Syrisches Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien © United States Government Work/flickr/cc

Syrisches Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien

Die Uno verlangt dringend mehr Geld für Syrien

Andreas Zumach, Genf / 14. Dez 2017 - Einmal mehr schlägt die Uno Alarm für die dringend notwendige humanitäre Versorgung der syrischen Bevölkerung.

Für die humanitäre Versorgung der insgesamt über 18,3 Millionen Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und sonstigen notleidenden Menschen aus dem Syrienkrieg im Jahr 2018 hat das Uno-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) in Genf die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen um die baldige Bereitstellung von mindestens 3,7 Milliarden US-Dollar ersucht.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Nichtregierungs-Organisation Handicap International (HI) mahnen zudem schnelle Massnahmen an zur medizinischen Rehabilitation und gesellschaftlichen Wiedereingliederung von bis zu drei Millionen Menschen, die in Syrien mit kriegsbedingten Verletzungen und mit Behinderungen leben.

Hilfe für Flüchtlinge, Kriegsverletzte und Kinder

Die vom UNHCR erbetenen 3,7 Milliarden Dollar sollen in humanitäre Projekte zur Versorgung der rund 5,3 Millionen syrischen Flüchtlingen fliessen, die derzeit in der Türkei, im Irak, in Jordanien, in Ägypten und im Libanon leben. Auch 3,9 Millionen BürgerInnen dieser fünf Aufnahmeländer, darunter Familien, die Flüchtlinge beherbergen, sollen Hilfe erhalten. Das UNHCR und seine 270 humanitären Kooperationspartner im Syrienkonflikt wollen Lebensmittel, Trinkwasser, Medikamente, Kleidung, Unterkünfte und sanitäre Einrichtungen bereitstellen.

Zudem sollen Schulunterricht und Bildungsmassnahmen finanziert werden. Laut UNHCR besuchen 40 Prozent der etwa 1,7 Millionen syrischen Flüchtlingskinder in der Region gegenwärtig nicht die Schule. Innerhalb Syriens sind nach UN-Angaben mehr als 13 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter 6,1 Millionen Binnenvertriebene.

Nach Schätzung von WHO und HI wurden seit Beginn des Syrienkonflikts im März 2011 über 1,5 Millionen Menschen durch Waffeneinwirkung oder Explosionen verletzt. Ein Drittel der Verletzten sind Kinder. Weitere 1,5 Millionen Menschen leben mit einer bleibenden Behinderung, darunter 86‘000 Menschen, deren Kriegsverletzungen zu Amputationen geführt haben.

Finanzielle Unterstützung für medizinisches Personal

Da während des Krieges in grossem Umfang Streumunition und Minen eingesetzt wurden, die zum Teil nicht explodiert sind, besteht auch nach der weitgehenden Einstellung der Kriegshandlungen im ganzen Land ein hohes Risiko weiterer Verletzungen und Verstümmelungen. Immer mehr Menschen in Syrien benötigen dringend Reha-Versorgungsleistungen, die jedoch immer weniger vorhanden sind.

Denn nach Feststellung von WHO und HI sind derzeit weniger als die Hälfte aller öffentlichen Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in Syrien noch in Betrieb. Die meisten von ihnen seien zudem unzureichend ausgestattet, um Menschen mit Verletzungen zu behandeln und Menschen mit Behinderung weiter unterstützen zu können. Nur zwei Reha-Zentren für körperliche Rehabilitation – in Damaskus und in Homs – bieten landesweit Prothesen an.

Dieser stark eingeschränkte Zugang zu medizinischer Versorgung könnte dazu führen, dass die Verletzungen vieler verletzter und verstümmelter Menschen zu lebenslangen Beeinträchtigungen werden, wenn sie nicht angemessen und zeitnah behandelt werden. Gestützt auf Erfahrungen aus früheren Gewaltkonflikten befürchten WHO und HI, dass auch in Syrien bis zu ein Drittel aller Kriegsverletzten ohne Zugang zu schneller und geeigneter Reha-Versorgung sehr langfristig oder gar lebenslang behindert bleiben wird. Für die notwendigen Massnahmen benötigen WHO und HI dringend finanzielle Unterstützung, medizinisches Personal sowie Sachspenden für die kriegsbeschädigten Gesundheitseinrichtungen in Syrien.

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3 Meinungen

Die UNO sollte zu allererst dafür sorgen, dass die Sanktionen gegen Syrien aufgehoben werden, die verheerende Auswirkungen auf das Leben in Syrien haben.
Siehe auch: www.nachdenkseiten.de vom 14.12.2017:Aktion Winterkleidung für Kinder in Damaskus- Danke an die NDS-LeserInnen und eine treffende politische Anmerkung von Bernd Duschner
Joachim Nolte, am 14. Dezember 2017 um 19:10 Uhr
Unsere Waffenschmiede RUAG, das heisst die Schweiz, liefert Waffen an die Kriegsverbrecher, und wir dummen Schweizerbürger sollen die Not lindern und Geld spenden! Es ist noch immer wie zu Hitlers Zeiten. Schande über unseren perversen Staat!
Christoph Senn, am 14. Dezember 2017 um 21:00 Uhr
Herr Nolte, so ist es !

http://www.nachdenkseiten.de/?p=41583

"Für die Bundesregierung und EU ist die Not der syrischen Bevölkerung, die im erheblichen Umfang durch ihre völkerrechtswidrigen Sanktionen verursacht wurde, kein Grund, ihre bisherige Politik zu überdenken. Es beeinflusst sie nicht, dass, wie es in einer Studie der Weltbank heißt, mehr Menschen in Syrien als Folge des Zusammenbruchs des Gesundheitswesens ums Leben gekommen sein dürften, als unmittelbar durch die Kämpfe.(2).Sie sind nur dann bereit, die Sanktionen aufzuheben und einen Wiederaufbau des Landes zu unterstützen, wenn der von ihnen verlangte „politische Übergang stabil im Gang ist.“(3) Erpressung nennt man das und denkt unwillkürlich an Madeleine Albright. Für die Durchsetzung der Ziele der US-Außenpolitik war der früheren Außenministerin selbst der Tod von 500.000 irakischen Kindern als Preis nicht zu hoch."


Die paar Piepen die notwendig sind, nehmen wir aus der Portokasse.

https://thruttig.wordpress.com/2015/06/02/kriegskosten-in-afghanistan-56000-bis-68-000-tote-1650-milliarden-dollar-ohne-zinsen/

»... die direkten Kriegskosten für die USA (über Verteidigungs- und Außenministerium) von 2001 bis 2014 719 Milliarden Dollar. ...noch viel höhere indirekte Kosten, einschließlich von Zinsen für Kredite...weil die US-Regierung diese Summen pauschal budgetiert. Die Gesamtkosten betrugen bis inkl. 2014 4374,5 Milliarden Dollar, die Zinsen werden zusätzlich auf über 7900 Milliarden Dollar geschätzt."
Dieter Gabriel, am 15. Dezember 2017 um 19:04 Uhr

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