Protest von Fundamentalisten in den USA © Flickr

Protest von Fundamentalisten in den USA

Christlicher Fundamentalismus fordert Opfer

Christian Müller / 04. Apr 2011 - Die öffentliche Verbrennung des Korans in Florida hat in Afghanistan tödliche Folgen. Fundamentalismus – da wie dort.

Eine öffentliche Verbrennung des Korans in Kalifornien hat im September 2010 mit öffentlichem Druck verhindert werden können. Geplant hatte die Aktion der radikale Pastor Terry Jones zum 9. Jahrestag der Terror-Anschläge in New York vom 11.9.2001.

Jetzt, am 20. März 2011, hat die geplante Koran-Verbrennung doch noch stattgefunden, in Gainesville in Florida. Von den Medien blieb sie fast unbeachtet, nicht aber von der muslimischen Welt, und in Afghanistan kam es - kaum überraschend - in deren Folge zu Protestaktionen. Mindestens zwölf Personen kamen dabei ums Leben, darunter eine 53jährige Pilotin aus Norwegen und ein 33jähriger Jurist aus Schweden, die für die UNO in Afghanistan im Einsatz waren. Erst jetzt reagierten die Medien, und natürlich wurden in erster Linie die Protestierenden in Kandahar scharf kritisiert.

Eine gewollte Provokation

Buchverbrennungen sind seit Jahrhunderten ein Symbol der Intoleranz. Mindestens in Europa meinte man allerdings, Buchverbrennungen würden nach den unvergleichlichen Ereignissen im Dritten Reich nie mehr ein Thema sein. Aber in den USA?

Die USA ticken anders. Während in Europa die Aufklärung ganze Arbeit geleistet hat und der Einfluss der christlichen Kirchen auf die Gesellschaft - je nach Land unterschiedlich - in der Summe massiv zurückgegangen ist, sind die USA immer noch ein ausgesprochen religiöses Land. Gemäss einer Studie der Baylor University in Texas besuchen immer noch die Hälfte der Amerikaner mindestens einmal pro Woche den Gottesdienst und über 80 Prozent der Amerikaner glauben noch immer an die jungfräuliche Geburt Jesu.

Sollen sie doch, könnte man hier in Europa denken. Aber so unproblematisch ist die Geschichte nicht. «Die religiös konservativen Glaubensgemeinschaften, zu denen neben den evangelikal-fundamentalistischen Südstaatenbaptisten und Pflingstlern die Mormonen und Zeugen Jehovas gehören, verzeichnen insgesamt einen Zuwachs, während die moderaten protestantischen Kirchen an Zuspruch verlieren», schreibt Manfred Brocker, der sich im Rahmen eines Forschungsprogramms die Situation in den USA näher angeschaut hat. Brocker ist Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Israel profitiert von den US-Evangelikalen

Dass die USA noch immer ein stark religiös geprägtes Land sind, hat auch international sichtbare Auswirkungen. Am deutlichsten kommt dies bei der Politik des Weissen Hauses gegenüber Israel zum Ausdruck, denn die unerschütterliche - in Europa kaum mehr nachvollziehbare - Unterstützung Israels selbst in der Siedlungspolitik ist nicht nur eine Folge der jüdischen Lobby in den USA, sondern wird auch von der dortigen Christlichen Rechten klar gefordert. Zitat aus Brockers Analyse: «Starke Unterstützung findet bei der Christlichen Rechten bis heute der Staat Israel. Die Forderung wird millenarisch-eschatologisch (endzeitlich, Red.) begründet: Danach gilt die Gründung des Staates Israel als Zeichen für die bevorstehende Wiederkehr Christi (»the second coming of Christ»), die ohne die Existenz eines jüdischen Staates in seinen biblischen Grenzen nicht erfolgen könne. Daher spricht man sich aus religiösen Gründen gegen die Rückgabe der besetzten Gebiete und gegen die Gründung eines eigenen Palästinenser-Staates aus» (Brocker, a.a.O.).

Zunehmende USA-Feindlichkeit in vielen islamischen Ländern ist also nicht nur islamischem Fundamentalismus zu «verdanken», sondern auch fundamentalistischen Tendenzen in den USA selbst.

Manfred Brocker, Professor für Politische Theorie und Philosophie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, 2009/2010 Visiting Fellow an der Princeton University in Princeton (NJ), hat seine Untersuchungen und Beobachtungen in einem differenzierten Artikel zusammengefasst, der in der deutschen Zeitschrift «Die Gazette» (Ausgabe 29) erschienen ist. Der ganze Artikel kann mit freundlicher Erlaubnis des Verlages hier abgerufen werden. (Leider ist diese Zeitschrift in den Schweizer Kiosken nicht mehr erhältlich, da der Kiosk-Monopolist Valora sich weigert, sie ins Sortiment zu nehmen. Die Auflage sei zu klein, das sei nicht mehr profitabel... Für Bestellungen und Abos siehe deshalb www.gazette.de .)

(Zur Politik der USA gegenüber Israel und deren Hintergründe empfiehlt sich auch die Lektüre des Buches John J. Mearsheimer/Stephen M. Walt: Die Israel Lobby, Frankfurt a.M. 2007)

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

"in God We Trust" (aus Die Gazette, Ausg. 29)

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Eine Meinung

Super diese «Christen", was halten sie wohl vom Christus-Wort «liebet eure Feinde, tut gutes denen die euch hassen?
Überhaupt ist es gar nicht sicher, dass die drei (3 nicht nur 2!!)) Wolkenkratzer von muslimischen Terroristen zerstört wurden!
Urs Lachenmeier, am 05. April 2011 um 17:47 Uhr

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