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Die UBS beteiligt sich an einem Konzern, der in die Unterdrückung von Uiguren verstrickt ist

Beschwerde gegen UBS: Beteiligung an Uiguren-Unterdrücker

Tobias Tscherrig / 24. Jun 2020 - Die UBS beteiligt sich an einem chinesischen Konzern, der bei der Massenüberwachung von Uiguren eine zentrale Rolle einnimmt.

Der chinesische Konzern Hikvision gilt als weltweit grösster Entwickler und Hersteller von Überwachungstechnologien. Seine Produkte kommen unter anderem in der chinesischen Provinz Xinjiang zum Einsatz. Dort werden sie für die Massenüberwachung der muslimischen Minderheit der Uiguren gebraucht, die unter dem Vorwand eines Kriegs gegen «Terror» in Umerziehungslagern festgehalten und unter anderem zu Zwangsarbeit gezwungen werden. In den Lagern sollen schätzungsweise über eine Million Menschen interniert sein. Insassinnen und Insassen berichteten von Schlägen, Folter, Vergewaltigungen und Medikamententests.

Obwohl die verheerende Menschenrechtssituation der Uiguren seit Jahren bekannt ist und der Hikvision-Konzern auf einer schwarzen Liste der US-Regierung steht, hält die Schweizer Grossbank UBS gemäss der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) noch immer an ihrer Geschäftsbeziehung mit dem umstrittenen Unternehmen fest. Die GfbV hat am 22. Juni reagiert und beim Schweizer Kontaktpunkt für die OECD-Leitsätze eine Beschwerde gegen die UBS eingereicht.

Hikvision: zentrale Rolle bei Massenüberwachung

Wie die GfbV schreibt, hat der Hikvision-Konzern in der Region Xinjiang Massenüberwachungssysteme im Gesamtwert von fast 300 Millionen US-Dollar installiert. Weiter stelle der Konzern Technologien bereit, die direkt in den uigurischen Zwangslagern Verwendung fänden.

Gemäss den «China Cables», in welchen die Überwachung und Masseninternierung von muslimischen Minderheiten in Xinjiang dokumentiert und analysiert werden, sind schätzungsweise über eine Million Uiguren in Zwangslagern interniert. Die restliche Bevölkerung werde massiv überwacht und kontrolliert.

Hikvision hat sich bislang nicht von seinem umstrittenen Geschäftsfeld distanziert. Noch vor einem Jahr bewarb der Konzern eine Spezialkamera, welche die ethnische Zugehörigkeit von Zielpersonen mit einer Genauigkeit von 90 Prozent bestimmen könne. Als Beispiel nannte der Konzern die Uiguren.

UBS ist mit von der Partie

Gemäss Recherchen der Gesellschaft für bedrohte Völker steht die Schweizer Grossbank UBS seit 2016 in einer Geschäftsbeziehung zu Hikvision. Die UBS sei über Anlageprodukte und Dienstleistungen in den umstrittenen Konzern involviert und verwalte zusätzlich Aktienanteile für unbekannte Investoren. Trotz der bekannten Menschenrechtskrise in Xinjiang und der wiederholten Kritik der UNO und der Schweizer Regierung, habe die UBS Ende 2019 noch immer Produkte im Wert von 6.36 Millionen US-Dollar im Angebot gehabt. Über Anlageprodukte habe die UBS auch weiterhin in den Konzern investiert, die entsprechende Position sei erst im Februar 2020 aufgestockt worden.

Wie die GfbV mitteilt, verwalte die UBS für ihre Kunden zwar nur ein «relativ geringes» Aktienpaket. Trotzdem sei die Schweizer Bank im Zeitraum von 2016 bis 2019 von Hikvision unter den zehn grössten Aktionären aufgeführt worden. Die UBS sei ausserdem die einzige ausländische Bank, die in dieser Zeitspanne in den Geschäftsberichten kontinuierlich aufgeführt werde.

In einer Medienmitteilung übt die GfbV harsche Kritik an der Geschäftsbeziehung von UBS und Hikvision: «Die UBS gehört zu den grössten ausländischen Banken in China und geniesst weltweit ein hohes Ansehen. Diese Involvierung und öffentliche Nennung der UBS verschaffte Hikvision über Jahre eine Legitimität, Glaubwürdigkeit sowie ein positives Klima für weitere Investoren und Anleger.»

«Verstoss gegen OECD-Leitsätze und Ethikkodex»

«Angesichts der zentralen Rolle von Hikvision in der Massenüberwachung der uigurischen Bevölkerung in Xinjiang (Ostturkestan) hat die UBS aus Sicht der GfbV ihre Unternehmensverantwortung ungenügend wahrgenommen», sagt Angela Mattli, GfbV-Kampagnenleiterin. Trotz internationaler Kritik und auch anlässlich eines direkten Gesprächs mit der GfbV habe die UBS keine überzeugenden Schritte präsentiert, die belegen würden, dass sie im Fall Hikvision gemäss menschenrechtlicher Sorgfaltsprüfung gehandelt habe. «Aus diesem Grund ist die GfbV der Ansicht, dass die UBS weder die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen noch ihren eigenen Verhaltens- und Ethikkodex eingehalten hat», sagt Mattli.

So steht zum Beispiel im UBS-Kodex, dass die Bank dafür Sorge trage, dass «mögliche negative Auswirkungen auf die Umwelt und auf die Menschenrechte erkannt, angegangen und eingedämmt werden. Dies umfasst auch soziale und ökologische Risiken, denen unsere Vermögenswerte oder diejenigen unserer Kunden ausgesetzt sind». Weiter will die UBS «den Anforderungen dieses Kodexes jederzeit und ohne Ausnahmen gerecht» werden. Diese Punkte würden bei der Zusammenarbeit mit Hikvision nicht eingehalten – deshalb habe die GfbV eine Beschwerde beim Schweizer Kontrapunkt für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen eingereicht.

Die OECD- Leitsätze für multinationale Unternehmen sind ein Verhaltenskodex, den die Schweiz und viele andere Länder ihren Konzernen auferlegt haben. Die Verletzungen dieser OECD- Leitsätze sind aber nicht sanktionierbar. Allerdings existiert in der Schweiz mit dem Nationalen Kontaktpunkt eine Stelle, welche die Einhaltung der OECD-Empfehlungen überwacht. Geht der Bund auf die Beschwerde der GfbV ein, muss der Nationale Kontaktpunkt ein Vermittlungsverfahren zwischen UBS und GfbV einleiten. Sollte dieses scheitern, muss der Bund eine öffentliche Erklärung abgeben.

Deutliche Forderungen

Mit ihrer Beschwerde will die GfbV erreichen, dass sich die UBS aus allen Aktivitäten, Produkten und Dienstleistungen zurückzieht, welche mit Hikvision in Zusammenhang stehen. Weiter müsse die UBS im Rahmen ihrer Richtlinien sicherstellen, «dass sämtliche Aktiengeschäfte, Anlageprodukte und passive Investitionen einer menschenrechtlichen Sorgfaltsprüfung unterliegen.» Das bedeute auch die Aufnahme von robusten Ausstiegsklauseln in Vereinbarungen, damit sich die Bank aus Geschäftsbeziehungen zurückziehen könne, wenn diese eine negative Auswirkung auf Menschenrechte haben.

Ausserdem fordert die GfbV von der UBS die Schaffung von Transparenz hinsichtlich dem Umgang mit Geschäftspartnern, die in Menschenrechtsverletzungen involviert sind.

UBS lässt sich nicht in die Karten schauen

Wie «Blick» schreibt, hat die UBS ihre Anteile an der Überwachungsfirma in der Vergangenheit «deutlich reduziert». In welchem Umfang sie aktuell noch Aktien an Hikvision hält, wolle die Bank aber nicht sagen. UBS-Sprecher Samuel Brandner lieferte statt einer klaren Antwort ausweichenden PR-Speech: Die UBS habe Massnahmen ergriffen, um bei ihrer Geschäftstätigkeit die Einhaltung der Menschenrechte sicherzustellen.

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Weiterführende Infosperber-Artikel zur Thematik:

Chinas Umgang mit den Uiguren nähert sich dem Genozid

Globale Marken setzen auf Zwangsarbeit von Uiguren

Anti-Terror-Kampagne gegen Jihad in Xinjiang

Spätes Geständnis: China steckt Muslime in Umerziehungslager

Dossier: Chinas Innenpolitik

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

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5 Meinungen

Die Referenz zu «GfbV» scheint etwas nebelig, die Interessenangaben auf deren Homepage inexistent.

Die UBS als Hauptmitverantwortlichen der Uiguren-Überwachung zu bezeichnen scheint doch etwas weit hergeholt. Was sagte Snowden von der NSA ?

Wer immer in den USA investiert ist doch wohl - indirekt - auch an der Überwachung der Frau Merkel durch die NSA mitverantwortlich ?

Eben hat bei Aljezeera eine dunkelhäutige Belgierin bemerkt, dass Leopold II im Kongo für mehr Tötungen Verantwortung trägt als Hitler im 3. Reich. Dafür möchten wir doch nicht auch Glencore verantwortlich machen...
Josef Hunkeler, am 24. Juni 2020 um 12:08 Uhr
Die Schweiz hat ein Flair, bei Menschenrechtsverletzungen sowie Umwelt- und Wasserverschmutzung, verursacht durch ihre Konzerne und Hochfinanz, wegzuschauen. Deshalb braucht es bei der Abstimmung „Konzernverantwortungsinitiative“ ein beherztes JA.
Und das Gleiche für die Initiative „Sauberes Trinkwasser“.
Eliane Studer
Eliane Studer, am 24. Juni 2020 um 12:24 Uhr
Ich finde es schade dass sich IS beim Thema Uighuren so konsequent von dem US Narrativ einwickeln lässt. Ich habe die “Schätzungen“ der Zahlen genau angeschaut: da werden sämtliche Ausgaben für Bildungseinrichtungen in Xinjiang zusammengenommen und als Zwangslager verkauft. Es ist abstossend dass Zwangslager für extremistische Terrorverdächtige von China als “Umerziehung“ bezeichnet werden, somit ist China auch etwas selber schuld, aber diese Insassen stellen aller Wahrscheinlichkeit nach eine ganz kleine Minderheit dar, während die meisten Einrichtungen Weiterbildung und Qualifizierung zum Ziel haben. Es wurden tausende Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen errichtet, und Erwachsenenbildung ist oft verbunden mit einem garantierten Arbeitsplatz, welche Firmen gezwungen werden bereitzustellen. Da ist also viel Sozialpolitik verbunden mit einem kleinen Anteil erzwungener Terrorbekämpfung. In dem Hinblick müsste man tatsächlich fairerweise fragen, wer die Kameras in Guantanamo installiert hat und dort auch zum Boykott aufrufen. Wir, der Westen, profitieren von grauenhaften Methoden der Terrorbekämpfung durch die USA. Da sagen wir (fast) nichts, sind aber stets bereit, vergleichbare Methoden in China zu verurteilen, selbst wenn der Aufbau in Xinjiang wesentlich besser funktioniert als z.B. im Irak.
Harald Buchmann, am 25. Juni 2020 um 05:55 Uhr
Wie so oft ein bemerkenswerter Artikel zu Russland. Derweil SRF nichts besseres einfällt, als die Parade zum Sieg über die Nazis mit der Abstimmung zur neuen Verfassung zu verknüpfen und darüber zu stänkern. Kein Wort zum Skandal, dass bereits nach 75 Jahren kein westlicher Staatschef mehr nach Russland reist um für die Befreiung Dankbarkeit zu zeigen. Mit Rechtsextremen an der Macht in Polen, Ungarn, Italien, Brasilien und den USA, so wie grossen Anteilen in Deutschland und Frankreich ist der Antifaschismus im Westen offenbar nicht mehr opportun.
Harald Buchmann, am 25. Juni 2020 um 06:47 Uhr
Beteiligungen an 'Unterdrückungen' anderer Menschen - insbesondere in den USA und allen mit ihnen beeinflussten' Ländern etc. - stehen 'selbstverständlich' nicht zur Debatte und werden auch NICHT thematisiert ... Von daher sind entsprechende 'Forderungen' - unabhängig von der 'Sachlage' LEIDER auch 'parteiisch' ... - s.a. Beitrag von Harald Buchmann ...
Ulrich Warntjen, am 28. Juni 2020 um 11:37 Uhr

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