Es gibt sie noch, die, die helfen

Christian Müller © aw
Christian Müller / 23. Okt 2018 - Während weltweit von superreichen Saudis die Rede ist, soll gelebte Nächstenliebe nicht ganz vergessen werden.

Man weiss es: Gemäss dem sogenannten «Dubliner Übereinkommen» müssen Asylsuchende – sprich: Flüchtlinge – in dem Land ihr Asylrecht beantragen, in dem sie Europa zuerst betreten haben (oder eben in dem Teilnehmer-Land des «Dubliner Übereinkommens», in das sie zuerst eingereist sind). Eine skandalöse Vereinbarung! Ist es fair oder gar gerecht, wenn nach diesen Bestimmungen ärmste Länder, im konkreten Fall vor allem Griechenland, aber auch relativ arme Länder wie Italien, Spanien und Malta, die direkt Betroffenen sind, während Länder wie das reiche Deutschland oder die reiche Schweiz kaum zur Kasse gebeten werden, weil sie geografisch nicht am Einwanderungsweg der Flüchtlinge liegen? Welcher Flüchtling landet schon mit einem unbezahlbaren Airline-Ticket in Frankfurt am Main oder in Zürich?

Statt dass das «Echo der Zeit» von Radio SRF diese Thematik zum wiederholten Mal von einem sogenannten Experten beleuchtet, hat es am Montagabend – und dies erfreulicherweise nicht zum ersten Mal – das Problem direkt vor Ort in Griechenland veranschaulicht. Die griechische Journalistin Rodothea Seralidou besuchte für Radio SRF auf der Insel Lesbos, auf der die meisten über Griechenland einwandernden Flüchtlinge zuerst ankommen, nicht nur das total überlastete Aufnahme-Camp, sondern auch eine Taverne, deren Wirtsleute sich privat und sehr direkt für die Flüchtlinge engagieren: Sie offerieren ihnen unter dem Motto «Für einen Tag daheim» ein Essen an einem ordentlichen Tisch und dies ebenso köstlich wie sonst anderen Gästen. Man kann diese Sendung hier nachhören, es lohnt sich.

Da der Bedarf an direkter Unterstützung der Flüchtlinge sich aber schnell in ein Ausmass entwickelte, das wirtschaftlich zu tragen sich das Wirtepaar Nikos und Katharina ausserstande sah, gründeten die beiden einen Verein: «Home for a day» – und auch ihre Taverne heisst jetzt «home».

Wer dieser Sendung im «Echo der Zeit» gut zuhörte und anschliessend im Internet nachschaute, wie man diese Wirtsleute finanziell unterstützen könnte, hat's geschafft – zumindest ich selber habe die entsprechende Website gefunden: Home for a Day, ein «Daheim für einen Tag». Und dort habe ich auch ein Bankkonto gefunden, auf das man eine Spende einzahlen kann:

Nikos and Katharina
Eparchiaki Odos Therma Kolpou Geras-Plomariou, 811
06, Lesvos Greece

IBAN: GR4301107620000076200228708
SWIFT/BIC: ETHNGRAA

Mein Versuch, diesen grossherzigen Wirtsleuten 100 Euros zu schicken, ist gelungen. Ob ich jetzt auch Nachahmer finde?

Aber ich möchte auch dem «Echo der Zeit» wieder einmal ein Kompliment machen. Das «Echo» ist nicht nur eine wirklich absolut professionelle Informationssendung, die dort arbeitenden Journalisten und Journalistinnen bringen es auch fertig, uns in die reale Nähe des Geschehens zu bringen.

Danke herzlich – auch für diesen Beitrag!

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Es gibt keine Interessenbindungen. Der Autor ist an der Taverne «home» nicht beteiligt …

Weiterführende Informationen

Flüchtlings-Elend im Lager Moria auf Lesbos

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Eine Meinung

Lieber Christian Müller, wie froh bin ich, dass ich dank Ihrem Kommentar zum gestrigen Echo-der-Zeit Beitrag von R. Seralidou nun auch die «Home"-Familie unterstützen kann. Die Bilder, die der Beitrag in mir hervorgerufen hat, haben mich nicht losgelassen, aber ich war zu träge, um mich um weitere Informationen zu kümmern. Sie haben mir das Nachforschen abgenommen! Jetzt kann auch ich eine Spende nach Griechenland gerade zu diesen Leuten schicken, die mir dank der Sendung nahegekommen sind. Danke! Marianne Wolfer
Marianne Wolfer, am 23. Oktober 2018 um 20:15 Uhr

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