Viele Syrer sehen Assad heute als Verteidiger und Retter der Arabischen Republik Syrien © Helmut Scheben
Zerstörtes Wohnquartier in Homs © Helmut Scheben
Überall stoppen Betonblöcke der Kontrollpunkte den Verkehr in Syrien © Helmut Scheben
Die Architektin Maria Saadeh kritisiert: Im Westen wurde ein falsches Bild von der tatsächlichen Situation in Syrien vermittelt. © Helmut Scheben
Neugierige Kinder umringen die Reisenden aus der Schweiz © Helmut Scheben
Gebetshalle der Umayyaden-Moschee in Damaskus © Helmut Scheben
Englisch-Unterricht in einer schiitischen Schule in Damaskus © Helmut Scheben

«Bashar al-Assad ist ein guter Präsident»

Helmut Scheben / 03. Dez 2018 - Der Krieg gegen die syrische Regierung hat dazu geführt, dass die Bevölkerung mehr denn je Partei für Baschar al-Assad ergreift.

Red. Helmut Scheben hielt sich von Mitte Oktober bis Anfang November in Syrien auf. Er reiste mit der Gruppe «Freundeskreis Schweiz-Syrien», die freundschaftliche Kontakte zur christlichen Gemeinde in Kfarbou unterhält.

Wenn man von Süden kommend in Homs einfährt, sieht man linker Hand ein paar hundert Meter entfernt die ersten Ruinen. Baba Amr und andere Aussenbezirke der Stadt sind völlig zerstört. Geisterquartiere, die nur noch aus Betonfetzen und verrosteten Armierungen bestehen. Selbst in Mostar und Sarajewo habe ich in den 90er-Jahren nicht Zerstörungen von diesem Ausmass gesehen.

Homs war 2011 eine der ersten Städte, in denen bewaffnete Milizen Stadtteile unter ihre Kontrolle brachten. Wer auch immer als Exponent staatlicher Institutionen galt, musste damit rechnen, hingerichtet zu werden: Lehrer, Ärzte, Gemeindevorsteher, Polizisten. Die «Burial Brigade» von Baba Amr zum Beispiel gab 2012 in einem Interview an, seit März 2011 mehreren hundert «Verrätern» die Kehle durchschnitten zu haben. (1)

Die Aufständischen deklarierten Homs zur «Hauptstadt der Rebellion». Minderheiten, die Nähe zur syrischen Regierung bekundeten, wurden vertrieben. Im Mai 2012 waren bereits 50'000 Christen aus Homs geflohen. 2014 eroberte die syrische Armee die besetzten Zonen zurück und legte ganze Quartiere in Schutt und Asche.

Zerstörtes Wohnquartier in Homs

In dieser Trümmerlandschaft wohnt niemand, Hunde und Katzen schnuppern in Abfallhaufen. Nur wenige hundert Meter weiter, in der Innenstadt von Homs, geht das Alltagsleben seinen gewohnten Gang: das Hupen der Autos und Motorräder im Stau, die Läden, die Gemüse und Früchte anbieten, das Gedränge der Leute. Da wird geredet, gelacht, geschimpft, gehandelt, wie wenn es die Zerstörung da draussen nicht gäbe. Der Krieg hat dieses gespenstische Nebeneinander erzeugt, das trügerische Bild einer Normalität neben den Ruinen. Da ist ein sozialer Organismus, der scheinbar unbekümmert funktioniert, während ein Teil seines Gewebes abgestorben ist.

Überall verhindern die Betonblöcke der Kontrollpunkte den Verkehr in Syrien. Der Krieg ist in vielen Regionen vorbei, man befürchtet aber weiterhin Terroranschläge. Noch gibt es militärische Sperrgebiete und Konfliktzonen, vor allem im Norden, aber auch an der jordanischen Grenze im Osten.

Ein Bus mit sieben Schweizer Touristen ist nicht alltäglich. Auf den Autobahnen zwischen den Städten begleiten uns abwechselnd Militärfahrzeuge. An den Kontrollsperren werden wir immer wieder gebeten auszusteigen. Die Soldaten mustern uns mit einer Mischung aus Neugier und Misstrauen. Man ruft einen, der ein wenig Englisch spricht. Der Postenkommandant sagt: «Welcome to Syria.» Manchmal wird Tee serviert. Auf einem Sandsack oder einer alten russischen Munitionskiste, die als Tisch dient. Die zwei Wörter, die wir am meisten hören, heissen «mafi mushkila» – «kein Problem». Hier hat es offenbar niemand eilig. Mit oder ohne Krieg: Der Orient hat seinen eigenen Lebensrhythmus, eine Herausforderung für Schweizer Präzisionszeitmessung.

Überall stoppen Betonblöcke der Kontrollpunkte den Verkehr in Syrien

«Was haben wir euch getan?»

Der Souk al-Hamidiya in der Altstadt von Damaskus entspricht den hergebrachten Vorstellungen: Gedränge und Menschengewühl, ein Durcheinander von Gerüchen und Farben, das einen schier erdrückt. Viele junge Mädchen kommen nicht anders daher als in Hamburg, Zürich oder Mailand: Jeans, High Heels, Smartphone – chatten, posten, taggen. Gruppen von Schülerinnen posieren für Selfies. Stammen sie aus sunnitischer oder schiitischer Familie, tragen sie wohl ein Kopftuch im Hidjab-Stil. Kommen sie aus christlicher, alewitischer oder kurdischer Familie, wohl eher offenes Haar. Doch an Make-up und Wimperntusche wird nicht gespart, wie auch immer das Outfit sein mag.

Da sieht man Läden, die Seifen, Parfums, Nagellack oder Büstenhalter in allen Farben feilbieten, und davor stehen Frauen ganz in Schwarz. Sie tragen die fusslange Abaya und ein Kopftuch, die traditionellen Kleidung, wie man sie wohl von Marrakesch bis Kabul findet, besonders bei älteren Frauen. Gesichtsverschleierung mit dem Nikab findet man in Damaskus kaum. Ich sah sie aber in Hama, wo der fundamental-religiöse Einfluss seit jeher stärker war.

Englisch-Unterricht in einer schiitischen Schule in Damaskus

Auf dem Basar in Damaskus spricht mich im Gedränge ein alter Mann in rudimentärem Englisch an: «Aus der Schweiz also? Das ist gut, dass ihr kommt und seht, wie sie unser Land kaputt gemacht haben. Was haben wir den Europäern getan, dass ihr unseren Präsidenten stürzen wollt? Was haben wir den Amerikanern getan? Warum haben sie Truppen bewaffnet, die unser Land angreifen?»

Weitere Passanten mischen sich ein. Der Ton ist freundlich und keineswegs aggressiv, aber man spürt die Emotionen: «Bashar al-Assad ist ein guter Präsident. Er hat das Land geöffnet und modernisiert. Er war noch jung, er hat Fehler gemacht. Er hat zu lange gezögert. Er hätte wissen müssen, dass niemand im Westen ihm helfen wird gegen die USA, Katar und die Saudis. Er hätte die Russen früher zu Hilfe rufen sollen.»

Immer wieder ähnliche Einschätzungen, die wir zwei Wochen lang zu hören bekommen. In Homs, in Latakia, in Tartous oder in Damaskus. Wir hören sie von Lehrerinnen in schiitischen Schulen, von katholischen Ordensschwestern, von syrischen Parlamentariern, Politikern, Geschäftsleuten und Soldaten, aber auch von Menschen, denen wir auf der Strasse und in den Restaurants begegnen. Es sind Vorwürfe, gegen die es schwerfällt zu argumentieren. Dass der Westen mit allen Mitteln den Sturz der syrischen Regierung betreibt, kann man nun seit sieben Jahren jeden Tag in den Zeitungen lesen.

Früher fragte niemand: Bist du religiös?

In Kfarbou begrüsst uns Nabil, Pfarrer der christlichen Gemeinde. Der Ort mit 17'000 Einwohnern liegt wenige Kilometer südwestlich von Hama. Nabil hat sein fliessendes Italienisch in Italien gelernt. Seine Gemeinde habe Glück gehabt, sagt er. In der Nähe ist ein wichtiger Militärflugplatz, den die Armee halten wollte. So entging Kfarbou der Eroberung durch die bewaffneten Einheiten, die in westlichen Medien als «Rebellen» bezeichnet werden. Sie hätten wahrscheinlich mit den Christen in Kfarbou kurzen Prozess gemacht.

Die Häuserfassaden aus dem hellem Kalkstein des nahen Steinbruchs erzeugen den Eindruck von bescheidenem Wohlstand. Weiter draussen sieht man Olivenbäume bis zum Horizont. Das Wasser wird aus 230 Metern Tiefe hochgepumpt. Vor dem Krieg kosteten 5000 Liter Wasser zehn Dollar. Jetzt ist es das Fünffache. Das Leben ist ruinös teuer geworden durch den Krieg und die Sanktionen.

«Früher fragte niemand: Bist du Schiit oder Sunnit, Alewit, Christ, Kurde, Druse oder was?» sagt der Pfarrer. «Man war einfach Syrer. Es war egal, was einer glaubte, bei dem man seine Tomaten oder sein Benzin kaufte.» Religion war zunächst einmal Privatsache, so wie es die syrische Verfassung verlangt. Syrien war eine einigermassen funktionierende multireligiöse Gesellschaft, Baschar al-Assad war der beliebteste Staatschef in der arabischen Welt, und westliche Medien hofierten ihn als Reformer.

Immer wieder hören wir den Satz: Syrien ist die Wiege des Christentums. Hier haben Christen, Moslems, Juden und alle andern seit mehr als tausend Jahren zusammengelebt. Mit dem Krieg hat sich alles geändert. Er hat Misstrauen zwischen Leuten gesät, die früher im Alltag miteinander auskamen. Viele Familien haben Tote zu beklagen. Der Krieg hat einen sozialen Tumor hervorgebracht, der Syrien noch lange zu schaffen machen wird: das Verlangen nach Rache und der Hass auf diejenigen, die den Tod eines Sohns, eines Vaters oder eines Bruders zu verantworten haben. Offiziell wird viel über Versöhnung geredet. Doch das gegenseitige Vertrauen und der soziale Zusammenhalt sind in manchen Regionen so stark beschädigt wie die Häuser, die unter den Granaten einstürzten.

Neugierige Kinder umringen die Reisenden aus der Schweiz

«In Kfarbou ist es anders. Die Bedrohung von aussen, die Not und die Angst vor den Angreifern haben das Dorf zusammengeschweisst», sagt der Pfarrer. Beim Gottesdienst am Sonntagmorgen ist die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein Chor von Jugendlichen singt. Die Gemeinde antwortet im Wechselgesang. Christliche Liturgie in arabischer Sprache. Draussen auf dem Platz stehen grosse Tafeln mit Bildern der gefallenen Soldaten, die von hier stammen.

Sicher gab es auch vor dem Krieg unter der Oberfläche des täglichen Lebens schlecht vernarbte Wunden von alten Konflikten. Sicher hatten die Moslembrüder nie vergessen, dass sie ihren Versuch einer gewaltsamen Machtergreifung 1982 mit tausenden von Toten bezahlen mussten. Hafiz al-Assad liess den Aufstand in Hama blutig niederschlagen. Die Moslembrüder flüchteten damals nach Jordanien und in andere europäische Länder. Viele von ihnen unterstützten 2011 den bewaffneten Aufstand gegen Assad. Der Sohn sollte bezahlen, was der Vater ihnen angetan hatte.

Auf der Rückfahrt nach Damaskus sieht man linker Hand die syrische Wüste, die sich im Dunst der Novembersonne verliert. Irgendwo in der Weite dort hinten ist die jordanische Grenze, über die schubweise 40'000 schwer bewaffnete Kombattanten nach Syrien eindrangen, um Assad zu stürzen. Sie waren in Camps in Jordanien unter Führung des CIA und anderer westlicher Geheimdienste ausgebildet worden. Im Norden erfolgte eine ähnliche Invasion über die türkische Grenze. Rechter Hand sieht man die Wüstenberge des Dschebel Antilibanon. Die Höhenzüge sind weiss. Über Nacht ist der erste Schnee gefallen.

«Wir haben nie Giftgas eingesetzt»

In Damaskus treffen wir die Architektin Maria Saadeh, die ein perfektes Französisch spricht. Sie war bei Kriegsbeginn als Parteiunabhängige die jüngste Frau im syrischen Parlament. Mit einer Gruppe von syrischen Parlamentariern wollte sie 2012 und 2013 in Europa und Kanada über die Situation in ihrem Land berichten und stellte fest, dass ihr das Einreisevisum verweigert wurde:

«Man hörte offenbar nur auf eine sogenannte syrische Opposition, die eine vom Ausland diktierte Agenda verfolgte. Deren Mitglieder lebten zumeist nicht in Syrien, manche sprachen kein Wort arabisch. Was Parlamentsmitglieder aus Syrien zu sagen hatten, wollte und sollte offenbar niemand hören.»

Die Politik, das offizielle Syrien totzuschweigen, war die Regel. Auf einer Unesco-Konferenz in Paris wollte man Frau Saadeh das Mikrofon verbieten. Man referierte dort über die Zerstörung der historischen Kulturgüter in Syrien, – nur Mitglieder der syrischen Legislative waren nicht geladen und sollten nicht zu Wort kommen.

Die Architektin Maria Saadeh kritisiert: Im Westen wurde ein falsches Bild von der tatsächlichen Situation in Syrien vermittelt.

Propaganda und groteske Falschinformationen über Syrien seien in westlichen Medien der Brennstoff gewesen, mit dem dieser Krieg geführt wurde, sagt Frau Saadeh. So seien immer wieder Anschläge mit chemischen Waffen von den Aufständischen inszeniert worden, um Assad zu beschuldigen und eine Intervention der USA zu erreichen. «Wir haben kein Giftgas eingesetzt. Päsident Assad hat nie den Befehl dazu gegeben, und er würde es nie tun.»

Im Rückblick ist festzustellen, dass viele westliche Medien unter einer Art von euphorischer Hypnose namens «arabischer Frühling» in den Jahren 2010/2011 ein Wording erfunden haben, das die Realität auf den Kopf stellte. Da wurden von Saudi-Arabien und Katar finanzierte Terrorgruppen zu «Rebellen» und religiöse Fanatiker wurden zu «Aktivisten» und zuverlässigen Informanten unserer Medien. Da wurde der beliebteste Präsident des Nahen Ostens, ein von den Medien als jugendlicher Reformer gepriesener Baschar al-Assad, innert zwei Monaten zum «Schlächter von Damaskus». Ein Angriffskrieg mit mehr als 30'000 Luftangriffen in Libyen wurde zur «Wahrung einer Flugverbotszone». Und eine vom Westen finanzierte Propaganda-Organisation namens «Weisshelme» wurde in Hollywood für ihren Werbefilm mit einem Oscar geehrt. Syrienkenner und Journalisten, die zu Vernunft und Nüchternheit riefen, wurden als Assad-Versteher geschmäht. Die Mythen schossen ins Kraut. Syrische Intellektuelle, die seit Jahrzehnten nicht mehr in ihrem Land lebten, zeigten sich überwältigt von ihrem Eindruck, dass «syrische Kinder den Aufstand gegen Assad» begonnen hätten.

Wenn alles vorbei ist

Im ganzen Land sehen wir immer wieder mehrstöckige Neubauten. Überall werden Wohnungen gebaut für diejenigen, die bei ihrer Rückkehr keine mehr haben. Wenn der Albtraum vorbei ist, werden – so hofft man hier – wieder Touristen in das Land reisen, das einst mit seinen Denkmälern antiker Hochkulturen als eines der schönsten Reiseziele der Welt galt. Dann werden wieder Franzosen, Briten und Amerikaner durch die Souks flanieren und syrisches Olivenöl und Seife kaufen. Sie werden die Umayyaden-Moschee in Damaskus sehen, die stille Erhabenheit ihrer Gebetshalle, Pilgerstätte für Juden, Christen und Moslems.

Gebetshalle der Umayyaden-Moschee in Damaskus

Die vielen Müllhalden an den Rändern der Autobahnen werden die Touristen kaum fotografieren, wohl aber Steinnelken und Thymian an den tausendjährigen Mauern der Kreuzritterburg Krak des Chevalliers. Und sie werden in vielen christlichen Klöstern Mosaiken fotografieren, in denen Kalaschnikow-Kugeln stecken. Und Marienbilder, auf denen die Gottesmutter kein Gesicht mehr hat, weil Gotteskrieger es mit dem Hammer zerschlagen haben.

«Geld hat eine unglaubliche Rolle gespielt in diesem Krieg»

Makabre Sehenswürdigkeiten für Touristen werden in naher Zukunft die Ruinenquartiere sein, ganze Stadtteile in Aleppo, Homs, Damaskus, die in Trümmern liegen. Zeugen eines Krieges, der in westlichen Medien als «Bürgerkrieg» bezeichnet wurde und als solcher bereits in die schnelle Historiographie namens Wikipedia eingegangen ist.

«Es war kein Bürgerkrieg», sagt Elia Samman: «Es war von Anfang an ein Stellvertreterkrieg. Syrer wurden dafür bezahlt, gegen andere Syrer zu kämpfen.» Samman war Berater von Ali Haidar, dem Chef des 2012 gegründeten Ministeriums für Nationale Versöhnung. Samman ist wie Haidar Mitglied der Syrischen Sozialistischen Nationalen Partei, eine der zehn im Parlament vertretenen Parteien. Diese sind jedoch alle eingebunden in eine Regierungskoalition mit der Baath-Partei, die den politischen Betrieb weitgehend dominiert und de facto die alleinige Macht in Syrien hat.

«Geld hat eine unglaubliche Rolle gespielt in diesem Krieg», sagt Elia Samman. «2012 wurde uns vom Emirat Katar eine hohe monatliche Geldsumme angeboten, wenn wir die Seite wechseln und gegen Assad kämpfen würden. Aber das wollten wir nicht. Wir sind der Meinung, dass wir unsere Ziele politisch, nicht militärisch erreichen müssen.» Ab 2012 habe man beobachten können, dass immer mehr fremde Kombattanten in Syrien kämpften, Leute aus rund 80 verschiedenen Nationen: «Sie kamen aus allen Teilen der Welt. Sie kämpften für Geld oder weil sie religiöse Fanatiker waren oder aus welchen Motiven auch immer».

Heute könne jeder Syrer, der Mitglied in einer der feindlichen Milizen gewesen sei, zurückkommen und erhalte Amnestie, sagt Samman: «Er kann sich an uns wenden und wir garantieren ihm, dass er keine Probleme bekommt. Etwa 15'000 haben schon davon Gebrauch gemacht.»

Auf die Frage, warum die USA und ihre Verbündeten Assad stürzen wollen, antwortet er: «Assad muss bezahlen für etwas, das er nicht gemacht hat: Er hat keinen Friedensvertrag mit Israel unterschrieben, und er hat sich nicht vom Iran und von Russland abgewandt. Er war nicht gehorsam gegenüber den USA.»

Syrien, ein Angriffskrieg und seine Folgen

hs. Die USA und ihre Verbündeten wollten seit 9/11 nach eigenem Bekunden einen New Middle East schaffen, das heisst unter anderem, unbotmässige Regierungen wie die syrische oder die iranische von der Macht entfernen. Präsident George W.Bush hatte Syrien auf die Liste der «Achse des Bösen» gesetzt. Wirtschaftssanktionen waren gegen Syrien verhängt worden. Der US-Botschafter in Damaskus schrieb 2006 in einem Bericht nach Washington, Syrien sei stabil, Assad habe Reformen eingeleitet und werde wohl als Präsident in Wahlen bestätigt. Dann macht er ein Dutzend Vorschläge zur gezielten Destabilisierung des Landes und zum Sturz Assads (2). Der ehemalige französische Aussenminister Roland Dumas berichtete in einem Fernseh-Interview, dass die NATO-Staaten USA und Grossbritannnien bereits seit 2009 verdeckte militärische Angriffe in Syrien planten (3).

Zweifellos gab es vor dem Krieg im Vielvölkerstaat Syrien Opposition und in gewissen Regionen auch Feindschaft gegenüber der etablierten Macht in Damaskus. Es gab Korruption. Auch liefen Polizei und starke Geheimdienste immer wieder aus dem Ruder.

Die USA und ihre Verbündeten haben versucht, nach der Methode «divide et impera» bestehende Konflikte zu schüren. Sie stellten bewaffnete Einheiten auf und schickten sie in einen Krieg gegen Syrien, der keine völkerrechtliche Begründung hatte. Nach dem erfolgreichen Umsturz in Libyen glaubte man, in Syrien leichtes Spiel zu haben. Im Medien-Hype des «arabischen Frühlings» war die internationale Öffentlichkeit zwar leicht zu beeinflussen, doch die Strategie endete in einem politischen Scherbenhaufen.

Assad rief das verbündete Russland, den Iran und die libanesische Hisbollah zu Hilfe und konnte militärisch die Oberhand gewinnen. Mehr noch, der Effekt des Angriffskrieges gegen Syrien kommt Assad am Ende zugute. Die syrische Bevölkerung steht heute geschlossener denn je hinter dem Präsidenten. Selbst Leute, die früher in Opposition zur Baath-Partei standen oder politisch teilnahmslos waren, wurden durch den Horror des Krieges politisiert und politisch umgepolt. Sie sehen Assad heute als Verteidiger und Retter der Arabischen Republik Syrien. Sieben Jahre Terrorangriffe fundamental-religiöser Extremisten haben in Syrien eine Welle der Empörung ausgelöst, auf der Assad derzeit getragen wird.

FUSSNOTEN:

1) «An Executioner for Syria's Rebels Tells His Story» («Spiegel International»)

2) Wikileaks

3) Interview mit Roland Dumas

Ergänzende Informationen

Red. Besonders in geopolitischen Auseinandersetzungen versuchen alle Konfliktparteien, ihre eigenen Absichten zu vertuschen, die Gegenseite zu diskreditieren, falsche Fährten zu legen und die Medien zu instrumentalisieren.
Als Zweitmedium gehen wir davon aus, dass unsere Leserschaft die von grossen Medien verbreiteten Informationen bereits kennt. Deshalb fokussiert Infosperber auf vernachlässigte Fakten, Zusammenhänge und Interessenlagen. Das kann als einseitig erscheinen, soll aber die grossen Medien ergänzen.
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23 Meinungen

Toller Artikel, vielen Dank!
Es ist erschreckend und monströs, was der Westen den Menschen in Syrien angetan hat. Dass dies vorwiegend möglich war, weil unsere Medien in der Recherche und Berichterstattung komplett versagt haben, ist umso deprimierender. Man kommt leider nicht umher, die meisten Redaktionsstuben als willfährige Kriegstreiber zu betiteln. Und mit dem Thema Ukraine-Krim geht es genauso... Wie kann man da noch Vertrauen behalten in die Auslands-Ressorts der grossen Medienhäuser?
Gino Brenni, am 03. Dezember 2018 um 14:33 Uhr
Vor Kriegsbeginn hat der Amerikanische Botschafter im Libanon nachweislich verlauten lassen, man wolle al-Assad mit allen Mitteln eliminieren.
Zusammen mit den Saudis führen die USA nun das Morden im Jemen weiter.
Wenn nimmt die Welt endlich zur Kenntnis wer die wahren Terroristen sind!?
Übrigens: In der Presse und bei der SRG wird beinahe in jeder Mitteilung zu Syrien auch die Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Syrien zitiert. Es handelt sich dabei um einen Eigner eines Bekleidungsgeschäftes in Coventry in England! Warum werden nicht mehr Menschen vor Ort um ihre Meinung gefragt?
H. Sigrist, am 03. Dezember 2018 um 15:15 Uhr
Guten Tag Redaktion Sperber,
Ihr Artikel über Syrien, ganz große Klasse. Sie schreiben die Realität in der sich
zur Zeit Syrien befindet. Die Westlichen Regierung welche an den Sauereien
beteiligt waren und noch sind, gehören dem Gerichtshof in Den Haag zugeführt.
Aber Ausnahmslos.Dann könnte man man von Gerechtigkeit sprechen.Zudem müssten alle Nachrichtensprecher aller Medien ausgetauscht werden. Denn die tragen eine große Schuld mit an dieser Gräuel,welche dem Syrischen Volk angetan
wurde. Ich sehe heute noch die Bilder, wo man die Postangestellten ( Aleppo ) über dem Balkon geworfen hat, die höhe betrug etwa 20-40 Meter. Alles andere erspare ich mir. Dem Syriern wünsche ich alles gute , möge dieser Spuk zu Ende gehen. MfG
Werner Kämtner, am 03. Dezember 2018 um 16:23 Uhr
Um Marienbilder, auf denen die Gottesmutter kein Gesicht mehr hat, weil Gotteskrieger es mit dem Hammer zerschlagen haben, oder um Fresken mit herausgekratzen Gesichtern zu sehen, muss man nicht weit reisen. Im Tessin z.B. im Vallemaggia haben «Gotteskrieger» aus einem kirchlichen Ferienlager im Ortsteil Boschetto von Cevio noch vor einigen Jahrzehnten im Sinne des Bildersturms genau so brutal gewütet. ---- Darüber sich empören? Nein! Das sind weltweit uralte Bräuche: Schon im Pharaonenreich wurden missliebige Kultfiguren vor 4000 Jahren geköpft oder die Gesichter zerschlagen.
Christoph Senn, am 03. Dezember 2018 um 18:51 Uhr
"Wir haben nie Giftgas eingesetzt.» Diese Aussage ist etwa so vertrauenswürdig, wie die Behauptung, dass die syrische Regierung nicht für Folter verantwortlich sei.
https://www.theguardian.com/world/2015/oct/01/they-were-torturing-to-kill-inside-syrias-death-machine-caesar

Warum hat denn der Westen Assad nicht gestürzt, wenn er das um jeden Preis erreichen wollte? Man hätte ja Zeit genug gehabt, bevor Russland in den Krieg eingegriffen hat.
Thomas Neuenschwander, am 03. Dezember 2018 um 20:23 Uhr
Dieser Artikel erscheint mir sehr einseitig. Die Wahrheit gehört immer dem Sieger, sei es nach dem 2. WK in Europa oder jetzt in Syrien. Darum wundert es nicht, dass sich diejenigen, die sich äussern, dem Assad-Regime das Wort reden. Die Finanzierung des IS durch Saudi-Arabien und Katar wird mit der spontanen Revolution des arabischen Frühlings verwechselt.
Emilio Modena, am 04. Dezember 2018 um 08:22 Uhr
Ich finde es sehr gut, dass Info Sperber diesen Bericht veröffentlicht hat.
Helmut Scheben erwähnt den französischen Aussenminister Roland Dumas dem lange vor dem Krieg in Syrien bekannt war, dass es Pläne gab das syrische Regime zu stürzen.
Hier das Interview mit Roland Dumas:
https://www.bing.com/videos/search?q=roland+dumas+syria&view=detail&mid=C1168BC0A908ACFE878CC1168BC0A908ACFE878C&FORM=VIRE

Auch Wesley Clark, Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte im Kosovokrieg, waren Pläne des Pentagons bekannt Regierungen zu stürzen, auch Assad. Hier das Interview mit Clark von Democracy now:
https://www.bing.com/videos/search?q=wesley+clark+7+democracy+now&view=detail&mid=BDCCEE0084C9C325585FBDCCEE0084C9C325585F&FORM=VIRE

Ich weiss nicht ob das Schweizer Fernsehen und das Radio diese beiden Interviews auch einmal gebracht haben, die ein ganz anderes Licht auf den Krieg in Syrien gebracht hätten, die klar gestellt hätten, dass in Syrien ein Regime Change Krieg im Gange war.
Heinrich Frei, am 04. Dezember 2018 um 10:05 Uhr
Danke, Danke, Danke für diese, objektive nicht leichte life Reportage.

PS. Mir ist zu Ohren gekommen, dass Journalisten die einen Arbeitsvertrag mit Spiegel & Co. Eine Klausel unterzeichnen müssen nicht negative, politische Komentare, zu Israel, USA, NATO und deren verhalten, zu veröffentlichen .
Haben sie Infosperber, die Möglichkeit an so einen Arbeitsvertrag ranzukommen??? Währe doch höchst spannend, ODER? Wir sind doch ALLE für die Pressefreiheit, die kann doch nicht beim Arbeitsvertrag aufhören?
Bruno Denger, am 04. Dezember 2018 um 14:23 Uhr
# Thomas Neuenschwander,
mit Verlaub, Sie sind doch etwa kein Traumtänzer? ( Soll keine Beleidigung sein )
Dafür hat die Troika schon gesorgt, man kann es auch Geo Strategie nennen.
Hätte der Russe nicht eingegriffen, wäre das gleiche wie Lybien, Irak sowie Jemen passiert. Bitte mal nachdenken über dieses ganze Geschehen. MfG
Werner Kämtner, am 04. Dezember 2018 um 14:24 Uhr
«Die USA und ihre Verbündeten wollten seit 9/11 nach eigenem Bekunden einen New Middle East schaffen, das heisst unter anderem, unbotmässige Regierungen wie die syrische oder die iranische von der Macht entfernen.» Eine Nahostkorrespondentin des Schweizer Radios hat das 2011 so ähnlich ebenfalls gesagt, dass es vor allem auch um einen Regime-Change in Iran gehe. Ich habe den Krieg in Syrien von Anfang an unter diesem Aspekt betrachtet und mich immer wieder aufs Neue über Berichterstattungen, die das allesamt ausklammerten, gewundert.
Ruth Obrist, am 04. Dezember 2018 um 15:00 Uhr
@Thomas Neuenschwander: Das ist das Problem der Tyrannen: Wenn sie mal gefoltert haben, können sie behaupten, was sie wollen - sie sind schuldig ohne dass der Beweis dafür überhaupt vorgelegt werden müsste. Assad kämpft, wie oben erwähnt, gegen ausländische Söldner, die die Bevölkerung terrorisieren. Das waren nie Rebellen.

Und: Den Guardian zu zitieren, ist in dieser Hinsicht schlicht fehl am Platz. Das Blatt hat derart systematisch gelogen und denunziert bezüglich Syrien, dass sich die Balken biegen. Und vor kurzem hat der Guardian noch eine völlig erfundene und unhaltbare Verleumdungsgeschichte zu Julian Assange gebracht (bez. Treffen mit Manafort, ungenannte Quellen). Nein, der Guardian kolportiert unreflektiert die Meinung der US Geheimdienste.
Gino Brenni, am 04. Dezember 2018 um 15:50 Uhr
Helmut Scheben hat sich hier in seinem virulenten Antiamerikanismus in schon fast ganserschem Ausmass verrannt. Selbstverständlich gehört es zur Kriegsführung, die eigene Seite besser darzustellen und den Feind zu diffamieren und von daher ist eine gewisse Skepsis unserer «offiziellen Lesart» dieses Konflikts wohl durchaus angebracht. Human Rights Watch und Amnesty International sind für mich aber zwei Organisationen, die in ihrer Unabhängigkeit über jeden Zweifel erhaben sind:
https://www.hrw.org/de/news/2015/12/16/syrien-die-geschichten-hinter-den-fotos-getoeteter-gefangener
http://www.nzz.ch/international/nahost-und-afrika/bericht-von-amnesty-international-folter-und-tausende-von-toten-in-syrischen-gefaengnissen-ld.111577
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/der-zeuge-der-toetungsmaschinerie-assads/story/10131404
Man kann hier nachlesen, wie das Assadregime schon vor dem Krieg funktioniert hat. Daraus lässt sich auch ableiten, warum Scheben in Syrien nur Leute findet, die positiv über Assad sprechen – der Geheimdienst lauert hinter jeder Ecke. Assad ist ein Schlächter am eigenen Volk und gehört vor ein Kriegsverbrechergericht.
Carsten Schmidt, am 04. Dezember 2018 um 20:39 Uhr
Gino Brenn: Quellen für Ihre Behauptungen?

Heinrich Frei: Auch wenn es diese Pläne für «Regime Changes» gegeben hat: Es ist ein logischer Fehlschluss, daraus abzuleiten, dass die USA den Krieg in Syrien auch tatsächlich angezettelt haben.

Wenn doch alles von langer Hand geplant war: Warum wurde Assad nicht gestürzt , bevor Russland in den Krieg eingriff? Warum wurde die syrische Regierung bis zum Amtsantritt von Trump nicht direkt angegriffen? Es wäre doch einfach gewesen, einen Vorwand zu finden..
Thomas Neuenschwander, am 05. Dezember 2018 um 09:34 Uhr
@Carsten Schmidt

Ich lese gerade das Buch «Die Menschenrechtsindustrie im humanitären Angriffskrieg» Hier werden die Verbindungen von HRW und AA zum Pentagon und zur US-Regierung und deren Finanzierung aufgedeckt. Wie bereits in Libyen, soagar von AA zugegeben, wissentlich Falschmeldungen gestreut wurden, geschieht und geschah das auch im Syrienkrieg. Und der Direktor von HRW, Kenneth Roth, hat dies genauso gemacht. Doch das sind bei weitem nicht die einzigen NGO's, die sich für den Regimechange in Syrien einspannen ließen.
Bernd Moser, am 05. Dezember 2018 um 12:22 Uhr
Langsam lichtet sich der Nebel über die Hintergründe des Krieges in Syrien. Helmut Scheben hat hier in der Schweiz viel dazu beigetragen. Auch der vorliegende Artikel ist ein klärendes Beispiel.
Assad als Schlächter des eigenen Volkes war reine Propagandasprache und diente als Legitimierung für den versuchten (und gescheiterten) Regimechange mit „moderaten Rebellen“. Auch die immer wieder erwähnten „Cäsar Fotos“ mit Folteropfern haben sich weitgehend als Fake-News entlarvt. Fast die Hälfte der Bilder zeigen getötete syrische Soldaten, also keine Opfer eines Regimes, sondern Opfer angeblicher «gemäßigter Rebellen». Ein 30-seitiger Report klärt hier einiges:
http://www.counterpunch.org/2016/03/04/the-caesar-photo-fraud-that-undermined-syrian-negotiations/

Trotzdem wird Syrien immer noch sanktioniert und die USA erweitern ihre illegalen 17 Militärbasen. Das scheint hierzulande leider aber niemand zu stören.
stefan plüss, am 05. Dezember 2018 um 14:37 Uhr
# Carsten Schmidt,
in Ihren letzten Satz dem muss ich doch widersprechen. Da wartet schon eine andere Chlique
von Parias.Zu dem Kommentar: waren Sie schon mal in Syrien? kennen Sie die Kultur dort?
ich ja,i mein Enkel ist Verheiratet mit einer Libanesin, deren Schwester lebt in Syrien Damaskus führen ein Goldgeschäft dort. Ich lernte sie kennen bei der Hochzeit meines Enkels,
Man hat mich eingeladen nach Damaskus, habe ich angenommen. Ich stellte bei meinem Besuch fest die Bürger waren sehr freundlich, auch Kleidungsmäßig Hipp ( die junge Generation ) Komme zurück zu dem Artikel. Es wunderte mich doch in einem Satz 2 Namen unter zu bringen: «Niemand wird mehr gehasst, als derjenige der die Wahrheit sagt.» ( Plato)
Nachtrag : Bei der Einreise ( Kontrolle ) erinnerte mich an DDR. Heute verstehe ich es warum.
Übrigens Assad war beliebt bei der Bevölkerung. Ich vermut daran hat sich nichts geändert.
MfG
Werner Kämtner, am 05. Dezember 2018 um 15:35 Uhr
Beitrag von Gino Brenni, vom 4.12.2018
Frage 1: Waren Sie in den letzten Monaten in Syrien?
Frage 2: Kennen Sie auch die Propaganda gegen den IRAK vor dem Überfall?
Frage 3: Könnte es nicht auch sein, dass Sie wie Millionen Andere auf die Meuchelmord-Propaganda gegen Assad hereingefallen sind?

Gruss
Rolf Schmid(85)
Rolf Schmid, am 05. Dezember 2018 um 16:30 Uhr
# Thomas Neuenschwander,
ich frage mich wirklich, in welchen Universum Leben Sie denn? Sind Sie ein Paladin der Herrschaft? So Naiv kann man nicht sein,seitens ihrer Fragestellung. MfG
Werner Kämtner, am 06. Dezember 2018 um 13:50 Uhr
Stefan Plüss: Nach welchen Kritierien beurteilen Sie die Zuverlässigkeit von Quellen? Sie werden im Internet x Seiten und Reports finden, die Tatsachen als «Fake-News entlarven». Warum glauben Sie gerade dieser Quelle?
Selbst wenn diese Photos von Cäsar nicht durch die syrische Regierung gefolterte Menschen zeigen würden: Es gibt x-fache Belege und Zeugenaussagen für Folterungen (übrigens schon vor Kriegsausbruch) und Bombardierung von Zivilisten durch Assad. Alles gefälscht? Eine solche Sicht auf die Dinge ist reichlich naiv....
Thomas Neuenschwander, am 06. Dezember 2018 um 16:10 Uhr
@Neuenschwander:
Nach den Lügen über die Brutkastenbabys im Irakkrieg 1, den Lügen von den Massenvernichtungswaffen im Irakkrieg 2, der Lüge vom Golf von Tonkin im Vietnamkrieg,... ist eine Sichtweise wie die von Herr Plüss alles andere als naiv. Im Krieg wird so ziemlich alles gefälscht. Am allermeisten und zuallererst der Kriegsgrund.

Aber mal unabhängig davon: Wie hilft man einem Volk, dass von einem Tyrannen regiert wird, wenn man das Volk bombardiert und sanktioniert? Den Libyern ging es noch nie schlechter. Libyen, das ehemals reichste Land Afrikas, wo für die Bevölkerung Wasser, Strom und Bildung gratis war ist mittlerweile ein Failstate. Kaum war Saddam Hussein im Irak entmachtet und getötet, riss sich die US-Wirtschaft sofort die Filetstücken der Irakischen Wirtschaft unter den Nagel und enteignete damit das Volk (Quelle: Die Schockstrategie, Naomie Klein). Dem Volk geht es schlechter als jemals zuvor. Der neue «Diktator» aus dem Westen ist ganz offensichtlich tödlicher als der Alte. Auch die Folterszenen in Abu Ghraib und Guantanamo sind gut dokumentiert. Die NATO Länder führen Terror und Folterungen in vielen Teilen der Welt. Sollte man die NATO-Länder jetzt etwa auch bombardieren?

Die USA haben übrigens sehr viele Diktatoren unterstützt, z.b. Saddam Hussein oder Pinochet. Wenn die USA sagt, das ist ein böser Diktator, wir müssen das Volk befreien, ist es zu hundert Prozent eine Kriegslüge.
Stöckli Marc, am 07. Dezember 2018 um 15:38 Uhr
Thomas Neuenschwander: Selbstverständlich ist mir klar, dass in Syrien wie auch in vielen andern Ländern gefoltert wird ( so hat z.B. auch die CIA vor Ausbruch des Krieges wiederholt politische Gefangene nach Syrien geschickt, um sie durch den syrischen Geheimdienst foltern zu lassen...). Dass sich aber solche Staaten zur moralischen Instanz aufspielen ( die Verbreitung der „Cäsar Fotos“ wurde von Katar finanziert) ist zumindest scheinheilig.
Im Weiteren masse ich mir nicht an, die Quellen von andern Kommentarschreibern zu kritisieren, ohne sie beachtet zu haben und es liegt mir auch fern, andere auf der persönlichen Ebene zu diskreditieren
stefan plüss, am 07. Dezember 2018 um 16:08 Uhr
Stöckli Marc/Stefan Plüss: Natürlich ist die Politik der USA und anderer NATO-Länder verlogen und es geht ihnen vorrangig um ihre Interessen - nicht um die der syrischen Bevölkerung. Sie machen aber den gleichen Denkfehler wie Helmut Scheben und andere Leute, die die Verbrechen von Assad kleinreden: Wenn die USA sagen, Assad oder Saddam Hussein seien unterdrückerische Diktatoren, ist dies gemäss Ihrer Logik falsch. Weil man den USA nicht trauen kann. Ja, sogar das Gegenteil muss dann zutreffen, wie Sie zumindest suggerieren. Ein solches Vorgehen ist natürlich hanebüchen, denn eine Tatsache bleibt auch dann wahr, wenn sie von einem «Lügner» ausgesprochen wird!

Ich wiederhole meine Frage: Warum hat der Westen Assad nicht gestürzt, wenn er das um jeden Preis erreichen wollte? Man hätte ja Zeit genug gehabt, bevor Russland in den Krieg eingegriffen hat. Warum hat Obama den Giftgasangriff 2013 nicht genutzt, um Syrien zu bombardieren? An der Theorie, beim Syrien-Krieg gehe es um einen «Regime change», passt zuvieles nicht zusammen!
Thomas Neuenschwander, am 10. Dezember 2018 um 00:01 Uhr
@Neuenschwander: «Wenn die USA sagen, Assad oder Saddam Hussein seien unterdrückerische Diktatoren,.... denn eine Tatsache bleibt auch dann wahr, wenn sie von einem «Lügner» [USA] ausgesprochen wird!"

Nein, «Scheben und andere Leute» reden nicht die Verbrechen Assads klein, sondern zeigen auf, dass es den vermeintlichen Wohltätern [USA usw.] nicht im Ansatz (!) darum geht, Menschenleben zu retten (aus den Klauen der Diktatoren/Folterer zu befreien), was sich schon daran zeigt, dass selbiges ebenso tun. Es geht ihnen (= den «Wohltätern") nur darum, Menschen und Ressourcen unter ihre - bzw. ihrer Zahlmeister - Herrschaft zu bringen. Und hierfür sind sie (= die «Wohltäter") gerne bereit, in wenigen Jahren ein Vielfaches an Menschen umzubringen (rund 1 Mio. im Irak), zu foltern und ein Land in jeder Hinsicht ins Elend zu stürzen. Bei dieser 'Wahl' kann man nicht für die Intervention des «Wohltäters» sein. Das ist Logik! Der «Wohltäter» muss also solche Diktatoren respektive eben dessen Bevölkerung nicht mit Krieg verwüsten, sondern nicht unterstützen (was sie bei Saddam über Jahre noch so gerne taten (gegen Iran) oder heute bei Saudi Arabien (intern & gegen Jemen) tun).

Zu Ihrer Frage: «Warum hat der Westen Assad nicht gestürzt» [durch US-Bombardierungen]? Weil dieses offene Eingreifen ihnen ein Irak beschert hätte - weshalb sie es verdeckt/durch die Hintertür versuchen. Das ist doch nicht so schwer zu verstehen, oder?
Stan Kurz, am 10. Dezember 2018 um 23:05 Uhr

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