Kinder werden langsamer

Urs P. Gasche © Peter Mosimann
Urs P. Gasche / 27. Jul 2015 - Kinder können weniger schnell rennen als früher – und auch nicht mehr so weit wie vor 40 Jahren. Das hat Folgen.

Eine Auswertung von fünfzig Studien aus 28 Ländern zeigte deutlich, dass die Fitness von Kindern seit 1975 markant abgenommen hat. Das hat Folgen für deren Gesundheit und Lebenserwartung. Bewegung ist die wirksamste und billigste Art, verschiedenste Erkrankungsrisiken von Diabetes bis zu Krebs zu reduzieren und lange gesund zu bleiben.

Die Studie «Children’s cardiovascular fitness declining worldwide» hat die US-Herzgesellschaft bereits 2013 vorgestellt. Die fünfzig Studien berücksichtigten Daten von insgesamt 25 Millionen Kindern im Alter zwischen 9 und 17 Jahren.

Konsequenzen sind bis heute keine gezogen worden. Unter «Prävention» verstehen Gesundheitsbehörden meistens Impfungen und – im Erwachsenenalter –Vorsorgeuntersuchungen. Die aktive Bewegungsförderung in Familien, Kindergärten und Schulen wird vergleichsweise vernachlässigt.

Die sportliche Ausdauer der Kinder hat in den letzten vierzig Jahren durchschnittlich um fast 25 Prozent abgenommen. Für eine Laufstrecke von 1,6 Kilometern brauchen sie heute über anderthalb Minuten länger. Etwa zur Hälfte sei dies auf mehr Körperfett zurückzuführen.

Für eine gute Gesundheit sorge vor allem die Fitness des Herz-Kreislauf-Systems, das einem erlaube, in einem Stadion mehrere Runden zu rennen. Das erklärte Grant Tomkinson, Gesundheitswissenschaftler an der Adelaine-Universität in Südaustralien, der an der Meta-Studie teilnahm.

Die Ausdauer der Kinder nahm in allen Industriestaaten von Australien über Deutschland bis Kanada und USA pro Jahrzehnt um 5 bis 8 Prozent ab.

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6 Meinungen

Früher wurde Sport verordnet, weil man Angst um die Tauglichkeit des Menschenmaterials für den Kriegsdienst hatte - heute, weil man sich um die klammen Staatsfinanzen sorgt. In manchen Staaten dürfte ersteres sicher auch noch eine Rolle spielen. Ah, und um Godwins Gesetz zu bemühen: Yoga, Buttermilch und Schwarzbrot im Dritten Reich (http://goo.gl/Kwp8d7).
Michael Gisiger, am 27. Juli 2015 um 12:00 Uhr
Heute reduziert man die Zahl der Turnstunden. Dabei gibt es Vergleichsstudien, die nahelegen, dass Kinder, die mehr Sport treiben, in der Schule bessere Noten erreichen, weniger Absenzen haben und auf dem Pausenplatz weniger aggressiv sind.
Urs P. Gasche, am 27. Juli 2015 um 12:16 Uhr
Wundert sich irgendjemand? Kinder bleiben heut oft in der Wohnung, ohne Altersgenossen, am Bildschirm. Auf der Strasse ist es gefährlich, kein Lebensraum für Kinder. 2mal in der Woche eine Stunde Sport genügt nun wirklich nicht… Ja, da müsste vieles gehen- mit Phantasie und Kreativität. Und endlich mal die verheerenden, unumgängichen Rolltreppen überall stillegen ausser für Invalide! Sonst werden wir alle invalid!
Domenica Ott, am 27. Juli 2015 um 12:20 Uhr
@Ott: Mit ihrer ableistischen Wortwahl «Invalide» bestätigen Sie nur meinen ersten Kommentar. Laut dem Oxford Dictionary meint das Verb «to invalid» ursprünglich jmd. wegen Verletzung oder Kranheit aus dem (aktiven) Militärdienst entfernen/entlassen. Wie bei den Themata Überbevölkerung (cf. Ecopop) und Ökologie ist auch bei der Gesundheitsprävention der Grat zwischen gut gemeint und totalitär sehr, sehr schmal - zumal vielen bürgerlichen und linken Apologeten eben dieser «Prävention» die historische Linie von der Lebensreform hin zum Faschismus nicht bekannt ist (http://goo.gl/097kCe).
Michael Gisiger, am 27. Juli 2015 um 12:54 Uhr
@M.Gisiger: «ableistisch"?? dass das Wort invalid nicht mehr völlig politisch korrekt ist, war mir klar. Ich habs trotzdem benutzt. Und entschuldige mich bei körperlich behinderten Menschen - ich weiss nicht mal, was jetzt der TOTAL politisch korrekte Ausdruck dafür ist. Ich meine Menschen, die wirklich Rolltreppen brauchen - nicht wie die überwältigende Mehrheit, für welche diese aus bereits hier erwähnten Gründen Gift sind. Für Kinder ist es besonders katastrophal, sich nicht mehr bewegen zu müssen - und für ältere Menschen, bei denens langsam drauf ankommt, wie sie zu ihrem Körper und ihrer Fitness schauen...
Domenica Ott, am 27. Juli 2015 um 13:06 Uhr
Früher musste man zur Schule laufen, keiner Mutter kam es in den Sinn mit dem Auto (Mütter hatten auch keines), den Spross vor oder nach der Schule abzuholen. Und Fernsehen gab es auch nicht, man spielte draussen, rannte einem Ball nach oder fuhr mit dem Fahrrad herum. Heute machen das die wenigsten (entweder ist es draussen gefährlich oder alles ist zubetoniert), also hocken die kleinen (und auch die grossen) vor der Glotze und essen gleichzeitig industriell hergestelltes und ungesundes Zeugs ... und dann wundert man sich über die «viele Fettzellen» die sich da auftürmen … und die dazu gehörende Langsamkeit ?

Auch hier hat die Überbevölkerung einen negativen Einfluss, es wird für alle enger, die Plätze um sich auszutoben werden weniger. Es wird bestimmt nicht besser.
Also müsste tatsächlich die Schule in dieser Hinsicht mehr tun !
Frau Carmey Bruderer, am 28. Juli 2015 um 02:35 Uhr

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