Vor den ersten Sex-Erfahrungen sollen sich Mädchen ab 11 Jahren impfen lassen © cc
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Impfung: Nutzen wird übertrieben, Risiko zu wenig untersucht

Urs P. Gasche / 11. Jun 2018 - Allen Mädchen und Buben ab Alter 11 empfehlen Behörden und Ärzte eine HPV-Impfung. Statt aufzuklären, wollen sie Eltern überreden.

Bereits jedes zweite Mädchen lässt sich heute gegen HPV impfen. Das soll das Risiko vermindern, zwanzig oder vierzig Jahre später am Krebs des Gebärmutterhalses zu erkranken. Der Anteil der geimpften Mädchen schwankt zwischen rund 30 Prozent im Kanton Obwalden und fast 80 Prozent im Kanton Wallis. In den Kantonen Zürich und Bern liess sich im Jahr 2016 etwa die Hälfte der Mädchen impfen.

Diese Impfquoten sind nach Meinung des Bundesamts für Gesundheit BAG viel zu tief. Deshalb rief das BAG im Februar alle Ärzte und Schulbehörden auf, die Eltern und Mädchen von der Impfung zu überzeugen.

Das erklärte Ziel, die Impfbeteiligung auf mindestens 70 Prozent hochzufahren, verleitet Behörden und Ärzte dazu, den Nutzen zu übertreiben und die Risiken kleinzureden. Denn eine neutrale Aufklärung über Vor- und Nachteile könnte einen Teil der Eltern weiterhin davon abhalten, ihre Töchter und Söhne impfen zu lassen.

Weniger Gewebeentfernungen

Ein Vorteil der HPV-Impfung ist unbestritten: Sofern sie vor dem ersten Geschlechtsverkehr gespritzt wird, schützt die Impfung vor vielen Humanen Papilloma-Viren, auch HP-Viren genannt. Es kommt zu weniger der seltenen Zellveränderungen, die noch seltener zu Krebs im Gebärmutterhals führen. Dank der Früherkennung können diese Zellveränderungen ambulant entfernt werden. In Zahlen:

  • Unter 1000 Frauen, die regelmässig einen Pap-Abstrich zur Früherkennung machen lassen, kommt es bei etwa 120 – im Laufe ihres Lebens – vorsichtshalber zu einer solchen Gewebeentfernung;
  • Sind diese Frauen zusätzlich und rechtzeitig geimpft, kommt es nur noch bei wenigen zu einer Gewebeentfernung.

Kein Verlass

Wer Eltern und Mädchen über Vor- und Nachteile möglichst objektiv und neutral informieren möchte, muss gründlich recherchieren. Denn verlassen kann man sich weder auf die Hersteller der beiden Impfstoffe Gardasil und Cervarix noch auf das BAG noch auf die meisten Ärztinnen und Ärzte.

Pharmakonzerne schwingen die Angstkeule

Der bisher teuerste aller Impfstoffe bedeutet für die US-Pharmakonzerne MSD und die britische GSK ein langfristig garantiertes Geschäft, weil jeder neue Jahrgang von Mädchen und Buben geimpft werden soll. Schon vor Zulassung der Impfung hatten die Hersteller mit Plakaten, Flugblättern und im Internet auf Alarmismus gemacht.

Um Druck auf die Eltern auszuüben, verbreitet der US-Konzern MSD in den USA sogar Fernseh-Spots, in denen elf- und zwölfjährigen Kinder die Eltern aufrufen, sie impfen zu lassen.

Merck TV-Spot: «Mama, Papa: Weisst Du es nicht?»

Immer wieder hämmern die Pharmafirmen ein, der Krebs des Gebärmutterhalses sei eine «ernsthafte Bedrohung der Gesundheit» und die «weltweit die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen zwischen 15 und 44 Jahren».

Das ist eine Angst machende Irreführung: Denn die allermeisten der zitierten Todesfälle gibt es in Entwicklungsländern. In Ländern wie den USA oder der Schweiz dagegen steht der Gebärmutterhalskrebs weit hinten auf Rang 9 der Krebskrankheiten, und auf Rang 12 bei den Todesfällen infolge Krebs (Quelle: Robert Koch Institut, Krebsdaten Seite 21).

  • Höchstens eine einzige von sechzig Frauen, die an einem Krebs sterben, stirbt an einem Tumor des Gebärmutterhalses.

Worüber die Impfhersteller ebenfalls kaum informieren: Eine der grössten Risikofaktoren für Gebärmutterhalskrebs ist das Rauchen. Verstärkte Massnahmen gegen das Rauchen wären für die Volksgesundheit wirkungsvoller und billiger als eine Massenimpfung.

Die Kosten für die Impfung übernehmen die Krankenkassen. Nicht einmal der übliche Selbstbehalt oder der Anteil der Franchise werden abgezogen. Dieses Privileg gilt in der Schweiz für Mädchen ab Alter 11 sowie für Frauen bis zum Alter von 26 Jahren, also auch für notwendige Nachimpfungen. Seit 2016 gilt das Gleiche für Buben und Männer. Bei ihnen soll die Impfung das Infizieren mit HP-Vieren, die seltenen, aber lästigen Genitalwarzen sowie exrem seltene Krebserkrankungen wie Anal- und Peniskarzinome verhindern.

Gesundheitsbehörden informieren bewusst einseitig

Vor zwölf Jahren lancierten die Impfstoff-Hersteller eine beispiellose PR-Kampagne und rühmten den «ersten Impferfolg gegen Krebs». Professor Daniel Fink, Direktor der Klinik für Gynäkologie am Universitätsspital Zürich, übernahm das Wording der Pharma und sprach von einem «Meilenstein in der Krebsprävention». Zurückhaltend bemerkte der damalige BAG-Direktor Thomas Zeltner: «Der Druck der Pharma war unsympathisch.» Trotzdem gab er – wie die Gesundheitsbehörden der meisten Staaten – dem Druck nach.

Um «die Durchimpfung der Mädchen und jungen Frauen zu erhöhen», ist es laut BAG «wichtig, die Zweifel auszuräumen und den Nutzen zu verdeutlichen» (Quelle: BAG-Bulletin vom 26.2.2018). Das tun die Behörden, indem sie den Nutzen schöngefärbt darstellen, während sie mögliche Risiken herunterspielen.

Informationsbroschüre des Bundesamts für Gesundheit

In einer vom BAG und der Krebsliga weit verbreiteten Informationsbroschüre heisst es:

  • «Du bist ein Mädchen? Eine Impfung schützt dich vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten.»

Diese dezidierte Aussage unterschlägt, dass man heute noch nicht wissen kann, in welchem Ausmass – und ob überhaupt – die geimpften Frauen weniger häufig an Gebärmutterhalskrebs erkranken und sterben werden.

Ärzte verbreiten Informationen der Industrie und der Behörden

Keine besseren Informationen sind von der Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte zu bekommen. Um wissenschaftliche Studien zu Nutzen und Risiken von Arzneimitteln zu verstehen und zu interpretieren, braucht es gute Kenntnisse in Statistik, Wahrscheinlichkeitsmathematik und Epidemiologie. Diese Fachrichtungen sind nicht Teil der normalen ärztlichen Ausbildung. Da hilft auch ein Titel eines Chefarztes oder medizinischen Professors wenig.

Der Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz in Berlin, Gerd Gigerenzer, hatte in einer wissenschaftlichen Studie nachgewiesen, dass die meisten Ärzte und Ärztinnen nicht einmal den Unterschied zwischen einem relativen und einem absoluten Nutzen kannten. Deshalb stellten sie den Nutzen von Mammografie-Screenings und von PSA-Tests krass übertrieben dar. Siehe auf Infosperber: «Brustkrebs: Das müssen Frauen unbedingt wissen».

Ähnliches ist jetzt bei der HPV-Impfung festzustellen. Die Arztpraxis Hittnau beispielsweise übernimmt auf ihrer Webseite die Angst einflössende, aber irreführende Behauptung der Pharmaindustrie: «Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen zwischen 15 und 44 Jahren

Webseite der Arztpraxis Hittnau AG im Kanton Zürich

Andere Ärztinnen und Ärzte übernehmen die Aussage, dass die Impfung «70 bis 80 Prozent aller HPV-Infektionen verhindert, welche Krebs auslösen können». Diese Formulierung lässt viele Mädchen und Eltern im falschen Glauben, dass dieser Krebs ziemlich häufig vorkommt, und dass die Impfung 70-80 Prozent dieser Krebserkrankungen verhindere.

FAKTEN ZU ERKRANKUNGEN UND TODESFÄLLEN

Eine sachgerechte Information würde Mädchen und Eltern vorerst beruhigen: Auch ohne Impfung kommt der Krebs des Gebärmutterhalses immer seltener vor. Von 100'000 Frauen in der Schweiz erkrankten in den Jahren 1986 bis 1989 jedes Jahr 10 an diesem Zervix Karzinom und 4 starben daran. Im Zeitraum 2010 bis 2014 erkrankten im Jahresdurchschnitt nur noch 5 und starben noch 1,4.

Immer weniger Erkrankungen und Todesfälle pro 100'000 Frauen:

Erkrankungen und Todesfälle pro Jahr und pro 100'000 Frauen in absoluten Zahlen (jeweils der Durchschnitt von fünf Jahren). Quelle: NICER National Institute for Cancer Epidemiology and Registration. Grafik: Beobachter.

Der starke Rückgang wird meistens auf die Verbreitung des regelmässigen Pap-Abstrichs zurückgeführt. Der Test ermöglicht das frühzeitige Entfernen von veränderten Zellen. Deshalb werden die Pap-Abstriche auch geimpften Frauen dringend empfohlen.

Insbesondere weil der Nutzen der Impfung meist übertrieben dargestellt wird, besteht das Risiko, dass sich geimpfte Frauen in falscher Sicherheit fühlen und den weiterhin empfohlene Pap-Tests vernachlässigen («Ich bin geimpft»).

Erkrankungen an Gebärmutterhalskrebs gingen allerdings auch in Ländern stark zurück, wo Pap-Tests selten waren.

Frauen, die regelmässig einen Pap-Abstrich zur Früherkennung machen lassen, erkranken und sterben kaum weniger an Gebärmutterhalskrebs, wenn sie sich zusätzlich impfen lassen. Diese Einschätzung stammt vom deutschen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen IQWiG.

Todesfälle unter 1000 Frauen im Laufe ihres ganzen Lebens:

Wer regelmässig einen Pap-Abstrich machen lässt, ist weitgehend vor Gebärmutterhalskrebs geschützt. Bei regelmässigem Pap-Abstrich stirbt weniger als 1 von 1000 Frauen im Laufe ihres Lebens an Gebärmutterhalskrebe – mit oder ohne Impfung. Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen IQWiG. Grafik: Beobachter.

Das BAG kommentierte diese Zahlen auf Anfrage nicht. Das Bundesamt gibt den Nutzen denn auch nicht anhand von weniger Krebserkrankungen oder -todesfällen an, sondern anhand von weniger «HPV-assoziierten» Krebszellen: Wenn man 1000 geimpfte Frauen mit 1000 ungeimpften vergleiche, komme es bei den geimpften «theoretisch» zu drei «HPV-assoziierten» Krebszellen weniger. [BAG-Bulletin 2.3.2015]

«Assoziiert» deshalb, weil man in diesen Krebszellen Fragmente von HP-Viren findet. Daraus schliesst das BAG, dass diese Krebszellen wegen dieser Viren entstanden sind.

Wenn das BAG die Impfung als «hochwirksamen» darstellt, bezieht es sich nicht, wie die meisten verstehen, auf Erkrankungen an Krebs, sondern auf das Verhindern vieler Zellveränderungen. Diese würden «in seltenen Fällen Krebsvorstufen» entwickeln.

Von einer Assoziation beziehungsweise Korrelation der Krebszellen mit HP-Viren wird der Schluss gezogen, diese Viren seien die Ursache. Doch bis heute fehlt ein wissenschaftlicher Nachweis, dass solche «Krebsvorstufen» sowie der Tumor selber tatsächlich auf HPV-Infektionen zurückzuführen sind.

Korrelation oder Ursache

Ausgerechnet bei dieser Gretchenfrage wird häufig geflunkert. In einer ersten Stellungnahme erklärte das BAG apodiktisch:

  • «Gebärmutterhalskrebs wird zu annähernd 100 Prozent durch HPV verursacht».

Als Beweis gab das BAG Studien* an, die fast alle von den Impfstoff-Herstellern finanziert wurden. Doch selbst diese Studien bestätigen die Aussage des BAG nicht. Sie kommen vielmehr zum vorsichtig formulierten Schluss, die Impfung «könnte das Potenzial haben», Krebserkrankungen stark zu reduzieren, oder «könnte» sie reduzieren. Die meisten Studien sprechen ausdrücklich von «HPV-assoziierte Erkrankungen». Aus «HPV-assoziiert» schliessen die Studien nicht auf «HPV- verursacht».

Auf Rückfrage hin räumte das BAG ein, es sei heute noch nicht möglich, den effektiven Einfluss der Impfung auf die Krebserkrankungen festzustellen:

  • «Es bräuchte sehr grosse und sehr lange Studien, um die Endpunkte ‹Krebs› und ‹Mortalität› erheben zu können.»

Deshalb würden die Studien den Endpunkt «hochgradige Krebsvorstufe» verwenden.

Weder das BAG noch die Swissmedic beantworteten die Frage, warum aus einer «Assoziation» oder «Korrelation» auf die Ursache geschlossen wird. Das BAG verwies auf Professor Harald zur Hausen, Nobelpreisträger der Medizin. Der 83-Jährige Virenspezialist bestätigte Infosperber, dass «eine reine Korrelation keine Kausalität belegt». Bei HP-Viren mit hohem Risiko könne man allerdings «nachweisen, dass spezifische Gehirnfunktionen für das maligne Wachstum der Zellen verantwortlich sind». Weil «deren Abschaltung den malignen Prozess beendet», könne man auf eine Kausalität schliessen. Mehr und Präzieseres war vom Professor nicht zu erfahren. Er wollte auch keine Studie als Beleg angeben.

«Wahrscheinlich keinen Einfluss auf Krebserkrankungen»

Peter Duesberg, Professor für Zellbiologie und Virologie an der University of California in Berkeley, hatte im Jahr 2013 mit Kollegen Krebszellen des Gebärmutterhalses untersucht (Studie hier). Bei den «HPV-assoziierten» Krebszellen fanden sie keine gemeinsamen Merkmale und auch keine gemeinsamen Unterschiede zu Krebszellen, die nicht mit HPV assoziiert waren. Deshalb erklärten sie: «Es ist zu erwarten, dass die Impfung gegen HPV keinen Einfluss auf die Krebserkrankungen haben wird

Wenn der Nutzen nicht genügend nachgewiesen ist, müsste Swissmedic die Zulassung der HPV-Impfstoffe zurückziehen. Zu allfälligen Mängeln der zitierten Studie befragt, meinte ein Sprecher : «Swissmedic kann keine Einzelstudie kommentieren». Es gebe über Tausend HPV-Studien.

Etwas vorsichtiger als Duesberg stellen Wissenschaftler des unabhängigen «arznei-telegramm» fest, es lasse sich «nicht mit Sicherheit sagen, wie zuverlässig die Impfung den Gebärmutterhalskrebs tatsächlich verhindert». Das werde frühestens ab 2030 klar sein, wenn man dank guten Krebsregistern in Skandinavien feststellen kann, ob die Zahl der Krebserkrankungen und Krebstodesfälle wie erwartet stärker sinkt als sie es im Trend ohnehin tun würden. Vorläufig wird dies nur indirekt und über Plausibilitäten und Assoziationen vermutet.

Man kann auch noch nicht wissen, ob die Impfung nicht Platz frei macht für andere Varianten von HP-Viren, die sich im Körper stärker ausbreiten. «Die Impfung könnte die Besiedlung anderer gefährlichen Viren fördern», erklärt Wolfgang Becker Brüser vom unabhängigen «arznei-telegramm».

Nach der grossen PR-Kampagne der Impfhersteller. Titel in der NZZ vom 19.4.2009: «Euphorie um Krebsimpfung ist vorbei»

FAKTEN ZU DEN RISIKEN

Spekulativ bleibt nicht nur der Nutzen der HPV-Impfung. Auch über das Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen weiss man noch wenig. Zwei Faktoren sind zu berücksichtigen:

1. Je grösser der Nutzen einer Behandlung ist, desto mehr Risiken und Nebenwirkungen sind die meisten Menschen bereit, in Kauf zu nehmen. Für das BAG ist zum Vorneherein klar (neuster «Impfplan»): «Der Nutzen verhinderter Krankheiten und deren Komplikationen übertrifft die mit den (HPV-)Impfungen verbundenen Risiken in jedem Fall um ein Vielfaches

2. Werden sehr viele Menschen behandelt wie bei einer Massenimpfung, summieren sich selbst sehr selten auftretende, gravierende Nebenwirkungen zu einer grösseren Zahl von Betroffenen.

Über Risiken informiert das BAG defensiv, wohl um Mädchen und Eltern nicht vom Impfen abzuhalten. Eine Informationsbroschüre informiert bloss über «harmlose» Nebenwirkungen unmittelbar nach der Impfung sowie über «schwere allergische Reaktionen», die jedoch «äusserst selten Minuten oder wenige Stunden nach der Impfung vorkommen».

Das BAG verschweigt, dass in etlichen Ländern Fälle schwerer Lähmungen, darunter auch Todesfälle, bekannt wurden. Es wird vermutet, aber es ist nicht bewiesen, dass sie der HPV-Impfung zuzuschreiben sind. In einigen Fällen kamen Gerichte zum Schluss, dass die Impfung die Ursache sein musste. Infosperber hat über einige berichtet: «‹Es gibt weltweit Opfer der HPV-Impfung›».

Die 16-jährige Ruby wurde nach der HPV-Impfung fast vollständig gelähmt. Eine Kausalität? Symposium betroffener Frauen und Eltern am 24. März 2018 in Tokio.

Auch Kesia Lyng von Kopenhagen sieht sich als Opfer ihrer HPV-Impfung:

Im Alter von 18 erhielt Kesia Lyng als eine der Ersten eine HPV-Impfung. An einer Konferenz einer Organisation für HPV-Opfer in Dublin sagte sie am 21. April 2018 aus.

BAG: «Sicherheit bestens überwacht»

Selbst bei allfälligen schweren Nebenwirkungen, die erst nach Wochen oder Monaten auftreten, sei die «Überwachung der Sicherheit erfüllt», versichert das BAG. Ärzte und Ärztinnen seien verpflichtet, vermutete Nebenwirkungen zu melden. Swissmedic, Herstellerfirmen und die WHO würden alle gemeldeten Daten erfassen.

Das tönt beruhigend. Doch das BAG unterschlägt, dass die Datenerhebung äusserst lückenhaft ist.

  • Ärzte werden für Meldungen nicht entschädigt und riskieren beim Nicht-Melden keine Sanktionen.
  • Neurologen kommen bei neurologischen Erkrankungen kaum auf die Idee zu fragen, ob die Patientin gegen HPV geimpft wurde.
  • Andere Ärzte mit Patientinnen, die über anhaltende Konzentrationsstörungen, Verwirrtheiten und Müdigkeit klagen, fragen meistens nicht, ob sie Wochen oder Monate vor dem Auftreten dieses Zustands gegen HPV geimpft wurden.

Swissmedic bestätigt ein «weltweites Underreporting» von Arzneimittel-Nebenwirkungen. Lediglich 5 bis 8 Prozent der vermuteten Nebenwirkungen würden in der Schweiz gemeldet. Das seien laut WHO immerhin «mehr als in den meisten andern Ländern».

Grosse Begleitstudien wären nötig

Ob die HPV-Impfung selten zu gravierenden Schäden führen, weiss man nicht. Unter dem Titel «Verursacht die HPV-Impfung neurologische Erkrankungen?» schrieben der Neurologe Heinrich P. Mattle, Professor am Universitätsspital Bern, sowie die Swissmedic-Experten Valeriu Toma und Rudolf Stoller in der Ärztezeitung, ein Zusammenhang zwischen Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems wie beispielsweise MS, Polyradikulitis Guillain-Barré mit der HPV-Impfung «kann nur bewiesen werden, wenn grosse epidemiologische Studien ein signifikant erhöhtes relevantes Risiko im geimpften Bevölkerungsteil im Vergleich zum ungeimpften zeigen». Bisher habe lediglich eine französische Kohortenstudie ein signifikantes Resultat für Polyradikulitis Guillain-Barré aufgezeigt. Dies sei «die erste epidemiologische Untersuchung, die einen Zusammenhang zwischen der HPV-Impfung und Polyradikulitis nahelegt ... Diese Resultate müssen in weiteren Studien bestätigt werden», zumal frühere Studien kein erhöhtes GBS-Risiko gezeigt hätten.

Derartige Begleitstudien macht jedoch niemand. Weder Swissmedic noch ausländische Aufsichtsbehörden haben die Pharmafirmen zu solchen Begleitstudien verpflichtet. Swissmedic wiegelt ab: «Der Aufruf der Autoren ist eine grundsätzliche und allgemeine Forderung, wie sie oft in wissenschaftlichen Publikationen gestellt wird

Weder Swissmedic noch das BAG informieren darüber, dass keine solchen epidemiologischen Begleitstudien laufen, die ein erhöhtes Risiko schwerer neurologischer Schäden wissenschaftlich abklären.

  • Ohne entsprechende Studien können Behörden und Ärzte weiter verbreiten, es gebe keine wissenschaftlichen Beweise, dass die HPV-Impfung in ganz seltenen Fällen zu schweren neurologischen Schäden führt.

Pharmakonzerne haben wenig Interesse, Langzeitschäden zu erforschen

Die Pharmafirmen hätten bei solchen Schäden nicht viel zu befürchten. Denn für Langzeitschäden von Impfstoffen haften sie kaum. Bei schweren Schädigungen springt der Bund ein und zahlt pro Fall maximal 70'000 Franken Genugtuung. Allerdings gilt dies nur für Forderungen bis zum 21. Lebensjahr oder bis zu fünf Jahren nach einer Impfung. Siehe BAG: «Entschädigung und Genugtuung bei Impfschäden».

Die Zulassungsbehörde Swissmedic will «das nicht kommentieren», weil «die Haftung für Arzneimittel nicht im Heilmittelgesetz geregelt ist und deshalb nicht in den Zuständigkeitsbereich von Swissmedic fällt».

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In einer kürzeren Fassung erschien dieser Beitrag im «Beobachter».

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*FUSSNOTEN
VOM BAG ANGEGEBENE STUDIEN ZUM NACHWEIS, DASS HP-VIREN KREBS VERURSACHEN:

1) Lehtinen M et al: Overall efficacy of HPV-16/18 AS04-adjuvanted vaccine against grade 3 or greater cervical intraepithelial neoplasia: 4-year end-of-study analysis of the randomised, double-blind PATRICIA trial. The Lancet Oncology. 2012; 13: 89–99.

2) Muñoz N et al: Impact of human papillomavirus (HPV)-6/11/16/18 vaccine on all HPV-associated genital diseases in young women. J Natl Cancer Inst. 2010; 102: 325–39.

3) Huh WK et al: Final efficacy, immunogenicity, and safety analyses of a nine-valent human papillomavirus vaccine in women aged 16–26 years: a randomised, double-blind trial. Lancet 2017; pii: S0140-6736(17)31821-4.

4) Garland SM et al: . Impact and Effectiveness of the Quadrivalent Human Papillomavirus Vaccine: A Systematic Review of 10 Years of Real-world Experience. Clin Infect Dis. 2016; 63(4): 519–27.

5) Pollock KG et al: Reduction of low- and high-grade cervical abnormalities associated with high uptake of the HPV bivalent vaccine in Scotland. Br J Cancer. 2014; 111: 1824–30.

6) Gertig DM et al: Impact of a population-basedHPV vaccination program on cervical abnormalities: a data linkage study. BMC Med. 2013; 11: 227.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

BAG Broschüre HPV
15_BAG Bulletin
SAEZ Gardasil HPV Langzeitrisiken
Studie Karyotypes

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9 Meinungen

Als Mann kann ich ja nicht gegen HPV geimpft werden, insofern betrifft mich dies nicht direkt. Aber auch andere Impfungen verursachen Langzeitschäden. Doch die Frist für Verursacherverantwortung von Schäden sind mit dem neuen Impfgesetz auf 10 Jahre beschränkt, was für Langzeitschäden viel zu kurz ist. Auch innerhalb dieser Frist sind Kausalitäten schwer nachweisbar. Man könnte nun sagen, das sei bewusst bezweckt; wenn nicht darauf geforscht werden kann, gibt es auch keine Daten. Als Impfgeschädigter kann ich also die Therapie des Impschadens selber übernehmen. Das kommt mich weitaus teurer als die ganze Impferei, welche mir verabreicht wurde. Äussere ich mich gegen Impfungen, dann werde ich als oft Asozialer und VT-ler apostrophiert. Die Impfschäden werden in diesem Deutungsschema marginalisiert und obendrein erhalte ich oft den Eindruck, ich würde mir meine eigenen ja nur einbilden. Als Impfzweifler muss ich zusätzlich diese Verunglimpfungen aushalten, damit das grosse Geschäft nicht leidet. Toll! Aber so geht Meinungsbildung ...
Andreas Hagenbach, am 11. Juni 2018 um 09:58 Uhr
„Das erklärte Ziel, die Impfbeteiligung auf mindestens 70 Prozent hochzufahren, verleitet Behörden und Ärzte dazu, den Nutzen zu übertreiben und die Risiken kleinzureden.“

Wer ist der Initiant dieses „erklärten Ziels“? Geht es wirklich darum, die Menschen vor dieser Krebsart zu beschützen? Ich bin mir da nicht so sicher. Ich habe Mühe damit, wenn von oben (eben: Wer ist das?) Menschen als Masse (70%) betrachtet werden. Solche Tendenzen lösen bei mir persönlich sofort eine Komplettverweigerung aus.
Jan-Martin Mächler, am 11. Juni 2018 um 13:36 Uhr
Dass BAG und Swissmedic sich vor der Verantwortung für eine objektive Information drücken ist absolut unverständlich. Ist es Bequemlichkeit oder Abhängigkeit ? Schon vor Jahren hörte ich von einem kompetenten Arzt, statt die Mädchen zu impfen würde man besser die Buben zum Waschen schicken weil Rückstände unter der Vorhaut die HPV begünstigen. Aber damit könnte man sich halt nicht profilieren und verdienen schon gar nicht.
Jürg Schmid, am 11. Juni 2018 um 16:17 Uhr
Gerade kam eine Cochrane-Analyse heraus, die den Nutzen deutlich zeigt:
http://www.cochrane.org/CD009069/GYNAECA_hpv-vaccination-prevent-cancer-and-pre-cancerous-changes-cervix
Natürlich kann man noch nicht beobachten, ob die Rate an Gebärmutterhals-Krebserkrankungen tatsächlich sinkt. Dafür ist es zu früh. Aber die Veränderungen, die auch im Abstrich als Vorläufer des Krebs erkannt werden, nehmen stark ab. Das sind glaubwürdigere Daten als die Ergebnisse eines Forschers, der Eigenschaften von Krebszellen vergleicht. Plazebokontrollierte grosse Studien sind auch bezüglich Nebenwirkungen der Goldstandard. Es gibt eine Reihe von neurologischen Erkrankungen, die sich häufig im Teenageralter zuerst zeigen. Wenn man viele Teenager impft, wird es immer ein paar haben, die kurz nach der Impfung erkranken. Nur wenn die Häufigkeit dieser Erkrankungen nach Einführung einer neuen Impfung relevant ansteigt, kann ein kausaler Zusammenhang vermutet werden. Das war bisher nie der Fall (dieselben Diskussionen fanden nämlich schon bei der Einführung der Hepatitis B-Impfung statt).
Wenn man die Verbreitung der Viren in der Bevölkerung tatsächlich eindämmen will, braucht es eine höhere Prozentzahl geimpfter Personen.
Als Frau muss ich zugeben, dass ich die Vorsorgeuntersuchungen nicht so oft mache, wie empfohlen. Weil sie unangenehm sind und weil es mit schwer fällt, daran zu denken und den Termin zu organisieren. So geht es den Meisten. Also ist eine Impfung der attraktivere Weg.
Eva Maria Tinner, am 12. Juni 2018 um 21:50 Uhr
@Eva Maria Tinner. Sie sind Oberärztin für Kinderheilkunde am Berner Inselspital. Zu Ihren Bemerkungen kann ich Folgendes sagen. Das IQWiG geht davon aus, dass die HPV-Impfung die Erkrankungshäufigkeit an Gebärmutterhalskrebs nicht signifikant senkt, sofern sich die Frauen zur Früherkennung regelmässig einem Pap-Abstrich unterziehen. Alle Behörden und Ärzte empfehlen den Frauen, trotz Impfung weiterhin regelmässig diese Früherkennung zu machen. Diese reduziert das Risiko einer Erkrankung am eh seltenen Gebärmutterhalskrebs auf ein Minimum.
Ob die Impfung einen zusätzlichen Nutzen hat, und wie gross oder klein er allenfalls ist, könnten nur Studien zeigen, welche Frauen, die regelmässig zur Früherkennung gehen und sich nicht impfen, mit Frauen vergleicht, die nicht zur Früherkennung gehen und sich impfen. Solche Studien wurden (bezeichnenderweise?) nicht gemacht. Deshalb konnte Cochrane solche Studien auch nicht auswerten. Falls Sie solche Studien kennen, bin ich für deren Angabe dankbar.
Die Impfung ist nur attraktiver als die Früherkennung, wenn sie bei Frauen, die nicht zur Früherkennung gehen, tatsächlich einen signifikanten Nutzen bringt.
Zu möglichen schweren Nebenwirkungen, die nicht seriös abgeklärt werden, siehe die Ausführungen in meinem Artikel oben.
Urs P. Gasche, am 13. Juni 2018 um 09:33 Uhr
Mich würde es noch interessieren wie viel eine Impfung kostet und wer alles daran wie viel verdient? Ich könnte mir vorstellen, dass mit der Beantwortung dieser Frage viele Aspekte geklärt würden. Nicht ethisch, aber wirtschaftlich.
Joel Schweizer, am 15. Juni 2018 um 08:53 Uhr
@Joel Schweizer. Eine Impfung, bestehend aus 1 bis 3 Spritzen in zeitlichen Abständen, kostet durchschnittlich rund 500 Franken. In der Schweiz werden zur Zeit die Hälfte der Mädchen geimpft, von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Knaben werden noch wenige geimpft. Im Jahr 2017 kostete die Impfung in der Schweiz insgesamt über 8,5 Millionen Franken. Wegen der «Erhöhung der Durchimpfungsrate» und wegen der neu bezahlten Impfungen für Knaben und junge Männer würden die Impfkosten weiter steigen, erklärt Linda Nartey vom Berner Kantonsarztamt. Die Zürcher Gesundheitsdirektion präzisiert, dass die «Kosten der gesamten Administration» durch die Kantone bei den 8,5 Millionen nicht dabei sind.
Urs P. Gasche, am 15. Juni 2018 um 11:25 Uhr
Der Artikel behauptet, Professor Harald zur Hausen, Nobelpreisträger der Medizin, hätte gesagt, dass «eine reine Korrelation keine Kausalität belegt».
Danke, Herr Gasche. Endlich hat auch ein «Nobelpreisträger» den Mut, diese tiefe Wahrheit auszusprechen, oder weshalb sonst wird uns diese triviale Aussage hier vorgesetzt?

Und weiter soll unser Nobelpreisträger gesagt haben, bei HP-Viren mit hohem Risiko könne man «nachweisen, dass spezifische Gehirnfunktionen für das maligne Wachstum der Zellen verantwortlich sind».

Gehirnfunktionen verantworten das maligne Wachstum von Zellen? Herr Gasche, sind Sie ganz sicher, dass Ihr Nobelpreisträger das wirklich gesagt hat?

Ich las bisher gerne den Infosperber. Nach solchen Absurditäten muss ich mir dieses Blatt und seinen Hintergrund aber noch näher anschauen.
Heinrich Lehmann, am 28. Juli 2018 um 11:31 Uhr
@Lehmann. Es erstaunt mich, dass Sie in Erwägung ziehen, wir hätten die Zitate von Professor Harald zur Hausen nicht wörtlich korrekt zitiert. Da uns das Bundesamt für Gesundheit auf Professor zur Hausen als Kronzeugen verwies, traten wir mit ihm in Verbindung. Es gehört zu den Pflichten von Berufsjournalisten, die Stellungnahmen solcher Experten korrekt wiederzugeben und zur Diskussion zu stellen.
Urs P. Gasche, am 28. Juli 2018 um 15:54 Uhr

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