion Theus, am 01. Juni 2018 um 16:39 Uhr
Meine Meinung! Solchen Redakteuren in NZZ und anderswo sollte man den Griffel entfernen und sofortiges Berufsverbot aussprechen.
Bernhard Thönnes, am 01. Juni 2018 um 19:35 Uhr
Patrick Imhasly von der «NZZ am Sonntag» – genau wie Roger Köppel von der «Weltwoche»: Dieselben Maulhelden zu Hause in der warmen Stube, beide militärdienstuntauglich, beide grosssprecherisch den Krieg als «Vater aller Dinge» feiernd !
Köppels Lamento über die G.I.s der US-Army in Vietnam (58 220 Gefallene), welche «leider nicht durchgehalten und deshalb den Krieg verloren haben» bleibt unvergessen.

Fw Knupfer René – Geb Inf UOS 212 1967 in Andermatt
René Edward Knupfer-Müller, am 01. Juni 2018 um 21:28 Uhr
Männer, die in den Krieg gezogen waren lernte ich 1968 im Bunker von Pfarrer Sieber am Helvetiaplatz kennen, Louis und einige andere. Zurück aus der Fremdenlegion, nach Einsätzen in Indochina und Algerien litten sie unter ihren furchtbaren Kriegserlebnissen. Sie wurden krank nach diesen Tötungsorgien, die Imhaslys bezugnehmend auf den Autor Broyles als «tödliches Spiel, aber ein Spiel; das Beste, das es gibt», bezeichnet. Heute nennt man diese Erkrankungen von Soldaten nach dem Krieg «posttraumatische Störungen». Wie die Journalistin Bastic Jahre später nach Besuchen in Kliniken auf dem Balkan sah, waren nach den Balkankriegen dort etwa 60 Prozent der Soldaten erkrankt, kamen zu Hause nicht mehr zu Rande.

Bedenklich ist auch wie die NZZ, der Tagesanzeiger und 20 Minuten seit Jahren Killergames kritiklos präsentiert, «Call of Duty: WWII». In diesem Game krepieren Menschen, zum Spass der Gamer, Menschen wie heute in Syrien und im Jemen.

Killergames, wie «Call of Duty» werden oft, wie Kriegsfilme meistens auch, in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Armee der USA produziert. Das Ziel: Die Akzeptanz für den Kriegsdienst in den USA soll so gefördert und die Rekrutierung erleichtert werden. Das Videospiel «Doom» (Schicksal, Verhängnis), verwendete das US-Marine Corps in abgewandelter Version mit dem Namen «Marine Doom», um seinen Rekruten das Töten beizubringen.

Siehe auch das Buch: Rudolf Hänsel: «Game over!», Wie Killerspiele unsere Kinder manipulieren, Berlin 2011
Heinrich Frei, am 01. Juni 2018 um 22:28 Uhr
Leider ist Patrick Imhaslys Text arg verzerrt wiedergegeben worden, und die bisherigen Kommentare scheinen ohne Lektüre des NZZ-Artikels verfasst worden zu sein. Der anstössige Anfangssatz ist ein Zitat von Broyles, und «Der Krieg ist die Verkörperung der brüderlichen Liebe» eine Paraphrase. Dass Imhasly diesen Krieger bewundere, kann ich seinem Kommentar nicht entnehmen, höchstens Anerkennung für die Offenheit, etwa so: «Es ist ein quälend ehrlicher und verstörender Text, der bis heute nichts von seiner Dringlichkeit eingebüsst hat.» Verfehlt ist allerdings der verallgemeinernde Titel «Die Männer lieben am Krieg die Klarheit». Von «Feiern» kann aber auch da keine Rede sein.

@Daniel Goldstein: Lieber Daniel! Ich habe nichts "verzerrt", jeder Satz, den ich zitiere, steht so in der NZZaS – teils von Imhasly selber, teils indirekt zitiert oder in Anführungsstrichen. (Da herrscht leider wenig "Klarheit".) Eine "Paraphrase"? Entschuldigt gar nichts. Bedeutet ja "erklärende Umschreibung eines Begriffs oder Sachverhaltes". Imhasly "erklärt und umschreibt" uns also den Krieg als "Verkörperung der brüderlichen Liebe". Daran ist nichts "quälend ehrlich". Es ist nur falsch, verlogen und gefährlich. Niklaus Ramseyer

@Niklaus Ramseyer: Imhasly "erklärt und umschreibt" nicht den Krieg, sondern Broyles’ Ansicht darüber. Daniel Goldstein

@Daniel Goldstein und Niklaus Ramseyer: Die harte Diskussion zwischen Euch beiden – beide von Euch sind hochgeschätzte Infosperber-Autoren – verursacht für einmal, so hoffen wir wenigstens, keine Kollateralschäden, sondern hat auch eine positive Seite: Unsere Leserinnen und Leser können sehen, dass es bei Infosperber keine gleichgeschalteten Meinungen gibt, sondern dass durchaus auch einmal ganz unterschiedliche Sichtweisen Platz haben. In diesem Sinne schliessen wir diese – letztlich interne – Diskussion hiermit ab. Was nicht heisst, dass wir über solche Themen nicht auch Diskussionen führen, aber eben eher anlässlich unserer internen Zusammenkünfte. Ich sage das als Mitglied der Redaktionsleitung von Infosperber, weil ich heute Sonntag, 3.6.2018, für den Tagesdienst zuständig bin. Mit kollegialem Gruss an Euch beide, Christian Müller.
Daniel Goldstein, am 01. Juni 2018 um 23:43 Uhr
Super analysiert! Anzufügen wäre noch, wie schlecht die Masse der Kriegsveteranen im Vaterland USA nach ihrer Rückkehr ‚belohnt‘ und betreut werden!
NZZ wurde von mir abbestellt, weil sie für den Irak Krieg Propaganda machten in den höchsten Tönen und mir deshalb bewusst wurde, wer die Macher dieses Blattes sind!
Dank dem Verfasser dieses Artikels!
Rätia Padrutt Guillaumet, am 02. Juni 2018 um 06:59 Uhr
Besten Dank für diesen Artikel!
Unglaublich, dass jemand solche stupide Theorien aufstellt. Ich würde dem Patrick Imhasly am liebsten einen psychologische Test zur Bestimmung seiner geistigen Gesundheit nahe legen. Helfen wird es wahrscheinlich gar nichts.
Der NZZ-Redaktion kann man auch nur ein miserables Zeugnis ausstellen! Dass solcher Schwachsinn überhaupt gedruckt und verbreitet wird, ist eine Schande.
Oder will uns da jemand schon wieder auf einen neuen Krieg einstimmen, der ja nur ein Männer-Spiel ist?
Francis Kaderli, am 02. Juni 2018 um 11:19 Uhr
Es gibt in den aktuellen asymmetrischen Kriegen keine Klarheit sondern nur noch Unklarheit, und daraus genau resultiert der psychische Stress der US-Soldaten und ihre Übergriffe. Es gab auch im Irak und in Afghanistan zahlreiche My-Lai-Massaker. Der Charakter des Vietnamkrieges war die grossflächige Luftbombardierung, nicht aber der heldenhafte Infanteriekampf. Nur zehn Prozent aller in Vietnam stationierten GI’s waren Kampftruppen, und von diesen wiederum kam nur ein Bruchteil zum Einsatz für die Verfolgung von Guerrilla-Gruppen oder das Durchkämmen von Siedlungsgebieten. Die grosse Mehrheit der Truppen kannte den «Shooting War» nur aus der Ferne. Die Piloten warfen ihre Bomben ab und flogen zurück zu ihrem Stützpunkt. Doch das ist nicht der Stoff, aus dem die Helden sind, und daher sind solche Bilder in der Regel weder in den Kriegs-Spielfilmen noch in unseren Köpfen zu finden.
Im Counterinsurgency-Krieg ist der Feind im Untergrund und verübt Terroranschläge. Er ist nicht sichtbar und nicht fassbar, also gibt es auch selten Klarheit. Die psychische Belastung der US-Soldaten resultiert also zu einem grossen Teil aus der Tatsache, dass sie zwar bedroht, verwundet und getötet werden, den Feind aber nicht fassen können. Jeder kann der Feind sein, und damit wird die Bevölkerung generell zum Feind. Die Hausdurchsuchungen, die brutalen Razzia-Einsätze gegen die Bevölkerung, sind in dieser Art der Aufstandsbekämpfung typisch. Counterinsurgency-Krieg ist ein schmutziger Krieg.
Helmut Scheben, am 02. Juni 2018 um 11:39 Uhr
Es ist unerträglich und unverantwortlich, wie - nicht nur in der NZZ - allenthalben für Kriege sozusagen Propaganda gemacht wird. Dies alles dem amerikanischen Imperator und seinen Rüstungsfirmen zu Gefallen. Das bei dem herbeigerufenen Dritten Weltkrieg die USA kaum betroffen sein werden, aber ihren Nutzen ziehen, wäre mindest wert thematisiert zu werden.
Hermann K.J. Fritsche, am 04. Juni 2018 um 12:05 Uhr
Ich staune. Ist eigentlich bei solchen Schreibern die Information noch nicht angekommen, dass Krieg vor allem andern ein Riesengeschäft bedeutet für gewisse Industrien? Was ja schon Eisenhower durchschaute, der den Terminus «Militärisch-Industrieller Komplex» prägte für die Urheberschaft der verheerenden Ideologie hinter der Aggressorenpolitik der USA. Dies auf die oben vorgestellte Art zu individualisieren und zu verbrämen, egal ob wörtlich oder als Paraphrase, ist geschmacklos und gefährlich.
Domenica Ott, am 09. Juni 2018 um 20:27 Uhr

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