Der Flugzeugträger "Liaoning" wird in der Marinebasis Dalian feierlich in Dienst gestellt. © mil.cnr.cn

Der Flugzeugträger "Liaoning" wird in der Marinebasis Dalian feierlich in Dienst gestellt.

China markiert seinen künftigen Machtanspruch

Peter G. Achten / 22. Okt 2012 - Was alle ernst zu nehmenden Streitkräfte der Welt in ihrem Arsenal haben, darüber verfügt jetzt auch China: einen Flugzeugträger.

Der schwimmende Koloss ist 300 m lang bringt es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 35 Knoten. Das in den 1980er-Jahren gebaute Schiff wurde von China beim Zusammenbruch der Sowjetunion von der Ukraine gekauft. Das jetzt «Liaoning» getaufte Schiff hiess einst «Varyag», wurde aber von der Sowjet-Marine nie fertiggestellt.

Die «Varyag» sollte zuerst zu einem schwimmenden Casino umgebaut und vor der chinesischen Sonderverwaltungszone Macau verankert werden. Doch der langfristig denkende chinesische Generalstab hatte andere Pläne. Es liess den Sowjet-Flugzeugträger mit neuester, zum Teil selbst entwickelter Technologie um- und ausbauen. «Liaoning», das Resultat, kann sich sehen lassen.

Die Nation ist stolz

Chinas Premier Wen Jiabao sagte bei der Indienststellung in der Marinebasis Dalian, «Liaoning» werde eine «mächtige und tiefe Bedeutung» haben und sei «Grund für patriotische Leidenschaft». In allen Medien-Kommentaren kehrt immer wieder ein Argument wieder: Der Flugzeugträger ist Ausdruck der aufstrebenden Grossmacht China. «Liaoning» ist erst der Anfang, denn der Weg ist noch lang. Auf dem ersten und vorerst einzigen Flugzeugträger Chinas können ausser Helikopter noch keine Flugzeuge landen. Die Piloten müssen erst ausgebildet werden. Das wird einige Jahre dauern. Vorerst wird der Flugzeugträger, so das englischsprachige Regierungsorgan «China Daily», vor allem für wissenschaftliche Forschung und Trainings-Missionen verwendet. Klares Ziel dabei sei es, China künftig selbst in die Lage zu versetzen, Flugzeugträger fortschrittlichen Typs herzustellen.

Das Ausland liest es anders

Das Verteidigungsministerium schreibt denn auch in einer offiziellen Mitteilung: «Der Flugzeugträger ist von grosser Bedeutung und wird die Kampfkraft unserer Marine auf ein modernes Niveau heben (....) und wird effektiv sein in der Verteidigung von Sicherheit und Interessen der Staatssouveränität.»

Im Ausland wird die Indiensstellung des ersten chinesischen Flugzeugträgers natürlich anders, d.h. meist negativ gelesen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil im Ostchinesischen Meer sich Japan und China wegen der Diaoyu- bzw. Senkaku-Inseln in den Haaren liegen, und im von China beanspruchten Südchinesischen Meer mehrere Staaten, darunter Vietam, Brunei, die Philippinen, Indonesien und Malaysia eigene Ansprüche geltend machen.

Wer alles über Flugzeugträger verfügt

Chinas erster Flugzeugträger ist vorerst vor allem ein Symbol für künftige militärische Macht und weniger eine akute aktuelle Bedrohung. Im übrigen muss darauf hingewiesen werden, dass ein wirtschaftlich so moderner und schnell wachsender Staat wie China sich wohl nicht mit einer – um es etwas plakativ auszudrücken – maoistischen Bauernarmee zufrieden geben kann.

Was die Flugzeugträger betrifft, ist ein Blick aufs bestehende Arsenal in der Welt recht aufschlussreich:

• USA: 11 im Dienst, 3 im Bau.

• Italien: 2 im Dienst («Giuseppe Garibalidi» und «Cavour»)

• Russland: 1, («Admiral Kuznetsow»)

• Grossbritannien: 1 nur für Helikopter, 2 im Bau.

• Frankreich, 1 («Charles de Gaules»)

• Indien: 1 («Viraat»), 2 im Bau.

• China: 1 («Liaoning»)

• Spanien: 1 («Principe De Asturias»)

Wer wollte angesichts einer solchen Liste der Volksrepublik China eigene Flugzeugträger vorenthalten. Dazu kommt – Ironie der Geschichte – dass die technologische Entwicklung im Weltraum Flugzeugträger in wenigen Jahrzehnten wohl obsolet machen würde. Doch so weit sind wir noch nicht.

«Ein Meilenstein Chinas»

In China zumal stehen grosse Veränderungen bevor. Das bislang erfolgreiche Wirtschaftsmodell müsste nach über drei Jahrzehnten mehr oder weniger stark überholt werden. Der Parteitag vom 8. November wird das entscheiden und erstmals nach zehn Jahren eine neue Führung bestimmen. In der einflussreichen Tageszeitung «Global Times» – ein Ableger des Sprachrohrs der allmächtigen Kommunistischen Partei «Renmin Ribao» (Volkszeitung) – formuliert den in China vorherrscheden Ton so: «Der Flugzeugträger ist ein Meilenstein in Chinas Bemühen, Macht aufzubauen. Der Flugzeugträger wird auch ein psychologischer Meilenstein für das Chinesische Volks sein. Wir sollten unseren Minderwertigkeitskomplex endlich verabschieden».

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