Jemen grenzt im Norden an Saudi-Arabien, im Osten an Oman. Die Häfen sind von den Saudis blockiert © StableSeas/Al Jazeera

Jemen grenzt im Norden an Saudi-Arabien, im Osten an Oman. Die Häfen sind von den Saudis blockiert

Desinformation über den Krieg in Jemen

Urs P. Gasche / 21. Nov 2018 - Viele Medien beschönigen die Rolle der USA und übertreiben den Einfluss des Irans.

In jüngster Zeit hört und liest man in vielen Medien immer wieder die beiden fragwürdige Informationen:

1. «In Jemen kämpft eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition gegen Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden.» Häufig ist auch von einem «Stellvertreterkrieg» zwischen Iran und Saudi-Arabien die Rede.

Damit entsteht der falsche Eindruck, der Iran hätte auf den grausamen Krieg bisher einen vergleichbaren Einfluss gehabt wie Saudi-Arabien.

Tatsächlich aber kann der Iran die Huthis wenig unterstützen: Auf dem Landweg überhaupt nicht, mit Flugzeugen ebenfalls nicht, und den Zugang zu den Häfen haben die Saudis vom Meer her blockiert. Selbstverständlich ist der Schmuggel ein gutes Geschäft. Die Huthis konnten sogar vereinzelte Raketen auf Saudi-Arabien abfeuern.

2. «Die USA üben jetzt Druck auf Saudi-Arabien aus, die Bombardierung Jemens zu beenden und Friedensgespräche aufzunehmen.»

Hier kann gleich zweifach eine falsche Wahrnehmung entstehen:

  • Der Eindruck, die USA seien schon lange gegen Bombardierungen in Jemen gewesen und würden jetzt zusätzlichen Druck ausüben.
  • Der Eindruck, die Saudis hätten den Krieg in Jemen ohne aktive Unterstützung der USA geführt.

Tatsächlich aber konnten die Saudis die intensiven Angriffe in Jemen nur durchführen, weil ihnen die USA logistische Hilfe boten, unter anderem mit Satellitenaufklärung, und weil die USA die saudischen Bomber in der Luft regelmässig auftankten. Abgesehen davon liefern die USA an Saudi-Arabien das halbe Waffenarsenal einschliesslich Ersatzteile. Die USA bilden das saudische Militär auch aus.

Erst vor wenigen Tagen gaben die USA bekannt, wenigstens das Auftanken einzustellen.

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In den letzten drei Jahren sind schätzungsweise 85'000 Kinder in Jemen am Hungertod gestorben, schätzt die Hilfsorganisation «Save the Children». Bericht in der BBC.

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Über den Krieg in Jemen hat Infosperber regelmässig berichtet. Beachten Sie unser Dossier

Der Krieg in Jemen

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Eine Meinung

«Viele Medien beschönigen die Rolle der USA und übertreiben den Einfluss des Irans», schreibt Urs P. Gasche. Werden die Kriegsmaterialexporte der Schweiz nach den USA wie nach Saudi-Arabien nach dem Kashoggi Mord jetzt wegen der logistischen Beteiligung der Vereinigten Staaten am Krieg im Jemen auch eingestellt? Wird die Nationalbank, die Banken, Versicherungen, die Pensionskassen auch der SBB und der Stadt Zürich ihre Investitionen in US-Rüstungskonzerne einstellen? Sicher nicht! Werden die Gewerkschaften der Schweiz fordern, generell Kriegsmaterialexporte und Investitionen in Rüstungskonzerne einzustellen? Zu hoffen wäre es, es sieht aber leider nicht danach aus. Die Folterungen der USA in Abu Ghraib, Bagram, Guantánamo usw. führten nicht zu einer Einstellung der Kriegsmaterialexporte der Schweiz an die USA und ihrer Nato Verbündeten, so wenig wie seinerzeit der Krieg auf dem Balkan, in Afghanistan, im Irak wie in Libyen.

Zu erinnern ist: Die Mowag in Kreuzlingen gehört dem US-Rüstungskonzern General Dynamics. Dieser Konzern ist laut dem Stockholm Peace Research Institute der sechstgrösste Rüstungskonzern der Welt. Ein Konzern der auch Saudi-Arabien mit Waffen beliefert. https://www.sipri.org/sites/default/files/The-SIPRI-Top-100-2015.pdf

Die Mowag (General Dynamics) gehörte auch zu den Firmen, die vom Bundesrat ultimativ forderten auch von der Schweiz aus in Bürgerkriegsländer Kriegsmaterial verkaufen zu dürfen, nach Saudi-Arabien unter anderem.
Heinrich Frei, am 22. November 2018 um 18:01 Uhr

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