Diese profitablen Flughäfen soll Griechenland an ein deutsches Staatsunternehmen verscherbeln © ARD
«Das passt eher zu einer Kolonie als zu einem EU-Mitgliedsland» © ARD

Griechenland wird wie eine Kolonie behandelt

Red. / 28. Jul 2015 - Ausgerechnet die staatliche Frankfurter Fraport AG will 14 profitable griechische Flughäfen übernehmen, nicht aber defizitäre.

Griechenland soll Staatseigentum privatisieren und vom Erlös einen Teil seiner Schulden zurückzahlen. Das fordern die Euro-Geldgeber – allen voran der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. 50 Milliarden Euro soll der griechische Staat mit der Privatisierung erwirtschaften. Unter den Hammer kommt alles, was ein Staatswesen so ausmacht: Die Post, Wasserwerke und Autobahnen, Gas- und Stromversorgung, Häfen und Flughäfen.

Im Portfolio sind nicht nur marode Staatsbetriebe, sondern auch profitable Unternehmen, die der griechischen Staatskasse jährlich Millionen einbringen. Dazu zählen auch die staatlichen Flughäfen der beliebtesten Ferieninseln Mykonos, Santorini, Kos und Korfu. Trotz bester Aussichten im Tourismussektor sollen auch sie privatisiert werden. Und: Dieser lukrative Geschäftszweig soll ausgerechnet an ein deutsches Unternehmen gehen, berichtete das ARD-Magazin «Monitor».

Noch die alte griechische Regierung hat der Frankfurter Fraport AG den Zuschlag für 14 griechische Flughäfen versprochen. Unter ihnen befinden sich die beliebtesten Touristenziele des Landes. Für bescheidene 1,23 Milliarden Euro und eine jährliche Gebühr von 22,9 Millionen Euro dürfte Fraport zusammen mit einem griechischen Partner die Flughäfen für mindestens 40 Jahre übernehmen.

«Das passt eher zu einer Kolonie als zu einem EU-Mitgliedsland»

Über diese Aussichten ist der griechische Infrastrukturminister Christos Spirtzis alles andere als erfreut. Er befürchtet grosse Nachteile für Griechenland.

«Bei dieser Privatisierung soll der griechische Staat 14 gewinnbringende Flughäfen verkaufen, und die anderen 30 Flughäfen, die keinen Gewinn machen und subventioniert werden müssen, bleiben beim griechischen Staat», sagte Spirtzis gegenüber dem ARD-Magazin «Monitor». «Das ist ein Modell, das so noch nirgendwo in Europa angewandt wurde. Das passt eher zu einer Kolonie als zu einem EU-Mitgliedsland».

Keine Frage: Die Einnahmen der rentablen Flughäfen werden in der griechischen Staatskasse fehlen. Für die deutsche Fraport hingegen dürfte sich der Flughafen-Deal mit Sicherheit auszahlen. Dafür sprechen auch die jüngsten Flug- und Passagierzahlen: So stieg laut «Monitor» die Zahl der Flüge auf diesen 14 Flughäfen im letzten Jahr um knapp 14 Prozent, die der Passagiere um fast 20 Prozent auf über 22 Millionen.

Staatsbesitz nicht unter Zeitdruck verhökern

Die Privatisierung von Staatseigentum soll der griechischen Wirtschaft wieder auf die Beine helfen – so die Theorie. Doch wenn Griechenland jetzt solide Infrastruktur- und Vermögenswerte unter dem Druck der Gläubiger viel zu billig verscherbelt, könnte das dem griechischen Staat erheblichen finanziellen Schaden zufügen.

Vor einer Privatisierung unter Zeitdruck warnt auch Alexander Kritikos vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung gegenüber «Monitor»: «Wenn es tatsächlich dazu kommt, dass diese staatlichen Unternehmen schnell verhökert werden, dann wird man sich darüber ärgern. Denn derzeit sind sie nicht zu ihrem wirklichen Wert verkaufbar», so der Wirtschaftsexperte. Die nächste Regierung werde sich darüber ärgern, dass sie ohne Konzept in die Privatisierung eingestiegen sei.

Das Pikante am Privatisierungs-Deal: Die deutsche Fraport AG ist mehrheitlich im Besitz der Stadt Frankfurt und des Landes Hessen, also ein deutsches Staatsunternehmen. Professor Rudolf Hickel von der Universität Bremen dazu: «Da findet ein Eigentumswechsel von einem griechischen Staatsunternehmen in Richtung eines deutschen Staatsunternehmens statt. Und am Ende geht es darum, dass die Gewinne, die in diesen 14 Flughäfen gemacht werden, abgezweigt werden nach Deutschland in die öffentlichen Kassen.»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

«Monitor» vom 23.07.2015
DOSSIER: «Griechenland fordert EU heraus»

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17 Meinungen

Ausgleichende Gerechtigkeit ?

... Griechen haben halb Berlin aufgekauft, ... die Deutschen holen sich nun die schönste Inseln ...
Frau Carmey Bruderer, am 28. Juli 2015 um 21:00 Uhr
@Bruderer. Sie schrieben schon mehrmals, dass halb Berlin in griechischem Besitz sei. Verraten Sie uns doch einmal, wie viele Milliarden die Griechen in Berliner Immobilien investiert haben und welches Ihre Quellen sind?
Urs P. Gasche, am 28. Juli 2015 um 21:48 Uhr
@ Urs Gasche
Hier unten gebe ich meine Quellen an.

Und

Ja, Herr Bregy sie präsentieren mit der «Huffingtonpost» auch die glaubwürdigste Presse ... smile

Ernsthaftere Quellen finden sie hier :
spiegel.de
faz.net
welt.de
focus.de
morgenpost.de
handelsblatt.com
swr.de
last not least
stern.de und berliner-kurier.de

Wenn sie Zeit und Lust haben, ab 2012 wird das Phänomen beobachtet und darüber berichtet. Nur das entsprechende Stichwort «Griechen kaufen Immobilien in Berlin» eingeben, ... die Artikel sind alle noch abrufbar.
Frau Carmey Bruderer, am 29. Juli 2015 um 00:16 Uhr
Zusatz Anmerkung :

Für 40 Jahre gehen die 14 rentable (warum sollten die unrentablen übernommen werden ?), Flughäfen in Deutsche Staatshände. Ich finde dies eine anständige und massvolle Vereinbarung.
Beim Ablauf der Zeit geht der Besitz wieder in Griechische Hände zurück (in der Hoffnung die Griechen haben endlich gelernt etwas haushälterischer mit fremdem Geld umzugehen), dies ist eine Winzig kleine Garantie für die Geber Länder dass wenigstens etwas Substanz gerettet werden kann nach der grosse und frustrierende „Milliarden-wegwerf- Schlacht“ ...
Frau Carmey Bruderer, am 29. Juli 2015 um 00:38 Uhr
OK, Herr Bregy, schlussendlich kann ich mich auch nur darauf verlassen auf was «andere» berichten. Überprüfen können wir es beide nicht, ... aber schade denn ich hätte liebend gerne ein Blick in die Grundbücher geworfen ...
Nicht desto trotzt ist manches Geld welches die EU (zu billig) zur Verfügung gestellt hat in „falsche Hälse geflossen“ ... und für immer verloren !
Frau Carmey Bruderer, am 29. Juli 2015 um 00:46 Uhr
@Bruderer. Wer hatte denn die Milliarden «zur Verfügung gestellt»? Doch nicht die EU! Es waren Grossbanken und Hedge Funds, welche fahrlässig, im Wissen um die wirtschaftliche Lage in Griechenland, massenweise griechische Staatsanleihen (gegen Zinsen) gekauft hatten. Sie konnten das ohne Risiko tun, weil sie wussten, dass sie im Pleitefall von den EU-Institutionen (=Steuerzahler) schadlos gehalten würden. Das ist doch das eigentlich Stossende, das Sie aufregen müsste.
Urs P. Gasche, am 29. Juli 2015 um 08:28 Uhr
Diese immerwährenden Pauschalisierungen sind unerträglich! «Die Griechen» haben z.B. gar nichts gekauft, vielleicht ein paar griechische Spekulanten mit dem Staat entzogenem Geld und der Hilfe europäischer Fonds und Banken. Verkauft haben auch nicht «die Deutschen» sondern deutsche Spekulanten. Die ganze neoliberale (eine Verunglimpfung übrigens des Wortes liberal) Idee läuft dahin hinaus alles was Profite generiert zu privatisieren und alle Lasten zu sozialisieren und zwar immer auf dem Buckel der Schwächsten und Machtlosen. Die Bürger werden mit Angstphantasien zugedeckt, auf das sie ja nicht erst auf den Gedanken kommen sich gegen diese Ungeheuerlichkeiten des Neokolonialismus zu wehren. Man folge doch einfach - wie in jedem anderen Krimi empfohlen - der Spur des Geldes. Wer hat den diese Milliarden eingesackt? Die griechischen, zypriotischen, spanischen, portugiesischen etc. Rentner? Und welche Beamten haben das alles gedeckt und sind dafür mit schönen Posten belohnt worden? )Es gibt auch indirekte Korruption, nennt sich Nepotismus. Neu ist eigentlich nur die Schamlosigkeit mit welcher sich die immer gleichen heute bereichern.
Hermann K.J. Fritsche, am 29. Juli 2015 um 11:41 Uhr
Gut, gut, 2 gegen 1, ich gebe mich (teilweise) geschlagen.
Aber die Banken treiben doch überall dasselbe Spiel und trotzdem warum ist NUR in Griechenland so vieles schief gelaufen ? Eigentlich müssten doch alle EU Mitglied Staaten die den Euro haben in ein solchem miserablem Zustand sein, mit Ausnahme von Deutschland. Ergo müssen die Griechen selbst auch kräftig dazu beigetragen haben dass es soweit kommt. Und als sehr kluges Volk haben die gewusst dass man sie im falle eines Falles … „nicht fallen lassen“ wird.
Und so ist es auch gekommen, abermals Milliarden ins bodenlose Loch !
Frau Carmey Bruderer, am 29. Juli 2015 um 11:43 Uhr
nochmals: Es gibt nicht «Die Griechen», noch ein dummes/kluges Volk. Volk ist ein Sammelbegriff für Individuen eines Staatengebildes die dumm oder intelligent sein mögen. Wann wird man verstehen, dass der griechische Staat von Spekulanten - auch aus Griechenland natürlich - ausgeplündert wurde; die Spekulanten, die von willfährigen Politikern hofiert werden, auf dass für den nächsten «Wahlkampf» Spendengelder fliessen.
Hermann K.J. Fritsche, am 29. Juli 2015 um 12:22 Uhr
@ H. K. Fritsche

Das Kluge oder unkluge Volk hat seine politische Repräsentanten selber gewählt, ergo wird das Volk von denen «vertreten» oder sozusagen sogar «gespiegelt».
Die Spekulanten gibt es überall, daher wiederhole ich meine Frage : Warum trifft es Griechenland so hart, haben die selbst wirklich keine Fehler gemacht ?
Dies darf man doch noch fragen, oder ?
Frau Carmey Bruderer, am 29. Juli 2015 um 13:27 Uhr
Genau so! Und da es wohl mit der neuen jungen Regierung nicht mehr so ging, musste die in die Knie gezwungen werden, auf dass das Zocken fröhlich weitergehe! Und andere Länder werden folgen: Dysfunktionale Staaten sind ein Dorado für Raubritter jedwelcher Art.
Da sehnt man sich geradezu nach dem Schinderhannes.
Hermann K.J. Fritsche, am 29. Juli 2015 um 16:19 Uhr
Nach der letzte » Putzaktion, bzw. Löschung meinem Post » hat man mich soweit ... ich kapituliere auf der ganze Linie. Ihr habt alle Recht, Griechenland hat alles richtig gemacht, es sind keine Fehler auszumachen, die «anderen» haben es ruiniert und sind nun auch noch dran den mageren Rest abzuholen ...
Die Gehirn Wäsche war erfolgreich, Zufrieden ?
Wie gesagt ihr habt recht und ich (nun) meine Ruhe.
Frau Carmey Bruderer, am 30. Juli 2015 um 00:56 Uhr
@ Olivier Bregy

Wollte mich eigentlich in schweigen hüllen, aber da sie mich persönlich ansprechen hier noch ein paar Worte zum Thema.

In der Tat, man müsste diese Waffenhändler (Deutsche vermutlich, wer sonst), vor einem Kriegstribunal zerren und kräftig bestrafen, gleichzeitig müsste die GR Nation für den Schaden grosszügig entschädigt werden, sagen wir mal mit 300 Milliarden.

Seltsam, denn nicht mal Italien (wo ähnliche Strukturen herrschen), hat es so weit getroffen. Meinerseits meine ich, es gibt KEINE Entschuldigung für diese Geschehnisse und die werden bestimmt als „Schandfleck“ in die europäische Geschichten eingehen. Griechenland hat sich entschieden zum Hartz IV Empfänger zu werden und dort möchte es bleiben.
Ich würde kein einziger Euro mehr hin senden denn alleine würden sie es besser schaffen da raus zu kommen von dem bin ich überzeugt denn „Not macht kreativ“ glauben sie mir !
Und hört auf mit dem „das hungernde Volk“ es stimmt überhaupt nicht, reist mal dahin, lasst lieber ein paar Euro liegen, es ist ein wunderschönes Land …
Frau Carmey Bruderer, am 31. Juli 2015 um 10:24 Uhr
@ Oliver Bregy

Oh mein Gott, es bestätigt wieder meine alte These dass nur der Mensch zu solche Missetaten fähig ist.
Und um bei meinem Styl zu bleiben ... Merkwürdig aber «dass es so viele Männer dabei hat» ! ... smile
Was können wir beide dagegen tun ?
Frau Carmey Bruderer, am 31. Juli 2015 um 14:53 Uhr
Smile … ja das Tier darf sich so verhalten, die Natur hat es so vorgegeben und es bleibt meist auch dabei. Wir Menschen hingegen haben den Vorteil (oder Nachteil ?) bekommen uns verändern zu können. Dies haben wir auch genutzt aber auch das „schlechte“ in uns hat sich entfaltet.
Dass die Frauen weniger „aggressiv auf die Welt losgehen“ liegt tatsächlich an den Hormonen. Der Mann ist meist Opfer (nicht nur Täter) seiner hormonelle Struktur !
Damit müssen wir zurecht kommen.
… Ist aber vielleicht die Natur schon dran dies zu korrigieren indem es immer mehr Männer gibt die keine mehr sind ?
Eine provokative Frage, … ev. wird diesen Post wieder gelöscht … grins
Frau Carmey Bruderer, am 31. Juli 2015 um 15:30 Uhr
Hochinteressant, dass muss ich mir anschauen !
Also eines muss ich ihnen lassen (obwohl alle diese Links manchmal nerven), aber sie treffen (fast) jeden Nagel auf den Kopf, ... wie machen sie das ?
Frau Carmey Bruderer, am 31. Juli 2015 um 16:20 Uhr
.... gut gebrüllt Löwe ! Nun werden wir bestimmt von Gasche zurückgepfiffen, mit recht, es ufert etwas aus hier.
Habe mir obige Sendung angehört und bei mir stieg wieder der Blutdruck auf 190. Sie müssen wissen dass ich selbst eine gehörige Wut gegen „Banker und sonstige Gauner“ nähre, denn auch ich (wer nicht ?) wurde hereingelegt und einen teuren Obolus bezahlt.
Aber mich erwischt keiner mehr, lieber lasse ich das „Sauer-Ersparte“ unter der Matratze schmoren als irgend ein (Un) Wertpapier (erneut) zu erwerben !
Frau Carmey Bruderer, am 31. Juli 2015 um 17:06 Uhr

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