Israelischer Siedlungsbau in Westjordanland © Pia Tschupp

Israelischer Siedlungsbau in Westjordanland

Palästina ins Herz schliessen – man kann nicht anders

Christian Müller / 15. Aug 2020 - Die Schweizerin Pia Tschupp weilte drei Monate in Palästina. Ihr jetzt erschienenes Büchlein mag vielen die Augen öffnen.

Fernsehsendungen, Radioreportagen, Zeitungskommentare: Wir kennen das «Problem Palästina» seit vielen Jahren und wissen, dass es nicht leicht zu lösen ist. Nicht weil es nicht lösbar wäre, aber weil die israelische Regierung und ihre Unterstützer – darunter zu Zeiten Donald Trumps besonders massiv auch die USA – das Problem nicht lösen wollen. Palästina ist völkerrechtswidrig besetzt, den Menschen in Palästina wird das Leben bewusst schwer gemacht, um sie zur Auswanderung zu bewegen, Palästina soll mehr und mehr ein Teil des Staates Israel werden – allerdings ohne dass seine Menschen gleichberechtigt mit den Besatzern in ihrer eigenen Heimat leben dürfen.

Es gibt zwar bereits jede Menge ans Herz gehende Berichte nicht zuletzt auch von unabhängigen israelischen Journalistinnen und Journalisten, man denke etwa an Gideon Levy oder an Amira Hass von der israelischen Tageszeitung Haaretz, aber nichts bewegt sich – oder eben in die falsche Richtung.

Palästina erlebt – und lieben gelernt

Pia Tschupp, nicht mehr ganz die Jüngste – sie ist im Jahr 1950 im aargauischen Freiamt geboren und wurde Lehrerin –, hat Palästina im Jahr 2018 besucht und dort gelebt, drei volle Monate lang. Sie wollte das Leben vor Ort erfahren, nicht nur darüber lesen. Ihre Liebe zur Musik hatte sie als Sängerin in einem Chor schon 2016 nach Palästina geführt. Dort entstand dann der Wunsch und später zuhause in Densbüren der Entscheid, als Menschenrechtsbeobachterin während längerer Zeit selber in Palästina zu weilen.

Und jetzt hat Pia Tschupp also ein Buch über Palästina geschrieben. Es ist ein Kleinod unter der Literatur über Palästina. Aus verschiedenen Gründen:

  • Das Buch «Eine Geige für Palästina» ist kein Wälzer, den man zu lesen eh nie Zeit hat, sondern ein überschaubares Büchlein, lediglich 140 Seiten stark und trotzdem sehr informativ, inklusive übersichtlicher Informationen zur «Organisation» der Besetzung Palästinas durch Israel (Zonen A, B und C) und inklusive einiger Karten zur immer dichteren Besetzung. Und auch mit vielen schönen Fotos, nicht zuletzt von den Menschen in Palästina, wie sie leben – leben müssen.

  • Das Buch ist sehr persönlich geschrieben. Pia Tschupp beschreibt einfach und anschaulich, was sie in ihren drei Monaten in Palästina erlebt und erfahren hat. Nicht zufällig war anlässlich einer Veranstaltung von Palästina-Interessierten in Zürich Jochi Weil von Pia Tschupps Erzählungen so begeistert, dass er bereit war, als Jude und intimer Kenner der dortigen Situation das Vorwort zu schreiben.

  • Das Buch kommt genau zur richtigen Zeit. Einerseits, weil es den von Donald Trump unterstützten israelischen Plan gibt, ganz Westjordanland zu annektieren – notabene ohne jede Mitsprache der dortigen Einwohner. Und weil nach der in den letzten Tagen angekündigten Annäherung von Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten VAE die Zukunft für Palästina erneut offen ist. Andererseits, weil letztes Jahr im Ständerat in Bern einstimmig und diskussionslos ein Postulat überwiesen worden ist des Inhalts, dass auch die Schweiz die neue Definition von «Antisemitismus» übernehmen soll, gemäss der bereits Kritik an der Politik Israels als Antisemitismus gilt und deshalb unterdrückt oder, wie zum Beispiel in Deutschland, sogar verboten werden kann. (Siehe dazu auf Infosperber hier und hier.)

    Und was ist mit der Geige?

    Nicht zufällig heisst das Büchlein, das Pia Tschupp über ihren Aufenthalt in Palästina geschrieben hat, «Eine Geige für Palästina». Pia Tschupp liebt die Musik, singt in einem Chor und spielt Geige. Nur Tage vor ihrer Abreise bricht bei ihrer eigenen Geige der Geigenhals, sie muss zum Geigenbauer für die Reparatur und hat dort die brillante Idee, sie könnte doch eine Geige nach Palästina mitnehmen. Gedacht, getan. Und sie erzählt dann auch, wie eben dieses Mitbringsel neue Kontakte brachte. Eine Geige! Musik! Musik ist noch immer das kulturelle Element, das über alle politischen, sprachlichen und auch kulturellen Grenzen hinweg die Menschen zusammenbringt – auch uns christliche oder konfessionslose Westeuropäer mit den mehrheitlich muslimischen Palästinensern.

    Das kleine Buch von Pia Tschupp «Eine Geige für Palästina» ist in jeder Hinsicht lesenswert.

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    Zu beziehen ist das Büchlein direkt bei der Autorin:

    Pia Tschupp, Müliweg 2, 5026 Densbüren (pia.tschupp@bluewin.ch)

    oder bei der Buchhandlung Letra, Bahnhofstrasse 1, 5070 Frick (buch@letra.ch). Bei diesen Adressen zum Preis von CHF 18.-

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    Siehe dazu die Infosperber-Dossiers

    «Offene/verdeckte Judenfeindlichkeit»

    «Die Atommacht Israel und ihre Feinde»

  • Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

    Zum Autor deutsch und englisch.

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    4 Meinungen

    Leider bestehen geringe Chancen, die katastrophale Situation Palästinas zu ändern. Jetzt verraten die reichen arabischen Staaten auch offiziell die Palästinenser. Soeben haben die Vereinigten Arabischen Emirate diplomatische Beziehungen mit Israel aufgenommen, nachdem Saudi-Arabien offen mit Israel kooperiert, z.B. im Krieg gegen Syrien. Nicht nur USA, auch die EU unterstützen die Isolierung Palästinas. «Die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ein wichtiger Beitrag zum Frieden in der Region», erklärte etwa der deutsche Außenminister Heiko Maas.
    Pedro Reiser, am 15. August 2020 um 12:01 Uhr
    Wie kann eine Regierung eines Landes, dessen ältere Generation zum allergrössten Teil soo unbeschreibliches Leid durchgemacht hat: Verfolgung, Ächtung, Rassenhass, Folter, Ermordung, totale Rechtlosigkeit etc.etc., wie kann die Regierung eines solchen Landes die Bewohner eines Nachbarlandes derart peinigen, derart verachten, derart rechtlos machen? Ich will das eine keinesfalls mit dem anderen gleichsetzen, der Holocaust ist einzigartig in seiner Grausamkeit, aber trotzdem stelle ich mir immer wieder diese Frage.
    E. A. Stettler, am 17. August 2020 um 16:32 Uhr
    Der Artikel ist ziemlich einseitig gehalten, emotional und idealisiert.
    Diese Vereinfachung des Konflikts der schon vor der Staatsgründung Israels begann ist nicht angetan zu einer Lösung zu finden.
    Die Vielschichtigkeit und Komplexität muss zwingend seinen Platz in dem Verständnis haben.
    Unschuldslämmer gibt es nicht.
    Kritische Haltung und eine sachliche Auseinandersetzung findet in diesem Artikel nicht statt, dafür Pathos das niemandem dient.
    Das die Palästinenser leiden müssen macht mich betroffen, ich hoffe das es ein gangbarer Weg für die beiden Parteien möglich sein wird.
    Den Frieden können wir nicht an ihrer Stelle machen.
    Gilbert Nedi, am 18. August 2020 um 05:41 Uhr
    Die alte Frage: Welches «Palästina"?! Es gibt keinen Staat mit diesem Namen und es gab auch früher keinen. Arafat (ein Mörder mit Friedensnobelpreis!) hatte mit der Intifada ein bis dahin friedliches Zusammenleben der Israelis mit den Arabern boykottiert. Es ist leidig, immer wieder die Facts auf den Tisch legen zu müssen. Lest doch endlich die Geschichtsbücher statt falsche Tatsachen nachzuplappern. Es könnte längst Frieden herrschen, wenn die arabische Welt endlich einlenken würde.
    René Lütold, am 18. August 2020 um 10:22 Uhr

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