Erfolgsautor und Besitzer der Galicia Bar in Olten: Alex Capus © Wiki
Der Kanton Solothurn ist keine Einheit © SO

Erfolgsautor Alex Capus: Der Kanton Solothurn ist «Mittelalter»

Christian Müller / 01. Dez 2019 - Der seit über 50 Jahren in Olten lebende, international bekannte Schriftsteller wagt, «seinen» Solothurnern die Meinung zu sagen.

Die kleine Stadt Olten war schon immer und ist auch heute noch der Mittelpunkt – der Bauchnabel – der Schweiz: Hier kreuzen sich die Nord-Süd- und die West-Ost-Verbindungen der Bahnlinien und auch der Autobahnen. Und hier trifft man sich, mit Vorliebe im Bahnhof-Buffet, wenn es um eine Sitzung von Politikern oder Geschäftsleuten geht, die aus allen Landesteilen kommen, aber den ÖV dem Autobahn-Stau vorziehen. So gab Olten als Sitzungsort seinen Namen denn auch einer kulturell äusserst wichtigen Vereinigung, der «Gruppe Olten» eben, eine 1971 gegründete Vereinigung von fortschrittlich-sozial gesinnten Schweizer Autorinnen und Autoren, die sich für eine weltoffene Schweiz einzusetzen bereit waren – darunter so bekannte Leute wie Peter Bichsel, Jeanlouis Cornuz, Walter Matthias Diggelmann, Ernst Eggimann, Max Frisch, Kurt Marti, Adolf Muschg, Jörg Steiner, Yves Velan, Walter Vogt, oder auch Otto F. Walter, als Leiter des damaligen Walter Verlages selber aus Olten. Die Statuten der Vereinigung hatte der bekannte Liedermacher und Bänkelsänger Mani Matter verfasst. Die darin enthaltene Zielsetzung der «Gruppe Olten» lautete: «Sie unterstützt politische Bestrebungen auf nationaler und internationaler Ebene, die die gerechte Verteilung der Güter, die Demokratisierung der Wirtschaft und der öffentlichen Einrichtungen, den Schutz der Welt vor militärischer und ziviler Zerstörung sowie die Verwirklichung der Menschenrechte bezwecken». Die «Gruppe Olten» löste sich im Jahr 2002 zwar wieder auf, ihr Ziel aber ist noch immer – oder besser: heute mehr denn je – das Ziel, für dessen Erreichen wir uns alle, Jung und Alt, einsetzen sollten.

Die 18'000-Seelen-Stadt Olten beherbergt auch heute einige brillante Köpfe, nicht zuletzt den Erfolgsautor Alex Capus. Obwohl französisch-schweizerischer Doppelbürger lebt Capus seit seinem fünften Lebensjahr, seit 1966, in Olten und ist so zum echten Oltner geworden. Heute ist er dort sogar Eigentümer und Manager der Musik-Bar Galicia, wo er sicherstellt, dass seine Literatur nicht aus einem Elfenbeinturm kommt, sondern im Kontakt mit echten Menschen vor Ort entsteht.

Und jetzt die Provokation …

Und was hat das alles mit dem Kanton Solothurn zu tun, ausser dass Olten eben eine Stadt im Kanton Solothurn ist? Das Magazin des Solothurner Gewerbeverbandes «SO Magazin» hat Alex Capus interviewt und das Interview in der Ausgabe 6 dieses Jahres veröffentlicht. Darin stehen neben vielen anderen die folgenden zwei Fragen und Antworten:

Was würden Sie im Kanton Solothurn verändern?

    Alex Capus: «Offengestanden würde ich den Kanton Solothurn auflösen. Er ist meiner Meinung nach ein mittelalterliches Gebilde. Der Kanton hat mit den Lebensrealitäten der Menschen nichts zu tun. Dornach soll meiner Meinung nach zum Kanton Baselland, Bern oder Jura. Von Oensingen an nach Westen zum Kanton Bern und wir in Gottes Namen zum Kanton Aargau. Ungern, aber das machen wir.»

... und die Schweiz? Wollen Sie die auch auflösen?

    Alex Capus: «Nein. Aber ich bin sicher, dass es im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr hat für nationale Alleingänge und Isolationismus. Das ist vorbei. Wir müssen zusammenarbeiten und das Rahmenabkommen unter Schmerzen annehmen. Die Kooperation mit unseren Nachbarn ist unvermeidlich. Ich befürworte deshalb einen EU-Beitritt.»

Solothurn ist schockiert …

Schon im Jahr 2013 auf Infosperber

Die Idee, dass man den Kanton Solothurn aufteilen und ohne jeden Nachteil anderen Kantonen zuteilen könnte, ist denn auch nicht ganz neu. Politisch würde sich kaum etwas ändern, aber es würde eine Unmenge Geld für eine separate Administration gespart. Schon vor bald sieben Jahren, am 16. Februar 2013, brachte Infosperber den folgenden Artikel:

So sieht der Kanton Solothurn auf der Karte aus: Unzusammenhängend, verstreut, ohne natürliche Grenzen.

Auch die Schweiz hat ihre Bürokratie-Monster

Christian Müller / 16. Feb 2013 - Brüssel könnte 40 Milliarden Euro einsparen, sagen Experten. Unser Sparpotenzial ist ebenso gross. Auch De-Zentralisierung kostet.

Wo immer in der Schweiz von «Brüssel» als EU-Zentrale die Rede ist, wird vom «Bürokratie-Monster» gesprochen. Das Beispiel für unnötige Regulierungen ist dann üblicherweise die Verordnung, welche Krümmung eine Gurke haben darf, eine Regulierung, die im übrigen schon 1988 auf Wunsch des Handels von der EG gesetzt worden war und schon seit 2009 wieder aufgehoben ist, vom Handel aber immer noch – freiwillig! – befolgt wird. Aber selbst Bundesrätin Doris Leuthard erwähnte gegenüber dem Autor dieser Zeilen, als er sie Anfang November 2012 auf das Thema EU ansprach, eben diese Gurken-Krümmungs-Verordnung.

Wir brauchen keine Gurken-Krümmungs-Regulierungen. Wir würden uns tatsächlich gescheiter um die, wie man sieht, immer und immer wieder unredlichen Banken kümmern und dort mit strengeren Regulierungen einfahren. Aber das ist eine andere Geschichte.

Es gibt in Brüssel Einsparpotenzial

Auch in Brüssel hat man natürlich schon davon gehört, dass die EU-Zentrale das Image eines Bürokratie-Monsters hat. Und so vergab man einen Auftrag an Edmund Stoiber, den Ehrenvorsitzenden der Bayerischen CSU, Vorschläge zur Vereinfachung der EU-Verwaltung zu machen. Vor Jahresfrist, im Februar 2012, übergab Stoiber seine Studie an EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Gefundenes Einsparungspotenzial: 40 Milliarden Euro.

Eine Wahnsinnssumme? Ganz einfach: 80 Euro pro EU-Bürger. Immerhin.

Nicht nur Zentralisierung kostet

Doch wenn überall gesagt wird, dass Zentralisierung eine Unsumme Geld verschlinge und dezentrale Strukturen günstiger seien, so ist das immerhin mit Vorsicht zu geniessen. Denn auch dezentrale Strukturen kosten und könnten oft restrukturiert werden – mit vergleichbarem Sparpotenzial.

Nehmen wir einen Fall aus der Schweiz: Die Kantone Aargau und Solothurn. Sie sind sich so ähnlich wie zwei eineiige Zwillinge, ausser dass der eine etwas grösser und der andere – logischerweise – also etwas kleiner ist.

Als Beispiele für gleiche Strukturen:

● Beide Kantone haben keine Metropole, sondern sind multizentral strukturiert. Die grösste Gemeinde im Aargau, Wettingen, hat 20'200 Einwohner (100 mehr als Aarau), die grösste Gemeinde im Kanton Solothurn, Olten, 17'600.

● Beide Kantone sind aufgesplittet in fast unzählige Gemeinden: der Aargau zählt 219 Gemeinden, der kleinere Kanton Solothurn 118.

● Beide Kantone haben die gleiche Bevölkerungsstruktur: 0-19jährig: AG 21 Prozent, SO 20 Prozent, 20-64jährig: AG 63 Prozent, SO 62 Prozent, über 64jährig: AG 16 Prozent, SO 18 Prozent.

● Beide Kantone haben einen gleich hohen Ausländeranteil: AG 22 Prozent, SO 20 Prozent.

● In beiden Kantonen lebt man gleichermassen «familiär»: im AG mit 2,3 Personen pro Haushalt, in SO mit 2,2 Personen pro Haushalt.

● Die Schulsysteme sind in beiden Kantonen gleich: Es gibt die Primarschule, die Sekundarschule und die Bezirksschule.

● In beiden Kantonen ist man gleich gebildet: «Sekundärstufe II im AG 53 Prozent, im SO 53 Prozent.

● In beiden Kantonen sitzen die grossen Strom-Konzerne: die Axpo in Baden/AG, die Alpiq in Olten/SO.

● In beiden Kantonen gibt’s Atomkraftwerke.

● Beide Kantone haben einen gleich hohen Anteil an Landwirtschaftsfläche: AG 45 Prozent, SO 43 Prozent.

● Beide Kantone haben, trotz Bischofssitz Solothurn, praktisch gleich viele römisch-katholische Einwohner: AG 40.1 Prozent, SO 43.5 Prozent.

● In beiden Kantonen ist man gleichermassen motorisiert: Im AG kommen auf 1000 Einwohner 562 Personenwagen, in SO 552.

● In beiden Kantonen bevorzugt man für den Arbeitsweg das eigene Auto: Im AG tun dies 55 Prozent, in SO 55 Prozent.

● In beiden Kantonen ist man gleich gesund. Die Hospitalisierungsquote liegt im AG auf 1000 Einwohner bei 130, in SO bei 135.

● In beiden Kantonen hat es gleich viele SP-Wähler: im AG 18 Prozent , in SO 18 Prozent.

● In beiden Kantonen ist der Anteil der Rechtsbürgerlichen etwa gleich hoch (SVP und FDP): im AG 46 Prozent, in SO 43 Prozent.

● Beide Kantone liegen an der Aare. Beide Kantone umfassen grössere Jura-Anteile. Beide Kantone kennen den Nebel fast besser als die Sonne.

● Und. Und. Und.

Es gibt nur minimalste Unterschiede

Es gibt nur drei Unterschiede zwischen dem Kanton Aargau und dem Kanton Solothurn:

● Der FC Aarau spielt in der Challenge League, der FC Solothurn in der 1. Liga.

● Die Solothurner Fasnacht ist zum Lachen, die Aarauer Fasnacht ist lächerlich.

● Im Ostaargau, etwa in Spreitenbach/AG, sagt man: «Si sind e schöni Frau!» («Sie sind eine schöne Frau!»). Im Süden des Kantons Solothurn, etwa in Messen/SO, aber sagt man: «Dihr sit e schöni Frou!» («Ihr seid eine schöne Frau!»). Doch diese Differenz ist rein theoretisch, denn in beiden Kantonen würde man so etwas nie sagen: Charmant ist man weder im Aargau noch im Kanton Solothurn. In beiden Kantonen geben sich die Leute verschlossen und fallen, zumal im Kontakt mit «Fremden», nicht durch besondere Freundlichkeit auf.

Der geneigte Leser merkt etwas

Warum die lange Aufzählung? Man könnte die beiden Kantone morgen schon zusammenlegen, und es würde sich nichts, aber auch gar nichts ändern. Weder politisch noch wirtschaftlich, weder kulturell noch gesellschaftlich. Der neue Kanton «Solaargau» würde zwar zum drittstärksten Kanton der Schweiz und würde den Kanton Waadt von dieser Position verdrängen, aber eingeklemmt zwischen der Nr. 1 Kanton Zürich (mit 1,4 Mio Einwohnern) und der Nr. 2 Kanton Bern (mit 1 Mio Einwohnern) wäre das eher ein Vorteil als ein Nachteil. Und im Ständerat gäbe es halt wieder nur 44 Ständeräte, so viele wie vor der Schaffung des Kantons Jura im Jahr 1979. Wobei ja auch eine Übergangslösung denkbar wäre.

Kein Mensch käme auf die Idee, das Wallis mit einem anderen Kanton zusammenzulegen. Die Walliser wollen wir so, wie sie eben sind: ein bisschen anders. Kein Mensch käme auf die Idee, den Kanton Tessin mit einem anderen Kanton zu fusionieren. Wir brauchen die Südschweizer, schon um die italienischen Nachbarn zu verstehen. (Man könnte dem Tessin höchstens das Misox anhängen, damit der Kanton Graubünden seine Schulbücher nur noch in vier und nicht in fünf Sprachen drucken muss.) Aber den Aargau und den Kanton Solothurn zusammenlegen, das wäre eine Reform, die viel, viel Geld sparen würde: unsinnig ausgegebenes Geld!

Einsparungspotenzial: 50 Mio Franken – mindestens

Die These sei gewagt. Das Einsparungspotenzial liegt bei 50 Mio Franken. Eine ganze kantonale Verwaltungsstruktur könnte ersatzlos gestrichen werden: ein fünfköpfiger Regierungsrat, ein ganzes Kantonsparlament, jede Menge Verwaltungsämter, jede Menge Büroräumlichkeiten, jede Menge IT-Systeme. 50 Millionen Franken Einsparung, das wären zwar nicht wie in Brüssel 80 Euro pro Einwohner, aber immerhin 60 Franken pro Einwohner des neuen Kantons mit 875'000 Einwohnern. Und das nicht einmalig, sondern jährlich!

Und warum tut man das nicht?

Aus drei Gründen:

● Es geht beiden Kantonen relativ gut. Warum soll man etwas ändern, wenn dafür keine Not ist?

● Es würden nicht nur zahlreiche Beamte überflüssig, sondern auch viele Politiker: Regierungsräte und Gross- respektive Kantonsräte. Welcher Politiker aber lanciert eine Reform, wenn Gefahr besteht, dass er dabei selber überflüssig wird?

● Es ist doch viel «schweizerischer», der EU ein Bürokratie-Monster vorzuhalten, als selber über Bürokratie-Reformen nachzudenken.

Und so wird es denn kommen, wie es kommen muss: Irgendeinmal entscheidet es sich von selbst. In einem Punkt ist das schon geschehen, eine Doppelspurigkeit ist schon erledigt: Nur der Kanton Aargau hat noch eine Kantonalbank. Die Solothurner Kantonalbank musste vorzeitig liquidiert werden, weil sie sich bei der Übernahme einer kleineren Landbank übernommen hatte. Wo keine Ideen und keine Initiativen sind, wo die Demokratie den Schlaf der (Selbst-)Gerechten schläft, da entscheidet am Schluss fast immer – die leere Kasse.

Kleines PS: Es versteht sich von selbst, dass man im Realfall die Solothurner Bezirke Dorneck und Thierstein dem Kanton Baselland zuschlagen würde. An der Argumentation und am Einsparungseffekt allerdings würde sich dabei nichts ändern.

Und ein zweites PS aus dem Jahr 2019: Nachdem es keine Solothurner Kantonalbank mehr gibt, gibt es auch keine Solothurner Medien-Gruppe mehr. Alle relevanten Medien-Titel gingen in den Aargau, seit kurzem sogar in Zusammenarbeit mit Zürcher Medien. Die nächste Bereinigung wird wohl in der Strombranche über die Bühne gehen. Man lässt sich in Solothurn eben lieber überrollen, anstatt selber den Weg in die Zukunft zu wählen. (cm)

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Der Autor Christian Müller war von 2003 bis 2009 CEO der Vogt-Schild Medien Gruppe, die u.a. die Solothurner Zeitung und das Grenchner Tagblatt herausgab. Vogt-Schild wurde dann 2009 von der Besitzerin, der «Hans und Gottlieb Vogt Stiftung», an die Aargauer AZ Medien Gruppe verkauft.

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4 Meinungen

Ja die Lieben Oltner, gäu Alex. Olten, früher dem Bischof zu Basel zu Eigentum, «rebellierte» schon immer und dies nicht erst seit Herr Capus in Olten wohnt oder gewohnt hat. Den Oltnerstolz kennt man im ganzen Kanton Solothurn, ist auch richtig so. Wie die vielen Gemeindefusionen gezeigt haben, bringen diese neuen Gebilde nicht viel, schon gar keine Ersparnisse (siehe z.B. die Arbeitsplatzgarantie für alle bisherigen Angestellten) aber ganz sicher eine Bürgerferne anstelle von Bürgernähe. Gemeindefusionen und ganz sicher Kantonsfusionen fördern nur die Politikerkaste (noch mehr Profi-Politiker) und führen zu Bürgerverdruss. Die da oben machen ja sowieso nur was sie wollen, vernimmt man ja jetzt schon landauf und landab.
Solothurn ist, wie wir alle wissen, eine historisch gewachsener Klein-Staat (mit allen seinen Vor- und Nachteilen), schon immer «eingequetscht» zwischen den zwei damaligen Grossmächten (!) Basel und Bern und hat sich immer behauptet. SO hat sich bis vor die Stadt Basel gewagt, muss man sich mal vorstellen damals. Man sollte sich fragen warum ist dies SO gelungen? Dem mächten Bern zu trotzen und dem reichen und stolzen Basel ebenso. SO ist ein Erfolgsbeispiel!
Mario Bernasconi, am 01. Dezember 2019 um 11:01 Uhr
Ich habe das Interview von Alex Capus im Original gelesen und finde es - wie übrigens auch obenstehenden Artikel - keineswegs «brillant», sondern nehme es als unstrukturierte Ansammlung von Unausgegorenem und Gemeinplätzen wahr.
1. Solothurn ist nicht Mittelalter, sondern - historisch gesehen - ein Produkt der Territorialisierung, die im Falle des Kantons Solothurn erst 1668 mit dem Vertrag von Wynigen ihren Abschluss fand. Also wenn schon ist Solothurn Frühe Neuzeit.
2. Die Kantone sind nicht einfach nur Gliedstaaten (wie die deutschen Bundesländer) oder gar nur Verwaltungseinheiten (wie die französischen Régions), sondern souveräne Staaten eines föderalen Bundes. Sie können und sollen deshalb nicht einfach hin und her geschoben werden, wie es die politischen Launen gerade gebieten.
3. Vielfach sind Strukturdiskussionen grandiose Ablenkungsmanöver. Sie sollen davon ablenken, die tatsächlich vorhandenen Probleme der Bevölkerung anzugehen und zu lösen - und zwar in den gegebenen Strukturen. So gesehen sind auch die Brexiteers nichts anderes als gewiefte Ablenker. Und setzen sich dann diese Strukturreformer durch, so werden durch die Neustrukturierung während Jahren Ressourcen abgesogen, die dann für die wirklichen Probleme fehlen. Mir ist im übrigen kein einziges Problem bekannt, das in den gegebenen Strukturen nicht gelöst werden könnte.
4. Klar könnte mit einer Strukturreform gespart werden, gleich wie mit einer konsequenten Entbürokratisierung bestehender Strukturen.
Markus Schneider, am 01. Dezember 2019 um 13:05 Uhr
Kultur und Politik

Zum Glück haben politisch aktive Kulturschaffende wie Alex Capus in den letzten Jahrzehnten an Einfluss auf die Politik verloren. Das Schüren von Emotionen, falsche Bilder, undifferenzierte Darstellungen von politischen Konflikten und das einseitige Partei ergreifen tragen leider nichts dazu bei, politische Probleme zu lösen. Dazu braucht es Nüchternheit, sachliches Abwägen der Positionen und eine unaufgeregte Diskussion. Alles langweiliges Zeug, also nichts für Kulturschaffende.
Alex Schneider, am 01. Dezember 2019 um 13:56 Uhr
Man darf solche Ideen sicher mal lancieren. Wenn das bei einer Mehrheit der Solothurnerinnen und Solothurnern auf Begeisterung stossen sollte, dann könnte man das schon machen. Sonst kann man es vergessen. In der Umstellungsphase würde die Bürokratie sicher einmal kräftig ausgebaut.

Die Gemeinplätze über die globalen Probleme, die man nur global lösen könne, helfen nicht wirklich weiter. Es wird so getan, als ob es selbstverständlich sei, dass ein Staat funktioniert. Ist es aber nicht. Die Regionen, wo Staaten nicht funktionieren, nennt man dann Krisenregionen. Von denen gibt es leider viel zu viele.
Ob ein grosser Staat namens «Vereinigte Staaten von Europa» gut funktionieren würde, wird überhaupt nicht hinterfragt. Dies ist aber nicht gottgegeben. Ob es wirklich ein Gewinn wäre, wenn ein solcher Staat dann geopolitisch auch noch als grosser, mächtiger «Player» mitmischeln würde, wage ich auch zu bezweifeln.
Daniel Heierli, am 05. Dezember 2019 um 19:41 Uhr

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