Weiss die NZZ nicht mehr, was ihre LeserInnen unter «Hilfe» verstehen? © nzz
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Das Wort «Hilfe» verschleiert wahren Sachverhalt

Urs P. Gasche / 13. Aug 2015 - Die «Geberländer» wollen jeden Cent der «Hilfsgelder» zurück. Fast alle Milliarden dienen der Verlängerung auslaufender Kredite.

Regierungen (und Grossbanken) reden gerne von «Hilfe», um der Verschuldungs-Politik ein wohltätiges Mäntelchen umzuhängen. Statt dem hoffnungslos überschuldeten Griechenland einen grossen Teil der ohnehin nie rückzahlbaren Schulden zu erlassen, werden auslaufende Schulden durch neue ersetzt. Damit werden unpopuläre Entscheide auf spätere Regierungen abgeschoben. Mit «Hilfe» hat das wenig zu tun.

Infosperber hatte bereits darauf hingewiesen, dass von «Hilfe» und «Hilfsprogrammen» keine Rede sein kann.

Denn unter «Hilfe» und «Hilfsgeldern» verstehen die meisten Leute das, was die Glückskette und auch Staaten bei Katastrophen tun: Sie spenden Geld und Waren ohne Gegenleistung. Sie erwarten nicht, dass das Geld oder die Waren eines Tages zurückerstattet werden.

Auch im privaten Bereich verstehen wir unter «Helfen», Geld oder Waren zu schenken oder für Dritte einseitige Dienstleistungen zu erbringen.

Die am 26. Juni 2015 hier gestellte Frage blieb unbeantwortet: Warum reden und schreiben Fernsehen, Radio und Presse bei Griechenland in der Regel von «Hilfspaketen», «Hilfsprogrammen» oder «Griechenlandhilfe», obwohl es um voll rückzahlbare Kredite geht?

NZZ schreibt von «85 Milliarden Euro Hilfsgeldern»

Laut Frontseite der NZZ vom 12.8.2015 soll Griechenland in den kommenden Jahren «85 Milliarden Euro Hilfsgelder erhalten». Das sehe ein drittes «Hilfsprogramm» vor, schreibt der NZZ-Korrespondent in Brüssel.

Im Kontrast dazu schreibt der NZZ-Korrespondent in Athen im Innern des Blattes von einem «Abkommen» mit einem «neuen Kredit» im Rahmen eines «Hilfskreditvertrags».

Die Wortwahl in Brüssel ist eben eine andere als die in Athen.

«Hilfspaket» auch im «Tages-Anzeiger»

«Hilfsgelder» und «Hilfspakete» für Hotels, Landwirtschaft oder Flughafen?

Grosse Medien und Agenturen übernehmen ohne zu hinterfragen die Wortwahl, das «Wording», welches die Gläubigerländer, die sich gerne «Geberländer» nennen, sowie EZB und IWF vorgeben.

Manchmal versuchen sie es damit zu begründen, dass die Darlehen nicht auf dem Kapitalmarkt aufgenommen und nicht zu Marktbedingungen gewährt werden, sondern mit günstigeren Zinsen und längeren Laufzeiten.

Falls Letzteres der Fall ist: Warum reden und schreiben die Medien konsequenterweise nicht ebenfalls von «Hilfe», «Hilfspogrammen» oder «Hilfspaketen», wenn es zum Beispiel in der Schweiz um ähnliche Kredite zu Sonderbedingungen geht? Warum also nicht «Hilfspaket» für den Wohnungsbau, wenn sie über die zinslosen Kredite des Bundes an den Wohnungsbau schreiben? Warum nicht von «Hilfsgeldern» für die Hotels, wenn sie darüber berichten, dass der Bundesrat die Hotelkredite aufstockt? Warum nicht von «Hilfsprogramm» an die Landwirtschaft, wenn sie über die Investitionskredite zugunsten der Landwirtschaft informieren? Und warum nicht von «Hilfsgeldern» für den Flughafen Zürich, wenn sie über 400-Millionen-Kredite der öffentlichen Hand an den Flughafen berichten?

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Siehe

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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Eine Meinung

In der Linguistik nennt man dies Reframing. Eine Technik die auch inder modernen Psychotherapie verwenden wird, um belastende Erlebnisse in einem anderen, freundlicheren Rahmen erleben zu lassen.Der amerikanische Linguist Lakoff hat mit seinen Untersuchungen zur Metaphernbildung der Sprache auch einiges zum politischen Wahlkampf der Demokraten beigetragen. Einer seiner meist gelesenen Büchern: don't think of an elephant! Diese Reframing-Technik wird von Politikern jedwelcher Couleur gerne uur verschleierung ihrer Absichten verwenden, oder um wie in diesem Beispiel undemokratische Massnahmen als Wohltat zu verklären.Die Presse nimmt es gerne auf und verbreitet den Un-Sinn. Gerne werden auch Naturmetaphern benutzt, um Tatsachen zu verschleiern, denken wir an den «Finanztsunami"! Der BBeispiele sind vile und finden sich laufend in Nachrichten und Presseerzeugnisse. Helfen könnte auch hier nur Bildung und sprachliche Sensibilisierung, doch solches ist wohl auch schon als «Schmetterlingsfach» an den Unis abqualifiziert worden.
Hermann K.J. Fritsche, am 14. August 2015 um 10:47 Uhr

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