Die Idylle trügt: Demografie, Verschuldung und Beschleunigung trennen alt und jung © flickr

Die Idylle trügt: Demografie, Verschuldung und Beschleunigung trennen alt und jung

Die Kräfte, die den Generationenvertrag brechen

Christoph Pfluger / 14. Aug 2018 - Er hat alle Umwälzungen überlebt. Aber bald wird der Generationenvertrag Geschichte sein – und selber eine Revolution auslösen.

Der Grundsatz blieb immer derselbe, auch wenn sich die Details im Lauf der Zeit änderten: Die Erwachsenen sorgen für die Kinder, wenn sie klein und hilflos sind. Dafür schauen diese als Erwachsene zu den Alten, wenn Hilfe nötig ist. Dieser Vertrag wird nicht gebrochen, er bricht. Er zerfällt unter der Last von mindestens drei historischen, schwer zu bändigenden Kräften: der demografischen Entwicklung, der Verschuldung und der Beschleunigung.

Es ist nicht leicht, angesichts der aktuellen demografischen Zahlen zuversichtlich zu bleiben. Die Kombination von inländischem Geburtenrückgang und Lebensverlängerung produziert ein historisch einmaliges Verhältnis zwischen Leistungserbringern im Erwerbsalter und Leistungsempfängern nach der Pensionierung.

Zudem haben wir nicht mehr drei, sondern vier Generationen mit wechselseitigen Abhängigkeiten: Kinder und Jugendliche, Erwerbstätige, Jungrentner und Hochbetagte.

Weniger Geburten, längeres Leben

Bei der Einführung der Alters- und Hinterlassenen-Versicherung (AHV) im Jahr 1948 kamen auf einen Rentner 6,3 Personen im Erwerbsalter. Heute sind es ungefähr drei, 2030 werden es noch zwei sein 1). Die Verschiebung ist in erster Linie der grösseren Lebenserwartung geschuldet. 1950 konnte ein 65-jähriger Mensch in der Schweiz mit weiteren 13,5 Lebensjahren rechnen, heute sind es 23 Jahre 2). Doch selbst wenn wir nicht mehr älter werden sollten, wird sich der Trend noch verschärfen, weil jetzt die Babyboomer in Rente gehen.

Um am bisherigen Rentenalter festhalten und die versprochenen Leistungen bezahlen zu können, bräuchten wir nach Berechnungen von Avenir Suisse in den nächsten zwanzig Jahren eine Netto-Immigration von 135 000 Personen jährlich 3), also 2,7 Millionen Ausländer in 20 Jahren. Das dürfte nicht nur der SVP zu viel sein, sondern auch den räumlichen Ressourcen.

Das Problem besteht nicht nur aus weniger Beitragszahlern. Es verschärft sich durch höhere Pflegekosten. 1995 waren 38 000 Menschen 90 oder mehr Jahre alt, heute sind es fast doppelt so viele. Entsprechend haben sich die Kosten für die Langzeitpflege gemäss offizieller Statistik von 4,9 Milliarden (1995) auf 10,9 Milliarden Franken (2012) verdoppelt. 60 Prozent dieser Kosten trägt die Allgemeinheit. Sparen fürs Alter wird nämlich bestraft. Wer beim Eintritt ins Pflegeheim noch Vermögen hat, muss die Kosten selber bezahlen; wer es verbraucht hat, wird über die Ergänzungsleistungen der AHV finanziert.

Milliarden-Defizite bei den Sozialversicherungen

Um das Verhältnis von Beitragszahlern und Empfängern bei der AHV wieder ins Lot zu bringen, müsste das Rentenalter um drei Jahre erhöht werden, hat Martin Eling, Professor für Versicherungswirtschaft der Hochschule St. Gallen, ausgerechnet. Weil das politisch nicht durchsetzbar ist, häuft die AHV Defizite an. 2030 werden die Schulden der AHV gemäss Eling bei 110 Milliarden Franken liegen, so viel wie die gesamten Schulden der Eidgenossenschaft heute. Soll doch die nächste Generation bezahlen – auch eine Form von Generationenvertrag.

Ähnlich schief steht die zweite Säule, die berufliche Vorsorge auf der Basis der Kapitalbildung. Sie ist zwar nicht von der Demografie abhängig, sondern vom ebenso tückischen Kapitalmarkt. 1985 in einer Hochzinsperiode mit grossen Versprechungen eingeführt, steht die grosse Ernüchterung hier noch bevor. In den letzten zehn Jahren betrug die real erzielte Verzinsung im Durchschnitt 2,35 Prozent. Der «technische Zinssatz», der den Versicherten gutgeschrieben werden muss, lag fast doppelt so hoch, bei vier Prozent. Es wurde also mehr versprochen, als gehalten werden kann.

Auch der Umwandlungssatz, der bestimmt, wie viel Geld tatsächlich ausbezahlt wird, lag über den tatsächlichen Erträgen. Per saldo ergibt sich daraus ein jährlicher Transfer von 3,15 Milliarden Franken von jung zu lt.

Noch einiges höher, nämlich bei 13,7 Milliarden Franken (2016) liegt der Transfer durch den Kapitalertrag der BVG-Einrichtungen. Dieser muss nämlich von den Erwerbstätigen erwirtschaftet werden, zum Beispiel von den Wohnungsmietern in Liegenschaften der Pensionskassen. Geld arbeitet eben nicht, wie die Banken immer behaupten, nur Menschen.

Die Verschuldung wächst – explizit und implizit

Damit sind wir mitten in der zweiten historischen Kraft, die den Generationenvertrag zerreissen wird: der Verschuldung. Schulden sollten im Prinzip von denen bezahlt werden, die sie gemacht haben, je nach Art der Verpflichtung innerhalb einer Generation, also 25 Jahren. Wird die Rückzahlung weiter hinausgeschoben, muss die nächste Generation amortisieren. Das ist nicht nur ungerecht, sondern mittlerweile auch unmöglich. Weltweit liegen die Schulden bei 230 Billionen Dollar. Das ist fast viermal so viel wie das weltweite Bruttoinlandsprodukt; das sind vier Jahre Gratisarbeit. Zum Vergleich: Die zur Bezahlung dieser Schulden vorhandene Geldmenge M1 (Bargeld und Bankguthaben) beträgt global 30 Billionen. also einen Achtel der Schulden. Was zeigt: Die Rückzahlung ist unmöglich.

Auch in der reichen Schweiz gibt es keine andere Lösung, als die Schulden auf die nächsten Generationen zu übertragen und sie Zinsen für Auslagen bezahlen zu lassen, von denen andere profitierten. Den Schulden von Personen, Firmen und öffentlicher Hand in der Schweiz von rund 1,7 Billionen Franken steht eine Geldmenge von lediglich 636 Milliarden Franken gegenüber.

Die unbezahlbaren expliziten Schulden sind als Problem an sich schon gross genug. Noch schwerer wiegen aber die impliziten Schulden, die noch gar nicht in den Büchern stehen. Sie bestehen vor allem aus Verpflichtungen aus den Sozialversicherungen, die bereits eingegangen wurden, aber noch nicht fällig sind. Die Stiftung Marktwirtschaft in Berlin erstellt regelmässig Rankings für die EU-Länder, in denen auch die impliziten Schulden berücksichtigt werden.

Die Resultate sind erschreckend. In den EU-Ländern liegen die impliziten Schulden durchschnittlich doppelt so hoch wie die Staatsverschuldung, nämlich bei 177 Prozent des Bruttoinlandprodukts. An der Spitze der Rangliste steht Irland mit einer Staatsverschuldung von 107 Prozent und impliziten Schulden von unglaublichen 1064 Prozent des BIP. Das ergibt eine «Nachhaltigkeitslücke» von 1171 Prozent oder fast zwölf Jahren Gratisarbeit, um den Generationenvertrag wieder ins Lot zu bringen. Am anderen Ende der Skala findet sich ausgerechnet Italien mit relativ hohen Staatsschulden (132 Prozent), aber impliziten Schulden von minus 75 Prozent des BIP. Mit anderen Worten: Die Italiener haben sich ein implizites Guthaben im Umfang von drei Vierteln einer Jahresleistung angespart.

Insgesamt liegt die «Nachhaltigkeitslücke» im EU-Durchschnitt bei 266 Prozent des BIP, in der Schweiz nach einer älteren Studie bei 166 Prozent 4).

Mit den unbezahlbaren Schulden hinterlassen wir der nächsten Generation ein Problem, das innerhalb der geltenden Rechtsordnung nicht zu lösen ist. Entweder unsere Nachfahren akzeptieren den Druck ewiger Zinszahlungen für längst verstaubte, verrostete und zerfallene Projekte, oder sie revoltieren. Aber mit simpler Fortschreibung löst sich der Generationenvertrag automatisch auf. Die einzig mögliche Lösung findet sich übrigens in der Bibel: Schuldenerlass.

Der Wandel und seine Beschleunigung

Die dritte Kraft, die den Generationenvertrag zu Fall bringt, hat glücklicherweise weniger mit Zahlen zu tun, ist aber noch schwieriger zu bändigen: die Beschleunigung. Sie ist Naturgesetz. Das Leben differenziert sich seit Beginn des Universums, die Interaktionen multiplizieren sich und beschleunigen damit die Veränderung.

Noch im Mittelalter wurden die Kinder in die Welt ihrer Grosseltern geboren. Man ass mit dem Löffel, den schon die Grossmutter brauchte und arbeitete im Beruf des Grossvaters. Identität war kaum veränderlich – man war seine Vorfahren. Dann kam der Buchdruck und neue Welten öffneten sich allen, die sich des Lesens kundig machten. Das war so revolutionär, dass man sogar die Religion der Eltern über den Haufen warf.

Weitere Stufen der Beschleunigung zündeten mit der Industrialisierung und der Entwicklung der Geldwirtschaft. Wer immer wollte, konnte ein neues Leben beginnen, in der Fabrik, in der Bürokratie oder, wenn das nicht gelang, in Übersee.

Die beste Zeit für die Jungen wie für die Älteren waren wohl die 50er- und die 60er-Jahre. Alle wurden gebraucht, alle hatten etwas Konkretes von ihrer Arbeit, ein Auto, Urlaub am Meer und vielleicht ein Häuschen. Alle lebten in ein- und derselben Welt und waren frei genug, nach ihrer Façon selig zu werden.

Gesellschaftliche Beziehungen bröckeln

Mittlerweile hat sich das Leben derart beschleunigt, dass die Managementberater empfehlen, sich täglich neu zu erfinden. Doch wer jeden Morgen als neuer Mensch erwachen muss, verliert die Beziehung zu den Freunden von gestern.

Das Leben verändert sich heute während eines einzigen Lebens praktisch zur Unkenntlichkeit. Der alte Mensch steht ratlos vor dem Ticketautomat, die Welt fährt ihm buchstäblich davon. Der Junge erreicht zwar den Zug, kommt aber nie ans Ziel, weil er, versunken ins Handy, gleichzeitig nirgendwo und überall ist. Beziehung ist nicht mehr möglich, schon gar nicht zwischen den Generationen.

Die Alten, die früher in der Sippe weise werden, sich noch ein bisschen nützlich machen und den Enkeln die Welt erklären konnten, diese Alten müssen jetzt fit sein, konsumieren und Pauschalangebote buchen, bis sie schliesslich «Klienten» werden in einer Institution mit Qualitäts- und vor allem mit Kostenkontrollen. Zuerst nimmt man ihnen jegliche Arbeit ab, dann garnieren Aktivierungsfachleute die freie Zeit mit Beschäftigung.

Schliesslich werden sie mit Medikamenten ruhig gestellt und nach Taxpunkten bewertet. Wer seine Strümpfe nicht mehr selber ausziehen kann, kostet mehr. Worüber soll man sich mit den Angehörigen unterhalten, wenn sie zum Pflichtbesuch kommen? Über das Menu, das Wetter oder die neusten Todesfälle? Das kann doch nicht die Ernte des Lebens sein!

Der Anfang sieht ganz ähnlich aus. Die Kinder erleben die elterliche Liebe noch abends, wenn der Fernseher läuft; wenn Vater und Mutter, falls sie noch ein Paar sind, erschöpft und genervt vom Tag in der Bonus- oder in der Billiglohn-Wirtschaft, darüber diskutieren, wer denn heute dran sei, die Kinder zu Bett zu bringen. Tagsüber sind die Sprösslinge in der zertifizierten Kita und werden von professionellen Betreuerinnen in ihren kognitiven und sozialen Kompetenzen frühgefördert. Denn sie sollen es einmal noch weiter bringen als ihre Eltern, Karriere machen und schizophren werden: nämlich gleichzeitig die Norm erfüllen und einzigartig sein.

Was wir erleben, ist nicht nur das Auseinanderdriften von Alt und Jung, sondern auch den Zerfall der Kleinfamilie, der letzten Bastion des alten Generationenvertrags. Eltern-Kind-Beziehungen seien zufällig, lautet die Antwort auf die Titelfrage «Warum wir unseren Eltern nichts schulden» im kürzlich erschienenen Buch von Barbara Bleisch, der Moderatorin der TV-Sendung «Sternstunde Philosophie». Wenn selbst Familienbindungen zur Disposition stehen, hat der Individualismus seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Dann folgen Beziehungen der Lust, dem Zweck oder allenfalls Neurosen, aber nicht mehr einer Pflicht, wie sie sich konsequenterweise aus einem Generationenvertrag ergibt.

Nachbarschaft als neuer Generationenvertrag

Ich denke nicht, dass sich diese Entwicklung aufhalten, sondern nur in konstruktive Bahnen lenken lässt. Die Kleinfamilie, eine Erfindung der Industrialisierung, ist fraglos ein Auslaufmodell. Aber ihre nächste Form ist nicht der allgegenwärtige Versorgerstaat, der von der Krippe bis zur Bahre alles organisiert, finanziert und kontrolliert, sondern die Hausgemeinschaft, die lebendige Nachbarschaft, das organische Quartier, wo alle Altersgruppen in Pantoffeldistanz 80 Prozent von dem finden, was man zum Leben braucht: Freundschaft, Unterhaltung, Rückzug, Alltagsbedarf, Dienste und Beschäftigung. Wo alles Platz hat, können sich Menschen als Menschen begegnen, in einer überschaubaren Welt, die für alle die gleiche ist: das Zuhause.

Solche Orte sind selten, sie müssen heute gewollt, wenn nicht sogar gebaut werden. Die architektonischen Modelle sind da, ein Grundstock an sozialem Wissen auch. Was es braucht, sind Pioniere, die solchen Visionen Leben einhauchen und eine breite, aber kleinzellige Revolution auslösen.

Ich habe grosse Hoffnung in die Generation, die Freiheit von der Norm noch gelebt hat und jetzt in ein Alter mit Zeit und Geld kommt. An der Schwelle zwischen Tatkraft und Weisheit sind sie am ehesten in der Lage, die Generationen wieder mit dem Leben zu verbinden. Sie können den Jüngeren zeigen, wie’s geht. Und etwas von dem zurückgeben, was sie den kommenden Generationen genommen haben.

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Anmerkungen

1) Martin Eling: Der Generationenvertrag in Gefahr, Institut für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen, 2012, https://www.alexandria.unisg.ch/228157/1/Eling%202012.pdf

2) https://www.avenir-suisse.ch/1995-2035/alterung/

3) in Jérôme Cosandey: Generationenungerechtigkeit überwinden – Revisionsvorschläge für einen veralteten Vertrag. avenir suisse, 2013.

4) Michael Ferber: Das versteckte Schuldendilemma, 25.4.2016. https://www.nzz.ch/finanzen/anleihen/implizite-staatsverschuldung-das-versteckte-schuldendilemma-ld.15909. Die Studie ist online nicht mehr verfügbar

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine. Der obige Artikel von Christoph Pfluger ist zuerst im "Zeitpunkt" erschienen, Schwerpunktheft "jung und alt". Beim "Zeitpunkt" handelt es sich um eine Zeitschrift "Für Intelligente Optimistinnen und konstruktive Skeptiker".

Weiterführende Informationen

Dossier: Die Zukunft von AHV und IV

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23 Meinungen

Du meine Güte, WIE pessimistisch kann man denn noch werden? Das strotzt vor Zynismus. Eine Ansammlung von möglichen Szenarien - aber bitte, wer denn schon erkannt hat, was alles anliegt, sollte zumindest ein paar Lösungsideen anbringen.
Marianne Mäder, am 14. August 2018 um 12:16 Uhr
1. Demografischer Wandel
Problem, Zitat:
“Die Kombination von inländischem Geburtenrückgang und Lebensverlängerung produziert ein historisch einmaliges Verhältnis zwischen Leistungserbringern im Erwerbsalter und Leistungsempfängern nach der Pensionierung.“

Lösung:
Aktuell verfügen wir über eine historisch einmalige Arbeitsproduktivität. Die Verteilung der Güter ist folglich ein logistisches Problem, das man gern in die Schublade der “Politik“ packt. Wer mehr für die Allgemeinheit fordert ist “links“. Tatsächlich ist das Problem aber ein rein logistisches.

2. Schulden
Geldvermögen werden durch Verbindlichkeiten, d. h. Schulden gegen gebucht. Daraus folgt, Schulden lassen sich nur durch die Reduzierung von Geldvermögen vermindern.
Ulrich Engelke, am 14. August 2018 um 14:13 Uhr
Der Artikel gefällt mir sehr gut. Insbesondere die letzten Punkte waren neue Gedanken für mich.

Was ich etwas zweifelhaft finde ist der Punkt mit der Verschuldung. So pauschal stimmt der nicht. Spätestens seit der Vollgeldinitiative in der Schweiz sollte bekannt sein, dass die Geldmenge und die Schuldmenge eine Idendität sind. Durch Schulden schaffen wir neues Geld und zwar exakt 1:1! Da mit wachsendem BIP die Geldmenge - nach nahezu einhelliger Meinung der Ökonomen - steigen muss, muss folglich auch die Schuldmenge steigen. Bedenklich ist «lediglich» das seit Jahrzehnten die Geldmenge stärker wächst als das BIP, vor allem global betrachtet.

Im Hinblick auf das eben gesagte, müßte der Abschnitt nochmal etwas präzisiert werden. Pauschal die seit Jahren größte Schuldmenge zu beklagen ist irreführend, da dies auch der Fall wäre, wenn die Geldmenge mit dem BIP 1:1 mitgewachsen wäre.

Im übrigen ist die seit Jahrzenten stärker als das BIP steigende Geldmenge, auch sehr wahrscheinlich die wahre Ursache, warum Anlgen in Aktien sich stärker verzinst haben als das BIP gestiegen ist. In der Realwirtschaft kann das Geld nicht angekommen sein, sonst wäre die Inflation im gleichen Masse gestiegen, so bleibt IMHO nur eine seit Jahrzehnten schleichende Asset Inflation als Erklärung. So gesehen ist auch klar, dass eine Abkehr von der Umlage finanzierten Rente auf eine kapital gedeckte Rente auch keine Lösung für das Generationenproblem darstellt.

google -> Mackenroth

Viele Grüße

Jens
Jens Happel, am 14. August 2018 um 14:46 Uhr
Eine der besten Selbstdarstellungen unserer westlichen Gesellschaft, welche ich in dieser kompakten Form je las. Ich gratuliere, Christoph Pfluger. Und doch hinkt die Darstellung in dem Sinn, dass sie eine Zukunftsvision 'Nachbarschaft als neuer Generationenvertrag' aufzeigt, welche als demokratischer Akt wohl kaum rechtzeitig stattfinden wird.
- Was kommt dazwischen? Wie kommen wir von A nach B (gleiche Frage wie damals beim Vollgeld. Sorry ...)?
- Wie schaffen wir älteren Menschen (heute 60 ... 80, viele von uns mit klarem Kopf + vereinzelt sogar mit Tatendrang) es, uns selbst in die Gänge zu bringen, um das aufkommende Unheil (im Artikel sauber aufgezeigt) in neue, gesunde Bahnen zu lenken? Das Problem: Wir müssten unsere Kinder ja von der Neu-Ausrichtung überzeugen. Ohne sie geht es nicht.
-- Sie (heute 30 ... 40) stecken Mitten in diesem hektischen Leben, welches bereits uns ein Stück weit 'hatte'. Sie aber müssten uns zuhören + mit uns zusammen den neuen Weg wählen. Wir taten das nicht. Werden sie sowas tun wollen?
-- Sie (heute fest eingebunden in den alten Weg, welchen wir ihnen vorzeigten) müsste sich jetzt Zeit nehmen nachzudenken + 'Halt' zu sagen.
- Wie schaffen wir älteren Menschen das?
Konrad Staudacher, am 14. August 2018 um 14:58 Uhr
Auf eine gute, mitfühlende Nachbarschaft, eine kleine Welt, in welcher jeder Mensch für die nächsten Mitmenschen erreichbar ist, ein offenes Ohr und eine offene Türe hat, Verantwortung übernimmt und in der verbindende menschliche Werte über mehrere Generationen gelebt werden können - tun wir es einfach.
Meistens kommt mehr zurück als man erwartet.
https://www.friedenskraft.ch/
Paul Steinmann, am 14. August 2018 um 15:17 Uhr
Mit einer selten präzisen und markigen Ausdrucksweise haben Sie, Herr Pfluger, den Generationenvertrag umrissen und versucht, diesem eine Zukunft zu geben. Zu Recht. Ihre grosse Hoffnung steht aber auf dünnem Eis. Denn: Die Generation, die jetzt in ein Alter mit Zeit und Geld kommt, wird dannzumal von einer Generation abgelöst, die durchsetz ist von Menschen fremder Kulturkreise. Gefühlt basiert der Generationenvertrag auf einer Gesellschaft, die über viele Generationen eine Schicksalsgemeinschaft ist. Diese Gemeinschaft beruht auf politischen, religiösen und kulturellen Anschauungen wie auch auf dem über Generationen entwickelten Bildungssystem. Ein funktionierender Generationenvertrag kann nicht intellektuell verordnrt werden. Der entsteht durch organisches Wachstum. Die heute stattfindende Beschleunigung und die Einwanderung aus fremden Kulturen erfordern eine enorme Kreativität. Der Schutz der ureigensten Ethnie ist dabei unabdingbar nötig. Damit weise ich auf das Spannungsfeld, in dem wir gegenwärtig leben.
Peter Geissmann, am 14. August 2018 um 16:05 Uhr
Die Situationsanalyse von Hr. Pfluger kann wohl nur schwer angezweifelt werden oder dann halt von denen, für die nicht wahr sein kann, was nicht wahr sein darf.
Aber die Analyse ist nicht neu. Sie existiert in mannigfaltiger Form für die globalen wie für die lokalen Wirtschaftsverhältnisse. Jeder wache Bürger kann wissen, auf welcher Reise wir uns befinden und die Politiker jeglicher Couleur müssen es wissen. Für diese müsste die Analyse Auftrag sein. Nur wenig sei hier noch herausgegriffen:
- Wir wissen, das unser Wirtschaftssystem seit 200 Jahren ein Raubbausystem ist
- Wir kennen die Vermögensverteilung der Menschheit weltweit und in der Schweiz
- Wie unsere «geltende Rechtsordnung» mit Schuldnern umgeht, ist bekannt
- Wie sie mit Gläubigern umgeht, ist weit weniger transparent, siehe Bankenkrise
- Wie man zum Gläubiger werden kann, z.B. über das Erbrecht oder durch Spekulation weiss nur eine Minderheit
- Wir wissen, dass jeder Schuldner eines Gläubigers bedarf, um sich zu verschulden
- Wir wissen, dass Zinsnahme und Schuldenerlass bereits in uralten «Generationenverträgen» geregelt waren. Im Islam bis heute.
- Wir müssen leider vermuten, dass die Gläubiger zu einer Systemänderung ohne Gewalt nicht Hand bieten werden, denn sie sehen sich nicht als barmherzige Samariter.
- Und auch die Schuldner werden nur schwer einsehen, dass sie mit Wachstum zu mehr ihr Problem nicht lösen können.

Guter Rat ist teuer, braucht Handlung, Analyse reicht nicht mehr.
Walter Schenk, am 14. August 2018 um 16:32 Uhr
@Pfluger: Ihr jahrelanges Engagement in allen Ehren, und auch das Herz haben Sie auf dem 'rechten', d.h. solidarischen/fürsorgerischen Fleck. ABER: All das nützt nichts, wenn man sich derart - wie Sie - bei den Grundlagenkenntnisse und damit auch Argumentation 'verhaut'.

Sie haben kein «Weltuntergang"-Argument zur Hand, wenn Sie schreiben, wir «produzieren ein historisch einmaliges Verhältnis» zwischen Erwerbstätigen und Rentnern. Eine solche Aussage ist legt lediglich Zeugnis davon ab, dass Sie die Materie nicht verstanden haben!

Kleine Überlegung für Sie: «Im Jahre 1960 äussert jemand, dass sich das Verhältnis 'Erwerbstätige/Rentner' von 6:1 auf 3:1 verschieben werde und daher die Menschen im Jahre 2018 in Armut leben würden.» Er argumentiert wie Sie - und liegt komplett (!) falsch. Denn heute leben die Rentner und auch die 'geschröpften' Erwerbstätigen materiell gewaltig viel besser als damals. Wenn Sie diese Diskrepanz zwischen Ihrem (einfachen) Denken und der heutigen Realität nicht erklären können, dann zeugt das davon, dass Sie die Sache nicht verstanden haben bzw. nicht ausreichend durchdacht haben.

Hinweis: Wenn Sie die Produktivitätssteigerung (!) nicht zum zentralen Prüfstein Ihrer Überlegungen zur Altersvorsorge/'Generationenvertrag' machen, werden Sie weiter heillos herumirren.
Stan Kurz, am 15. August 2018 um 11:07 Uhr
@ Stan Kurz: Die Produktivität ist wohl enorm gestiegen. Aber die Erträge kommen nicht denen zu, die sie produziert, sondern denen, die sie finanziert haben. Deshalb sinken die Reallöhne in den USA seit 1980er und in der EU seit den Nullerfahren. Man könnte das Problem mit Produktivität lösen, aber nur bei gleichzeitiger Umverteilung.
Überhaupt ist das Problem, wie viele andere, lösbar, aber nicht in der geltenden Rechts- und Geldordnung.

@ Verschiedene: Geld- und Schuldenmenge sind nicht identisch, wie immer behauptet wird. Das erklärt sich aus der Kreditgeldschöpfung der Banken, die für ca. 90 Prozent der Geldmenge verantwortlich ist. Dabei entsteht ein gleichbleibendes Guthaben («Geld») und eine mit der Zeit wachsende Schuld. Deshalb gibt es auf der Welt z.Zt. 230 Bio. Dollar explizite Schulden und rund 30 Bio. Dollar Geld (M1, CIA Factbook 2015).

@ Verschiedene: Ich möchte nicht behauptet haben, dass die Lösung allein in organischen Nachbarschaften liegt, obwohl diese viel dazu beitragen könnten. Aber der freiwilligen Umstellung auf ein solches Modell stehen enorme wirtschaftliche Interessen entgegen, die wir wohl nicht überwinden werden. Aber der Versuch ist es wert, weil jedes individuelle Projekt hilft, auch wenn es im Ganzen nicht gelingt.
Christoph Pfluger, am 17. August 2018 um 16:10 Uhr
Bläst Herr Pfluger nun in das gleiche Horn der Demografie Schwarzmaler?
Schon bei AHV Einführung wurde schwarzgemalt, diese Versicherung würde nicht lange bestehen und es gibt sie heute noch. Aber die Gründer hatten wohl nicht mit der Gier späterer Generationen gerechnet. Wenn ein Alters- und Pflegeheimzimmer, bestehend aus Bett elektrisch verstellbar, Dusche & WC alleine um die Fr.5000-. kostet, exkl. Krankenpflege kann man sich ja auch im 4 Sterne Hotel mit rund um die Uhr Service gemütlich machen? Auch sollte man sich einmal fragen, wenn es mehr Rentner gibt braucht es zwar mehr Renten, aber das Geld bleibt nicht bei den Rentnern stecken, sondern es wird dann auch mehr Geld von ihnen wieder ausgegeben. Geldkreislauf nennt man das. Somit sind die Rentner einfach ein neuer Wirtschaftszweig. Für ein Geschäft spielt es gar keine Rolle, ob es Geld von Kunden die Rentner sind bekommt oder von Kunden die Arbeitnehmer sind. Man könnte auch fragen, es gibt immer mehr Arbeitnehmer, woher nehmen wir das Geld für immer mehr Löhne? Geld verschwindet nicht, es wechselt die Taschen. Zudem wird es immer noch aus Schulden & Investitionen geboren (auch nach Ablehnung der Vollgeldinitiative) Wenn die Bevölkerung wächst muss auch die Geldmenge wachsen und damit wachsen automatisch auch die Schulden, ist das denn so schwer zu begreifen? Zudem ist die AHV gesund K-Tipp: https://www.ktipp.ch/artikel/d/rentner-haben-45-milliarden-auf-der-hohen-ahv-kante/
Edgar Huber, am 17. August 2018 um 23:18 Uhr
@Pfluger - Sie schreiben:
"Die Produktivität ist wohl enorm gestiegen. Aber die Erträge kommen nicht denen zu, die sie produziert, sondern denen, die sie finanziert haben."

Haben Sie's bemerkt? Es ist ein INTRA-generationelles Problem - und nicht ein INTER-generationelles. Die Verteilung in dieser Generation ist in Schieflage - und nicht (!) die zwischen den Generationen.

Die nächste Generation konstituiert sich eben nicht nur aus jenen, die an den Erträgen (des Produktivitätsfortschritts) nicht beteiligt werden, sondern auch aus jenen, die diese Erträge erben. Beide «denen» - in Ihrem zweiten Satz - beziehen sich auf Menschen derselben (!) Generation. Nämlich die 'Arbeiter', die durch tagtägliche Verbesserungen/Rationalisierungsideen sowie gezielte Forschung & Entwicklung die Produktivitätsfortschritte erschaffen, aber über keine/wenig Verhandlungsmacht verfügen, um sich an den Erträgen ihrer Arbeit partizipieren zu können (via höhere Löhne). Die Früchte (bzw. der «Lohnverzicht") geht stattdessen an jene Menschen [aus derselben Generation!], die zuvorderst über eines verfügen: Verhandlungsmacht. D.h., sie haben die Möglichkeit, die Lohnabhängigen gegeneinander auszuspielen. Diese «Möglichkeit» haben sie sich via Gesetzgeber bzw. Lobbying, Medien 'erschaffen'/erkauft ... und die Lohnabhängigen lassen es aus Angst (um den Job oder die Position gegenüber dem 'Nachbarn' usw.) sowie der bei ihnen geschaffenen Ignoranz zu.
Stan Kurz, am 18. August 2018 um 14:37 Uhr
Sehr wichtig finde ich folgende Aussage von Herrn Pfluger aus seinem Antwortkommentar, ein Schlüsselsatz sozusagen, welcher das Kernproblem aufzeigt:

****Geld- und Schuldenmenge sind nicht identisch, wie immer behauptet wird****

Das erklärt sich aus der Kreditgeldschöpfung der Banken, die für ca. 90 Prozent der Geldmenge verantwortlich ist. Dabei entsteht ein gleichbleibendes Guthaben («Geld») und eine mit der Zeit wachsende Schuld.

Bedeutet im Klartext, es existiert gar nicht genügend Geld, um die Schulden je zurückzuzahlen, da der Grossteil nur aus Buchgeld besteht. Buchgeld stellt ein Anrecht auf Geld dar, es ist aber kein Geld.
Dennoch wird es in den Schulden eingerechnet und man muss gar Zinsen dafür zahlen.
Edgar Huber, am 19. August 2018 um 10:53 Uhr
@Pfluger: Übrigens: Seit wann ist der CIA im Geschäft der Aufklärung?

Man beweist nichts durch das Einwerfen des Namens einer - meist nur vermeintlichen - «Autorität». Es zählt die kohärente Argumentation in der Sache! So halten Sie ja auch bei den «Autoritäten» Jordan, Schneider-Ammann, Papst usw., oder?

Die Buchstaben CIA sollte niemanden derart ehrfürchtig werden lassen, dass naheliegende Fragen nicht gestellt werden: Wieso werden die 'Brutto-Schulden' in Beziehung zur (kleinen) Geldmenge M1 gesetzt - und nicht, der Logik folgend, zum 'Brutto-Geldguthaben'? Könnte der CIA eine andere Aufgabe wahrnehmen als jene der Aufklärung? Z.B. Angst-/Horrorgefühle über Schulden zu verbreiten, um so Widerstand gegen Austeritätsprogramme im Keim zu ersticken? Will der CIA folgende Idee unter die Leute bringen:

Schaut her, die Schulden sind horrend hoch - es muss rigoros gekürzt werden bei Sozialwesen, Rente, Gesundheitswesen, (staatliche) Schulen usw. Zudem muss alles von Wert verkauft/privatisiert werden.

Herr Pfluger, der CIA ist bekannt dafür ein Gehilfe der Mächtigen zu sein. Dass Sie deren Story so leicht/unhinterfragt Glauben schenken, ist bedauerlich - aber leider auch ein Zeichen für den desolaten Zustand (unter «uns Linken/Alternativen"). Sie haben das Herz auf dem richtigen Fleck, arbeiten aber allzu sehr auch in die Hände der 'Neoliberalen' ... was, gerade weil aus der - vermeintlich - linken Ecke kommend, besonders destruktiv ist, weil es viele Linke verführt/verwirrt.
Stan Kurz, am 19. August 2018 um 11:12 Uhr
@Kurz. Ich bin beeindruckt. Ich versuche die Zahlen der BFS-Statistik zu verstehen, was offensichtlich nicht einfach ist. Ich glaube aber immer noch, dass auch die demographischen Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Das Verstehen der Migration könnte ein Schlüssel zum Verstehen der demographischen Fragestellung sein. Etwas bessere BFS-Daten würden allerdings auch diesen Aspekt der Analysearbeit erleichtern.
Josef Hunkeler, am 19. August 2018 um 20:56 Uhr
@Huber, Pfluger: Wie absurd es ist, (Brutto-)Schulden zur Geldmenge M1 in Beziehung zu stellen (und den 'Weltuntergang' zu herauf zu beschwören), kann sich jeder (der gewillt ist) an folgendem Beispiel verdeutlichen:

A schuldet B: 1000 $
B schuldet C: 3000 $
C schuldet A: 2000 $

Wie hoch ist die Brutto-Schuldensumme? Natürlich: 6000 $.

Nehmen wir weiter an: Die einzige Person, die Geld ist B - und zwar 3000 $ in bar.
Hier nun also der Horror bzw. Weltuntergang: Die Brutto-Schulden übersteigen die vorhandene Geldmenge um das Doppelte! [6000 versus 3000 $] «Die Gesellschaft ist hoffnungslos überschuldete und wird die Schulden nie vollumfänglich abzahlen können, weil schlicht zu wenig Geld vorhanden ist usw.» - so der Tenor, oder?

Die Geschichte geht aber weiter (bzw. die Welt dreht sich trotz der Kassandrarufe weiter):
Morgens um 9 Uhr läuft B mit seinen 3000 $ Bargeld zu C, zahlt dort seine Schulden von 3000 $ zurück. C läuft um 10 Uhr zu A und übergibt diesem davon 2000 $ (womit C seine Schulden abbezahlt hat). Später läuft A zu B und zahlt bei diesem die Schulden in der Höhe von 1000 $ ab.

Und jetzt?! Nach ein paar Stunden hat keiner in dieser Gesellschaft (A, B, C) auch nur noch einen Dollar Schulden! Und jeder hält 1000 $ an Bargeld in den Händen.

Somit: Es ist mehr als bemühend, wenn Menschen sich jahrelang mit Schulden und Geld befassen (resp. glauben sie würden sich damit befassen) und immer noch nichts anderes als für Verwirrung unter ihren Freunden sorgen.
Stan Kurz, am 20. August 2018 um 10:42 Uhr
@ Herr Kurz
Ihr Modell ist Interessant und einleuchten, jedoch nur innerhalb des zinslosen Kapitaldarlehen. Die grössten Schulden entstehen aber durch Kredit-Aufmahne bei Banken (ebenso das Geld). Und dann sieht das Model nämlich folgendermassen aus:
Person A schuldet der Bank 3000.-
Person B schuldet der Bank 1500.-
Person C schuldet der Bank 2500.-
Gesamt: Schulden 5000.-
All diese Schulden müssen!! tiefer sein als die Geldmenge, da die Schulden durch die Verzinsung exponentiell anwachsen, die Geldmenge, welche gleichzeitig wie die Schuld entstand, jedoch nicht. Wir können also zum Beispiel annehmen, dass die Geldmenge nur 4100.- CHF ist. Differenz von Geld gegenüber Schuld von 900.-. Die vermeintliche, kurzsichtige und problematische Lösung des Problems nennt sich Wirtschaftswachstum. Indem A, B und C durch Arbeit einen Mehrwert generieren und neue Produkte produzieren, , können sie neues Geld bei Banken aufnehmen, welchem ein realer Wert gegenüber steht. So können die alten Schulden beglichen werden. Jedoch entsteht durch die neuerliche Geld Aufnahme eine neue Schuld. Die Lösung für diese neue Schuld kennen Sie ja jetzt. Ein ewiger Kreislauf von Schulden, welche durch Wirtschaftswachstum bezahlt werden wodurch jedoch wieder neue Schulden entstehen...
Zum Schluss: Natürlich, der Schuld steht eine Forderunge gegenüber. Aber nicht von A gegenüber B gegenüber C wie in ihrem Beispiel. Sondern von A, B und C gegenüber der Bank.
Probleme wie Derivate noch nicht berücksichtigt.
Stöckli Marc, am 21. August 2018 um 09:16 Uhr
@Stöckli: Vielen Dank.
Sie erweitern um den Player «Bank» und werfen - zur weiteren Verwirrung - noch Themen wie Wachstum, Derivate rein.
Sie können mein «B» der (juristischen Person) «Bank» gleichsetzen - und es bliebe bei 3 Playern.

Entscheidender: Wie schafft/schöpft die «Bank» das Geld - und gleichzeitig die Schulden: Sie tippt eine höhere Zahl aufs Konto der Dreien (A, B, C). Damit wird aber nicht nur «Geld aus dem Nichts» geschaffen, sondern auch (!) «Schulden aus dem Nichts». Die Drei haben nun Schulden, müssen also die gerade erhaltene Geldsumme wieder zurückzahlen. Wem? Demjenigen, der sie «zugute hat», also ein «Guthaben/Forderung gegenüber den Dreien hat: die Bank.

Soweit gehen wir einig, oder? Die Banken schaffen also mit den Schulden gleichzeitig auch das Geld (als Sichteinlage) - und zwar in gleicher Höhe. Es ist daher ein Ding der Unmöglichkeit, dass - wie Sie in Ihrem Beispiel angeben - Gesamt-Schulden von 5000 nur 4'100 gegenüberstehen.

Zu Ihrem «Zinsproblem»: Der arme A schuldet dem reichen R 20'000 $. Das einzige Geld (5'000 $) ist zu allem Unglück auch noch in der Tasche von R. Weltuntergang perfekt, oder? Nein! Bitte in Kreisläufen denken!!! Für was ist Geld denn gut? A arbeitet für R und erhält von R einen Lohn/Bezahlung, z.B. 4000 $. Davon verwendet er 1000 $ um die Schulden abzubezahlen, und 3000 $ um bei R einen Teil der von ihm selbst hergestellten Produkte abzukaufen. Und im nächsten Monat wiederholt sich das ... 20x, mit Zinsen halt 25x.
Stan Kurz, am 21. August 2018 um 23:21 Uhr
Oh, mir ist noch ein grosser Fehler passiert. Bei: «All diese Schulden müssen!! tiefer sein als die Geldmenge.» Das ist natürlich falsch. Die Schulden müssen!! höher sein als die Geldmenge, da nur die Schulden exponentiell ansteigen (im Verhältnis zum Geld. Natürlich kann man, wie in den letzten zehn Jahren, auch Geld praktisch exponentiell «drucken». Gegenüber dem Geld steigen die Zinsen trotzdem exponentiell an.)

@Kurz: Sie berücksichtigen wieder nicht die Rolle der Banken. Man kann die Banken nicht als normalen Marktteilnehmer beschreiben. Denn sonst entsteht, wie in Ihrem Beispiel, ein komplett falscher Zusammenhang. Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass die Banken die Schuld und das Geld gleichzeitig erstellen. Aber die Zeit dreht sich weiter und somit steigt die Schuld wegen den Zinsen über den ursprünglichen Geldwert hinaus. Ergo: Die Schulden werden höher als der im gegenüberstehende Geldwert. Und wenn die Geldmenge doch steigt, steigt logischerweise auch wieder die Schuld auf dieses neue Geld wegen den Zinsen. Sie erkennen den Schneeball?

P.S. Man kann Wachstumszwang und Zinssystem nicht voneinander trennen. Der Wachstumszwang ist im Zins begründet. Es gibt, zum Wirtschaftswachstum, noch die Möglichkeit der Inflation. Das Zinssystem bietet also die folgenden Alternativen: Den faulen Apfel oder die faule Birne.
Stöckli Marc, am 22. August 2018 um 12:30 Uhr
@Stöckli: In Kreisläufen denken! Man kann es auch «ganzheitlich» nennen. Wirtschaft ist ein Kreislaufgeschehen. Sie denken in Bestandesgrössen bzw. statisch und können so unmöglich etwas Dynamisches/Zyklisches vollumfänglich/ganzheitlich erfassen/abbilden.

Das haben Sie wohl auch gespürt, weshalb Sie mein Beispiel (von R & A) geflissentlich übergingen.

Damit Ihnen die Horrorstory vom «riesiger Schuldenberg» so richtig in die Knochen fährt, benötigen Sie eine entsprechende Vergleichsgrösse. Da kommt Ihnen die Geldmenge gerade recht. Jeder Horrorstory-Erzähler zieht dabei zwar gerne eine andere Definition heran. Egal, es geht ja ohnehin nur den Horroreffekt, und dazu reicht aus, dass sie klein ist. Zu begründen (!), wieso die Geldmenge (die ja wiederholt umgeschlagen werden kann) von Relevanz sein sollte, glaubt man nicht nötig zu haben. Allein das ausgelöste Schaudern (Gefühl) ist Argument genug, oder?

Schulden stehen immer im «Buch» bzw. sind registriert. So ist es auch mit den Guthaben. Was der eine schuldet, hat ein anderer «zugute». Wenn es denjenigen nicht gibt, der etwas zugute hat (also ein Guthaben hat), dann gibt es den anderen nicht (also keinen Schuldner und keine Schulden). Daher: Es muss (!) auf dieser Welt gleich viel Guthaben geben wie Schulden. Die Netto-Schulden (Guthaben minus Schulden) auf dieser Welt betragen daher: NULL. Daher auch: Nicht «Geld(menge)», sondern die Guthaben (= Forderungen) sind die adäquate/logische Vergleichsgrösse zu den Schulden!
Stan Kurz, am 23. August 2018 um 00:25 Uhr
Zur Natur der Schulden gibt es viele Missverständnisse. Hätten wir Mitglieder der Realwirtschaft sie untereinander, könnten die 30 Bio. Dollar Geldmenge M1 theoretisch 7,6 zirkulieren und die Schulden wären bezahlt.
Aber die meisten Schulden haben wir bei Banken. Wenn Bankschulden zurückbezahlt werden, verschwindet das Geld aus dem Kreislauf und kommt erst dann zurück, wenn sich wieder jemand einen Kredit nimmt (also die Schulden vergrössert).
Ähnlich funktionieren die Schulden bei Investmentgesellschaften. Werden sie zurückbezahlt, verschwindet das Geld zwar nicht aus dem Kreislauf, wird aber zurückgehalten, bis eine Investitionsmöglichkeit mehr Ertrag verspricht.
Was das in der Summe bedeutet: Die Schulden dieser Welt bleiben definitiv unbezahlbar. Die Welt als Ganzes ist konkursit und müsste eigentlich ein entsprechendes Verfahren durchführen.
Christoph Pfluger, am 23. August 2018 um 08:20 Uhr
Guten Tag Herr Pfluger,

Ich schätze Ihre Meinung zum Geldsystem, bei diesem Thema sind
Sie aber nun der Propaganda der Pensionskassen auf den Leim gekrochen.
Das die Defizite der PK's und der AHV etwas mit dem demografischen Wandel zu tun hat ist ein Märchen.

Die PK's und Lebensversicherungen haben mit Zinsen um 10% gerechnet nun sind es noch 2% das ist das Problem. Das eingezahlte Geld haben sie nun verprasst und nun müssen sie den Pöbel überzeugen das er selber Schuld ist wenn er die versprochene Rente nicht erhält.

Was Sie als Generationenvertrag ansehen ist in diesem Moment aufgehoben worden indem die Pensionskasse in der Schweiz eingeführt wurde. Nach dem Motto: Solidarität war gestern heute muss jeder selber seine Rente erarbeiten. Die Frauen hat man so am meisten hintergangen!

Das hat die Banken- und Versicherungsbranche gut eingefädelt. Sie hat nun 800 Milliarden für das Finanzkasino erhalten und offenbar verzockt!!

Das Argument mit der Demografie ist ökonomisch absolut nicht haltbar wegen der PRODUKTIVITÄT!
In den 50er Jahren brauchten Sie 6 Leute für eine Arbeit die heute einer erledigen kann!!

Das die Schweizer Elite die AHV nicht erhöhen will, liegt daran, dass besserverdienende mehr einzahlen müssen.
Weil die AHV nicht reicht brauchen wir ERGÄNZUNGSLEISTUNGEN die Höher sind als die ausgezahlten AHV-Beiträge (5 Milliarden)!
Das Geld zahlt dann die Gemeinde direkt von Ihren Steuern.
Daniel Bertschi, am 23. August 2018 um 09:26 Uhr
@Kurz: Ich glaube ihren Knopf erkannt zu haben. Ich hoffe, folgende Erklärung hilft: Wenn man von der Verschuldung der Schweiz spricht, spricht man nicht von Schulden die eine Privatperson gegenüber einer Firma hat, oder eine Firma gegenüber einer anderen Firma. Sondern man spricht von Schulden aller (Staat, Firmen, Privatpersonen) gegenüber von Banken. Und dann funktioniert ihr Kreislaufmodell eben nicht mehr. Denn bei der Bank ist Schluss. Wird ein Kredit zurückbezahlt, erlischt die mit dem Kredit geschöpfte Geldmenge eben auch. Das Geld kann also nicht mehr die Schuld eines Zweiten, Dritten,... tilgen wie in Ihrem Kreislaufmodell. Jedoch ist die zurückbezahlt Geldmenge am Ende wegen der Zinszahlung höher als am Anfang. Ganzheitlich gesehen können die Gesamtschulden also nur mittels Wirtschaftswachstums getilgt werden was, wegen der Kreditaufnahme, zu neuerlichen Schulden führt (siehe vorangegangenen Bericht von mir) . Nochmal: Wenn Sie Banken wie normale Marktteilnehmer behandeln, wird Ihr Modell nie der Realität entsprechen können.
Stöckli Marc, am 23. August 2018 um 14:06 Uhr
@ALLE. WIR SCHLIESSEN DIESEN MEINUNGSAUSTAUSCH HIERMIT AB. MIT DANK FÜR DIE REGE TEILNAHME. DIE REDAKTIONSLEITUNG.
Urs P. Gasche, am 24. August 2018 um 09:56 Uhr

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