Nach einem Terroranschlag wie auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016 sind die Medien nicht weit. © CC
Glaubenszugehörigkeit der Täter von US-Terroranschlägen © MSNBC

Fünfmal mehr Medienberichte bei Muslim-Attentätern

Red. / 10. Jul 2017 - Mutmasslich islamistische Terrorattacken sind in den US-Medien massiv überrepräsentiert, zeigt eine Analyse.

Attentate, die von (ausländischen) Muslimen verübt werden, bekommen in den USA fast fünfmal so viel Raum in den Medien, fand eine Studie der Universität Georgia. Wenn der Täter muslimischen Glaubens ist, steigert sich die mediale Abdeckung eines Anschlags um 449 Prozent.

Während Muslime im untersuchten Zeitraum von 2010 bis 2015 nur 12,4 Prozent aller Attentate verübten, bekamen sie 41,4 Prozent der medialen Aufmerksamkeit – ein krasses Missverhältnis.

Die Forscher Erin M. Kearns, Allison Betus und Anthony Lemieux haben für ihre Analyse 2‘413 Artikel von US-Medien über Anschläge auf US-amerikanischem Boden ausgewertet, die nach der Definition der Global Terrorism Database (GTD) als Terrorattacke eingestuft werden. Ihre Daten bezogen sie aus einer Mediendatenbank sowie von CNN.com.

Zwölf Prozent aller terroristischen Anschläge in den USA wurden in den vergangenen Jahren von Menschen muslimischen Glaubens ausgeführt, nur fünf Prozent von muslimischen Ausländern. Für 88 Prozent aller Anschläge waren Nicht-Muslime verantwortlich. (Daten: GTD, Bild: MSNBC)

Über Anschläge von Nicht-Muslimen wird weniger berichtet

US-Präsident Donald Trump, der sich fortwährend darüber beschwert, dass von den «unehrlichen» Medien über manche Verbrechen zu wenig berichtet wird, hat so gesehen recht. Freilich ganz anders als er meint.

Über Attentate, die von weissen, christlichen oder Menschen unbekannter Glaubenszugehörigkeit verübt werden, wurde im Vergleich wenig berichtet. Ganze 20 Prozent aller untersuchten Medienberichte über den gesamten 5-Jahres-Zeitraum beschäftigten sich mit dem Anschlag eines islamistischen Brüderpaars auf den Boston Marathon in 2013. Das Attentat von Charleston, das durch einen weissen US-Amerikaner verübt wurde zog gerade 7,4 Prozent der medialen Aufmerksamkeit auf sich. Auf 3,8 Prozent kam ein Massaker in einem Sikh-Tempel 2012 in Wisconsin, wo ein Veteran der US-Armee sechs Personen erschoss.

Muslime werden als Bedrohung wahrgenommen

Dieses Ungleichgewicht in der Berichterstattung habe für die muslimische Bevölkerung der USA weitreichende Folgen, erklärte Muniba Saleem, Assistenzprofessorin im Fachbereich Kommunikationswissenschaft an der University of Michigan, auf einem Panel des US-Nachrichtensenders MSNBC.

«Wir [die US-amerikanische Öffentlichkeit] hören von Muslimen nur noch im Zusammenhang mit Terror», führt sie an. «Wenn Muslime etwas Positives oder auch nur Neutrales tun, wird darüber von den Medien nicht berichtet».

Beherrschender Faktor: die Identität des Täters

Muslime würden zunehmend als Bedrohung wahrgenommen, resümieren auch die Autoren der Studie. Wenn über etwas mehr berichtet werde, geschehe es in der öffentlichen Wahrnehmung auch öfter.

Neben Faktoren wie der Anzahl der Todesopfer, einer Festnahme des Täters oder dem Ort des Anschlags spiele bei der Häufigkeit der Berichterstattung vor allem die Identität des Täters eine Rolle, stellen sie fest.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Das Publikum neigt bekanntlich dazu, sich mit sozial und örtlich näherstehenden Opfern mehr zu identifizieren. Dazu kommen verschiedene andere Faktoren. Beispielsweise, dass sich selbst relativ seltene und unwichtige Ereignisse zu einer Welle hochschaukeln können, wie es vor Kurzem bei Hai-Attacken der Fall war.

Berichtet werde beispielsweise oft nicht nur über einen Anschlag, sondern auch über die Reaktionen darauf, die bei mutmasslich islamistischen Anschlägen umfangreicher sind, bemerkt Ari Melber, Host des MSNBC-Panels selbstkritisch.

_

Diesen Beitrag hat Daniela Gschweng aufgrund einer Studie der Georgia State University und andereren englischsprachigen Quellen erstellt. Grosse Medien in der Schweiz haben bisher nicht darüber berichtet.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

«Media overrepresents Muslims as Terrorists», MSNBC (Video)
«Terror attacks receive five times more media …», The Independent

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

2 Meinungen

Die Analyse erstaunt nicht. Wurde doch nach dem Fall des Feindbildes Kommunismus nach den Anschlägen 1993 (WTC) und 1995 (Oklahoma) mit dem 11. September 2001 endlich der Durchbruch geschafft, den Islam als unbestimmtes Feindbild in den westlichen Medien und damit in den Köpfen zu implantieren. Dass es keine Beweise für die 19 Entführer gibt, scheint weder Medien noch Öffentlichkeit zu stören, das offizielle 911-Märchen weiter zu verbreiten. Es gibt keine 1. Original Passagierlisten 2. Bordkarten 3. Videos beim Check-In 4. Eidesstattliche Zeugenaussagen des Flughafenpersonals 5. DNA oder Körperteile (vgl. Elias Davidsson, Hijacking America's Mind). Dafür wurden eine ganze Anzahl von IDs, Pässen und Führerscheinen am Pentagon, am WTC und in Shanksville platziert, die die wilden 19 jeweils aus den Fenstern der Flugzeuge geworfen haben sollen. In Hochauflösung zum Ausdrucken: http://www.vaed.uscourts.gov/notablecases/moussaoui/exhibits/prosecution.html
Und dort sieht man auch die roten Kopfbänder, die zeigen, dass die Planer offenbar zwischen der Farbe von Sunniten (grün) und Schiiten (rot) keinen Unterschied machten, und die Öffentlichkeit für besonders dumm hielten: http://www.vaed.uscourts.gov/notablecases/moussaoui/exhibits/prosecution/PA00111.jpg
Und wie war das noch mal mit den Handyanrufen aus den Flugzeugen, die fast alle islamisch aussehende Attentätäer beschrieben, und die technisch gesehen gar nicht stattgefunden haben (konnten), und vom FBI dann gestrichen wurden?
Andreas Bertram, am 10. Juli 2017 um 15:19 Uhr
Mutmasslich islamistische Terrorattacken sind in den US-Medien massiv überrepräsentiert, soll eine Analyse gezeigt haben.

Im Mittelpunkt in den Schweizer Medien stehen Muslime die versuchen junge Menschen für den Jihad zu gewinnen. Deshalb musste eine Moschee in Winterthur schliessen. Dass an Nato Staaten, die in Afghanistan, dem Irak, in Syrien und Afrika Krieg führen immer noch Waffen geliefert wird, steht in den Medien nur Rande zur Debatte . Mit den Kriegen der Nato, dem Terror mit dem grossen Budget, erhält der «normale» Terrorismus seine Rechtfertigung, wie der Schweizer Terrorismusexperte Experte Jacques Baud in seinem Buch «Terrorisme: mensonges politiques et stratégies fatales de l'Occident» dokumentierte. Viele Terroranschläge sind hüben wie drüben sind auch das Werk von Geheimdiensten, wie Elias Davidsson in seinem Buch «Psychologische Kriegsführung und gesellschaftliche Leugnung» zeigte.

Tabu für die Medien sind die Killergames, mit denen junge Menschen lernen Kriege als normal zu empfinden. Killergames, wie «Call of Duty», werden oft, wie Kriegsfilme meistens auch, in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Armee der USA produziert. Das Ziel: Die Akzeptanz für den Kriegsdienst in den USA soll so gefördert und die Rekrutierung erleichtert werden.

Auch der Einsatz von Feldpredigern wird in der Schweiz und anderswo nicht verboten. Diese Knechte Gottes gehören überall zum Inventar von Armeen, wie Handgranaten und Maschinengewehre, wie Psychiater und Psychologen.
Heinrich Frei, am 11. Juli 2017 um 05:56 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung unter Ihrem richtigen Namen zu äussern. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Achtung: Die Länge der Einträge ist beschränkt und wir erlauben nicht, zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander zu platzieren. Unnötig herabsetzende Formulierungen ändern oder löschen wir ohne Korrespondenz.