Viele Migranten in Thailands Fischerei-Industrie arbeiten unter menschenrechtswidrigen Bedingungen © cc
Häufigste in Kinder- und Zwangsarbeit hergestellten Produkte © Daniela Gschweng
© Daniela Gschweng

USA: Produkte von Sklavenarbeit endlich verboten

Red. / 27. Feb 2016 - Ein neues Gesetz will den Import menschenrechtlich «schmutziger» Waren endlich verbieten. Bisher ist er legal.

Jahrelange Gefangenschaft auf See, Arbeitszeiten von mehr als 12 Stunden täglich, keinerlei Pausen, kaum Schlaf: Über Sklavenarbeit auf Fischkuttern vor der thailändischen Küste wurde in den vergangenen Monaten ausführlich berichtet.

Nicht ohne Folgen: Die EU erwägt derzeit ein Importverbot für thailändische Fischereiprodukte. In den USA können die Krabben, die auf den Sklavenschiffen gefischt werden, bisher problemlos importiert und verkauft werden.

Dank einer Gesetzeslücke: Der Import ist legal

Das bestimmt das seit 1930 gültige US-Zollgesetz: Waren, die mit Hilfe von Kinder- und Zwangsarbeit gefertigt werden, dürfen bisher legal in die USA eingeführt werden – solange sie nicht anderweitig zu bekommen sind. Die Zollbehörden haben zwar die Möglichkeit, Lieferungen zu beschlagnahmen, bei deren Herstellung sie Zwangsarbeit vermuten, sie machten davon in 85 Jahren aber nur 35 mal Gebrauch.

Daran soll sich nun endlich etwas ändern. Auch in den USA zeigt der Druck von Medien und NGO's Wirkung: Am 11. Februar verabschiedete der US-Kongress einen Gesetzesentwurf, der den Import solcher «schmutziger» Waren verbieten soll. Die Zustimmung des US-Präsidenten gilt als sicher.

«Schwarze Liste» umfasst mehr als 350 Produkte

«Es ist eine Schande, dass dieses Schlupfloch so lange bestehen konnte», kommentierte Senator Ron Wylden gegenüber der Presseagentur AP. «Kein Produkt, das von Kindern oder von Menschen gegen ihren Willen hergestellt wird, sollte jemals in die Vereinigten Staaten importiert werden.»

Ein Video des «Guardian» über die Sklavenarbeit in der thailändischen Fischereiindustrie.

Krabben, die auf Sklavenschiffen in Thailand gefangen werden, Kinderpornografie aus den Philippinen und Kaffee aus Kolumbien könnten in den USA also bald verboten sein. Nach Angaben der internationalen Abteilung des US-Arbeitsministeriums (ILAB) umfasst die umfangreiche Gesetzesänderung eine schwarze Liste von mehr als 350 Produkten, die durch Kinder- oder Zwangsarbeit hergestellt werden.

Aus diesen Ländern kommen die am häufigsten mit Hilfe von Kinder- und Zwangsarbeit produzierten Produkte (Original von D. Yanofski, Quartz). In grösserer Auflösung. Die gesamte Liste des ILAB findet sich hier.

Die Umsetzung des Importverbots könnte allerdings schwierig werden. Mit Hilfe des US-Ministeriums für Heimatschutz soll diese Liste zukünftig für 46 Länder regelmässig aktualisiert werden. Kein ganz einfaches Unterfangen – verschlungene Lieferwege machen es oft schwer, die Herkunft eines Produktes festzustellen.

Schwierige Umsetzung erwartet

Obwohl für viele Importe feststeht, dass sie unter inhumanen Bedingungen erzeugt werden, sind zudem nicht alle Produkte aus dem gleichen Land gleichermassen betroffen. So wird in Zukunft beispielsweise nicht jede Kaffeelieferung aus Kolumbien von der Einfuhr ausgenommen werden.

Kritiker des Gesetzes wie der Handelsberater David Olave in Washington D.C. befürchten eine übertriebene Einschränkung des Handels und weisen darauf hin, dass US-Unternehmen bisher bereits einiges getan haben, um missbräuchliche Arbeitsbedingungen in ihren Lieferketten auszuschliessen. Sie sehen das Gesetz als eine reine Imagemassnahme an.

«Wir in der zivilen Gesellschaft müssen wachsam bleiben»

David Abramowitz, Vizepräsident der Organisation «Humanity United», hingegen wies darauf hin, dass die Regierung nun die nötigen Ressourcen bereitstellen müsse, um das neue Gesetz auch durchzusetzen.

«Wir in der zivilen Gesellschaft müssen wachsam bleiben – damit diese Reformen sicherstellen, dass die US-Märkte für Waren aus Sklavenarbeit nicht offen sind», sagte er.

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Diesen Beitrag hat Daniela Gschweng aufgrund eines Berichts im Magazin «Quartz» und anderer US-Quellen erstellt. Grosse Medien in der Schweiz haben bisher nicht darüber berichtet.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

«The US Congress is finally working to ban..», Quartz
«Congress bans import of forced labor products», Marie Mason, AP
«Barbara Lochbihler: Sklaverei, Menschenhandel und illegale Fischerei in Thailand...», euractiv.de

Eine Meinung

Was dabei vergessen geht:
Im US-Gefängnis-System, wird ein weltweit rekord-hoher Anteil der (jungen, männlichen, schwarzen, aber auch restlichen) Bevölkerung der Zwangsarbeit zugeführt. Das ist die dritte historische Epoche von Sklaverei - Jim Crow - Gulag.
Hier wird nur die Konkurrenz zur eigenen Sklavenarbeit zurückgedämmt.
MfG
Werner T. Meyer
Werner Meyer, am 01. März 2016 um 09:57 Uhr

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