Peter Rothenbühler verbreitet Fake News über Greta Thunberg

Urs P. Gasche © Peter Mosimann
Urs P. Gasche / 13. Aug 2019 - Der Kolumnist der Schweizer Illustrierten verbreitet unbewiesene Vorwürfe ohne Überprüfung salopp als Tatsachen.

Ein Anfang Juni über Whatsapp und Facebook verbreiteter Text behauptet, die schwedische Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg sei eine «Marionette für rein finanzielle Interessen» ihrer Eltern und des Unternehmers Ingmar Rentzhog. Thunberg verdanke ihre Bekanntheit weniger ihrem Klimastreik und anderen Aktivitäten, sondern sei Teil einer «PR-Kampagne für die linksgrün indoktrinierten, naiven jungen Menschen rund um die Welt». Diese Behauptungen wurden ohne Quellenangabe und ohne jegliche Belege verbreitet.

Offensichtlich genügten diese Diffamierungen dem langjährigen Kolumnisten der Schweizer Illustrierten (Verlag Ringier-Springer), um eine süffige Kolumne zu schreiben. Rothenbühler tat dies In Form eines offenen Briefes mit der Anrede «Liebe Greta Thunberg» und schrieb:

    «... Auch bezweifeln viele, dass Sie ... Ihre Reden selbst schreiben. Warum nicht zugeben, dass Sie von PR-Profis wie Ingmar Rentzhog gecoacht werden, dem Präsidenten eines Thinktanks mit direktem Draht zum Davoser WEF ...»

Sich beraten lassen, wie das die meisten vernünftigen Leute es tun, die sich in der Öffentlichkeit exponieren, oder sich von einem PR-Manager instrumentalisieren lassen, sind zwei verschiedene Paar Handschuhe.

Rothenbühler übernahm unbelegte Einträge in Social Media wie Facebook und stellte sie ungeprüft als Tatsachen dar: Thunberg sei eine «gecoachte» Marionette des PR-Managers Ingmar Rentzhog und sie verdanke ihre Berühmtheit einer PR-Kampagne. Dies jedenfalls der klare Eindruck, den seine Kolumne hinterlässt.
Rothenbühler bestreitet dies. Wer möchte, kann die ganze Original-Kolumne lesen und sich selber ein Urteil bilden.

Eine solche Beschuldigung gegen eine Person, die von ihrer Glaubwürdigkeit lebt, ist zweifellos ein schwerwiegender Vorwurf. Wer einen solchen öffentlich verbreitet, muss gemäss Pflichten der Journalisten der betroffenen Person Gelegenheit zu einer Stellungnahme geben. Doch dies hielten offensichtlich weder Peter Rothenbühler noch die Co-Chefredaktoren der Schweizer Illustrierten Stefan Regez und Werner De Schepper für nötig. Schliesslich lebt Thunberg weit weg, sodass man es mit der Fairness nicht so genau nehmen muss. Und eine Gegendarstellung oder eine Klage wegen Diffamierung müssen Ringier/Springer ohnehin nicht befürchten.

Dazu Peter Rothenbühler: «Es unmöglich, von Greta oder ihrem Umfeld eine Frage beantwortet zu bekommen. Das Mädchen gibt nur Statements ab, die schriftlich vorliegen.»

«Keine Belege für eine systematische PR-Kampagne»

Was noch schwerer wiegt: Rothenbühler verbreitete nicht nur unbewiesene Vorwürfe, sondern solche, die offensichtlich falsch sind. Der angebliche «Coach» Ingmar Rentzhog dementiert glaubwürdig, als PR-Mann für Thunberg tätig zu sein. Die Faktenchecker der unabhängigen Webseite correctiv.org haben den Wahrheitsgehalt der gegen Thunberg verbreiteten Vorwürfe akribisch untersucht und am 13. Juni veröffentlicht – also bereits vier Wochen bevor Rothenbühler die Falschmeldungen weiter verbreitete. Der klare Befund: «Es gibt keine Belege für eine systematische PR-Kampagne». Rentzhog habe Thunberg nie beraten.

Auszüge aus dem Correctiv-Bericht:
Rentzhog ist Gründer der Netzwerk-Organisation We Don’t Have Time, laut eigenen Angaben ein «soziales Netzwerk für alle, die Teil der Lösung der Klimakrise sein wollen». Rentzhog war einer der Ersten, der im August 2018 über Thunbergs ersten Streik vor dem schwedischen Parlament berichtet hatte.

Doch Rentzhog widersprach Henrikssons Vorwurf einer PR-Kampagne, der in den Kommentaren zu dessen Facebook-Beitrag erhoben wurde. Er habe «einen Tipp erhalten, dass es eine Schulaktion vor dem Parlament geben würde» und sei so auf Thunberg gestossen. Ein Umweltaktivist habe die Aktion «in einem Mailverteiler angekündigt». Rentzhog teilte auf Facebook mehrfach Bilder von Thunbergs Aktion. In einem Spiegel-Artikel vom 6. Februar bestritt er die Vorwürfe ebenfalls: «Wir haben Gretas Streik nie geplant». Er habe vor dem Streik nur ihre Mutter flüchtig gekannt.

In einem Interview mit «Focus» hatte der schwedische Journalist Andreas Henriksson, der den ersten Facebook-Beitrag verfasste, bereits Ende März präzisiert: «Greta Thunberg ist kein PR-Produkt. Sie glaubt wirklich an das, was sie macht ... Rechte Aktivisten haben meine Recherche für ihre Zwecke missbraucht. Für ihre Hetz-Kampagne gegen Greta, ihre Mutter und gegen ihrer Meinung nach manipulierte linke Aktivisten...»

Eine Recherche der schwedischen Tageszeitung Svenska Dagbladet (kostenpflichtig) kam im Februar 2019 zu dem Ergebnis, Rentzhog habe Thunbergs Namen verwendet, um knapp eine Million Euro an Kapital für seine Firma zu sammeln. Die Zeitung belegt dies damit, dass Thunberg wiederholt in einem Prospekt der Firma genannt wird, der dazu diene, Investoren anzuwerben. In dem Prospekt tauchen Thunbergs Name und Gesicht mehrfach auf.

Thunbergs Vater erklärte dazu im Svenska-Dagbladet: «Es ist unglücklich, falls sie kommerziell ausgenutzt wurde. Wir wussten davon nichts.»

Gegenüber Correctiv wies Rentzhog die Vorwürfe, er habe Thunberg ausgenutzt, um Profite zu generieren, zurück: «Wir haben damit keine Profite gemacht. Wir haben die eine Million Euro Kapital von Menschen erhalten, die unsere Sache unterstützen.» Er habe Thunberg lediglich geholfen, «ihre wichtige Botschaft in die Welt zu tragen – wie andere soziale und traditionelle Medien danach auch.»

Es ist also eher so, dass Rentzhog den Namen Thunberg dazu verwendete, um Werbung für seine Plattform zu machen.

Dieses kommerzielle Profitieren von Thunbergs Image hätte Peter Rothenbühler allenfalls kritisieren können. Doch der SI-Kolumnist erwähnte die ausgedehnten Recherchen von Correctiv oder vom Svenska Dagbladet mit keinem Wort. Weshalb, beantwortet er auf Anfrage nicht. Er zog lieber ins Lächerliche, dass Greta Thunberg nicht mit dem Flugzeug zu Konferenzen in die USA fliegt, sondern sich auf einer Jacht über den Atlantik überführen lasst:

    «Zum Kult um Ihre Person ... passt, dass Sie auf einer Jacht von Pierre Casiraghi den Atlantik überqueren und damit für das Fürstentum Monaco Werbung machen, diesen Fluchtort von Milliardären, die keine Steuern bezahlen und mit ihren Jachten die Meere verschmutzen. Schwer, ganz sauber zu bleiben, gell?»
    Peter Rothenbühler in der Schweizer Illustrierten vom 9. August 2019

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Es kann sich lohnen, diesen Faktencheck zu Greta Thunberg vollständig zu lesen:

Hier geht es zu correctiv.org

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor kennt Peter Rothenbühler als sympathischen und unterhaltsamen Kollegen.

Weiterführende Informationen

190809_Rothenbühler SI
Kolumne Peter Rothenbühler zu Greta Thunberg

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10 Meinungen

Vor Greta kann man sich nur dankbar verneigen: https://lukasfierz.blogspot.com/2019/04/dank-greta.html
Lukas Fierz, am 12. August 2019 um 09:30 Uhr
Ich frage mich, wie es Leute geben kann, die über Greta Thunberg eine Meinung haben. Es ist sicher so, dass sie als Person absolut glaubwürdig ist und sich ernsthaft für das Klima einsetzt. Ich halte es aber auch für offensichtlich, dass sie im Hintergrund einflussreiche Helfer haben muss. Ihr stehen Tore offen die anderen Aktivisten seit Jahrzehnten verschlossen sind. Wer dahinter steht und weshalb genau verstehe ich noch nicht. Wir werden das Phänomen (nicht der Mensch) Greta Thunberg wohl erst in Zukunft und Rückblickend verstehen können. Bis dahin, liebe Gretastreiter (ob Pro- oder Kontra), übt euch doch ein bisschen in Demut und erkennt, dass wir wissen, dass wir nichts wissen.

Ich glaube, die Meinungen über Greta entspringen einzig der eigenen, subjektiven Meinung: «Der Klimawandel ist anthropogen und kommt vom erhöhten CO2 Anteil. Ich finde Greta super.» oder «Klimawandel hat es schon immer gegeben und ist nichts neues. Ich finde Greta nicht gut."

Was ich jedoch definitiv nicht gut fand war ihr Aufruf: «Ich will, dass ihr in Panik geratet.» Mit Panik löst man keine Probe, sondern man verschärft sie. Ich denke, man sieht die Folgen der medialen Panikmache aktuell sehr gut an der sehr vergifteten und polarisierten, öffentlichen Diskussion. Es gibt, auf beiden Seiten, nur noch Richtig und Falsch. Der Wille, jemandem mit abweichender Meinung ernsthaft zuzuhöhen und somit evt. etwas zu lernen oder zu erkennen, ist auf keiner Seite erkennbar.
Stöckli Marc, am 12. August 2019 um 12:23 Uhr
Was mich viel mehr ärgert an Medienschaffenden wie Rotenbühler, dass man Ihnen auch noch Aufmerksamkeit verschafft. Wesentlich schwerwiegender finde ich, dass Medial die von Greta Thunberg aufgeworfenen direkten und indirekten Probleme viel mehr thematisiert werden und nicht deren Lösung. Ein schönes Lösungsbeispiel wäre die Energie-Lenkungsabgabe mit Rückerstattung pro Kopf. Was hier abging in unseren Bundesparlamenten, ist meines erachtens wesentlich schlimmer als was Rothenbühler nun gechickt nutzt um seine Illustrierte besser zu verkaufen. Alle Parlamentarier in den Bundesparlamenten wussten, dass eine Energie-Lenkungsabgabe mit Rückestattung pro Kopf die richtige Lösung ist, man hat jedoch die Diskussion darüber schlicht verweigert und kein Medium hat dieses Trauerspiel unserer Demokratie aufgegriffen. Das ganze kann man nachlesen und nachsehen unter https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=40423. Aus meiner Sicht ist es ganz allgemein ein Versagen, der Schweizer Medienschaffenden und nicht nur das von Rothenbühler. Ich frage mich sind Medienschaffende überhaupt kritikfähig?
Urs Anton Löpfe, am 12. August 2019 um 12:43 Uhr
Was hat der Bildtext «Kaum ein Lächeln» in Herrn Rothenbühlers Kolumne mit der Sache zu tun?
Ekkehard Blomeyer, am 12. August 2019 um 12:44 Uhr
Es ist doch jetzt logisch, dass von den Wirtschaftkreisen auf die Überbringer der schlechten Nachricht - unser wirtschafliches Wachstum zerstört die Lebensgrundlagen - geschossen wird anstatt auf die Mitteilung zu hören. Zu diesen Kreisen gehört natürlich Ringier und Co und seine Schreiberlinge.
bernhard sartorius, am 12. August 2019 um 13:20 Uhr
Danke für diesen Text! Es ist infassbar, wie dieses Mädchen attackiert wird – wohl teils aus purem Neid.
Stefan Bachmann, am 12. August 2019 um 14:38 Uhr
Lieber Herr Gasche, vielen Dank für diese Klarstellungen! Ich habe extrem Mühe, wenn jemand - ob er nun Rothenbühler oder Trump oder ... heisst - das Problem «Klimawandel» damit zu erledigen glaubt, dass er Protagonistinnen wie Greta Thunberg auf irgend eine Art ins Lächerliche zieht. Für solche «Scherze» ist die Lage zu ernst und meint es auch Greta Thunberg - glücklicher- und richtigerweise - zu ernst.
Dieter Kuhn, am 12. August 2019 um 14:52 Uhr
Die Zeitungsfritzen bei diesem Unternehmen haben sich schon vor 34 Jahren, vor der Einführung des Auto-Katalysators, mit Lügen und Falschinformationen hervorgetan…
Falls schon vergessen, vom damaligen Chefredaktor Übersax wurde im Blick behauptet, man wisse nicht wo man die Katalysatoren ausleeren soll - und mit der SVP zusammen wurde behauptet, es könnten dann noch die Reichen Auto fahren!
Rolf Raess, am 12. August 2019 um 15:38 Uhr
Dass ein grosser Teil von Volk und Medien auf Greta herumhackt (14.8.2019 titelt bluewin.ch: Missgunst, Hass und Häme – der etwas andere «Greta-Effekt»), statt mitanzupacken; dass seit Jahren in der Schweiz Auto- und Flugverkehr deutlich steigen statt sinken: Was sollte das einem diagnostizierenden Arzt offenbaren?
Der heutige falsche Lebensstil würde auch mit Umstellung Fossil auf Elektro falsch bleiben. Es bräuchte eine Prototyp-Siedlung als Lebens-Vorbild für die Welt (quasi: Zurück in die Zukunft) mit Stille (z.B. Laubbläser-/Rasenmäher-Verbot in «Verzichten für eine bessere Welt: Dieser Ökonom erklärt, warum das nicht furchtbar ist», Aargauerzeitung 16.12.2019), Reine Luft (Lärm und Luftverschmutzung die zwei Hauptgesundheitsgefahren gemäss WHO) Chlorophyllfüllemaxima, Kneipp, Ziegen/Esel ohne Glocken. Das wäre dann der Zuschauermagnet (für Volk/Medien) statt das kontraproduktive Mickeymausabziehbild Europapark Rust.
Wolfgang Reuss, am 14. August 2019 um 17:26 Uhr
Herr Gasche dieser Artikel ist eher bemerkenswert.
https://bellevue.nzz.ch/mode-beauty/wie-greta-thunberg-immer-mehr-dem-kommerz-verfaellt-ld.1501738

correctiv.org und Fokus als Quellenangabe, da fehlt doch ein kleines bisschen die nötige Distanz ihrerseits.

Schade, den System gerechter Sommerlochs Füller haben sie nicht nötig.

Klimaschutz auf Basis von Klimamodellen?
Besser wäre konsequenter Umweltschutz da kann jeder mitmachen.
hanspeter eckart, am 15. August 2019 um 17:18 Uhr

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