Vollgeld – zur Sache bitte!

Werner Vontobel © wv
Werner Vontobel / 11. Feb 2018 - Die Vollgeld-Initiative hat auch Kritiker. Hier hat ein Wirtschaftsjournalist das Wort, der sich bessere Pro-Argumente wünscht.

Die Vollgeld-Initiative will die Spielregeln des dualen Bankensystems ändern. Dafür gäbe es gute ökonomische Argumente, die aber schwer zu vermitteln sind. Wohl deshalb verlagern die Initianten die Diskussion lieber auf die juristischen Nebenschauplätze und emotionale Ebene.

Vollgeld? Chum-i-nit-drus! Das ist die übliche Reaktion, wenn ich meinen Bekanntenkreis auf die Vollgeldinitiative anspreche. Das Thema ist dann meist schnell erledigt. Dabei gibt es in diesem Kreis viele Leute, die eigentlich draus kommen sollten – Journalisten, Ex-Direktoren von grossen Lebensversicherungen, Werber, Bänker etc. Und alle haben täglich mit unserem Geldsystem zu tun. Das Interesse müsste eigentlich da sein, doch die Idee ist offensichtlich schwer zu vermitteln. Hier ein Versuch – auch zur eigenen Meinungsbildung:

Wir leben mit einem dualen Bankensystem. Der Erfolg unsrer Wirtschaft hängt auch davon ab, wie die Zentralbank und die Geschäftsbanken zusammenarbeiten. Die Vollgeld-Initiative will die bisherige Geschäftsgrundlage dieser Zusammenarbeit ändern, indem sie der Zentralbank die Oberaufsicht über die Kreditgewährung der Geschäftsbanken überträgt oder zurückgibt, wie die Initianten behaupten. Ist das sinnvoll? Um das zu beurteilen, müssen wir uns erst einmal darüber unterhalten, wie das duale Geldsystem aktuell funktioniert.

Funktional gesehen ist Geld ein Anspruch auf Teile des BIP. Dieses besteht aus dem Konsum, den Investitionen und aus dem Saldo der Exporte und Importe. Das Geldsystem muss also dafür sorgen, dass immer genügend aber nicht zu viel Nachfrage nach Konsum und Investitionen da sind, und ausreichend Devisenreserven, um allfällige Importüberschüsse finanzieren zu können.

Rein rechtlich gesehen ist Geld ein sofort fälliger Anspruch gegenüber der Notenbank. Um diese Forderungen honorieren zu können, ist das Geld (die Schuldscheine) der Schweizerische Nationalbank aktuell zu 7% mit Gold und zu 115% mit Forderungen gegenüber (ausländischen) Staaten und Unternehmen gedeckt. Diese Aktiven dienen allerdings nur der gefühlten Sicherheit. Eine Einlösepflicht besteht seit einigen Jahrzehnten nicht mehr. Das ist vertretbar: Das Geld soll schliesslich in Umlauf bleiben.

Allerdings reicht das Geld (die sofort fälligen «Sichtguthaben» gegen die SNB) bei weitem nicht, um die volkswirtschaftliche Funktion des Geldes zu erfüllen. Vor allem für die Finanzierung von Investitionen braucht es zusätzliches Geld. Dieses können sich die Unternehmen und Häuslebauer auf viele Arten besorgen – über Aktien, Obligationen, Bankkredite usw. Umgekehrt können sich die Sparer auf viele Arten am produktiven Kapital beteiligen, wobei sie meistens eine Bank als Vermittler dazwischen schalten. Dabei entstehen Schulden und Guthaben. Diese unterscheiden sich nach der Qualität der Schuldner und nach der Fälligkeit. Aktien werden gar nie fällig, Obligationen meist erst nach vielen Jahren. Kurzfristig fällige Forderungen gegen sehr gute Gläubiger (dazu gehören auch Geschäftsbanken) werden als Geld bezeichnet.

Geld entsteht zum Beispiel, wenn ein Lohn auf ein Bankkonto überwiesen wird, oder wenn die Bank A der Firma B einen Investitionskredit oder der Familie B einen Baukredit gewährt und ihnen zu diesem Zweck ein Kontokorrent (Sichtguthaben) einrichtet, mit dem die laufenden Rechnungen der Handwerker, des Architekten usw. bezahlt werden können. Rechtlich gesehen ist dieses Kontokorrent eine sofort fällige Sichtforderung gegenüber einer Geschäftsbank. In der Bankenstatistik werden diese Sichtforderungen zur Geldmenge M1 gezählt. Sie machen davon – wie erwähnt – rund 90% aus.

Die Überwachung der Geldmenge M1 gehört zu den Aufgaben der Nationalbank, denn sofort fällige Forderungen gegenüber guten Schuldnern ist potentielle Nachfrage und könnte eine Inflation auslösen. Das ist zumindest die weitherum anerkannte These. Die Initianten der Vollgeld-Initiative fordern deshalb, dass die Nationalbank auch das Sichtguthaben-Geld der Banken direkt kontrollieren soll.

Das ist schon deshalb ein prüfenswerter Gedanke, weil unser Finanzsystem im Zug der Globalisierung inzwischen eine dritte volkswirtschaftliche Funktion erfüllt: Die eines sich selbst verstärkenden Hebels der Umverteilung von unten nach oben. Mit der Drohung, Kapital zu verschieben, kann das Finanzkapital Arbeitnehmer und Staaten unter Druck setzen und damit noch mehr Kapital anhäufen. Mit ihrer Politik des billigen Geldes heizen die Zentralbanken die Spekulation noch weiter an.

Kann das Vollgeldsystem die Finanzmärkte zähmen?

Die entscheidende Frage ist also, ob ein Vollgeldsystem die Finanzmärkte wirklich zähmen kann. Den Initianten bringen dazu im Wesentlichen drei Argumente vor. Erstens: «Bankpleiten können ihm (dem Geld auf den Zahlungskonten) nichts anhaben.» Das trifft zu: Das Risiko, dass verunsicherte Sparer eine Bank in die Pleite treiben, würde in einem Vollgeldsystem ausgeschaltet.

Zweitens: «Finanzblasen können besser verhindert werden, weil die Banken kein eigenes Geld mehr schaffen können.» Wie soll das geschehen? In Börsengeschäften sind die Banken meist bloss als Vermittler engagiert. Sichtguthaben spielen dabei keine Rolle. Die Initianten betonen mehrfach, dass das «sonstige Bankengeschäft» nicht beeinträchtigt würde. Dabei war es gerade dieses sonstige, ausserbilanzielle Geschäft massgeblich an der Finanzkrise von 2008 beteiligt. Das zweite Argument ist zumindest für Laien nicht nachvollziehbar und wird auch nicht weiter erläutert.

Drittens: «In einem Vollgeldsystem ist es leichter, Banken pleite gehen zu lassen, statt sie mit Staatsgeldern zu retten.» Einverstanden. Leichter wäre es. Aber eine UBS Pleite gehen zu lassen, ist auch dann riskant, wenn die Sparer geschützt sind. Zudem war die Rettung der UBS für den Bund ein gutes Geschäft. Und es gibt keinen guten Grund, warum die Banken das «übrige Geschäft» in einem Vollgeldsystem weniger riskant betreiben würden als bisher.

Weil ihre volkswirtschaftlichen Argumente eher dünn sind,

verlagern die Initianten die Debatte weitgehend auf die juristische und semantische Ebene. Sie interpretieren die ursprüngliche Formulierung des Nationalbankgesetzes so, dass der Verfassungsgeber von 1891 ausdrücklich ein Vollbankensystem gewollt habe, und schliessen daraus, dass sich die Geschäftsbanken auf verfasssungswidrige Weise das «Privileg, Geld aus dem Nichts herzustellen» angemasst hätten. Aus dem Nichts heisst: «keine Spargelder und vorgängig auch keine SNB-Reserven.»

Offensichtlich haben die Initianten das Prinzip des dualen Bankensystems nicht begriffen. In diesem beruht das Staatsgeld auf der Belehnung von Gold und Devisen und das Bankengeld auf der Belehnung von Produktionskapital oder Wohneigentum. Das als «Nichts» zu bezeichnen ist reine Polemik oder Wortklauberei. Wenn schon Geld aus den Nichts geschöpft werden kann, dann nur das Staatsgeld. Normalerweis entsteht Staatsgeld heute durch die Belehnung von Staatsschulden fremder Länder. Dadurch wird eine langfristige Schuld eines guten Schuldners in eine kurzfristige Schuld eines sehr guten Schuldners – der Nationalbank – verwandelt. Die entsprechende Forderung nimmt damit sozusagen den Aggregatszustand des Geldes an. Es entsteht aber nichts Neues und schon gar nicht aus dem Nichts. Das ist lediglich eine Frage der Definition.

Anders verhält es sich, wenn Notenbanken Geld drucken und (schuldfrei) verschenken. Genau dies fordern übrigens die Initianten in Artikel 99 Absatz 3. «Die SNB bringt (.....) neu geschaffenes Geld schuldenfrei in Umlauf», indem sie des dem Bund, den Kantonen oder direkt den Bürgern zur Verfügung stellt. Das könnte man als «Geldschöpfung aus dem Nichts» bezeichnen. Allerdings kann aus diesen Nichts durchaus etwas sehr Reales entstehen, etwa wenn in einer Rezession der Bund mit dem geschenkten Geld der Nationalbank Strassen baut oder Universitäten finanziert.

Polemik ist auch die Behauptung der Initianten, das heutige System bevorteile die Banken gegenüber «allen anderen Unternehmen». Diese müssten sich «100% finanzieren, die Banken jedoch nur mit der gesetzlichen Mindestreserve von 2,5%.» Daraus werden dann wie etwa hier solche Beispiele gerechnet: Bank vergibt Kredit von 1 Million zu 5% Zins, kassiert also 50'000 Franken, muss dafür aber nur 2,5% Mindestreserve zu 1% Zins (250 Franken) hinterlegen und kassiert so einen 'Geldschöpfungsgewinn' von 49'750 Franken. Diesen privaten Gewinn möchten die Initianten vergesellschaften, indem sie den Banken «das Privileg der privaten Geldschöpfung» wieder wegnehmen.

Das ist Wort- und Zahlenklauberei. Erstens kassieren die Banken nicht einfach 5%, sondern der Kreditzins ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Und vor allem sind die 250 Franken für die Mindestreserve nur der geringste der Ausgabenposten: Die Bank muss u.a. das Kreditbegehren überprüfen, den Kredit refinanzieren, bzw. für einen Ausgleich von kurz- und langfristigen Forderungen sorgen, sie muss die Zahlungen abwickeln und sie trägt das Ausfallrisiko. All diese Aufgaben werden die Geschäftsbanken auch in einem Vollgeldsystem erledigen und man wird sie dafür entschädigen müssen. Kann sein, dass die Banken im Kreditgeschäft zu viel verdienen, doch die Initianten haben bisher nicht klar erläutert, wie die Vollgeldinitiative dieses Problem löst.

Blosse Polemik ist ferner auch, wenn die Initianten so tun, als sei die «private Geldschöpfung» ein gut gehütetes Geheimnis, das nur dank der Initiative ins Bewusstsein der Stimmbürger gedrungen sei. So stellen sie etwa auf ihrer Webseite die bange Frage: «Stimmt es, dass mein Geld, wenn es auf mein Konto überwiesen wird, automatisch zu einer Forderung gegenüber der Bank wird?» Antwort: «Genau das passiert heute ohne Ihr Einverständnis.» Einverstanden. In einem Vollgeldsystem würde das nicht mehr passieren. Aber das heisst nicht, dass die Leute getäuscht worden seien. Sie haben sich einfach bisher keine grossen Gedanken über die Definition der verschiedenen Gelder gemacht und ein Gehaltskonto ist halt praktischer als Bargeld und das Risiko, dass die Bank ihre Sichtschulden nicht mehr bedienen kann, ist minim.

Es ist letztlich auch völlig unerheblich, was der Verfassungsgeber von damals gedacht haben mag. Das war eine andere Zeit und ein in vielen Belangen anderes Geldsystem. Wichtig ist allein die Frage, welche Geldverfassung unter den heutigen Umständen die beste ist. Ein Vollgeldsystem könnte möglicherweise per Saldo Vorteile aufweisen. Sich selber darüber klar zu werden, geschweige denn die Stimmbürger davon zu überzeugen, ist aber eine äusserst schwierige Aufgabe. Leider scheuen die Initianten davor zurück, indem sie die Diskussion auf juristische und semantische Nebengeleise verlegen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

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27 Meinungen

Der «Versuch zur Meinungsbildung» ist leider nicht gelungen. Es scheint mir eher eine mit ökonomischen Jargon durchsetzte Vernebelung.
Wenn wir einerseits sehen, wie die Finanzindustrie frischfröhlich in die alten Muster vor der Finanzkrise zurückfällt, sich neue Blasen bilden und die private und staatliche Verschuldung alle Grenzen sprengt und andererseits den Text der Initiative und ihre Zielsetzung lesen,
ist es wohl höchste Zeit mit der Annahme der Initiative diesem Wildwest klare Grenzen zu setzen.
H. Sigrist, am 11. Februar 2018 um 13:57 Uhr
Die Banken sind heute nicht nur «Too big to fail» sondern bereits «Too big to save». Der nächste Crash kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Also braucht die Schweizer:in nur eines, ein sicheres zinsloses Vollgeldkonto in der SNB. Das würde uns die Entscheidungsgewalt über unser Geld zurückgeben, denn dann kann man den Banken sein Geld entziehen, falls man mit ihrem Tun nicht mehr einverstanden ist. Heute ist das nicht möglich! Die Banken können dann mit ihrem erwirtschafteten Geld an der Börse investieren, soviel sie wollen, denn es kümmert niemand mehr, wenn sie sich verzocken, ausser die, die gegen Zins ihr Geld den Banken überlassen haben, allerdings dann auf eigenes Risiko (für das sie ja den Zins bbekommen).

Vollgeld-Initiative, ein unbedingtes JA, denn wir können so nicht weitermachen!
Ralph Moser, am 11. Februar 2018 um 14:00 Uhr
Werner Vontobel präsentiert hier eine kluge und solide Analyse. Die Schwierigkeit der Initianten liegt nicht darin, dass ihre Lösung nicht verstanden wird, sondern dass es ihnen nicht gelingt, das angebliche oder wirkliche Problem verständlich zu machen. Die zwei grössten Probleme des heutigen Finanzsystems sind: Erstens die gigantische Produktion von «öffentlichem Geld» durch die Notenbanken. Zweitens die zu tiefe Eigenkapitalausstattung der grossen Banken. Zum zweiten Problem trägt die Initiative nichts bei, das erste Problem verschärft sie noch.
Hans Geiger, am 11. Februar 2018 um 14:18 Uhr
Folgende Aussage muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
"Es ist reine Polemik, dass die Banken mit der Geldschöpfung aus dem Nichts gegenüber allen anderen Marktteilnehemer bevorteilt sind, denn sie müssen ja mit dem Zinsgewinn (aus dem Nichts!) Löhne zahlen, den Kredit refinanzieren und sie tragen erst noch das Ausfallrisiko!"

Tatsache ist, dass dem Ausfallrisiko von 250 CHF bei einer Hypothek die Sicherheit der gesamten Immobilie gegenübersteht, d.h. solange nicht der letzte Franken der Hypothek (1 Mio. Franken) zurückbezahlt ist, gehört die Immobilie faktisch der Bank. Wow, was für ein Risiko die Banken doch haben!!

Alle übrigen Marktteilnehmer bezahlen ihre Löhne aus dem Geld, dass sie mit Aufträgen erwirtschaften, Aufträge, die sie nur erhalten, indem sie billiger oder besser anbieten können, als die Konkurrenz. Nur die Banken müssen ihre Löhne mit dem hart verdienten Zins auf Geld aus dem Nichts bezahlen.

Ja zur Vollgeld-Initiative wäre eine kluge Antwort auf diese <Polemik>!
Ralph Moser, am 11. Februar 2018 um 14:54 Uhr
Völlig falsch ist der Satz: die Vollgeld-Initiative fordere, dass «Zentralbank die Oberaufsicht über die Kreditgewährung der Geschäftsbanken» erhalte. Das steht nirgends im Verfassungstext oder in den Erläuterungen (www.vollgeld-initiative.ch): Richtig ist: Geldschöpfung und Kreditgeschäft wird mit der Vollgeld-Initiative getrennt. Heute entsteht Geld, wenn Banken Kredite vergeben. Mit Vollgeld ist das nicht mehr der Fall. Alle Franken werden von der SNB erzeugt. Die Banken verleihen das Geld, das sie von Sparern, Investoren oder der SNB erhalten, bleiben aber im Kreditgeschäft völlig frei. Da die Banken laufend Tilgungen von Altkrediten erhalten, die sie dann wieder weiterverleihen können und angesichts der grossen Sparrate in der Schweiz, ist zu erwarten, dass die Banken nur in sehr geringem Umfang bei der SNB um Darlehen anfragen werden. Also nochmal: Die Vollgeld-Initiative trennt Kreditvergabe und Geldschöpfung, das Kreditgeschäft bleibt aber in alleiniger Verantwortung der Banken.

Vollgeld kann sehr positive volkswirtschaftliche Auswirkungen haben. Das hat das Initiativkomitee immer wieder betont:
https://www.vollgeld-initiative.ch/fragen/#c3109
https://www.vollgeld-initiative.ch/kernbotschaften/#c1892

Es gibt aber keinen Automatismus, sondern die SNB müsste jeweils entsprechende Schritte unternehmen. Wir entscheiden also am 10. Juni nur darüber ob die SNB die zusätzlichen Möglichkeiten durch Vollgeld erhält, wir entscheiden nicht über ihre konkrete Geldpolitik.
Thomas Mayer, am 11. Februar 2018 um 14:59 Uhr
Schön das mal gesagt zu haben. Die Kontrolle von M1 durch die Nationalbank ist eine der übelsten Fiktionen in der aktuellen Debatte. Bis 1987 glaubte wohl die SNB diese Kontrollfunktion ausüben zu können.

Dann hat sie aber M0 zurückgefahren und die einzige Marktreaktion war der massive Zinsanstieg der zur Hypothekarzinskrise Ende der 80er Jahre geführt hat.

In der Folge verdreifachte sich M1 bei praktisch stabiler Basisgeldmenge M0 bis etwa 2003, wenn das ganze System ad absurdum geführt wurde.

Seither ist das Geldsystem eine «Achterbahn» geworden. Von monetärer Kontrolle durch die Zentralbank zu reden ist Schöndenkerei.

Bis 2017 wurde M0, das Zentralbankgeld von 200 auf 1'200 Mrd CHF erhöht, M1 stieg aber nur gerade von 450 auf 620 Mrd. Geldmengenkontrolle durch die Zentralbank ?

Eine Nebenfrage sei noch erlaubt : Wer finanzierte die KMUs 2007/08 um die Finanzkrise zu überstehen. Die Zentralbank gewiss nicht, wohl aber die verpönten Grossbanken. Die besassen wenigstens die notwendige Marktnähe, um das System am Laufen zu halten.

All das sollte mit in die Überlegungen zur Neuordnung des Geldsystems einfliessen.
Josef Hunkeler, am 11. Februar 2018 um 15:59 Uhr
„Ein Vollgeldsystem könnte möglicherweise per Saldo Vorteile aufweisen“ – immerhin! Werner Vontobel wünscht sich jedoch „bessere Pro-Argumente“ mit ökonomischem Gehalt. Bitte sehr – hier wenigstens ein kleines Argumentationsstück.

Die sachlich „entscheidende Frage“ ist nach Vontobel, „ob ein Vollgeldsystem die Finanzmärkte wirklich zähmen kann.“ Abgesehen davon, dass die Vollgeld-Initiative einen so totalen Anspruch gar nicht erhebt – welche Ansätze kommen denn dafür in Frage?

Die Realpolitik setzt einseitig auf den Weg der Bankenstabilisierung mittels höherer Eigenkapitalanforderungen. Gerade dieser Ansatz beruht jedoch gemäss dem historisch-empirischen Forschungsstand auf „dünnen“ volkswirtschaftlichen Grundlagen, um es mit Vontobel auszudrücken. So führt z.B. eine gewichtige Studie der kalifornischen „Federal Reserve Bank of San Francisco“ (http://www.frbsf.org/economic-research/files/wp2017-06.pdf) zu folgendem klarem Ergebnis: „Higher capital ratios are unlikely to prevent a financial crisis.“ Während kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Eigenkapitalquote an der Bilanzsumme und der Krisenanfälligkeit der Banken erkennbar ist, besteht ein solcher deutlicher Zusammenhang zwischen Kreditgeldvolumen und Bankenkrisen. Und das spricht eben für die Bedeutung der Vollgeldidee – just als notwendiger Beitrag für eine ökonomisch tragfähige (statt „dünne“) Antwort auf Vontobels grosse Frage!

Alles nur Semantik oder vielleicht doch eine „dicke“ ordnungspolitische Idee?
Peter Ulrich, am 11. Februar 2018 um 16:44 Uhr
"Was der Verfassungsgeber 1891 wirklich gewollt hat» dürfte heute ziemlich irrelevant sein. Die SNB gibt es ja auch erst seit 1907 und die SNB-Banknoten sind formell auch erst seit den 50er Jahren «legales Zahlungsmittel», obwohl in der Wirtschaftskrise dieser Status schon auf der Basis von Notrecht eingeführt worden war.
Josef Hunkeler, am 11. Februar 2018 um 17:44 Uhr
Zu einige Fragen, die Herr Vontobel stellt:
Wie kann die Nationalbank durch Vollgeld Finanzblasen besser dämpfen?
Finanzblasen entstehen fast immer durch eine extensive Geldschöpfung der Banken. Ohme immer mehr Immobilienkredite kann keine Immobilienblase entstehen. Ohne Wertpapierkredite gibt es keinen Aktienboom. Der Zusammenhang zwischen Ausweitung der Kreditmenge und Finanzblasen ist hinreichend empirisch untersucht.
Das heisst, in einer Boom-Phase der Finanzmärkte schöpfen die Banken zusätzliches Geld, um diesen Boom anzufeuern. Wenn sie das nicht mehr können und werden sie bei der Nationalbank nachfragen. An dieser Stelle könnte die Nationalbank sagen: Nein, wir sehen eine Überhitzung der Märkte, diese dürfen wir entsprechend unserem Stabilitätsauftrag nicht unterstützen, deshalb bekommen die Banken keine zusätzlichen Kredite.
Herr Vontobel beurteilt die Finanzkrise 2008 falsch. Das war eine typische von Banken getriebene Immobilienblase. Um immer mehr Kredite vergeben zu können, wurden die Sicherheitsanforderungen immer weiter gelockert, zum Schluss bekamen Arbeitslose Immobilienkredite. Da die Geldschöpfung der Banken durch die Eigenkapitalanforderungen begrenzt wurden, verkauften sie die Kreditrisiken weltweit, um wieder Freiraum für weitere Geldschöpfung zu erhalten. Das war der Kern der Finanzkrise 2008. Hätte es in den USA Vollgeld gegeben, hätte die FED die Finanzkrise vorab verhindern können.
Thomas Mayer, am 11. Februar 2018 um 17:55 Uhr
"Geld entsteht zum Beispiel, wenn ein Lohn auf ein Bankkonto überwiesen wird»

Antwort: Geld entsteht dabei natürlich nicht, weil das Guthaben bereits besteht. Es kann nicht überwiesen werden, weil es physisch nicht besteht. Es wird nur über das Clearing (Manöveriermasse auf Bankgirokonten bei der Zentralbank, geschöpft von der ZB mit den GB mittels Geld- und Offenmarktgeschäften), umgebucht.»

Aus dem Nichts heisst: «keine Spargelder und vorgängig auch keine SNB-Reserven.»

Antwort: Nein stimmt nicht. Beide erwähnten «Guthaben» sind vorgängig aus dem Nichts geschöpft. Aus dem Nichts bedeutet: es besteht vor dem Geld nichts! Die Geldschöpfung entsteht aus der Aktivseite der Bankbilanz und einem Buchungssatz, also nicht wie wie es die «studierten» Ökonomen und andere Fachleute behaupten, aus Passiven. Somit ist auch die Mittelflussrechnung in den Bankbilanzen falsch. Richtig wäre: Mittelbeschaffung = plus Aktiven und minus Passiven, Mittelverwendung = minus Aktiven und plus Passiven!
Paolo Ermotti, am 11. Februar 2018 um 18:38 Uhr
Werner Vontobel meint, die Initianten hätten das duale Bankensystem nicht begriffen. Dazu schreibt er: „In diesem beruht das Staatsgeld auf der Belehnung von Gold und Devisen und das Bankengeld auf der Belehnung von Produktionskapital und Wohneigentum.“ Einige Abschnitte früher jedoch schreibt er: „Diese Aktiven dienen allerdings nur der gefühlten Sicherheit. Eine Einlösepflicht besteht seit einigen Jahren nicht mehr.“ Der Widerspruch ist offensichtlich und es stellt sich die Frage: Worauf beruht das Geld nun wirklich, wenn gegen Geld bei der Nationalbank weder Gold noch Devisen und bei den Banken weder Produktionskapital noch Wohneigentum dafür eingelöst werden kann? Für die Initianten ist es klar: Es ist das Vertrauen in die Sicherheiten des Rechtssystems und die staatliche Ordnung sowie die Gewissheit, dass die Nationalbank die Geldmenge so steuert, dass diese in einem vernünftigen Verhältnis zur Leistungsfähigkeit und den Bedürfnissen der Wirtschaft immer wieder angepasst wird und dabei die Kaufkraft des Geldes gewahrt bleibt. Aber mit der Hinterlegung mit Gold, Devisen sowie Schulden auf Produktionskapital und Wohneigentum hat der Geldwert herzlich wenig zu tun. Die Begründungen der Vollgeld-Initiative sind in sich stimmig – das kann man vom heutigen System nicht sagen. Das meinte auch Martin Wolf am GDI: „Das aktuelle Finanzsystem stinkt».
Reinhold Harringer, am 11. Februar 2018 um 19:27 Uhr
Aussage des belgischen Finanzexperten Bernard Lietaer, welcher das Interesse wie Geld funktioniert womöglich steigern könnte:

"Wir betrachten Geld als selbstverständlich. Aber in Wirklichkeit werden wir durch Geld auf eine Weise manipuliert, welche die meisten Menschen nicht tolerieren würden, wenn sie sich über diese Manipulation bewusst wären."

Es sollte vielleicht auch auf die dualen Buchgeldarten näher eingegangen werden?
Das eine Buchgeld welches gesetzliches Zahlungsmittel ist befindet sich auf den Konten der Geschäftsbanken bei der Nationalbank. Dieses Buchgeld wird von den Geschäftsbanken für den bankübergreifenden Zahlungsverkehr benötigt und verlässt das Hause Nationalbank nie.
Es wird lediglich vom Konto einer Bank auf das Konto einer anderen Bank umgebucht oder auch wieder zurück, da jede Bank Zahlungen tätigt und auch erhält.
Dann gibt es noch das Buchgeld der Geschäftsbanken, welches diese bei Krediten und Investitionen selbst erzeugen können, jedoch kein gesetzliches Zahlungsmittel ist.
Dieses Buchgeld welches nur aus Zahlen besteht kann jedoch zu Zahlungen innerhalb einer Bank benutzt werden, indem es einfach vom Konto eines Bankkunden auf das andere Konto eines Kunden der gleichen Bank umgebucht wird. Je grösser die Bank ist desto mehr Zahlungen werden so stattfinden, so dass es weder Bargeld noch das Buchgeld auf dem Konto bei der Nationalbank benötigt. Ausser ein Kunde will eine Barauszahlung. Die Mindestreserven sollte man deshalb nicht überschätzen.
Edgar Huber, am 11. Februar 2018 um 19:38 Uhr
Endlich jemand der mir das Ganze wieder mal richtig erklärt. Danke Herr von Tobel.Die Initiative hat keine Chance,weil die lieben Schweizer nicht ganz zu Unrecht sich vor den Turbulenzen fürchten,die ein Alleingang in dieser Sache auslösen dürfte. Wenn die Anleger etwas meiden,dann Unsicherheiten.
Andreas Willy Rothenbühler, am 11. Februar 2018 um 22:02 Uhr
Herr Rothenbühler - schade dass Sie nicht genauer die Entwicklung im Finanz-System verfolgen, oder sich nicht bewusst sind, dass zB. bei der Abschaffung des Bargeldes mit der heutigen Handhabe des Geldwesens der Staat keine Steuerungsmöglichkeiten mehr haben würde. Schweden zb. muss neue Gesetze schaffen, damit dort die privaten Banken der Ryksbank nicht die staatliche Geldhoheit aus den Händen nehmen. Ähnliches müssen sich auch andere Staaten überlegen. Grossbanken finden es natürlich toll, wenn sie dann ganz ungeniert alle Bürger zu seinen Schuldnern machen kann. Da könnten doch auch noch wunderbar Daten für Werbezwecke gesammelt werden. Wenn Vollgeld eingeführt ist, wird diese Übervorteilung gestoppt.
Werner Schenkel, am 12. Februar 2018 um 08:29 Uhr
Vontobel stellt - die Orthodoxie von der Pike auf gelernt - einiges klar, wo sich Nicht-Wirtschaftler lächerlich machen. Ich bin kein Fan der Vollgeld-Initiative, weil ich bei den meisten Befürwortern vor allem nur ein Votum «gegen Schulden» vernehme (bzw. die «schwäbische Hausfrau» ('nicht mehr ausgeben, als man eingenimmt'). Diese mikroökonomische Überlegung ist nicht (!) auf die makroökonomische Ebene (Staat mit Währungshoheit) zu übertragen. Die Initiative erwähnt zwar die Geldschöpfung (Artikel 99 Absatz 3). Zu befürchten ist jedoch, dass dies ein kümmerlicher Nebensatz bleiben wird.
Vontobel wirft den Vollgeldlern zu Unrecht vor, die Geldschöpfung nicht verstanden zu haben. Hier entgeht vielmehr ihm einiges - zumindest bezüglich Tragweite. Ein Beispiel: Es war die massive Buchgeldschöpfung der in den USA tätigen Geschäftsbanken, die die Immobilienpreise in die Höhe trieb - mit bekanntem 'fall out' (Immobilien- --> Banken- --> Finanz-/Staatsschuldenkrise). Diese Geldschöpfung aus dem 'Nichts' bzw. die in jeder Runde höher werdenden Hypothekensummen 'warfen' neues Geld in die Volkswirtschaft - und so teils in die Produktion (BIP-Steigerung), grösstenteils aber nur in den Preis-Bubble bereits bestehender Objekt (Immobilien, Aktien).
Kurz: Vontobel bagatellisiert die Geldschöpfung der GBs massiv. Deutsche Bundesbank (S. 18ff):
https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Monatsberichte/2017/2017_04_monatsbericht.pdf?__blob=publicationFile
Stan Kurz, am 12. Februar 2018 um 11:32 Uhr
Zur Finanzkrise von 2008. Hypo-Blasen haben nichts mit Vollgeld zu tun, sondern allein mit der Qualität der Kreditvergabe in Bezug auf realisierbare Immobilienwerte.

Solche Blasen wurden auch schon von ganz «respektabeln» Staatsbanken fabriziert. Angefangen hat die Luzerner KB, gefolgt von BE, VD, GE. Nicht immer ging das «bail-out» so gut wie bei der UBS. Die Genfer können etwas davon erzählen.

Dummheiten sind auch mit reinem Zentralbankengeld möglich.
Josef Hunkeler, am 12. Februar 2018 um 12:01 Uhr
Da bin ich gegenteiliger Ansicht - jetzt und seit einer geraumen Zeit herrschen Turbulenzen, die vorallem Insider zu nutzen wissen, aber die Kleinanleger schwimmen. Voraussagen zeigen vorallem an, von welcher Seite aus sie gemacht werden. Sie dürfen sich überraschen lassen, welch feines «Gspüüri» Normalbürger haben, um zu merken, wer will ihn über den Tisch ziehen, macht ihm was vor - oder wer hat ein echtes Anliegen.
Werner Schenkel, am 12. Februar 2018 um 14:17 Uhr
Diesen Artikel kann man jetzt mit gutem Gewissen als DESINFO bezeichnen.
Nur eins will die Vollgeld-Initiative: NUR noch unsere Nationalbank soll unser Geld herstellen. So kompliziert zu verstehen ist das nicht.

Das Ziel ist NICHT, „der Zentralbank die Oberaufsicht über Kreditgewährung“ zu geben, „die Finanzmärkte zähmen“, und es spielt auch keine Rolle, ob Banken ihr Geld aus NICHTS oder aus einem Buchungssatz herstellen. Fakt ist, sie stellens her. Nationalbanken natürlich auch. Aber die haben auch den demokratisch legitimierten Auftrag dazu.
Dass das Geldsystem stabiler wird, wenn Banken nur noch Geld ausleihen das sie tatsächlich besitzen, leuchtet ein. Und warum sollen wir den Banken gestatten, selber Geld aus Nichts (ok: aus einem Buchungssatz) herzustellen? Und dabei noch in Kauf nehmen, dass das Geld auf unserem Konto unsicher ist und wir die Banken auch noch mit unseren Steuergeldern retten müssen? Denn das Ausfallrisiko trägt schlussendlich eben NICHT die Bank – sondern die Allgemeinheit, also wir alle.

Mit komplizierteren Artikeln wie diesem wird der Stimmbürger suggeriert: „Es klingt alles schlimm, aber es ist für dich viel zu kompliziert zu begreifen, also halt dich besser raus.“
Wenn Banken nicht mehr zwingend vom Steuerzahler gerettet werden müssen, sind sie in Zukunft –vielleicht- mehr in Sicherheit und ihren Ruf interessiert.
Cris Schmid, am 12. Februar 2018 um 16:57 Uhr
Der Autor hat sich leider nicht tief genug mit der Materie auseinander gesetzt.
Eine Nationalbank kann kein Geld in Umlauf bringen, dies erfolgt immer nur über die Banken. Bei den anderen Staatsgewalten haben wir gelernt die Macht auftzuteilen (Legislative, und Executive). Die riesige Macht der Banken basiert darauf, dass Sie eben das Geld über Kredit selber schöpfen können auf Grundlage des Kreditvertrages. Da das Geld vorher nirgends existierte und auch kein Gegenwert wird es völlig korrekt als «Geldschöpfung» aus dem nichts bezeichnet.
Der Nationalbank muss dann von diesem Geld ein kleiner Teil als «Sicherheit» deponiert werden. Nun darf die Bank auch noch sagen wer das Geld bekommt und wozu und zu welchen Konditionen! Das ist etwa so demokratisch wie wenn ein Richter die Gesetze selber schreibt und gleichzeitig noch Polizeichef ist.
Die über Jahrhunderte korrumpierte Finanzindustrie wird man nicht mit einer Initiative auf gesunde Beine stellen können. Die Vollgeldinitiative ist aber der erste Schritt in die richtige Richtung. Die nächste Spekulationsblase mit Immobiliencrash und die Vernichtung des ganzen Kapitals der Pensionskassen wird die Leute früher oder später zwingen sich mit der Geldschöpfung auseinander zu setzen. Übrigens haben die CH-Banken in 7 Jahren 34 Milliarden verdient an der Geldschöpfung aus dem nichts. Dieses Geld gehört uns und nicht den Banken!

https://www.fuw.ch/article/nmtm-wer-beim-geldschoepfen-wirklich-kassiert/
Daniel Bertschi, am 13. Februar 2018 um 08:45 Uhr
Ich bin der gleichen Meinung wie Daniel Bertschi.
Der Stimmbürger muss eine ganz einfache Frage beantworten: Lassen wir das entscheidende Privileg zur Bereicherung, sprich Geldschöpfung aus dem Nichts, in den Händen der profitorientierten Privatbanken oder geben wir dieses Privileg zurück in die Hand unserer Nationalbank, welche der Demokratie und uns allen verpflichtet ist?
Wenn die SNB einmal die gesamte Geldschöpfung innehat, dann wird sie zusammen mit der Politik einen besseren und gerechteren Weg finden, damit die systeminnewohnende Umverteilung von unten nach oben endlich aufhört.
Alle Bürger, welche Vollgeld ablehnen, werden es nach dem bereits anrollenden, nächsten Finanz-Tsunami bitter bereuen. Es gibt keine nächste Chance zur besseren Sicherung des Ersparten auf der Bank. Die Einlagensicherung von 100'000.- ist eine glatte Lüge. Bei einem Nein muss man sein Geld von der Bank abziehen, weil es in der nächsten Finanz- und Schulden-Krise zu unsicher ist.
Paul Steinmann, am 13. Februar 2018 um 22:23 Uhr
Herr Steinmann, danke für Ihren Kommentar.
Die offene Flanke eines Vollgeldsystems sind die Interessen der schweizerischen Nationalbank. Die Vorstellung eine Nationalbank sei neutral und wolle nur das Beste für alle Bürger einer Volkswirtschaft ist einfach eine Illusion. Aus der Geschichte sind National- oder Zentralbanken aus einer Fusion von normalen privaten Banken hervorgegangen. Daher haben die Zentralbanken auch kein Interesse, dass die Politik mitredet. Ihr Mantra der «Neutralität» bezieht sich auf die Politik und nicht auf die Banken. Auch schon von der Natur der Geldwirtschaft her mit der intensiven Zusammenarbeit mit den privaten Banken inkl. personellen Rochaden zwischen Zentralbank und privaten Banken vertritt eine Zentralbank in erster Linie die Interessen der privaten Banken.
Die Zentralbanken weltweit haben entgegen den Aussagen des Autors des Artikels die Bevölkerung aktiv über die Geldschöpfung getäuscht indem in jedem Schulbuch oder Lehrmittel und Broschüren der Nationalbanken erklärt wird, dass eine Bank nur das Geld der Sparer verleihen kann. Das ist Betrug.
Nach der Vollgeldreform wird mindestens eine personelle Reform unserer SNB nötig sein.
Die SNB hat für 92 Milliarden Aktien von amerikanischen Konzernen gekauft.
Hier ein guter Link zum Artikel:
https://www.fuw.ch/article/snb-spielt-an-wallstreet-auf-risiko/
Für die Rentner in der Schweiz hat die Schweiz kein Geld, aber in IPhones investieren geht mit über 3 Milliarden?
Daniel Bertschi, am 14. Februar 2018 um 12:15 Uhr
Lieber Herr Bertschi
Selbstverständlich «verdanken» wir das ungerechte Geldsystem zu einem Grossteil den Zentralbanken, allen voran der Fed, welche ja von den Privatbankern geschaffen wurden, um ihr Schuld-Geldsystem in Stein zu meisseln und das Volk in Schulden-Sippenhaft zu nehmen.
Ich hege insgeheim die Hoffnung, dass die Zentralbanken nach dem anrollenden Finanz-Tsunami als Haupt-Sündenböcke für die kommende Hyperinflation und Geldzerstörung erkannt werden und dass im Anschluss daran die heutige Rolle der Zentralbanken unhaltbar wird und geändert werden muss.
Würde die Vollgeld-Initiative angenommen, dann wäre es einfacher, zu diesem Zeitpunkt die SNB in den Dienst der Schweizerischen Realwirtschaft zu stellen. Ohne Geldschöpfung durch Privatbanken könnte die SNB dann über die Geldmenge wachen mit Ziel Null-Inflation bzw. Preisstabilität.
Anstelle von Milliarden und Billionen neuer CHF aus dem Nichts und auf Kosten von uns allen könnte die SNB durch Kapital-Verkehrskontrollen die Währungen stabilisieren, was heute durch die Regeln des Neoliberalismus verunmöglicht wird.
Alles nur Theorie. Aber vielen Menschen dämmert es, dass diejenigen, welche die Macht über das Geld haben viel mächtiger sind als alle Staatsoberhäupter ... solange die Frage des Geldes nicht geklärt ist, gibt es keine Hoffnung auf gerechte Demokratie und Frieden.
Paul Steinmann, am 15. Februar 2018 um 16:17 Uhr
@Schmid
1.Seit mehr als 4000 Jahren (Mesopotamien) wird das Geld aus dem Nichts geschöpft. Wenn nur mehr die Nationalbank für die Geldschöpfung zuständig ist, so wird das Geld vom Delkredererisiko befreit. Die Vernichtung bei faulen Krediten muss jedoch geregelt werden.

2.Die Bank leiht kein Geld aus (Siehe Broschüre von Prof. Dr. M. Binswanger auf https://www.akb.ch/documents/30573/89695/wie-banken-geld-schaffen.pdf/49d9b11c-eeb9-5a15-e5cd-bb7d5558bcd6?version=1.1)

3.Die Mindestreserve für den bankübergreifenden Zahlungsverkehr wird aus dem Nichts zwischen ZB und GB mittels Bankinvestitionen geschöpft (Kundengutschrift)
Diese Mindestreserve (Manöveriermasse) gilt einzig als gesetzliches Zahlungsmittel

5.Steuergelder gibt es nicht, weil es nur Geld (Kundenguthaben als Zahlen in den Bankbuchhaltungen) aus nicht getilgten Bankschulden und nicht abgeschriebenen Bankinvestitionen geben kann
Nach korrekter Geldtheorie, braucht der Staat zur Abdeckung der Gemeinwohlaufgaben keine Einnahmen.
Der Staat gibt vorgängig das erwähnte Geld in den Wirtschaftskreislauf und ordnet es zur Preisstabilität und Umwelt wieder zurück
Verlangt der Staat weniger Geld zurück als er ausgibt, profitiert die Wirtschaft.

Mit dem Vollgeld wird der Ablauf verlangsamt, jedoch auch verkompliziert. Eine wahre Reform, nämlich Nationalbank als einziger Geldschöpfer sichert das System und verhindert Risiken auf Knopfdruck, wie sie durch Unterbrechen des Interbankkreditgeschäftes vorgenommen werden kann.
Paolo Ermotti, am 15. Februar 2018 um 16:52 Uhr
Herr Bertschi
Auch etwas meine Gedanken, ob die Nationalbank wirklich so unabhängig ist. Es stellt sich alleine die Frage, warum eine Zentralbank eine spezialrechtliche AG sein muss und neben öffentlicher Hand zu 55% als Aktionäre noch grösstenteils 45% Privatpersonen braucht? (Wikipedia)
Auch hier sollte Vollgeld fordern, dass ausschliesslich die öffentliche Hand Aktien besitzen darf, oder man lässt die Form der AG ganz weg.
Die Täuschung über die Geldschöpfung indem behauptet wird, die Banken könnten nur das Geld der Sparer verleihen wird auch heute noch von vielen Ökonomen und Politikern eisern aufrecht erhalten. Dabei sollte es ja einleuchten, wenn dies tatsächlich so wäre, die Geldmenge ja immer etwa gleich gross sein müsste, was aber nicht so ist. Würde diese Täuschung wegfallen erübrigten sich auch die Diskussionen um knappes Geld, Überschuldung, AHV «Finanzierung» usw. Würden womöglich einige heute Bedeutsame ihre Macht verlieren? «Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh», meinte einst der Autopionier Henry Ford. Und ständig hört man der Staat hat Schulden und niemand fragt sich bei wem überhaupt und wer die Zinsen dafür empfängt? Doch ein Witz, dass der Staat als Währungshüter gleichzeitig sein Schuldner ist?
Edgar Huber, am 15. Februar 2018 um 20:29 Uhr
Herr Bertschi

Das Vollgeld geht in die richtige Richtung, mit der ZB als einzige Bank und Geldschöpfer, wäre das Geld gesichert, der Staat entschuldet, die Beteiligung am Kapitalmarkt und die Form der AG beendet. Die Krisen auf Knopfdruck (Unterbruch des Interbankenzahlungsverkehrs) sind nicht mehr möglich! Die Trennung von Geldschöpfung (sind alles Menschen, welche die Vorgaben des Staates zu erfüllen haben) Produktivkraft und Spiele sind klar gelegt. Was will man mehr?

Die Meinung, wonach damit die Wirtschaft zu wenig Geld erhält ist einfach absurd! Die FED, als wichtigste Zentralbank, ist in privaten Händen. Noch Fragen?
Paolo Ermotti, am 17. Februar 2018 um 12:59 Uhr
Machen wir es doch nicht so kompliziert. Es geht schliesslich um eine einzige Massnahme - die Kontrolle der Geldmenge. Ist sie zu hoch entsteht eine Inflation, ist sie zu niedrig entsteht eine Rezession bzw. eine Depression. In einer Demokratie, die diese Bezeichnung verdient, wird die Geldmenge durch das Volk für das Volk reguliert. Wer ist dazu geeigneter: die Zentralbank oder die Privatbanken?
Michel Mortier, am 27. Februar 2018 um 08:02 Uhr
Aufgrund der schwerwiegenden Fehlleistungen von Bundesrat und -verwaltung betreffend die Vollgeld-Informationen im «Abstimmungsbüchlein» gibt es nun eine Petition. Sie fordert die Richtigstellung der gemachten Falschaussagen und verdrehten Tatsachen. Details dazu finden sich hier: https://www.vollgeld-initiative.ch/bundesrat/.

Link zur Petition:
https://act.campax.org/petitions/richtigstellung-der-fehlerhaften-aussagen-zur-vollgeld-initiative-im-abstimmungsbuchlein

Bitte unterschreiben und teilen!
Raphael P. Bünter, am 10. Mai 2018 um 22:51 Uhr

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