Denk ich an Deutschland in der Nacht

Christian Müller © aw
Christian Müller / 05. Mär 2020 - Erdogan demonstriert seine militärische Macht und droht mit Krieg in Syrien. Was denkt man in Deutschland dazu?

«Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht».

Diese Zeilen schrieb der deutsche Dichter Heinrich Heine im Jahr 1844. Wer in diesen Tagen die «Süddeutsche Zeitung» und einen Tag später den Zürcher «TagesAnzeiger» gelesen hat, der in der Auslandberichterstattung und -kommentierung die Partner-Zeitung der «Süddeutschen» ist, der wird von Heinrich Heine nach 176 Jahren buchstäblich eingeholt: Ein Kommentar in dieser grössten Zeitung Bayerns kann einem eine schlaflose Nacht bescheren.

Paul-Anton Krüger, seines Zeichens Stellvertretender Leiter des Ausland-Ressorts der «Süddeutschen Zeitung» SZ, publizierte am 28. Februar einen Kommentar zum jüngsten militärischen Vorpreschen Erdogans in Syrien. Doch wer erwartet hatte, dass er den völkerrechtswidrigen Waffengang der türkischen Armee in Syrien verurteilte oder wenigstens bedauerte oder zu erklären versuchte, sah sich getäuscht. Für Krüger ist die Türkei als NATO-Partner «der Verbündete» und die Türkei – wörtlich – «steht auf der richtigen Seite»! Und wie sollen die USA und Europa nun reagieren? Die Augen verschliessen oder wegschauen, weil Erdogan ja «auf der richtigen Seite» steht?

Paul-Anton Krüger weiss, wer der Schuldige ist und wer bestraft werden muss: Russland. Das war der «Süddeutschen Zeitung» sogar die Headline dieses Kommentars wert: «Harte Sanktionen gegen Moskau sind nötig».

Ein Blick in die «Süddeutsche Zeitung» vom 28. Februar 2020.

Da ist in Idlib in Syrien immer noch ein Rest jenes «Islamischen Staates», den die USA der dortigen Dschihadisten wegen ab 2014 mit Waffengewalt bekämpften. Jetzt eilt Erdogan diesen Al-Kaida-nahen Terroristen zu Hilfe, um eine bewaffnete Opposition gegen Assad aufrecht zu erhalten und um selber in Syrien machtpolitisch «mitreden» zu können. Und schon ist dieser Erdogan «auf der richtigen Seite». Bestraft dagegen soll Russland werden, das von Assad gegen die Einmischung der US-Amerikaner zu Hilfe gerufen wurde.

In den grossen deutschen Medien scheint es einen breiten Konsens zu geben: Was, wann und wo immer auch abläuft, das nicht im Sinne der USA und der NATO ist: Schuldig ist immer Putin und bestraft werden muss immer Moskau. So erhält man sich einen Feind, den man im Interesse der selber anvisierten «Weltordnung» und der Rüstungsindustrie eben braucht.

Heinrich Heine, unvergessen und wieder aktuell:

«Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht».

So wirbt die «Süddeutsche Zeitung» SZ – mit einer Auflage von 330'000 Exemplaren – für sich selbst. Ist echt beruhigend.

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Siehe dazu auch

«So schaffte sich die NATO ihren notwendigen Feind», auf Infosperber

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Zum Autor deutsch und englisch.

Weiterführende Informationen

So wirbt die SZ für sich selber
Ausschnitt aus der SZ vom 28. Februar 2020

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3 Meinungen

was geht da ab in der so modern denkend Zeit - nur Korruption - absolut irrige Denkweise und auch Vorgehensweise die absolut untragbar ist ! Macht und Geld ist wirklich die Verdammnis !
"Wir schaffen das» ? Frauen an die Macht - aber gehts dann besser ? Meiner Meinung nach ist der machtgierige Teil der Menschheit sich absolut nicht bewusst was sie anstellen.
Albert Schorno-Weber, am 05. März 2020 um 11:50 Uhr
Der Westen hätte den Frieden in der Hand, wenn er nur wollte! Um es einmal klarzustellen: Immer nur Putin als den bösen, bösen Menschen darzustellen ist es nun wirklich jenseits der Wahrheit! Laut Völkerrecht ist es legitim, wenn Präsident Assad von Syrien nun Putin um Hilfe bittet, um ihn zu unterstützen gegen die verschiedenen Rebellen, welche gegen den syrischen Präsidenten Assad kämpfen. Im Gegensatz unterstützen der Westen, USA, Israel, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien schon seit Jahren die Rebellen, welche nun Assad weg haben möchten. Warum muss er Assad weg? Dabei ist Assad immer noch der gewählte Präsident von Syrien und hat sicher auch seine Fehler gemacht. Und Das NATO-Land Türkei hat im syrischen Idlib wirklich nichts zu suchen. Die Menschen in Idlib sind leider ein Spielball des Westens geworden. Sie sind sogenannt in «Geiselhaft». Sollte auch die USA oder Israel Syrien angreifen ist es eindeutig völkerrechtswidrig. Was wäre, wenn die USA beschliessen würde, alle sieben gewählten Schweizer Bundesräte müssen weg, nur weil diese nicht nach ihrer (Amerikas) «Pfeife tanzen"? WARUM BEGREIFEN UNSERE WESTLICHEN MEDIEN DIESE WAHRHEIT NICHT? Dann gäbe es weniger Flüchtlinge und weniger menschlicher Dramen.

Niklaus Berwert
Niklaus Berwert, am 05. März 2020 um 15:03 Uhr
Ich kann die Augen nicht mehr schließen
und eine heißen Tränen fließen.
(so geht es bei Heine weiter und das würde er vermutlich auch über diese sogenannten «Qualitätsmedien» sagen)
Herbert Wekel, am 05. März 2020 um 17:35 Uhr

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