Ein «Kleines Blutbild» aus dem Labor kostet in der Schweiz 18x mehr (achtzehnmal) als in Deutschland © BP
Ein «Kleines Blutbild» aus dem Labor kostet in der Schweiz 18x mehr (achtzehnmal) als in Deutschland © BP

BAG erlaubt das Schröpfen der Patienten bei Laboranalysen

Urs P. Gasche / 27. Mai 2019 - Würden in der Schweiz die deutschen Tarife gelten, wären über 400 Millionen Prämiengelder zu sparen, berichtet das Magazin «Saldo».

Für ein «kleines Blutbild» zahlen die Krankenkassen in Deutschland umgerechnet 91 Rappen. Die Kassen in der Schweiz werden gezwungen, dafür 17.10 Franken zu vergüten. Das sind 18-mal mehr.

Ein Blutzuckertest (HbA1, HbA1c) kostet in Deutschland umgerechnet 5.89 Franken, in der Schweiz 17.80 Franken. Weiteres Beispiel: Für das Bestimmen des Vitamin D im Blut zahlten die Krankenkassen letztes Jahr 86 Millionen Franken. Nach deutschen Tarifen hätten sie dafür nur 18 Millionen ausgeben müssen.

Diesen Kostenvergleich hat «Saldo» veröffentlicht. Das Konsumentenmagazin kam zu folgendem Schluss:

    «Hätten Schweizer Labors für die 15 umsatzstärksten Tests im vergangenen Jahr nur im Rahmen der deutschen Tarife Rechnung stellen können, hätten die Krankenkassen rund 415 Millionen Franken eingespart. Nach österreichischen Tarifen wären die Tests 394 Millionen Franken billiger gekommen.»

Die Differenz begründete Willi G. Conrad, Präsident des Verbandes der medizinischen Laboratorien, mit angeblich «teils höher qualifiziertem Personal» sowie höheren Mieten und Transportkosten in der Schweiz. Die Ärztegesellschaft FMH verteidigt die hohen Labortarife, weil die kleinen Laborapparate in den Arztpraxen sonst nicht mehr rentieren würden. Etwa 7000 Hausärzte würden ein eigenes Labor besitzen. Die FMH verschweigt dabei, dass das BAG nach Angaben von «Saldo» für Arztpraxen noch höhere Tarife zulässt als die eingangs erwähnten bei den Grosslabors.

Das Bundesamt für Gesundheit wollte gegenüber «Saldo» die riesigen Tarifunterschiede nicht kommentieren, sondern meinte nur, man plane eine Überprüfung der Tarife.

Kostenvergleich von «Saldo» der 15 umsatzstärksten Labortests in der Schweiz. Grössere Auflösung hier.

Grosse Medien haben über diesen Laborpreisvergleich von «Saldo» nicht informiert.

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Weitere Gründe, weshalb die Kosten in der Schweiz viel höher sind als in den Niederlanden und in Skandinavien:

«Die Alterung der Bevölkerung ist eine faule Ausrede»

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Keine

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3 Meinungen

Wundert das noch irgendwen? Praktisch wöchentlich erfährt der KK-Prämienzahler von irgendwelchen im Gesundheitsmarkt aus dem Ruder gelaufenen Kosten. Ich meine der eigentliche Skandal sind nicht die absurd steigenden und überhöhten Kosten sondern das dem zuständigen Bundesamt ein SOZIALdemokrat vorsteht, der mehr als zwei Augen zum verschliessen haben muss. Wann erinnert er sich seiner Wurzeln und spricht ein Machtwort oder plant er einen Parteiwechsel?
Ueli Signer, am 27. Mai 2019 um 14:20 Uhr
Interessant ist v. a. Ihr Schlusssatz «Grosse Medien haben über diesen Laborpreisvergleich von Saldo nicht informiert». Das ist bezeichnend.
Fasst man mal ein paar Fakten zusammen: In der Schweiz zahlen wir alle erheblich höhere Laborkosten als in anderen Ländern, erheblich höhere Arzttarife, von den Medikamentenpreisen gar nicht zu sprechen. Wir zahlen auch europaweit am meisten Prämien für die Krankversicherung, obwohl wir hierzulande im Gegensatz zu den anderen Ländern nicht einmal eine Brille ersetzt bekommen, geschweige denn den Zahnarzt (in anderen Ländern gedeckt). Dafür zahlen wir x-fache Spitzengehälter an Manager und Verwaltungsräte der (privaten) Krankenkassen, zahlen ihre Call-Centers, die uns belästigen usw. Und vielleicht überraschend bei all diesen überrissenen Kosten : Schweizer gehen wesentlich seltener (ja, seltener !!) zum Arzt als andere Europäer. Umgangssprachlich: Wir werden betrogen und abgezockt. Unser Geld ist nicht verloren, es ist nur woanders jetzt.
Gerhard Gstrein, am 27. Mai 2019 um 15:29 Uhr
@Ueli Signer: Möchte gerne widersprechen. Bundesrat Berset ist KEIN Sozialdemokrat, er ist nur in der Sozialdemokratischen Partei Schweiz. Um Sozialdemokrat zu SEIN, müsste er wie ein solcher handeln und denken. Tut er aber nicht und das wollten Sie sagen, dem kann man nur zustimmen.
Aber genau darum wurde er auch Bundesrat.
Gerhard Gstrein, am 28. Mai 2019 um 17:58 Uhr

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