SVP-Werber im Boot der AfD

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Thomas Angeli / 14. Sep 2016 - SVP-Werber Alexander Segert soll auch hinter der AfD-Kampagne stecken. Für wen er im Bundeshaus lobbyiert, will er nicht sagen.

Schon bei den Wahlen in Baden-Württemberg hatten deutsche Medien gerätselt und spekuliert, wer wohl hinter der massiven Werbekampagne der Alternative für Deutschland (AfD) steht, respektive für die rechtspopulistische Partei das notwendige Geld aufwirft. Nach dem Wahlerfolg der AfD in Mecklenburg-Vorpommern scheint der «Spiegel» einer Lösung des Rätsel mindestens näher gekommen zu sein: Auf einer Wahlparty der AfD in Berlin sichteten «Spiegel»-Reporter Alexander Segert, Inhaber der Dübendorfer Werbeagentur Goal AG. Segerts Firma soll nach «Spiegel»-Angaben das Boot für die Wahlparty gemietet haben. Zudem soll die Goal AG in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin mehrere Hundert Plakatflächen gebucht haben. Kostenpunkt laut einem Insider: weit mehr als 200'000 Euro.

Gegenüber dem «Spiegel» wollte sich Alexander Segert nicht zu seiner Rolle bei der AfD äussern. Der gebürtige Deutsche hat es aber auch bei einem anderen Engagement lieber etwas diskret. Segert hat vom Zürcher SVP-Nationalrat Alfred Heer einen Zutrittsbadge zum Bundeshaus erhalten. Für wen er lobbyiert, legt er nicht offen, sondern meldete sich als «Gast» an.

Dabei ist Segert auch in der Schweizer Lobbyisten- und Werber-Szene kein unbeschriebenes Blatt: Er ist bekannt für seine unzimperlichen Werbekampagnen für die SVP, etwa zur Masseneinwanderungs-Initiative. Auch die Plakate zur Minarettverbots-Initiative und das legendäre Messerstecher-Inserat stammten aus seiner Feder. Und Segert bietet auf seiner Firmen-Website explizit «Lobbying» und «politische Kommunikation» an – beides Aktivitäten, für die ein Zutrittsbadge zum Bundeshaus (und somit direkt zu Parlamentsmitgliedern) Gold wert sein kann. Weil er sich weigerte, seine Auftraggeber offenzulegen, wurde er im Frühsommer von der Schweizerischen Public Affairs Gesellschaft ausgeschlossen.

Gegenüber Lobbywatch autorisierte Alexander Segert Ende August die wenigen über ihn bekannten Lobby- und Geschäftsverbindungen. Auf eine neuerliche Anfrage, weshalb er seinen Beruf gegenüber den Parlamentsdiensten nicht offenlege, reagierte der Werber und Lobbyist nicht mehr.

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Dieser Beitrag erschien auf lobbywatch.ch.

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Thomas Angeli ist Journalist und Co-Präsident von Lobbywatch.

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Eine Meinung

Segert war mir immer zuwider und ein Argument dafür, zur SVP Abstand zu halten. In Deutschland kann er aber nicht so zuschlagen wie in der Schweiz. Die von der AfD wissen gut genug, dass man sich genau diesen Plakatstil in Deutschland nicht leisten kann. Es war ein grosser Fehler sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz, die ursprünglichen Gründer der AfD, so Professor Lucke, gleich in die Blut- und Bodenecke zu stellen, es waren klar Rechtsliberale und Nationalliberale, eher gemässigter als der Standard der SVP. Ihr Fehler war derselbe wie der Fehler der deutschen FDP: Eine Partei der «Besserverdienenden» ist nun mal nicht auf eine Massenbasis hin angelegt. Insofern liegt die AfD als nicht das Gegenteil der FPÖ besser im Trend. Sichere Grenzen wären eigentlich eine ganz normale elementare Forderung eines jeden halbwegs ernst zu nehmenden Staates. Die mittelfristige Antwort des Bürgertums wäre wohl ein Kanzler Seehofer. Frauke Petrys Versuch, den Begriff «völkisch» zu rehabilitieren, ist zwar wortgeschichtlich nicht «ohne», weil Herder dieses Wort vor 200 Jahren auch gebrauchte, wird aber politisch zu Recht als grenzwertig empfunden.
Pirmin Meier, am 14. September 2016 um 11:45 Uhr

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