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Die «Schaffhauser Nachrichten» haben im Jahr 2018 den sexistischsten Artikel veröffentlicht

Sexismus: Schmähpreis für «Schaffhauser Nachrichten»

Tobias Tscherrig / 19. Dez 2018 - Die «Schaffhauser Nachrichten» erhielten am Montag den «Goldenen Tampon». Der Preis kürt die sexistischste Publikation des Jahres.

Am 18. August erschien in den «Schaffhauser Nachrichten» eine von Pascal Coffez gezeichnete Karikatur, die JUSO-Chefin Tamara Funiciello verunglimpfte. Unterhalb eines Leitartikels, der das Thema «Gewalt gegen Frauen» abhandelte, war die Zeichnung einer hexenhaften und dicklichen Tamara Funiciello abgebildet. Die Jungpolitikerin reisst sich darauf den Büstenhalter vom Leib und schreit die Musiker «Lo & Leduc» an: «Ihr seid sexistisch, wenn eine Frau sich weigert, ihre Nummer zu geben, besteht nicht darauf!». In eine andere Sprechblase schrieb der Karikaturist: «Meine Nummer lautet 079 *** ** **. Also, warum ruft ihr mich nicht an?».

Karikaturist Pascal Coffez spielt damit auf die Aussagen Funiciellos an, der Hit «079» der beiden Berner Musiker sei sexistisch. Auch wenn diese Aussage nur als kurzer Nebensatz in einer längeren Rede zum Thema «Gewalt an Frauen» vorkam, die «Schaffhauser Nachrichten» machten daraus einen niveaulosen Aufreger.

Die Zeichnung löste Empörung aus. Nicht nur wegen des triefenden Sexismus', dem sich Funiciello ausgesetzt sah, sondern auch, weil die Zeitung die korrekte Handynummer der Jungpolitikerin veröffentlicht hatte. Die Folge waren Entrüstung, ein Shitstorm in den sozialen Netzwerken und viele klare Aussagen gegen Sexismus. Aus Protest beendete eine langjährige Mitarbeiterin der «Schaffhauser Nachrichten» ihre Zusammenarbeit mit der Redaktion.

Feministinnen reagieren mit Schmähpreis

Am Montag hat das feministische Kollektiv «aktivistin.ch» reagiert und den «Schaffhauser Nachrichten» den «Goldenen Tampon 2018» übergeben. Der Schmähpreis zeichnet den sexistischsten Artikel des Jahres aus. Die Karikatur bediene sexistische Stereotypen und verletzte die Privatsphäre von Tamara Funiciello, schreibt das feministische Kollektiv in einer Mitteilung. «Feministinnen als hässliche, hysterisch schreiende Frauen darzustellen, reproduziert ein altes, abgegriffenes Stereotyp. Es stellt Aktivismus für Frauenrechte als übertrieben und unbedeutend dar.»

Im Übrigen sei es problematisch, das die wichtige Botschaft in Funiciellos Rede gegen Gewalt an Frauen keine Beachtung gefunden habe, obwohl dies die Kernaussage gewesen sei. «Wir fordern, dass Medien ihre Verantwortung zur fairen, ausgeglichenen Berichterstattung sowie zum Schutz der persönlichen Privatsphäre wahrnehmen und Sexismus als das darstellen, was er ist: Ein Problem unserer Gesellschaft».

Chefredaktor versteckt sich hinter Mitarbeiterin

«Aktivistin.ch» überreichte den Preis im Beisein des Frauenstammtischs Schaffhausen und den Jungsozialisten und Jungsozialistinnen. Allerdings konnte der Preis nicht wie geplant an Robin Blanck, Chefredaktor der «Schaffhauser Nachrichten» übergeben werden. Er kniff und schickte eine Mitarbeiterin der Zeitung vor, die den Schmähpreis in seinem Namen entgegennehmen musste.

«Wir finden es sehr bedauernswert, dass der Chefredaktor der 'Schaffhauser Nachrichten' den Preis nicht persönlich entgegengenommen hat, und sich so der Verantwortung konsequent entzieht», schreibt das feministische Kollektiv auf Facebook, bevor es sich bei der Mitarbeiterin der Zeitung für die Übernahme dieser Aufgabe bedankt.

«Sexismus an den Pranger stellen»

«Aktivistin.ch» lancierte im Jahr 2016 den «Medienpranger», einen Blog gegen sexistische Berichterstattung. Darauf werden Artikel gesammelt und hinterfragt, die Frauen und Männer auf ihr Geschlecht reduzieren. Jeweils am Ende des Jahres verleihen die Autorinnen und Autoren des Blogs den «Goldenen Tampon» an das Medium mit dem sexistischsten Artikel des Jahres. Sexistische Artikel seien nicht etwa nur im «Blick» oder auf «20 Minuten» zu finden, sondern auch im «Tages-Anzeiger» oder in der «NZZ», sagten die Aktivistinnen im Dezember 2016 gegenüber «persönlich.com».

So zum Beispiel, als Medienredaktor Rainer Stadler 2016 im NZZ-Medienblog «In Medias Ras» behauptet habe, dass Sexismuskritik «kleinkrämerisch», «spitzfindig» und «übersensibel» sei. Und das in einem Blog, der gemäss Selbstdeklaration «der zur Selbstgerechtigkeit neigenden Medienbranche einen Spiegel vorhalten» will.

Sexismus sei ein reales Problem, dass vor allem Frauen, aber auch sexuelle Minderheiten, tagtäglich zu spüren bekämen, schrieb «aktivistin.ch» 2016 in einem Gastbeitrag in der «Medienwoche». Sexuelle Gewalt, Lohndiskriminierung und starre Geschlechternormen seien nur die Spitze des Eisbergs. «Einen nicht zu unterschätzenden Beitrag dazu leisten die Medien, die unsere Wahrnehmung und unser Selbstverständnis prägen».

«Blick» erhielt ersten Tampon

Der erste «Goldene Tampon» ging 2016 an den «Blick». Damals wurde ein Interview mit der Sportjournalistin Steffi Buchli gekürt, die kurz zuvor Mutter geworden war. Sie musste sich Fragen zu Schwangerschaft-Kilos, der frühen Wiederaufnahme ihrer Arbeit und zum Zeitpunkt ihrer Mutterschaft gefallen lassen.

Wie «aktivistin.ch» rund einen Monat vor der Preisübergabe gegenüber dem Onlineportal «nau.ch» sagte, sei die Auswahl des Siegers im Jahr 2018 leicht gefallen. Es habe einen Artikel gegeben, «der besonders herausgestochen ist».

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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Eine Meinung

Warum geht der Preis nicht an die Fernsehsendung Bachelor ? Ach ja das gucken ja die Feministinnen auch (Behauptung).
Philipp Schüpbach, am 27. Dezember 2018 um 15:11 Uhr

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