Unkritische redaktionelle Reklame für Kreuzfahrtreisen zur Antarktis © tamedia

Zum Klima-Gipfel empfiehlt die SoZ Traumreisen nach Übersee

Urs P. Gasche / 25. Sep 2019 - Nein, es war keine bezahlte Werbebeilage, auf der die Angabe «Sponsored Content» fehlte. Es war eine Beilage der Redaktion.

Eine ganze Reihe von «Traumreisen» stellte die Redaktion der Sonntags-Zeitung am 22. September vor. Der redaktionelle Bund listete z.B. «die beliebtesten Städte der Welt» auf und stellte Reisen vor in die Karibik, die Antarktis, nach Uganda, Oman oder Kambodscha.

Titelseite des redaktionellen Zeitungsbundes in der Sonntags-Zeitung

In einem grossen Interview gab die SoZ dem CEO Martin Wittwer des Reisekonzerns TUI Gelegenheit zu erklären, dass TUI es mit der Nachhaltigkeit «extrem ernst» nehme und beispielsweise Hotels mit dem günstigsten ökologischen Fussabdruck auszeichne. Allerdings erfuhr man über Fussabdrücke im 20-seitigen Zeitungsbund sonst nichts mehr.

Auch bei genauer Lektüre war der inhaltliche Unterschied zu einer reinen Werbebeilage nicht ersichtlich, ausser dass die sonst üblichen übersehbaren Hinweise «Sponsered Content» oder «Tamedia Commercial Publishing» fehlten.

Das Fehlen solcher, wenn auch leicht übersehbarer Hinweise gefällt den Inserenten natürlich noch besser. Nur werden die Leserinnen und Leser noch stärker getäuscht.

Infosperber fragte die verantwortliche Redaktion

Den verantwortlichen Leiter der redaktionellen SoZ-Beilage «Traumreisen» bat Infosperber um Antworten auf folgende Fragen:

  1. Weshalb hat die SoZ ihre Leserinnen bei den einzelnen Destinationen nicht darüber informiert, wie gross die CO2-Belastung der einzelnen Reisen ungefähr ist? Diese Angabe ist doch heute aktuell?
  2. Warum kommen in dieser redaktionellen Beilage nur Vertreter der Reisebranche zu Wort (TUI-CEO Martin Wittwer, Hanseatic-Kapitän Roman Obrist, Reiseleiterin Janine Stemme etc.? Warum hat die Redaktion in der 20-seitigen Beilage keine kritischen Stimmen zu Traumreisen in ferne Kontinente zu Wort kommen lassen?
  3. Warum wurde der Inhalt dieser Beilage nicht als Werbebeilage bezeichnet und die Aufmachung entsprechend gestaltet? Was unterscheidet den Inhalt vom Inhalt einer Werbebeilage?
  4. Der Untertitel auf der Frontseite lautete: «Endlose Strände, türkisblaues Meer und traumhafte Hotels. Die attraktivsten Reiseziele, um dem europäischen Winter zu entfliehen.» Warum animiert die SoZ die Leserschaft mit einem solchen redaktionellen Werbespot dazu, dem europäischen Winter mit Reisen in die genannten Destinationen zu entfliehen?

In seiner Antwort ging Redaktor Christoph Ammann auf die vier Fragen nicht konkret ein, sondern antwortete wie folgt pauschal:

«Die Beilage Traumreisen ist eine redaktionelle Leistung, die sich in der Entstehung nicht vom normalen Reiseteil unterscheidet. Ich habe meine besten Schreiber vereint; die Texte entstanden unabhängig von den Veranstaltern. Dass wir dem Umweltthema nur nebenbei Beachtung schenkten, ist korrekt, ich weise aber darauf hin, dass wir in unserer Zeitung schon oft über die Problematik Reisen und Umwelt berichtet haben. Die Reportagen Kambodscha und DomRep haben dazu einen kritischen Ansatz, im Einleitungstext wird zudem Overtourism thematisiert.»

Damit hat die Sonntags-Zeitung das letzte Wort.

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Lesen Sie dazu:

Urs P. Gasche: SoZ verbreitet mit Steuergeldern bezahlte Mythen und Märchen

Mathias Zehnder: Native Ads: Medien sägen am Ast, auf dem sie sitzen

Hanspeter Guggenbühl: Reiset um die Welt, solang sie noch nicht schmilzt

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Dossier: Infosperber-Serie Anders Reisen - Umwelt schonen

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4 Meinungen

Die Redaktion der SoZ wird sich denken, wenn wir für Schifffahrten Werbung machen und zeitverschoben auf die Umweltbelastung dieser Schiffe hinweisen, verhalten wir uns Klima-Neutral. :-))
Hans Rudolf Knecht, am 25. September 2019 um 15:16 Uhr
Google mal nach dem Stichwort «Propaganda-Matrix» oder «Swiss Propaganda Research». Da gehen Dir tausend Lichter an!
René Lütold, am 27. September 2019 um 12:21 Uhr
Lieber infoSperber, leider muß ich feststellen, dass auch bei Dir NUR die allgemein gebräuchlichen FakeNews, das Klima betreffend rüber kommen.

Da werden SUV-Fahrer zu Klima-Monstern und jeder der eine Fernreise macht zum CO2- Banausen erklärt. Sind DAS die Klima-Killer, die Ihr erkennt?

Ich erkenne einen weit gefährlicheren Klima-Killer. Schon mal von Krieg gehört, einem Vorgang der mittlerweile in aller Welt und umfassend stattfindet. Da werden tausende Killer (man kann auch Soldaten dazu sagen) in alle Teile der Welt verbracht, solche «Fernreisen» werden bei Euch nicht angeklagt. Da wird vorher in aller Welt trainiert, erst vor kurzem mit tausenden NATO-Soldaten in Finnland - weil das ja ein zentraler Ort der NATO ist? Ach ja, der «böse» Russe soll dort zum Stehen gebracht werden - der sich jedoch bisher kein Stück nach Westen - die NATO dagegen fast nur nach Osten ausgebreitet hat.

Jeder Schuß, jede Rakete, jede Bombe, hinterläßt neben Tod und Verderben eine große Menge CO2 und Keiner regt sich darüber auf - werder Politiker der Grünen, die ja schon lange Oliv-Grün sind, kein Politiker der Linken, Keiner der SPD und auch kein Journalist.

Sind diese Menschen alle Dumm - oder wollen sie diesen Klima-Killer nicht ansprechen?

Ein sofortiger Rüstungsstopp und ein sofortiger Kriegsstopp, wären ohne, dass große Anstrengungen notwendig wären, dem Klima eine Atempause geben. Nur die Rüstungsbosse hätten keinen Profit mehr - und das darf nicht sein - ODER?
Günther Wassenaar, am 27. September 2019 um 16:28 Uhr
Guter Artikel, zeigt wie TAmedia heute funktioniert. Aus Journalisten werden gekaufte Auftragsschreiber, kritiklos, anbiedernd. Neuestes Beispiel von TAmedia. Das Magazin vom 28. September, 9 1/2 Seiten Lobhudelei für Petra Gössi, geschrieben von Philipp Looser, eingeleitet von Finn Canonica.
Victor Brunner, am 28. September 2019 um 11:23 Uhr

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