«Blick»-Schlagzeile zu SRF-«Arena/Reporter» © blick

«Blick»-Schlagzeile zu SRF-«Arena/Reporter»

SRF: Die Service public-Blase ist geplatzt

Robert Ruoff / 05. Jun 2017 - SRF verkauft als Service public, was in Wirklichkeit kommerzielles Fernsehen ist.

Beim Schweizer Fernsehen am Leutschenbach ist eine Blase geplatzt: Die Blase des Service public. Was sich um die Sendung «Arena/Reporter» abspielt ist ein Trauerspiel, das nicht nur der Sendung und nicht nur SRF schadet sondern der ganzen SRG und ihrer Glaubwürdigkeit in der politischen Debatte um den Service public.

Von überzeugten Verteidigern der SRG ist zu hören: «Am Leutschenbach herrscht die Haltung: Man darf uns schon kritisieren. Wir lassen das abtropfen, denn wir machen es schon richtig.» Und Anhänger eines starken Service public stellen ganz unverblümt die Frage, ob dieses Unternehmen «die Unterstützung überhaupt noch verdient.»

Um dabei Missverständnissen und faulen Gegenargumenten gleich entgegenzutreten: Selbstverständlich produziert das Schweizer Fernsehen über beträchtliche Strecken nach wie vor Service public-Sendungen: die Magazine, die klassischen Informationssendungen und Programmleisten wie die «Sternstunden» sowieso, solange sie nicht unter das Populismus-Gebot fallen. Und selbstverständlich hält das Radio in der Deutschschweiz immer noch hohe journalistische Qualität.

Und die SRG bietet mit der Lockerheit und der hohen Publikumsbindung in der Suisse romande eine souveräne Service public-Leistung. Über die Rolle der Radiotelevisiun Svizra Rumantscha für den Erhalt der rätoromanischen Kultur muss man gar nicht erst diskutieren. Und RSI hält nicht nur die Verbindung mit der Schweiz sondern sorgt auch, zusammen mit Swissinfo, für eine gute Präsenz im benachbarten Ausland. Die Tessiner leisten ausserdem Pionierarbeit für den Übergang ins digitale Zeitalter (den die Gegner des Service public der SRG mit allen Mitteln zu verhindern versuchen).

Verdorbenes Konzept

Umso bedauerlicher ist es, dass das Flaggschiff SRF mit einem Projekt wie «Arena/Reporter» Schaden für den Service public anrichtet. Und es mutet schon fast tragisch an, dass mit redaktionellen Fehlentscheidungen ein Konzept verdorben wird, das gerade in seiner Einfachheit viel verspricht. Die Sendung soll zuerst mit dem «Reporter»- Film eine gemeinsame Anschauung für alle Beteiligten schaffen. Und auf dieser gemeinsamen Grundlage soll dann die Diskussion stattfinden. So schlicht, so klar.

Das wäre ein klassisches Bildungsmodell, unterhaltend umgemünzt auf das Medium Fernsehen. Der deutsche Bildungsreformer Hartmut von Hentig hat einmal die Frage beantwortet, wie Bildung geschaffen werden kann, und seine Antwort lautete einfach: «Erstens: Geschichten erzählen. Zweitens: darüber reden.» Das Konzept von«Arena/Reporter» verspricht nichts anderes. Aber nicht nur das Etikett, nicht nur der formale Ablauf, auch die wichtigen Elemente müssen stimmen.

Die «gesellschaftspolitische Debatte», welche die Medienmitteilung ankündigt, bewegt sich im Kernbereich des Service public: Es ist gesellschaftlich politische Information und Meinungsbildung. Und gewiss ist Christa Rigozzi klug, intelligent und mediengewandt – ich war vor Jahren auf «Infosperber» des Lobes voll für ihren Auftritt im«Swiss Award» und nehme davon kein Wort zurück –, aber sie bleibt doch mit ihrem ganzen Image dem Show-Business verbunden. Vor allem aber: Sie bleibt trotz einem Werbeverzicht ein paar Wochen vor oder nach der Sendung eine Werbeikone. Und die Verpflichtungen, die sie mit ihren Werbe- und PR-Engagements eingeht, entfallen nicht, nur weil sie diese Interessenbindungen für ein paar Wochen stilllegt.

Verdorbene Glaubwürdigkeit

Christa Rigozzi wird an keiner Sendung über Arbeitsmarkt und Globalisierung (Swatch), Ernährung (Schokolade) oder Verschuldung (Kleinkredite) je glaubwürdig teilnehmen können, um nur ein paar wichtige Themen aufzugreifen, die für «Arena/Reporter» auf der Strasse liegen. Es gehört zu den Unbequemlichkeiten des journalistischen Berufs, dass er unvereinbar ist mit ein paar anderen Tätigkeiten.

Und das ist der eigentliche Skandal: dass die Verantwortlichen bei SRF vom Redaktionsleiter über den Chefredaktor bis zum Direktor offenbar vergessen haben, dass Journalismus ein Beruf ist, dessen Glaubwürdigkeit davon abhängt, dass er ein paar klare professionelle Regeln einhält und nur schon den Anschein eines Verdachts vermeidet, er oder sie lasse sich bei der journalistischen Tätigkeit von sachwidrigen Interessen leiten.

Die Verantwortlichen praktizieren mit ihrer Entscheidung den alltäglichen Zynismus, der sich in der Medienbranche schon weitgehend durchgesetzt hat. Heute bin ich Journalist, morgen bin ich auf der anderen Seite Kommunikationsberater. Heute schreibe ich einen kritischen Artikel, morgen bin ich Werbetexter im «native advertising», – Werbung als Journalismus verkleidet. Offenkundig fehlt auch am Leutschenbach mittlerweile das Bewusstsein, dass die kleidsamen ethischen und professionellen Grundsätze von Journalisten nicht von heute auf morgen an- und ausgezogen werden können, sondern dass sie verinnerlicht und gerade im Service public strikt eingehalten werden müssen.

Der Geist der Kommerzialisierung greift innerhalb des Schweizer Fernsehens SRF auch bei der Programmentwicklung offenbar immer weiter durch. Im politischen Bereich ist das verheerend.

Extremismus als Marketing

Jonas Projer, ein begnadeter Moderator, setzt immer wieder und zunehmend auf Effekt und auf die Publikumswirkung des politisch Extremen, auch wenn es Einzelfälle oder Randerscheinungen sind. Der Islam wird am Beispiel des Islamischen Zentralrats abgehandelt – grosse muslimische Organisationen werden dabei als Randerscheinungen platziert –, oder die Frage der Integration wird am Fall von zwei pubertierenden Muslimboys zur Staatsaffäre hochgepusht, anstatt sie in die Ecke zu stellen, in die sie gehört: in den Bereich einer intensiven und vielleicht halt mühsamen pädagogischen Auseinandersetzung.

Die «Arena» als Schauplatz des politischen Spektakels soll offenbar den Erfolg gegen ein begrenztes Publikumsinteresse garantieren, und so hat man auch immer wieder gerne einen Rechtsausleger dabei: Ganser, Gauland, Glarner in nicht allzu grossem Abstand, mal ein politischer Provokateur, mal ein intellektueller Verschwörungstheoretiker, und ein deutscher Nationalist darf es auch mal sein. Und jetzt haben wir also den Nazi. Den selbsternannten «Nazi» Christian Kast, Hauptdarsteller im Film über die KESB und mittlerweile abgesprungener Gast im «Arena/Reporter»-Studio.

«Nie würde ich einen Nazi einladen», lässt sich Jonas Projer im Blick zitieren – aber irgendwie muss Kast doch auf die Liste der «Arena»-Gäste gekommen sein? Er wäre also da gewesen, hätte er nicht kurzfristig einen Rückzieher gemacht.

Diese Art von Fernsehmachen folgt dem kommerziellen Prinzip der Steigerung, kombiniert mit Verantwortungslosigkeit. Denn Christian Kast ist einer jener faschistoiden Kleinkriminellen, von denen der französische Philosoph Alain Badiou in seiner Analyse der Pariser Terroranschläge spricht. Kast gehört offenkundig zu den bedauernswerten Menschen, die aus der wohlhabenden westlichen Gesellschaft herausgefallen sind und sich jetzt mit einem Schiessgewehr in der Hand und Tötungsphantasien im Kopf gross machen. Er nennt sich selber einen «Nazi»; Badiou spricht in diesen Fällen von «faschistischer Subjektivität».

Verdorbener Service public

Das ist für SRF nicht etwa ein Grund, auf die Mitwirkung der Figur Christian Kast zu verzichten sondern im Gegenteil: Sein Extremismus ist für die SRF-Redaktion gerade Grund genug, diesen extremistischen Ausnahmefall ins Zentrum einer wichtigen gesellschaftspolitischen Diskussion zu stellen... Bühne frei für den kleinkriminellen Faschisten.

Diese Art von Programmschaffen entfernt sich mit jedem Schritt weiter von verantwortungsbewusstem Journalismus (und vom Auftrag des Service public sowieso). Es ist zum Einen grandiose Selbstüberschätzung, weil die Verantwortlichen glauben, sie könnten alles, was sie da los treten, unter Kontrolle behalten.

Und es ist zum Anderen die Abwendung vom Anspruch eines Journalismus, der sich zumindest darum bemüht, sich nicht in den Extremen zu bewegen sondern relevante und sachgerechte Informationen als Diskussionsgrundlage zu bieten. Am Ende ist es wie im «Dschungelcamp» von RTL: Programmschaffen als Exhibitionismus. Hauptsache Erregung!

Es scheint, dass beim Schweizer Fernsehen das kommerzielle Denken in den Kern des Service public vorgedrungen ist.

*****

Tristan Brenn, Chefredaktor des Schweizer Fernsehens SRF, hat mir als Autor dieses Beitrags eine Stellungnahme zukommen lassen. Ich begrüsse das ausdrücklich, und ich publiziere diese Replik im Einverständnis mit der Redaktionsleitung von Infosperber unmittelbar im Anschluss an meinen Text, unverändert und ohne jeden Kommentar von meiner Seite. Die Leserinnen und Leser können sich auf dieser Grundlage eine eigene Meinung bilden. Robert Ruoff

5. Juni, 16:20 Uhr

Lieber Robert

Deine Kritik in Ehren, doch sie ist in weiten Teilen verzerrt und unverhältnismässig.

1. Zur «Arena» allgemein: Geh mal auf auf die Redaktionsseite https://www.srf.ch/sendungen/arena und schau anhand der Themen und der Gäste der letzten paar Monate, womit sich diese Sendung befasst hat und wer die Gäste waren. Du hebst drei Gäste hervor, Ganser, Gauland und Glarner. Wo bleiben alle anderen? Es waren Dutzende. Bei Ganser lief wohl einiges schief. Und Gauland? Ich bin der Meinung, dass Journalisten heute die Pflicht haben, sich auch mit solchen Exponenten auseinanderzusetzen. Es geht nicht um Plattformen für diese, sondern um eine kritische, journalistische Auseinandersetzung mit deren Ansichten. Und Glarner? Er war u.a. in der «Arena», weil es um Sendungen zu Abstimmungen ging, die ihn als Spitze der einen Seite zwingend machten. Mein Punkt jedoch ist: die Arena ist sehr viel breiter und vielfältiger als in den Medien (und jetzt auch von dir) dargestellt. Also, mach mir den Gefallen und scroll dich durch die letzten paar Monate, das dauert nicht lange.

2. Zur Sendung «Arena/Reporter», der du ja im Grunde ein gutes Service-Public-Konzept attestierst: wie wäre es, wenn all die Kritiker (und also auch du) sich zunächst die Sendung anschauen würden statt alles schon im voraus zu wissen, zu vermischen und vor allem Vorurteile zu bedienen? Du schreibst zwar, Christa Rigozzi sei «klug, intelligent und mediengewandt», und siehst trotzdem den Skandal, weil sie Werbung macht und dadurch unsere journalistische Glaubwürdigkeit «verdorben» werde. Doch ist Frau Rigozzi weder die journalistische noch die moderative Leiterin der Sendung. Sie hat eine klar zugewiesene Rolle, indem sie die Voten des Publikums in die Sendung trägt. Auch dafür muss man zwar «klug, intelligent und mediengewandt» sein, doch ist ihre Rolle weit davon entfernt, die Unabhängigkeit der Sendung von kommerziellen Interessen in Frage stellen zu können. Wenn du das anders siehst, dann akzeptiere ich das selbstverständlich. Ich habe eine andere Meinung. Die Sendung wird es zeigen.

3. Zum Thema «KESB» und dem Film, in dessen Zentrum Christian Kast steht: Kast war über Wochen in fast allen Medien präsent, als «Paradebeispiel» für das angebliche Versagen der KESB. «Blick» und «20Minuten», die darüber grosses Aufheben machen, haben die Story bis in alle Details ausgeschlachtet. Auch die KESB-Kritiker natürlich, die sich jetzt schon im voraus von Kast distanzieren. Wir waren in der Berichterstattung zum Fall Kast sehr zurückhaltend, wie es sich gehört. Jetzt ist es uns gelungen, einen unaufgeregten, sachlichen, einordnenden, längeren «Reporter» über diesen Fall zu realisieren, der einiges aufzeigt zum Thema «elterliche Obhut». Es ging nicht und geht nicht darum, einem «Neonazi» eine Plattform zu bieten, sondern wir wollen eine gute Diskussion über ein relevantes Thema unserer Zeit führen. Ich bin gespannt, was du nach dem Film und nach der Diskussion sagst. Aber du musst idealerweise beides zuerst anschauen, bevor du dir ein eigenes Bild machst. Beste Grüsse

Tristan Brenn / Chefredaktor TV/SRF

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor war bis 2004 Mitarbeiter der SRG.

Weiterführende Informationen

Interview mit Jonas Projer (aus Schweiz am Wochenende)

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14 Meinungen

Die unbelegte Behauptung, der weltweit hoch angesehene Historiker und einmalig gründliche Erforscher der NATO - Geheimarmeen Gladio sei ein Rechtsausleger, entbehrt jeder Grundlage. Der Autor soll erst mal hinhören, bevor er beurteilt, was er nicht kennt.
Urs Scherler, am 05. Juni 2017 um 11:56 Uhr
3... 2... 1 - Voilà, schon sind sie da: Die G-Fans, und verteidigen ihren Star, ohne zu merken, was das Thema des Artikels ist. Das kann man den Fans nicht wirklich verübeln. SRF hingegen schon (und Infosperber übrigens auch).
Felix Rothenbühler, am 05. Juni 2017 um 12:05 Uhr
Als einer der selber jahrelang für die SRG gearbeitet hat und bis heute von ihrer wichtigen Funktion für unser Land überzeugt ist, bin ich dankbar für die Klarheit dieses Artikels. Hier wird für einmal nicht auf die Frau/den Mann gespielt sondern auf die Verluderung journalistischer Glaubwürdigkeitsaspekte. Nicht die dem privaten Fernsehen nachempfundene Unterhaltung stellt den Service-Public-Auftrag der SRG in Frage sondern die TV-Marketingstrategie in journalistischen Sendegefässen. Man hat offenbar bei wichtigen Verantwortungsträgern immer noch nicht verstanden, dass journalistische Informationen nicht einfach Waren sind, die auf dem Markt angeboten werden.
Urs Alter, am 05. Juni 2017 um 13:53 Uhr
Auch diesmal hat sich SRF verspekuliert. Herr Kast will kein Date mit Christa.
https://www.blick.ch/news/schweiz/kein-auftritt-von-rechtsradikalem-christian-kast-arena-reporter-kronzeuge-springt-ab-id6781041.html

Noch nicht lange ist es her als diese Mail die Runde machte:

„Lieber Daniele,
Besten Dank für deine Meinung zur Sendung. Ich kann gut nachvollziehen was du meinst.
Ursprünglich war auch mehr zu 9/11 geplant, aber ich fand schlichtweg niemand der vor der Kamera sprechen wollte. Als Folge musste ich das Thema ausweiten.
Herzlich Peter“

Tipp an die Medien: Die Gäste zuerst Einladen und dann verhauen. Sonst kommen die Gäste erst gar nicht mehr. Und das trotz hübscher Gastgeberin.
mehr dazu:
http://dasnetz.net/2017/srf-sendung-arena-private-mails-werden-fuer-angebliche-luege-missbraucht/
Robert Vogel, am 05. Juni 2017 um 15:06 Uhr
3... 2... 1 - Voilà, schon sind sie da: Die Ganser-Basher und machen sich lustig über Kommentare, welche sie nicht verstehen, weil sie sich in der Materie nicht auskennen. Hauptsache draufhauen wie ein Glünggi.
Komisch dass sich der Ganser mit so vielen Linken gut versteht oder ihre Artikel verlinkt aber das ist wohl auch nur eine Verschwörungstheorie...
Manuel Betschard, am 05. Juni 2017 um 15:31 Uhr
Sehr geehrter Herr Betschard
Ich habe Ihren Kommentar nicht verstanden.
Was meinen Sie mit „Ganser-Basher“
und “machen sich lustig über Kommentare, welche sie nicht verstehen“ ?
Robert Vogel, am 05. Juni 2017 um 15:59 Uhr
Auf die Arena-Sendungverzichte ich schon seit ein paar Jahren. Zu oft ist es nur Showtime und Laufsteg für extreme oder kurrlige Ansichten. Service publique soll Themen durchaus kontrovers behandeln aber auf sachlicher Ebene.
Jürg Schmid, am 05. Juni 2017 um 16:11 Uhr
Herr Scherler, ich kann ihre Kritik nicht auf den Artikel beziehen. Gladio und Nato kommen nicht vor und werden weder im ersten noch im zweiten Text erwähnt. Eine Suchabfrage bestätigt das.
Christian Strahm, am 05. Juni 2017 um 17:32 Uhr
Projer mag für etwas begnadet sein, aber ganz sicher nicht als Moderator. Was der der künstlich aufgeregt umhertigernde Dreinreder tut, ist etwa das Gegenteil von moderieren. Und das sahen wir schon lange vor seinem Absturz mit Ganser als Gast.
Andreas Diethelm, am 07. Juni 2017 um 03:59 Uhr
@Robert Vogel
Ich beziehe mich auf den zweitobersten Kommentar.
Manuel Betschard, am 07. Juni 2017 um 13:21 Uhr
Wer Kast (oder Illi oder Ganser) einlädt (oder ihnen eine Plattform bietet), begeht eine bewusste Provokation (oder handelt naiv), aktiviert sowohl die Supporter-Gruppe wie auch die Gegner - und die anderen Medien. Letzteres wird ein Teilziel einer solchen Einladung sein. Das Problem: Kast (oder Illi oder Ganser) stellt einen Nebenschauplatz dar: Spektakulär, aber nicht repräsentativ. Die KESB am Fall Kast abhandeln zu wollen (oder den Islam mit Illi) ist nicht hilfreich - im Gegenteil, schüttet die daraus entstehende Diskussion (sofern denn so etwas wie eine Diskussion zwischen Supportern und Gegner überhaupt zu Stande kommt) doch die eigentlichen, wichtigen Fragen und Anliegen rund um die KESB völlig zu. Was bleibt sind Diskussionen über die Verwendung von eMails (Ganser) oder Nazivorwürfe (Kast).

Und was war das eigentliche Thema der Sendung nun genau? Eben.

Seien wir fair: Die Sendung zur KESB steht noch aus. Das Medienecho dazu war bislang allerdings absolut themenfremd. Ist das die Schuld dieser Medien? Oder nicht doch auch des Gastgebers?

(Mein Beitrag hier nimmt Stellung zum Inhalt des Artikels. Ich gehe allerdings jede Wette ein, dass alleine die Erwähnung Gansers weitere Kommentare provozieren wird. Womit meine Kürzestfassung im Beitrag vom 5.6. und meine Ansicht von heute einen weiteren Beleg finden.)
Felix Rothenbühler, am 08. Juni 2017 um 11:22 Uhr
@Felix Rothenbühler
Na dann will ich Sie nicht zu lange auf die Folter spannen und ihrer Wette zum Durchbruch verhelfen, auch wenn ich mich degegen wehre, despektierlich als «Fan» bezeichnet zu werden.

(Viele Fans hängen bspw. ihrem lokalen Sportclub an, einfach weil sie an in dessen Einzuggebiet wohnen - ähnlich wie bei den Religionen. Zudem geht es ihnen nur um unpolitischen Sport. Damit fühle ich mich als «G-Fan» verunglimpft...)

(Erstaunlich, dass sogar die «Nicht-Ganser-Fans» ihn mittlerweile nur mit einem «G» bezeichnen. Die Marke Ganser hat sich wohl weitestgehend in den Köpfen durchgesetzt.^^)

Auch wenn Urs Scherlers Einleitung nichts mit diesem
Artikel zu tun hat; sein Einwand ist m. E. berechtigt: Ganser als «Rechtsausleger» zu bezeichnen entbehrt jeglicher Grundlage. - Falls dem nicht so sei: einfach Belege liefern.

Ich verweise auf Manuel Betschards sinnvollen (wenn auch unbelegten) Hinweis.

@Felix Rothenbühler
Weshalb gehen Sie denn als erstes auf das Thema Ganser ein, anstatt Ihren Punkt bzgl. SRF und IS deutlicher zu machen, wenn Sie die Diskussion zum Artikel vorantreiben wollen? - Ich habe nämlich nicht verstanden, was Sie im ersten Kommentar meinten.

Je nach Perspektive und abhängig davon, ob dieser Kast tatsächlich ein (Neo-)Nazi ist, kann man bei Ihrem Beitrag vom 8.6.17 von einem leichtfertigen Nazi-(Fan-)Vergleich sprechen. Mit ähnlichen Vergleichen sollte m. M. n. sparsamer umgegangen werden.
Michael Schwyzer, am 10. Juni 2017 um 14:46 Uhr
@Schwyzer: Mit «G» beziehe ich mich auf das Wortspiel des Autors: Ganser, Gauland, Glarner. Ganser interessiert mich als Mensch nicht sonderlich, seine Masche (die auch etliche andere pflegen), seine Verführungen hingegen schon und damit auch seine Fan-Gemeinschaft. Und hier setzt die Kritik, er wäre ein Rechtsausleger, berechtigt an. Ganser meint, es wäre sinnvoll, mit allen zu sprechen, und diskutiert mit Rechtsextremen, publiziert in mehr oder weniger deutlich rechten Medien und bedient sich ebenda für seine eigenen Texte. Die Zeiten-Schrift beispielsweise als Quelle zu benutzen ist... Ja, ich weiss gar nicht wie ich dem sagen soll. Ich lese da ab und zu Beiträge - und bin erstaunt, was man alles unter die Leute bringen kann. Ist es naiv? Dumm? Fahrlässig? Den Applaus aus dieser Ecke jedenfalls ist gross. Ganser ist es egal. Oder eben gar recht. Ich unterstelle Ganser schlicht das Motto: Pecunia non olet.

Wäre er dem Frieden verpflichtet, wäre er Friedensforscher, wie er gerne vorgibt, wüsste er, dass dies nicht der Weg ist, der zum Ziel führt. Provokation war noch nie ein friedensfördernder oder -stiftender Faktor.

Ich möchte diese Diskussion hier nicht weiterführen, sie hat nichts mit dem Artikel zu tun. Ganser erhält unverhältnismässig und nicht gerechtfertigt viel Aufmerksamkeit. Ich brauch da nicht auch noch einen Beitrag zu leisten. Danke.
Felix Rothenbühler, am 11. Juni 2017 um 22:40 Uhr
@Felix Rothenbühler

Ich habe bis jetzt nicht gewusst, dass es eine solche Zeitschrift gibt, oder dass sie von Ganser zitiert wird. Da ich aber die genaueren Umstände nicht kenne, erlaube ich mir diesbezüglich noch kein Urteil.

Sie äussern happige Vorwürfe. Sollten diese gerechtfertigt sein, wirft das sicher einige Fragen auf. Ich kenne Herrn Ganser bzw. sein Werk allerdings anders.

Aber eben: Wir haben nicht diesselbe Wissensbasis und deshalb ist ein Vergleich nicht zielführend.

Was Sie als fahrlässig einordnen, gehört für mich eben noch zum Zuhören und Verstehen-Wollen, was in meinen Augen durchaus friedlich motiviert und keine Provokation ist.

Was hätte Ganser im Übrigen davon, wenn er nur von der kleinen Minderheit von Rechtsextremen Einkommen generieren könnte, während er alle Demokraten vor den Kopf stossen würde?

Das Argument, es gehe ihm haupsächlich ums Geld, ist relativ schwach: Die meisten von uns stehen an 5 von 7 Tagen auf, nur weil es ihnen ums Geldverdienen geht.

Ebenfalls ist es absurd, jemandem vorzuwerfen, er/sie werde von den falschen Leuten zitiert.

Man verzeihe mir, dass ich wieder auf die Person Ganser eingegangen bin, aber spätestens nach der einstein-Arena-Inquisition fühle ich mich verpflichtet, Ganser zu verteidigen, wo unbegründete Vorwürfe verbreitet werden; schon nur wegen seinem Mut, die richtigen Fragen zu stellen. Ähnlich wie einige eine Null-Toleranz gegen «Rechtsetremes» haben, habe ich null Toleranz für unbegründete Diskreditierung.
Michael Schwyzer, am 12. Juni 2017 um 18:15 Uhr

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