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Urs P. Gasche / 08. Dez 2019 - WOZ, Republik, Infosperber richten sich an ein nationales Publikum, zentralplus, Tsüri und bald Bajour in Basel an ein regionales.

Von Journalistinnen und Journalisten produzierte Online-Zeitungen wollen grosse Medien national, regional oder lokal ergänzen.

Das Fernsehen bevorzugt bei den Informationen, was Einschaltquoten bringt. Grosse Zeitungen leiden an weiter stark sinkenden Inserate-Einnahmen. Deshalb kommen viele Zeitungen im redaktionellen Teil Inserenten entgegen mit PR-Inhalten und mit der Verarbeitung von Schönwetter-Communiqués. Ganze Zeitungsbünde der «Sonntags-Zeitung» oder der «NZZ am Sonntag» sind voll von bezahlten PR-Texten.

Fehlendes ergänzen

«Infosperber», «Journal21», «WOZ» und «Republik» verbreiten täglich nur wenige neue Beiträge, auf die sich die Leserschaft konzentriert.

Dagegen decken «zentralplus» oder «Tsüri» das regionale Geschehen in den Kantonen Luzern und Zug beziehungsweise Zürich ziemlich breit ab und bieten der Leserschaft eine grössere Auswahl an.

Tabelle in grösserer Auflösung hier.

Die Besucherzahlen von Infosperber gingen in den hier erfassten Monaten September/Oktober leicht zurück, weil der Monat Oktober des Vorjahres ein Ausreisser nach oben war.

«Journal21» und «Republik» geben keine Leserzahlen bekannt. Laut «Republik»-Chefredaktor Christof Moser haben 18'600 Leute die «Republik» abonniert (Vorjahr zur gleichen Zeit 23'000). Wieviele davon die «Republik» täglich lesen, bleibt offen.

Dafür gibt die «Republik» im Gegensatz zu «zentralplus» und «Journal21» das Jahresbudget bekannt: 5,9 Millionen Franken. Die WOZ gibt als einzige der hier erfassten Online-Zeitungen eine abonnierbare Print-Ausgabe heraus und unterscheidet beim Budget nicht klar zwischen Print und Online.

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NACHTRAG

Laut Beat Glogger gehört higgs.ch ebenfalls zu den ergänzenden Medien in der Deutschschweiz und schreibt: «Higgs fokussiert auf den Bereich Wissenschaft und deren Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft. Neben täglich zwei bis vier neuen kleinen und längeren Artikeln werden auch Beiträge veröffentlicht, die den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördern: z.B. Gastkommentare von Forschenden, ein pointierter Wochenkommentar aus der Redaktion, oder ein längeres Talk-Format „Wissenschaft persönlich“.» Glogger gibt die Zahl der Unique User im Durchschnitt der Monate September/Oktober 2019 mit 25'000 an (+ 300 %), die Zahl der Follower auf Facebook mit 5200 (+ 44%). Über das Budget macht higgs.ch keine Angaben. Nach eigenen Angaben sucht higgs.ch finanzielle Unterstützung von Partnern aus der Wissenschaft, der Wirtschaft, der öffentlichen Hand, der Politik von Stiftungen und von der Leserschaft.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Urs P. Gasche ist Präsident der gemeinnützigen Stiftung SSUI, welche Infosperber herausgibt.

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6 Meinungen

@von Burg. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, weshalb Sie Zentralplus, Tsüri und Journal 12 zu «linken» Medien zählen. Infosperber deckt viel Ungereimtes auf, was häufig mit «links» betitelt wird. Schon früher wurden diejenigen Zeitungen gerne in eine linke Ecke gestellt, welche die von den «Rechten» gehätschelten Bier-, Uhren- und Bankenkartelle in Frage stellten. Oder diejenigen, die schon lange darüber informierten, dass der Verkehr viele Kosten nicht selber zahlt, sondern sozialisiert und z.B. die Atmosphäre mit CO2 gratis belasten darf. Überhaupt ist das Verursacherprinzip bei den «Rechten» Theorie geblieben. Wer es durchzusetzen versucht, wird als «links» gebrandmarkt. Etc.
Urs P. Gasche, am 08. Dezember 2019 um 18:50 Uhr
Und wo bleibt die Nennung des Basler Mediums «Onlinereports» (http://www.onlinereports.ch/) von Peter Knechtli, das seit 1997 zuverlässig und interessant das leistet, was im Artikel beschrieben wird?
Balz Engler, am 09. Dezember 2019 um 08:24 Uhr
@von Burg
In den 80er und 90er Jahren hatte ich (als «empathisch eher links fühlend") die NZZ abonniert, vor allem wegen des Auslandteils. Damals schrieben die NZZ-Reporter noch ziemlich neutral - je weiter weg von der Schweiz desto neutraler. Jedenfalls kollidierte meine Weltsicht, die recht massgeblich von NZZ-Berichten geformt wurde, immer wieder hart mit den einäugigen Leitartikeln - so dass ich den damaligen Chefredaktor brieflich fragte, ob er überhaupt die Reportagen in der «eigenen» Zeitung lese... Heute ist die redaktionelle Einäugigkeit geblieben - aber unabhängige Berichte und Reportagen werden immer seltener.
Gelegentlich las ich die Weltwoche (in der alten Form), die ein reicht breites Meinungsspektrum enthielt. In der neuen Form habe ich sie nur einige Male gekauft - die Artikel waren derart einseitig, dass die WW sich selber obsolet machte.
Inzwischen bin ich nur noch Abonnent von «Bund» und «TT» (die Berner bzw. Thuner Mantelausgabe der schweizerischen Einheitszeitung TA); diese betrachte ich nicht gerade als linkslastig - jedenfalls kollidieren ihre Artikel oft mit Kommentaren im Info-Sperber. Daraus könnte Herr von Burg nun den Schluss ziehen, dass der Infosperber einfach noch viel linker als die «linke Journaille» ist - oder aber man könnte schliessen, dass es mit der linken Dominanz im schweizerischen Zeitungsfeld nicht sehr weit her ist...
Christoph Kuhn, am 09. Dezember 2019 um 17:26 Uhr
@BalzEngler & @Infosperber:

Es ist tatsächlich befremdlich, dass OnlineReports.ch in den von Infosperber jährlich publizierten Sichten auf die alternativen «Online-Zeitungen» konsequent fehlt. So war das schon letztes und vorletztes Jahr. Sind da wohl persönliche Befindlichkeiten im Spiel?

2018:
https://www.infosperber.ch/Artikel/Medien/Infosperber-Interesse-an-erganzenden-Informationen-steigt

2017:
https://www.infosperber.ch/Artikel/Medien/Das-Interesse-an-erganzenden-Informationen-steigt
Kurt Widmer, am 10. Dezember 2019 um 12:24 Uhr
@Engler. Ich schätze die Pionierleistung von Peter Knechtli sehr. Wir würden seine «Online Reports» jedes Jahr in diesen Vergleich aufnehmen. Doch Knechtli hatte uns mitgeteilt, dass er da nicht mitmachen möchte. Er traue keiner Statistik. Verschiedene Zählprogramme hätten bei «Online Reports» unterschiedliche Zahlen ergeben. Facebook brauche «Online Reports» nur als Teaser, die Zahl der Follower und die ganze Plattform sei ihm egal, teilte uns Knechtli mit. Da wir allerdings «Journal 21» erwähnen, welches ebenfalls keine Zahlen liefert, können wir «Online Reports» nächstes Jahr ebenfalls erwähnen.
Urs P. Gasche, am 10. Dezember 2019 um 14:55 Uhr
Unsere Mainstreammedien sind allesamt milliarden schwere Konzerne welche in keinsterweise unser herrschaftliches, kapitalistisches Gesellschaftsystem kritisieren. Es braucht viel Phantasie um diese als links einzustufen und es zeigt sich bei solch einer Einschätzung, wie krass die Ideologie «links» in den letzten Jahrzehnten umgedeutet und geradezu occupiert wurde vom Neoliberalismus. Dieser hat es geschafft, aus einer herrschaftskritischen Ideologie eine Ideologie der, «Auch Frauen sollen in Führungspositionen andere ausnutzen dürfen», «es ist nur fair, wenn auch Homosexuell in der Armee töten dürfen», «den Klimawandel bekämpfen geht nur übers Portemonnaie» etc, sprich in eine markttaugliche und herrschaftliche Alternative zum Ur-Links zu etablieren mit dem sich kaum noch ein Linker (z. B. Ich) identifizieren kann. Die Gleichwertigkeit aller Menschen (das Uhr-Linke) wurde ersetzt durch die Gleichwertigkeit aller ökonomisch starken unabhängig, und das ist der Unterschied zu früher, ihrer Hautfarbe, Geschlechts und sexueller Orientierung.

Linke Medien die dem ursprünglichen links entsprechen? Vielleicht der Rubikon und ein bisschen auch KenFM. Aber dann wars das auch bald mal. Noch nicht einmal den IS kann man als klar links betiteln. Er kritisiert zwar immer wieder die Mächtigen (das eigentliche Versprechen der Medien in der kapitalistischen Demokratie) fordert aber keinen Systemwechsel sondern lediglich, dass sich die Akteure an die Regeln vom (rechten) System halten.
Stöckli Marc, am 12. Dezember 2019 um 16:03 Uhr

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