Iraner gehen auf die Strasse – künftig mit Waffen aus den USA? © INP
Hillel Frisch auf der Website von BESA © BESA

Waffen aus den USA für die Protestierenden im Iran

Christian Müller / 10. Jan 2018 - Ein israelischer Professor fordert öffentlich, die USA sollen die Protestierenden im Iran mit Waffen versorgen und sie ausbilden.

Unglaublich aber wahr: Der prominente israelische Politologie-Professor Hillel Frisch fordert in einem Artikel in der grossen und renommierten israelischen Tageszeitung Jerusalem Post, dass die USA – zusammen mit ihren Alliierten, inklusive Israel – die in Iran Protestierenden mit Waffen ausrüsten und sie in deren Gebrauch ausbilden sollen!

Regime Change

Die Strategie ist bekannt. Sie nennt sich Regime Change, die Auswechslung einer unbeliebten Regierung zugunsten einer US-freundlichen und US-abhängigen Regierung durch Unterstützung Protestierender mit Geld und mit Waffen. Die Folge davon, fast immer: ein «failed state», ein gescheiterter Staat. Der Irak, Libyen, Syrien, die Ukraine und etliche andere Staaten, die nicht mehr funktionieren, zeigen, wie das menschenverachtende Machtspiel abläuft.

Hillel Frisch ist Professor für Politische Wissenschaften an der University Bar Ilan in Tel Aviv, studierte u.a. an der Columbia University in New York und ist heute einer der aktiven Berater an dem der Universität Bar Ilan angehängten Center for Strategic Studies BESA, das diesen Artikel nun ebenfalls auf seine Website gesetzt hat.

«Rhetorische Unterstützung ist nicht genug»

Schon in der vom BESA Center verfassten Zusammenfassung steht es klar und deutlich:«Rhetorische Unterstützung für die Protestierenden im Iran bei ihrem Ruf nach Freiheit ist nicht genug. Die USA, mit ihren Alliierten, inklusive Israel, müssen in diesem günstigen Moment Tag und Nacht dafür sorgen, dass die gegen das Regime Protestierenden mit Waffen ausgerüstet und in deren Gebrauch ausgebildet werden.»

EXECUTIVE SUMMARY: Rhetorical support for the Iranian protesters in their quest for freedom is not enough. The US, with the help of its allies, including Israel, must work 24/7 to provide – at the most opportune moment – arms and the knowhow to use them to the protesters against the regime.»)

Strategische Empfehlungen inklusive

Hillel Fisch gibt in diesem seinem Artikel detaillierte Anweisungen, wie vorgegangen werden soll, in den Städten, auf dem Land, am Rande des Landes – getreu seinem Job als Berater eines Zentrums für strategische Studien. Ja er erwähnt sogar die Gefahr des Scheiterns. Darin wörtlich: «Ein zweites mögliches Hemmnis (für einen Einsatz) ist das schlechte Gewissen im Falle eines Scheiterns. Der Einsatz mag tatsächlich scheitern, mit blutigen Folgen für die Opposition. Aber dieses Scheitern wird bloss vorübergehend sein. So wie sich diese neue Protest-Woge nach einer ersten Protest-Woge vor zehn Jahren erneut hat bilden können, so wird sich auch nach einem Scheitern (eines Protests mit Unterstützung von aussen) wieder eine neue Protest-Woge bilden können.»

(«The second form of remorse is over failure. The effort might fail, with bloody consequences for the opposition. But that failure would be only temporary. Just as this wave succeeded the one that surged a decade ago, another will follow.»)

Frage an Professor Hillel Frisch: Und wie geht es den Menschen in einem solchen Land nach einem von den USA initiierten und mit Waffen unterstützten, aber gescheiterten Aufstand? Wie viele Jahre dauert der Bürgerkrieg in Syrien schon? Und wohin fliehen die Menschen nach dem von den USA beabsichtigten, aber gescheiterten Regime Change, z.B. die obdachlos gewordenen Syrier?

– – – – – –

Das BESA Center for Strategic Studies weist unter jedem Artikel darauf hin, dass es seine Existenz der Unterstützung durch die Familie von Greg Rosshandler verdankt. Greg Rosshandler ist, wie man im Internet nachlesen kann, ein australischer «Philanthropist» und auch der Geldgeber des Jerusalem Institute for Strategic Studies JISS. – Man ist in Anbetracht dieses australischen Philanthropen – Philanthrop heisst zu deutsch: Menschenfreund – unweigerlich an die US-amerikanische «Philanthropin» Nina Rosenwald erinnert, die das Gatestone Institut finanziert – mit Millionen von Dollars und mit dem einzigen Ziel, Hass auf die muslimische Welt zu schaffen. Infosperber hat auch darüber eingehend berichtet.

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22 Meinungen

Das ist öffentlicher Aufruf zu Gewalt und Eskalation und widerspricht der UNO-Charta, Art. 2 (Gewaltverbot).
Welcher Staat bzw. welche Staaten haben den Mut, Sanktionen gegen Israel, die USA und Verbündete zu verhängen?
Weil die Realwirtschaft - vor allem in den USA - ziemlich am Boden ist, würden namhafte Sanktionen die USA ziemlich hart treffen.
Paul Steinmann, am 10. Januar 2018 um 11:41 Uhr
Dieses Zündeln des Professors ist sehr sehr dumm und macht die iranischen Oppositionellen in den Augen des Regimes zu Marionetten des westlichen Imperialismus. Ich bin mir sicher, dass diese Aussage aus dem Feindesland Israel von der Regierungspropaganda als willkommene Munition gegen die Opposition verwendet wird.
Pirmin Meier, am 10. Januar 2018 um 11:45 Uhr
Die Ukraine als failed state gleich hinter Syrien aufzuführen hat definitiv nichts mehr mit seriösem Journalismus zu tun, sondern bedient bloss russische Propaganda. Im Grunde hat die Ukraine dieselben Probleme wie Russland - endemische Korruption, Herrschaft der Oligarchen, mangelnde Rechtssicherheit usw. - nur, dass diese im Gegensatz zu Russland nicht brachial unter dem Deckel gehalten werden, sondern von einer recht lebendigen Zivilgesellschaft (und ein bisschen auch von der Regierung) bekämpft werden. - Daneben ist es ein Beleidigung für die Ukrainer, sie lediglich als Manövriermasse von Grossmachtinteressen der USA, Russlands oder der EU wahrzunehmen - sie sind wie wir Schweizer trotz unterschiedlicher geschichtlicher Hintergründe und Traditionen ein sehr eigenständiges, eigenwilliges, auf Selbständigkeit bedachtes Volk und wollen auch so wahrgenommen werden, d.h. nicht als tumbe Zombies der Grossmächte.
Christian Schaefer, am 10. Januar 2018 um 12:36 Uhr
Auf dass bald der gesamte mittlere Osten in die Fänge der israelisch-amerikanischen Mafia landet! Bei seinen mangelhaften Geografiekenntnissen würde Trump dafür wohl noch einen Atomwaffeneinsatz wagen.
Hermann K.J. Fritsche, am 10. Januar 2018 um 12:38 Uhr
Danke für diese Information.
Es ist immer wieder von Neuem empörend, wie die Bevölkerungen der westlichen Nationen über den Mainstream blank angelogen werden. Da werden in TV und Zeitungen Regierungen von Nationen – ohne diese jetzt positiv oder negativ zu bewerten – nach Gutdünken der Machteliten angeschwärzt als Mörder, Diktatoren und sonstige Unmenschen, obwohl die Sachverhalte völlig anders liegen. Das ist nicht nur höchst negative und bewusste Propaganda, sondern auch schändliche Volksverhetzung. Ausgerechnet diejenigen Mächte aus USA und Israel machen das, die handkehrum – wie sie es halt gerade brauchen – andere Regierungen heruntermachen wegen angeblichen Menschrechtsverletzungen und Nichteinhaltens des Völkerrechts.
Revolutionsführer: USA, Zionisten und ein Regime am Persischen Golf haben die Unruhen in Iran organisiert
http://parstoday.com/de/news/iran-i35783-revolutionsführer_usa_zionisten_und_ein_regime_am_persischen_golf_haben_die_unruhen_in_iran_organisiert
US-Repräsentantenhaus verabschiedet Resolution zur Unterstützung der Unruhen in Iran
http://parstoday.com/de/news/iran-i35799-us_repräsentantenhaus_verabschiedet_resolution_zur_unterstützung_der_unruhen_in_iran
Elisabeth Krail, am 10. Januar 2018 um 12:38 Uhr
@Krail. Die Unterstellung, die Opposition im Iran sei vom Ausland gemacht, ist untere Schublade, lässt sich auch nicht halten, wann man beispielsweise schon vor 50 Jahren etwa den einstigen Schahkritiker und späteren Ayatollah-Kritiker Bahman Nirumand gehört hat, er sprach in Berlin wie auch in der 68er Zeit an der Uni ZH. Dass im Iran fast Jahr für Jahr Homosexuelle aufgehängt werden, zu schweigen von den empörenden Verhörmethoden der dortigen Justiz, ist in jedem einzelnen Fall ein immer noch grösseres schändliches Verbrechen als es Trump bei allem ehrlichen bösen Willen (dank des amerikanischen Verfassungssystems) bisher nicht so richtig hingekriegt hat. Vom Eindruck her scheint der von ihm verursachte Schaden noch unterhalb des Schadens von Kennedy im ersten Amtsjahr zu liegen, dessen Politik weit mehr Angst vor dem 3. Weltkrieg ausgelöst hat. Vielleicht ist es sogar der bisher geringste Schaden eines US-Präsidenten in den letzten 70 Jahren, wenn wir von den zumal psychischen Problemen mal absehen, die Trump bei Neurotikern, die sich für Psychiater halten oder psychiatriegläubig sind, auslöst. Umstritten bleibt die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels. Sie wäre weniger umstritten, wenn Israel so mächtig wäre wie China, vgl. Nixon und Kissinger. Die Anerkennung Chinas galt als staatsmännische Tat, so wie andererseits der Besuch Trumps in Davos, zwar mit wenig politischer Bedeutung, einen fragwürdigen Höhepunkt in der Amtszeit des BP Berset markieren könnte.
Pirmin Meier, am 10. Januar 2018 um 13:34 Uhr
@Pirmin. Wie üblich wenig Argumente, aber etliche Rundumschläge: Was hat die Situation Irans vor 50 Jahren mit der heutigen wirklich zu tun? Was genau wäre denn eine ehrlicher böser Wille? Welche Taten Kennedys haben fast einen Weltkrieg ausgelöst? Sind wirklich alle Psychiater Neurotiker, oder ist die Psychiatrie nach Ihrer Ansicht ans sich neurotisch? Was hat die Anerkennung eines real eistierenden Staats, mit der Annerkennung einer jüdischen Staatsillusion zu tun? Die Gründer des States Israel wollten einen freien Staat für alle Religionen. Niemand würde den real existierenden israelischen Staat nicht annerkennen, doch einen fundamentalistischen, rassistischen jüdischen Staat zu Recht nicht. Und ist denn der Beuscht Trumps die einzige Anerkemnnenswerte Leistung Berset und hat er ihn denn arrangiert? Alles Unterstellungen und bei genauer Analyse fände sich sicherlich noch einiges mehr. Es werden - wohl in der üblichen populistischen rechten Art - Äpfel mit Birnen verglichen und unbewiesene, unbeweisbare Behauptungen aufgestellt.
Hermann K.J. Fritsche, am 10. Januar 2018 um 14:31 Uhr
@ Pirmin Meier

Wenn Sie schon beim verurteilenden Austeilen sind, sollten Sie auch diejenige Seite unter ihre moralische Keule nehmen, die Sie so verteidigen.
Dazu nur einige Stichworte: Guantanamo, wo Häftlinge von den USA gefoltert und ohne Prozess verurteilt und seit Jahren gefangen gehalten werden.
Abu Ghraib. https://www.welt.de/debatte/kommentare/article127485463/Die-Folter-Bilder-verfolgen-die-USA-bis-heute.html
Über 300 Mrd. $ Waffendeal Trumps mit den Saudis, die den Jemen mit diesen Waffen erdbodengleich machen und eine Hungersnot auslösten, die bis heute anhält. https://www.mopo.de/news/politik-wirtschaft/300-milliarden---trump-schliesst-waffen-deal-mit-den-saudis-ab-26941658

Von den US-Drohnen-Attacken im Jemen ganz zu schweigen, die Zivilisten blindlings ermorden. http://www.dw.com/de/un-befürchten-millionen-hungeropfer-im-jemen/a-41308132

Die Anklage-Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. In Syrien alimentiert USrael zusmmen mit der EU die Terroristengruppen IS, Al-Nusra, «gemässigte Rebellen» mit Waffen, Geld und Training.

Diese Politik USraels richtet sich auch gegen die US-Bevölkerung, die im Drogensumpf vermodert. https://www.contra-magazin.com/2017/10/afghanistan-opium-paradies-unter-us-kontrolle/#comment-323195
und http://www.anonymousnews.ru/2017/09/02/cia-heroin-rattenlinie-wie-die-us-regierung-den-weltweiten-drogenhandel-organisiert/

Wer heute nur die eine politische Seite verurteilt, hält sich informativ nicht auf dem Laufenden.
Elisabeth Krail, am 10. Januar 2018 um 14:49 Uhr
@Psychiatrische Ferndiagnostiker können nicht ernst genommen werden, zu schweigen von Proportionen, wenn man nur schon aktenkundig weiss, wie surreal es zur Zeit Kennedys, Nixons, Johnsons, Clintons, Bushs im Weissen Haus zugegangen ist. Für 1961 lesen Sie Schlamms «Die jungen Herren der alten Erde». Betr. Israel streiten Sie sich mal mit David Klein, ebenso engagiert wie Sie, nur gegenteilig, der nun mal die Sache aus anwaltschaftlich israelischer Sicht sieht. Natürlich habe ich Nirumand gehört, seine Bücher gelesen, Israel, Syrien, Jordanien und Libanon 1966/67 besucht, über das Attentat von Würenlingen, dessen Zeuge ich war, mal vor einem Bundesrat referiert; in Sachen Israel orientierte mich stark am Buch «Wer ist Jude?» von Willi Schlamm u.an der Geschichte des Zionismus. Rufen Sie mal Raoul Castro an, wie er sich an die Invasion in der Schweinebucht erinnert. Die damalige Weltlage unter Kennedy verfolgte man jeden Tag. Sie wissen wahrscheinlich selber, wie gross Besorgnisse z.B. 1962 waren und ich weiss auch, wie sich Adenauer um den politisch unerfahrenen Kennedy Sorgen machte, das können Sie dessen Memoiren entnehmen. Betr. unterschiedliche Fakteneinschätzung diskutierten wir schon im Zusammenhang mit dem umstrittenen M. Schlapp, diese Diskussionsorgie vor ca. 2 oder 3 Jahren müssen wir nicht wiederholen. Sicher scheint mir nur, und da könnten wir uns vielleicht treffen, dass wir heute kaum besser informiert sind als 1961, bloss «masslos informiert» (Karl Steinbuch).
Pirmin Meier, am 10. Januar 2018 um 15:15 Uhr
@Pirmin. Und ganz im Sinne audite altere pars eine kompetente jüdische Stimme: Abraham Melzer «Die Antisemitenmacher», der ncoh weiss um die Vision Theodor Herzel's. Trump mit seinen Vorgängern und deren Fehler zu vergleichen ist recht mutig; die von ihnen zitierten verfügten zumindest noch um etliche sprachliche, aber auch diplomatische Fähigkeiten.
Hermann K.J. Fritsche, am 10. Januar 2018 um 15:24 Uhr
@Krail. Danke für die Hinweise. Ich kann Ihnen nur zustimmen.
Hermann K.J. Fritsche, am 10. Januar 2018 um 15:35 Uhr
Er ist nicht ernst zu nehmen, der israelische Politologie-Scharlatan Hillel Frisch. Das Problem ist höchstens, dass ihn die westlichen Mainstreammedien zu ernst nehmen. Natürlich träumt er wie der neurotische Trump und dessen wirre Entourage davon, den Iran zu destabilisieren, dort einen bewaffneten Aufstand anzuzetteln. Ein absurdes Unterfangen, das schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Nun sind es bald 5 Jahre her, dass Hassan Rohani zum Präsidenten Irans gewählt wurde. Im Frühjahr 2017 erfolgte seine Wiederwahl. In beiden Urnengängen siegte Rohani, der als gemässigt gilt, gegen einen konservativen, Rechtsaussen Kandidaten um den bizarren, muslimischen Extremisten Ahmadinedschad. Aus diesem Lager stammt die eigentliche Opposition. Diejenigen, die jetzt Trump und seine Mitläufer unterstützen wollen, bilden ein armseliges Häufchen von neoliberalen Utopisten, kaum fähig, eine Wirtshausschlägerei vom Zaum zu reissen. Dass der Iran zu einem «failed state»ver kommt braucht nicht befürchtet zu werden. Apropos «failed state» Ukraine: Es ist nur eine Frage der Zeit und sie wird in einen westlichen und östlichen Landesteil zerfallen. Der wirtschaftlich potentere Osten dürfte sich dann – wie die die Krim - der russischen Föderation anschliessen
Peter Beutler, am 10. Januar 2018 um 16:35 Uhr
Den Feind zu vernichten, bevor er zu stark wird, lautet die Maxime Israels seit 1948.
So ist denn auch die Forderung eines israelischen Professors nicht unglaublich, sondern - leider - ganz normal. Im Artikel von Jeremy Salt ist die kriegerisch unrühmliche Vergangenheit Israels eindrücklich festgehalten. (Original auf englisch im «The Palestine Chronicle», übersetzt auf französisch im «Arrêt sur Info».)
https://www.palestinechronicle.com/israel-ready-for-a-very-violent-war/
http://arretsurinfo.ch/israel-aime-et-veut-la-guerre/
Andreas Mathys, am 10. Januar 2018 um 17:31 Uhr
Nirumand, zur Zeit seines Auftritts in Zürich als Freund Rudi Dutschkes gehandelt, zählt wie @Beutler den Präsidenten Rohani zu den Gemässigten; scheint ihn als geringstes Übel zu einzuschätzen, wobei der einstige Revolutionär Nirumand, 1982 von den Ayatollahs aus dem Iran verjagt, unterdessen sowohl in Deutschland, wo seine Tochter ein Buch über Merkel geschrieben hat, wie im Iran sich mit den Verhältnissen arrangiert hat und offenbar zu seinen Lebzeiten (er wird 82) weder hier noch dort mit grösseren Veränderungen rechnet und mit seiner Rente zufrieden zu sein scheint. Dabei gab er sich noch zur Zeit seiner spektakulären Vortragsreisen als religionskritischer, das heisst linker Perser. Es war wohl ein Arrangement mit den linken und linksextremen Schahgegnern in Deutschland. Den Schleier verklärte Nirumand aber schon vor Jahrzehnten als gegen den Westen gerichtete Abgrenzung. Sicher ist, dass er von einem ganz anderen Iran träumte als von der realen Theokratie, mit deren «Gemässigten» er sich abfindet. 5% der Freiheitseinschränkungen, wie sie im Iran normal sind, würden in Deutschland oder im Lande Trumps wohl schon längst als «Faschismus» gelten. Hier ist die Perspektive der Kommentare, welche mit den offiziellen iranischen Versionen betr. die Opposition im Stechschritt mitmarschieren, wohl zu relativieren. Ein freier Iran, für welchen gebildetes Personal vorhanden wäre, wird dort den auf Dauer unvermeidlichen Kulturkampf wieder aufnehmen, wo Nirumand resigniert hat.
Pirmin Meier, am 10. Januar 2018 um 17:40 Uhr
@Pirmin. Diese wohl üblichen historischen Vernebelungen sind keine Argumente, dass es ein geradezu verbrecherisches Unterfangen ist, die sog. Opposition im Iran mit Waffen zu versorgen. Das ist eine gezielte Intervention, um einen Bürgerkriegt zu entfachen. Das aktuell-historische Beispiel Syrien möge als Argument genügen. Die angeblich linksextremen ehemaligen Schahgegner haben damit wohl nichts zu tun.

Im übrigen kann ich @Beutler nur zustimmen
Hermann K.J. Fritsche, am 10. Januar 2018 um 17:57 Uhr
Lieber Pirmin. Hier sind wohl die Argumentationspferde ein bisschen durchgebrannt. Ich gehe davon aus, dass die meisten der Infosperber-Rentnergeneration «68» oder «69» etwas erlebt haben und auch viele haben zum Teil sehr intime Kenntnisse der geopolitischen Lage im mittleren Osten, bzw. von den möchte-gern imperialen Gelüste v.a. von Leuten aus westlichen «Demokratien».

Persönlich kannte ich sowohl Militärs aus dem Shah-Regime wie auch Akademiker und Diplomaten der Ayatollah Zeit. Dazu auch die Bazari-Kinder, welche sich schliesslich in die USA abgesetzt haben.

Die kulturelle Tiefe und die historisch bedingte Vielfalt der Weltsichten beeindruckten mich bei diesen Begegnungen immer wieder. Kurzfassungen westlicher Regimebeschreibungen oder Einzelaussagen von Politreisenden können dieser Welt nicht gerecht werden...

... wie auch die heutigen Perspektiven von den «68ern» oft nur ein müdes Lächeln bewirken können.

Natürlich waren auch wir dabei, wenn auch nicht unbedingt in Berlin oder in Zürich, aber eben im Politseminar an der Uni-Genf, wo ich als einziger deutschprachiger das Vergnügen hatte, «Neues Deutschland» mit der NZZ und der Frankfurter Allgemeinen meinen Kollegen näher zu bringen.

In Genf fand übrigens «68» erst im 69 statt, dafür waren wir quasi «von Amtes wegen» voll in der ganzen Bewegung involviert.

Was ich von 68 zurückbehalten habe, ist die Seriosität aller involvierter und der echte Versuch, selbständig denken zu wollen. Dieses Erbe war es sich wert.
Josef Hunkeler, am 10. Januar 2018 um 19:19 Uhr
Die «Unterstützung» der Protestierenden im Iran durch Stimmen aus Israel und den USA ist vor allem unermesslich dumm. Merken diese Leute nicht, dass sie dadurch den vermeintlich unterstützten nur schaden?

Den Titel des Artikels finde ich übertrieben reisserisch. Er wäre eher für ein Boulevard-Blättli als für Infosperber passend. Er tönt so, als seien schon Waffen unterwegs, dabei hat nur ein Hitzkopf ohne Entscheidungskompetenz dies vorgeschlagen.
Daniel Heierli, am 10. Januar 2018 um 22:25 Uhr
@Heierli. Was Sie schildern, ist die Problemlage. Die Konstellation kommt den Machthabern entgegen. Es bleibt aber dabei @, Fritsche, dass die Auseinandersetzungen in der Zeit von Mossadegh, dem wichtigsten Schah-Opponenten vor bald 65 Jahren und die nach der Machtergreifung von Khomeyni unterdrückte laizistische Opposition, deren gebildete Vertreter heute in Deutschland, Frankreich, GB und USA oft im Exil eine alternative Karriere gemacht haben, Repräsentanten eines aufgeschobenen inneriranischen Kulturkampfes sind. Für die schlechten Aussichten eines sog. fortschrittlichen Islam bleibt der Iran leider ein Beispiel. Der Schah unterschätzte aber den Faktor Religion massiv. Trotz seiner oft extremen Ansichten war vor Jahren in der Schweiz der Journalist Ahmed Huber über die dortigen Verhältnisse ausgezeichnet im Bild. Wenn man seine Perspektive in die richtigen Proportionen rückte, eine zitierbare Gewährsperson. Eine gut informierte Stimme des israelfreundlichen und fundamentalismuskritischen Standpunktes war der Basler Ständerat und Aussenpolitiker Carl Miville. Leute wie dieser fehlen heute in Bern an allen Ecken und Enden. (Interessant ist, dass sich aufgeklärte muslimische Gelehrte zumal in Aleppo, der einst türkischen Hochburg des Paracelsismus, aber auch Avicenna-Kenner in Teheran schon sehr früh mit dem Schweizer Arzt Theophrastus Paracelsus auseinandergesetzt haben. Die heutigen Fundis in Teheran können leider mit dem Aristoteliker Avicenna nicht mehr viel anfangen.)
Pirmin Meier, am 11. Januar 2018 um 06:49 Uhr
@Pirmin. Und was genau hat dies mit dem Thema zu tun, dass diese Opposition, legitim oder nicht, mit Waffen versorgt werden soll? Also eine Aufforderung zum Bürgerkrieg, wie schon gehabt in Syrien? Inwiefern greift Ihre Argumentation auf dieses AKTUELLE Thema zu? Ist das eine sinnvolle Methode «aufgeklärte Muslims» im Iran zu schaffen?
Hermann K.J. Fritsche, am 11. Januar 2018 um 16:59 Uhr
@Fr.Wir verstehen uns da sehr schlecht; soeben ist ein eigentliches Monster, mutmasslicher Richter-Massenmörder aus Deutschland noch rechtzeitig in den Iran heimgeflogen. Kenne und kannte nun mal laizistische Iraner, genau so gebildet wie Sie und die das Recht hätten, die gegenwärtige religiöse Tyrannei abzuschütteln. Wie aber das anzurichten sei, ist eine andere Frage. Sie haben gelesen, was ich oben mehrmals zur läppischen Aufforderung des israelischen Professors schrieb, der aber nicht wichtiger ist als irgendein anderer intellektueller Dummschwätzer, solche gibt es halt in jedem Lager. Solche Provokateure kann man nicht gebrauchen, hoffe, dass wir uns wenigstens in diesem Punkt einig sind. Zum Schluss aber noch was zur dominierenden Debatte derzeit betr.No-Billag-Initiative. Hörte heute abend auf der Heimfahrt von einer Bibliothekstour nach SH, LU, NW, OW im Auto die beeindruckend starke SRF-Sendung «Schnabelweid», die in 10 Jahren wohl immer noch um Welten weniger kostet als ein «Tatort». Eine solche Sendung wäre, wie das freiwillige Abonnement von Infosperber, das ich noch vor Monatsende einlösen will, Geld wert, auch «Kulturgeld», aber natürlich auch «mein Geld». Unglaublich, was diese Frau Ferrari als appenzellische Erzählerin zu bieten hatte. Am 18. Jan. ist in Trogens Gemeindesaal, 20 Uhr, Vernissage des neuen Buches von Helen Meier mit Charles Linsmayer. Wäre schön, Sie könnten da kommen, bin mir sicher, dass wir uns «literarisch» pfleglicher unterhalten würden.
Pirmin Meier, am 11. Januar 2018 um 23:44 Uhr
@èPirmin. Schön, dass wir uns offensichtlich betr. SRG einig sind. Wasmich in un serem Dialog stört, ist ihr häufiger Absolutheitsanspruch, der zu Abwertungen führt. (Dummschwätzer etc.) Wir wissen, doch, dass es nur Betrachtungen aus spezifischem Kontext, aus individuellem Blickwinkel gibt und keiner hat da den «Richtigen». Systemische Betrachungsweise hilft uns Differenzen dann auszuhalten und auf Auswirkungen zu prüfen. Also im Thema, was sind erkennbare oder vermutliche Intentionen der Israelis, der USA, der Iranis und welche Aujswirkungen sind im einen oder ander Fall eher zu hoffen oder zu befürchten. Ist eine Aufforderung zu einem Bürgerkrieg und aktive Waffen-Unterstützung eines solchen legitimierbar? Mit welchen anderen Mittel, wären die womöglich positive Absicht besser umsetzbar? Ich denke solche Fragen, könnten eher etwas zu einem fruchtbaren Dialog beitragen zum Nutzen und Frommen aller Leser.
(Private Frage: Hat Helen M. auch ein Theaterstück geschrieben, welches in Trogen aufgeführt wurde? Bin mir nicht sicher. Zum Thema Literatur erwarte ich noch immer Interessantes über Dürrenmatt; bin z.Z. in Diskussion über seine letzten «Stoffe")
Hermann K.J. Fritsche, am 12. Januar 2018 um 11:02 Uhr
Dummer Professor? oder Strategie-Ausplauderer? Das Libyen-, Irak-, Syrien-Drehbuch reloaded?

Wenn man beleuchten will, wer Macht misbraucht, muss man hinschauen, wer womit durchkommt – wer moralish-ethische Prinzipien, Strafrecht verbal beteuert, aber ohne ernsthafte Konsequenzen dagegen handeln kann – gefälschte Irak-Beweise: ein Auswuchs der Arroganz der Macht, die mit zu vielem schon durchgekommen ist?

Anti-demokratische, menschenrechtswidrige, mafiöse Macht- und Aneignungs-Strategien zeigten sich u.a in:
- den von den US-Geheimdiensten geführten Para-Militär-Praktiken in Südamerika
- dem Umsturz demokratisch gewählter Regierungen zu Diktaturen (Iran 1953, Chile 1973 etc.)
- der «Drogen-Politik» (https://www.theguardian.com/news/2018/jan/09/how-the-heroin-trade-explains-the-us-uk-failure-in-afghanistan – im Licht der Interessen des Anglo-Finanz-Militärisch-Industriellen Komplexes entpuppt sich das Paradox als Macht-Gewinn-Logik) etc.

Demokratie? Menschenrechte?

US-Waffenlieferungen an «gemässigte» «syrische» Rebellen oder gar den IS – Verwüstung, Tod, Flüchtlinge etc. = collateral dammage? Die heeren Worte Demokratie und Menschenrechte nur Trojanische Pferde? Machtnetzwerk statt Deokratie? https://zeitgeist-online.de/exklusivonline/dossiers-und-analysen/632-das-guttenberg-dossier-teil-2.html (siehe Vernon A. Walters)

Warum nicht Demokratie und Menschenrechte analog zu Südafrika unterstützen? Warum stehen dennoch Zerstörungs-Strategien im Vordergrund? Wer profitiert?
Daniel Meier, am 17. Januar 2018 um 09:47 Uhr

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