Ärztinnen, Pflegefachfrauen, Reinigungspersonal, Verkäuferinnen - sie alle werden jetzt gebraucht © Pixabay/ Darko Stojanovic

Ärztinnen, Pflegefachfrauen, Reinigungspersonal, Verkäuferinnen - sie alle werden jetzt gebraucht

Ärzte-Appell an Privatwirtschaft: «Stellt die Väter frei!»

Monique Ryser / 15. Mär 2020 - Spitäler und Praxen sind auf die Mütter als Ärztinnen, Pflegerinnen, Putzfrauen und Köchinnen angewiesen - trotz Schulschliessung.

Die Schliessung der Schulen stellt viele berufstätige Eltern vor Probleme. Vor allem diejenigen, die in Berufen arbeiten, die zur Krisenbewältigung gefordert sind. Zwar haben viele Kantone, zum Beispiel Wallis, Bern oder Zürich, angekündigt, Betreuungsangebote zur Verfügung zu stellen. Aber auch die Privatwirtschaft könnte einen sinnvollen und effizienten Beitrag leisten, vor allem Branchen, die zurzeit nicht zur Grundversorgung gehören.

Im Wallis haben die Ärztin Natalie Urwyler und ihr Kollege Simon Fluri deshalb einen Appell lanciert: «Um den im Gesundheitswesen arbeitenden Müttern die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu ermöglichen, ist es unerlässlich, dass Väter, die in weniger akut notwendigen Berufen arbeiten, zur Betreuung der eigenen Kinder freigestellt werden. Dies könnte ein Beitrag dazu sein, den drohenden Versorgungsnotstand im Gesundheitswesen zu entschärfen», so der Appell. Die Ärzte-Initiative wird vom Direktor des Spital Wallis, Eric Bonvin, unterstützt.

«Nicht nur Medizin, auch Reinigung und Verkauf»

«Dabei geht es nicht nur um das medizinische Personal und um die Pflege», betont Natalie Urwyler. «Das Reinigungspersonal arbeitet seit Wochen sehr hart und ist äusserst wichtig für die Hygiene. Spitalbereiche, in denen Corona-Patientinnen und -Patienten therapiert werden, brauchen eine viel intensivere Reinigung beziehungsweise Dekontamination. Es geht aber auch um Angestellte in den Spitalküchen, in der Spitalwäscherei, der Sterilisation sowie um Apothekerinnen, medizinische Praxisassistentinnen, Hebammen und so weiter. In all diesen Bereichen arbeiten bis zu 80 Prozent Frauen.» Auch ausserhalb des Gesundheitswesens rücken plötzlich Berufe in den Vordergrund, ohne die die Schweiz nicht mehr funktioniert: Verkäuferinnen und Angestellte im Lebensmittelbereich – auch das Berufe mit hohem Frauenanteil (bei den Detailhändlern Migros und Coop je rund 63 Prozent). «Sie müssen sicher sein können, dass ihre Kinder gut betreut sind, denn die Schweiz braucht diese Frauen jetzt,» so Urwyler.

Junge Medizinerinnen in der Mehrzahl

Im Gesundheitswesen arbeiten überdurchschnittlich viele Frauen. Von den insgesamt rund 38’000 Ärztinnen und Ärzten sind über 16’000 Frauen (43 Prozent), in der Alterskategorie der 30- bis 39-Jährigen sind es gar über 60 Prozent (Quelle: FMH). Das ist auch die Alterskategorie, die häufig noch kleine Kinder hat. Auch beim Pflegepersonal (siehe Infosperber: Pflegefachleute: Arbeiten ohne Murren, trotz Gefährdung) mit rund 120’000 Beschäftigten sind die Mehrheit Frauen.

Die Erwerbsquote der 25- bis 39-jährigen Frauen beträgt in der Schweiz 88 Prozent. Viele davon arbeiten Teilzeit und viele davon in Branchen, die von zentraler Wichtigkeit sind.

Auch die Armee, die vorerst mit einem Spitalbataillon einrückt, ist auf Frauen angewiesen. Der Rotkreuzdienst stellt Fachfrauen zur Ausbildung der Soldaten zur Verfügung, wie Brigitte Rindlisbacher, Chefin des Rotkreuzdienstes, erklärt. Insgesamt stellt der Dienst rund 250 medizinische Spezialistinnen zur Verfügung, die Dienst leisten können, vor allem aber mit mehrtägiger Ausbildung dazu beitragen, dass zusätzliche Hilfe für das Gesundheitswesen zur Verfügung steht.

Arbeitgeberverband will mithelfen

Auf Anfrage sagt der Arbeitgeberverband zur Forderung nach Freistellung von Vätern: Zuerst gelte es nun, die staatlichen Angebote abzuwarten. Aber: «Wir stehen – auch mit Blick auf die Ressourcenfrage in den drei Branchen Gesundheit, Reinigung und Lebensmittel – mit unseren diesbezüglichen Mitgliedern in der Task Force CoVi in engem Kontakt.» Sollten die Betreuungsangebote nicht ausreichen, oder die Kapazitäten in den erwähnten Branchen sehr rasch erhöht werden müssen, werden selbstverständlich auch weitere Massnahmen – auch die oben genannten – geprüft», so Direktor Roland A. Müller.

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DOSSIER: Coronavirus: Information statt Panik

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7 Meinungen

Mal eine Frage an die Community:

Wer im Fact-Sheet des offiziellen Schweizer Influenza Labors (unter Vorkommen auf Seite 2) die Voraussetzungen für eine Taxierung als Pandemie liest (und das COVID wurde durch die WHO ja gerade als Pandemie upgegraded), kommt doch zwangläufig zum Schluss, dass die Massnahmen nicht nur ein wenig sondern extrem übertrieben sind und zudem uns alle viel Geld kosten werden. Die momentanen Zahlen der Ansteckungen und der Gestorbenen entsprechen ja nicht einemal einer normalen Grippenepedemie.

www.labor-spiez.ch/pdf/de/dok/fas/Influenza_aviaere.pdf

Da ist doch 90% politisch motiviert als Wirtschaftsschädigung Chinas (und unserer gleich mit). Kann mir mal jemand erklären warum der tend. eher linksgerichteten Presse diese Kampagne auch so wichtig zu sein scheint. Wer sollte denn da genau was gewinnen? Sind wir so erpricht auf möglichst viele Arbeitslose?
Ursula Keller, am 15. März 2020 um 10:10 Uhr
Zitat: «Sollten die Betreuungsangebote nicht ausreichen, oder die Kapazitäten in den erwähnten Branchen sehr rasch erhöht werden müssen, werden selbstverständlich auch weitere Massnahmen – auch die oben genannten – geprüft"
Bedeutet wohl: es werden keine Väter freigestellt, dazu muss sich die Lage zuerst noch verschlimmern.
Gabriel J. Hurni, am 15. März 2020 um 12:19 Uhr
Das finde ich eine sehr gute, bemerkenswerte Idee. Könnte sicher auch vielerorts rasch umgesetzt werden, in «Eigenverantwortung».....
Judith Stamm, am 15. März 2020 um 13:47 Uhr
Was heisst «Freistellung», dies ist ein weiter Begriff! Es ist klar, es geht nur mit gegenseitiger Rücksichtsnahme. Aber von «Freistellung» kann nicht gesprochen werden, dies ist das falsche Wort, es heisst «Rücksichtnahme» auf die individuellen Bedürfnisse und Pflichten. Und nicht alle Frauen arbeiten in Pflegeberufen oder als Putzfrauen!...
Beda Düggelin, am 15. März 2020 um 14:10 Uhr
@Ursula Keller - habe ähnliche Fragen - und da in der Mainstreampresse meine Kommentare online nicht mehr abgebildet werden, schreibe ich ihn hier hinein - in der Hoffnung, dass ein paar offene Journalisten sich dieses Themas annehmen: Alle Informationen über Covid 19 sind zu wenig genau. Wem wird Test angeboten, Sampel erklären und Konklusion Schritt für Schritt offen legen. Wie kommen die Behörden zu ihren Prognosen? Nachbeten des Mainstreams oder der WHO? Ich glaube nur MEINER Statistik, die ich selber fälsche, weil ich die Kriterien dazu selber wähle. Also wem nützt die Riesen-Panik-Mache? An Grippe sind schon immer ältere Leute gestorben, hat sich jemand darüber aufgeregt? Nein! Nur weil jemand einen spezifischen Test zu Covid 19 erarbeitet hat, sollen Tausende getestet werden. Wahrscheinlich habe wir alle diverse Viren (dem Covid 19 verwandte) im Körper, die bei Stress dann mal zur Grippe ausbrachen, aber schrie jemand nach Ausnahme-Zustand? Nein der Arbeitgeber bezog Krankentaggeld. Könnte es sein, dass die kommende Wirtschaftskrise einem Sündenbock angelastet werden soll, gegen den die Finanzwelt scheinbar wenig unternehmen kann, ausser die Staaten bitten doch Gelder flüssig zu machen - um naja...... Wie wäre es wenn endlich das BGE (bedingungslose Grund-Einkommen) oder die Mikrosteuer vom Staat direkt eingeführt, oder Vollgeld nochmals breit diskutiert würde?
Carlos Werner Schenkel, am 17. März 2020 um 10:51 Uhr
@ Keller: haben Sie schon einmal etwas von einer exponentiellen Zunahme bzw. Exponentialkurve gehört? Professor Aguzzi von der UZH erklärt es in diesem Video sehr einfach und klar. https://www.srf.ch/play/tv/srf-news/video/professor-adriano-aguzzis-appell-an-die-bevoelkerung?id=d12c844c-28e3-42c9-a282-d260fc9eb7c4

@ Infosperber: bitte nächstes Mal ein Bild wählen, wo die Person die Maske korrekt (über der Nase) trägt - das Bild oben ist unerträglich anzuschauen...
Christian Schürch, am 17. März 2020 um 16:21 Uhr
Frau Ryser aus Ihren Forderungen entnehme ich, dass Sie noch nicht begriffen haben, was diese vom Bund verordnete Zwangsferien unsere Wirtschaft kostet: Hundertausende von Unternehmer/Innen und KmUS werden in der Schweiz in den Konkurs getrieben. Ich prophezeie, es wird Milliarden Menschen global geben, die von keiner Sozialhilfe aufgefangen werden. Einzelunternehmer - wie ich, sowie KmUs mit Angestellten zahlen Miete weiter, können nichts mehr einehmen und bezahlen in die Arbeitslose Kassen, erhalten aber kein Geld. Schon mal ausgerechnet Frau Ryser, was sie hier verlangen?
Ich habe einen anderen Vorschlag: Dass alle Schweizer sich solidarisieren und ihren Urlaub nehmen, um die Firmen und Unternehmer und Arbeitsgeber zu entlasten und so DEN ARBEITSPLATZ ZU ERHALTEN. Verzichten Sie auf die Miete wenn Sie Vermieter sind, sollten ihre Miete in diese Zwangslage kommen. Ich habe eine Kundenkarte bei meinem Firsör, diese kostetete mich 10 mal Haare legen 500.-- ich habe ihm gestern geschrieben, er solle diese Karte zerreissen ich kaufe eine Neue. Wen unterstützen Sie Frau Ryser, damit diese Unternehmer, die keine Arbeitslose erhalten und keine Entschädigung vom Staat zu gute haben? Haben Sie Ihre Coifeuse gefragt, wie sie überlebt? Vielleicht ist diese auch Alleinunternehmerin und erst noch Alleinerziehende. Wen unterstützen Sie? Verzichten Sie auf einen Teil Ihres Lohnes, um ihren Arbeitsgeber zu unterstüzten nicht konkurs anmelden zu müssen?
Mary-Anne Bufton, am 20. März 2020 um 13:10 Uhr

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