Der Bär – geliebt und gefürchtet: ein Symbol auch für Russland © BR
Polyphonte macht Liebe mit einem Bär © CV
Masha © gk
Mashas Bär © gk
AZ mit Russland-Werbung © AZ
Marsha und der Bär – steckt dahinter Putin? © Mail online
Polyphonte mit Bär © CV

Achtung: Hinter diesem Bär steckt Putin!

Christian Müller / 24. Nov 2018 - Jetzt ist klar, warum der russische Comic «Mascha und der Bär» auch im Westen immer beliebter wird: Es ist hybride Kriegsführung!

Wir Schweizer und Deutsche wissen es: Bären sind ganz besondere Tiere. Nicht zufällig haben unsere Hauptstädte, Bern und Berlin, beide einen Bären im Wappen. Auch die beiden Halbkantone Appenzell haben einen Bären im Wappen und auch die Stadt St. Gallen hat einen Bären im Wappen. Da muss doch wohl was dran sein. So ganz zufällig kann es nicht sein, dass der Heilige Gallus, der so ums Jahr 600 herum als Migrant aus Irland in den Bodensee-Raum kam, immer in Begleitung eines Bären abgebildet wird.

Bären sind halt ein bisschen wie wir Menschen, sie gehen oft auf zwei Beinen und verweigern neben Rüben und Bananen weder süsse Waldbeeren noch ein würziges Beefsteak Tartare als exquisite Zusatz-Nahrung. Die griechische Göttin Artemis soll sogar mit einem Bären … nein, das lassen wir jetzt lieber, sonst müssen wir auch erzählen, dass auch Kephalos mit einer Bärin geschlafen und Polyphonte nach einer Liebesnacht mit einem Bären Agrios und Oreios zur Welt gebracht hat …

Nach heisser Liebesnacht: der erschöpfte Bär mit seiner Polyphonte.

Nicht zu vergessen: Urs, der Bär, ist ein beliebter Männername, Ursula, die kleine Bärin, ist laut Wikipedia seit 1890 sogar der meistvergebene Frauenname. Es bleibt dabei: Bären sind einfach was Besonderes.

Szenenwechsel

Wer in Russland Verwandte oder Bekannte hat oder selber schon das eine oder andere Mal dort war, der weiss: Es ist dort Vieles wie bei uns auch. Dass es in Moskaus Supermärkten eine etwas grössere Auswahl an Wodka hat als bei Globus in Zürich, sieht man erst bei genauerem Hinschauen. Und so, wie die Kids in den USA ihre Mickey Mouse und ihren Dagobert Duck haben, so wie die Schweizer Kids ihren Globi haben, so haben die russischen Kids ihre «Mascha und der Bär».

Von geschätzt 17 Millionen russischen Kids regelmässig angeschaut: Mascha.

Aber Achtung: Jetzt hat ein britischer Professor herausgefunden und in der britischen Tageszeitung Times darüber berichtet, dass da doch ein grosser Unterschied ist. Im Gegensatz zu den Abenteuern von Mickey Mouse, Dagobert Duck oder auch Globi steckt hinter «Mascha und der Bär» nämlich niemand anderes als Putin persönlich. Der Bär ist nämlich das Nationalsymbol von Russland, gehört zur russischen Mythologie und ist so etwas wie die Verkörperung Russlands. «Mascha und der Bär» aber präsentieren den Bären als sympathischen Zeitgenossen – eine gezielte Komponente der hybriden Kriegsführung Russlands: Auch Russland soll sympathisch werden!

Und hier der ach so sympathische Bär, der, nach Putins streng geheimer Instruktion, auch Russland sympathisch machen soll.

In den Medien Englands, Finnlands und der baltischen Staaten gehen seither die Wellen hoch. Auch in Russland selber wurde die «Entdeckung» von Putins subversiver Kriegsführung mit «Mascha und der Bär» zum Thema – und sorgte, wen wundert's, wenigstens dort vor allem für Gelächter. 17 Millionen russische Kids schauen regelmässig «Mascha und der Bär» …

«Mascha und der Bär»: Teil der von Putin betriebenen hybriden Kriegführung?

Wird jetzt auch die Schweiz «unterwandert»?

Im Jahr 2004 beschloss der Berner Stadtrat, den seit dem 15. Jahrhundert bestehenden Bärengraben, neben dem Berner Münster die Attraktion für die ausländischen Touristen, ausser Betrieb zu nehmen und dafür am Aareufer einen 6000 Quadratmeter grossen Bärenpark einzurichten. War es vielleicht auch hier Putin – er kam im Jahr 2000 an die Macht –, der über seine heimlich-unheimlichen Kanäle dafür sorgte, dass der Bär auch in der Schweiz als sympathisches Tier entdeckt wurde und ein anderes Leben verdient, als in einer engen Betongrube zur Schau gestellt zu werden?

Und jetzt das: Da öffne ich am frühen Morgen die Online-Plattform der Aargauer Zeitung. Und was sehe ich da, an vorderster Stelle, noch über der ersten aktuellen Meldung? Eine seitenbreite Werbung – für den Bären! Das Bild lässt keine Missverständnisse offen: Der Bär soll leben dürfen und nicht mehr eingesperrt sein!

So zeigte sich die AZ-Plattform am frühen Morgen: mit der Werbung für Putins Bär an bester Stelle!

Es ist Zeit, dass der Bundesnachrichtendienst genau hinschaut und abklärt, woher das Geld für diese Werbung kommt. Oder ist vielleicht ein Mitglied des AZ Verlages ein noch nicht entlarvter Putin-Troll, der dafür sorgt, dass auch bei uns der Bär, das Nationalsymbol Russlands, immer mehr Freunde gewinnt? Eine Anfrage bei «Vier Pfoten», was bei der AZ für die Platzierung dieser Werbung bezahlt werden musste, wurde (noch) nicht beantwortet …

Putin, mittlerweile an die weltweite Russophobie gewöhnt, gab sich am russischen Fernsehen, auf «Mascha und der Bär» angesprochen, wie so oft geistesgegenwärtig und witzig: «Ja, der Bär ist ein gutes Symbol für Russland. Er ist weder angriffslustig noch gefährlich – es sei denn, man beginne ihn zu provozieren ... !»

«Und die Moral von der Geschicht:
Vergiss den Bär zum Kuscheln nicht.»

... oder halt eben so: Mascha und der Bär (in Deutsch).

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Zum Autor. Es gibt keine Interessenkollisionen.

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5 Meinungen

Danke, der Beitrag brachte mich zum Schmunzeln und Lachen. Wie doch alles verwoben scheint, jenseits jedes Zufalles, Symbole, Werbung, Politik, Mensch-sein sowie Vergangenheit und Gegenwart. Danke für den entspannenden Bericht.
Beatus Gubler, am 24. November 2018 um 12:14 Uhr
Dieser Artikel ist entweder eine auf Ironie aufgebaute Satire oder ein Ausgebund an durchgeknallter Weltfremdheit. Die «Trickfilme von Mascha und der Bär» sind technisch, visuell und inhaltlich allererste Sahne zur vergnüglichen Unterhaltung von Kindern wie auch Erwachsenen. Irgendwie auf dem Level wie etwa «Shaun, das Schaf» aus England und wer da gewisse Spinnereien zudichtet, macht sich schlicht lächerlich.

Dazu paßt auch, daß in den Zeiten der Kalten Kriegs, auch viele ungewöhnlich hochwertige und gute Filme aus der Sowjetunion kamen, die lediglich Märchen oder lustige Unterhaltung zeigten. Schon damals verdächtigten Manche im Westen, das sei alles Teil einer fiesen sozialistischen Kriegsführung. Daß man dort einfach gute Filme künstlerisch machen konnte und daß es auch gerade im Ostblock ein großes Publikum für solche leichten Unterhaltungsfilme gab, gerade als willkommene entspannende Abschaltung vom oft schwierigen sozialistischen Alltag, das kapierten Manche einfach nicht.
Werner Eisenkopf
Werner Eisenkopf, am 24. November 2018 um 12:24 Uhr
@Eisenkopf: Danke! Um ehrlich zu sein, ich habe tatsächlich in Erwägung gezogen, am Anfang meines Artikels über den Bären noch hinzuschreiben: ACHTUNG SATIRE! Habe dann aber davon abgesehen, um das Urteil den Leserinnen und Lesern zu überlassen ...
Christian Müller, am 24. November 2018 um 12:32 Uhr
Ha! Die Bärengeschichte ist tatsächlich aus dem Ausland gesteuert, aber nicht aus Moskau, sondern aus Wien. Jedenfalls jene Bärengeschichte, die sich auf dem Portal der Aargauer Zeitung breit machte und die jedes Jahr in viele Schweizer Briefkästen flattert, postalisch wie elektronisch. Die von Wien aus dirigierte Organisation Vier Pfoten sackt in der Schweiz jährlich etliche Millionen Spendengelder für Tierschutz ein. Dieses Spendengeld wird aber nicht zur Lösung von Tierschutzproblemen in der Schweiz ausgegeben, sondern für Projekte im Ausland wie etwa einen Bärenpark für ein paar befreite Tanzbären. Werbemässig wirksame Projekte, die aber das Leben von relativ wenigen Tieren verbessern, während das in der Schweiz gesammelte und nach Wien transferierte Geld dann eben fehlt, um das Los von sehr vielen, aber nicht so «attraktiven» Tieren zu verbessern. Zum Beispiel von Kälbern in Iglu-Isolationshaft auf vielen Bauernhöfen oder von den noch viel zahlreicheren Zierfischen in Wohnzimmern bei Menschen, die von Fischen wenig Ahnung haben. Merke: Nicht nur Putin und seine Gegner lenken vom Thema ab!
Billo Heinzpeter Studer, am 24. November 2018 um 20:25 Uhr
# Christian Müller.
Sehr netter Artikel, für die Kinder ist es natürlich eine Freude mit ihren Bären zu
leben. Wenn man den Bär ansieht möchte man auch wieder Kind sein.
Schönen Gruß Werner Kämtner
Werner Kämtner, am 25. November 2018 um 15:14 Uhr

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