Professor Markus Müller: «Das Uni-Sponsoring ist eine Gefahr für die Unabhängigkeit» © Uni Bern

Professor Markus Müller: «Das Uni-Sponsoring ist eine Gefahr für die Unabhängigkeit»

Jetzt verlangen auch Parlamentarier Transparenz

Urs P. Gasche / 12. Apr 2013 - Die Uni Zürich soll den Medien ihre Professoren empfehlen, aber auch deren Interessenbindungen angeben, fordern Kantonsräte.

Die Universität Zürich empfiehlt Zeitungen, Fernsehen und Radio neustens im Internet ihre Professoren als Auskunftspersonen. Eine Stellungnahme eines fachkundigen Professors einholen, wird leicht gemacht. Doch die Interessenbindungen der Professoren will die Universität nicht bekannt geben.

Deshalb verlangen jetzt einige Zürcher Kantonsparlamentarier mit einer parlamentarischen Initiative, dass die Universität die Interessenbindungen der Professoren in einem öffentlichen Register publik machen muss. Das Universitätsgesetz soll die Offenlegung folgender Interessenbindungen vorschreiben:

  • aus Drittmitteln finanzierte Lehrstühle und deren Personal,
  • die Erbringung von Dienstleistungen zugunsten Dritter,
  • Nebentätigkeiten und öffentliche Ämter, sofern sie nicht offensichtlich ohne Zusammenhang zur wissenschaftlichen Tätigkeit ausgeübt werden.

Unter die Initianten befinden sich Kantonsräte der Grünen, der SP und der GLP. Sie begründen ihre Forderung damit, dass Hochschulforscherinnen und -forscher im öffentlichen Auftrag arbeiteten und mit öffentlichen Mitteln. Anders als etwa in der Politik, wo die Offenlegung von Interessenbindungen aus dem Parlamentsbetrieb nicht mehr wegzudenken sei, bestehe für das wissenschaftliche Personal der Hochschulen bisher keine analoge Pflicht, für Transparenz zu sorgen.

Die Universität hält dies Transparenz für unnötig

«Der neue Online-Expertenservice der Universität Zürich bringt Medien mit rund 400 Professoren in Kontakt», verkündete das Journal der Universität. Auf der «Expertenseite» kann man nach Themen-Kategorien, einzelnen Themen oder auch nach Stichworten suchen und die zuständigen Professoren finden, einschliesslich ihrer Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Webseiten. Diese Dienstleistung hat sich im Internet-Zeitalter schon längst aufgedrängt. Es ist erfreulich, dass die Universität Zürich damit startet.

Die Suchmaschine hat jedoch zwei grössere Nachteile:

Erstens findet man nur Professoren der Universität Zürich und diese hat keinerlei Absichten, die Datenbank auch andern Universitäten und der ETH zu öffnen. Das erklärte die Medienbeauftragte Nathalie Huber gegenüber Infosperber.

Zweitens findet man keinerlei Angaben über Interessenbindungen und mögliche Interessenkonflikte der Professoren. Gerade für Medien ist es wichtig zu wissen, welche privaten Mandate ein Professor ausübt, und von welchen Firmen er oder sein Universitäts-Institut Drittgelder entgegen nimmt. Die Mediensprecherin hält Angaben von Interessenbindungen und möglichen Interessenkonflikten allerdings für unnötig, weil die Angefragten «Antworten geben als Professoren der Universität Zürich».

Es sei daran erinnert, dass Konzerne und private Stiftungen ganze Professuren sponsern. Der Universität Zürich zum Beispiel zahlt die Grossbank UBS hundert Millionen Franken für ein ökonomisches Universitätsinstitut. Der Berner Staatsrechtsprofessor Markus Müller sieht darin eine schleichende Problematik: «Die Universitäten verändern sich immer mehr in Richtung privatwirtschaftliche Unternehmen.» Die Universitäten seien immer weniger Hort unabhängigen Denkens, als vielmehr Profitcenter in einer Wissensindustrie. Einen entsprechenden Warnaufruf haben neben Müller 26 weitere Persönlichkeiten, fast alles Professoren, unterzeichnet.

Universitäten erhalten zu wenig Steuergelder, weshalb sie immer mehr nach privaten Drittgeldern Ausschau halten. Es zahlt jedoch selten ein Konzern oder sonst ein Sponsor, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Heute stammen rund zehn Prozent des Budgets der Universität Zürich aus privaten Quellen.

Ein Beispiel aus St. Gallen: Als Martin Eling, Professor für Versicherungswirtschaft an der Universität St. Gallen, für eine Senkung des Umwandlungssatzes für Renten argumentierte, wäre es für die Öffentlichkeit wichtig gewesen, gleichzeitig zu erfahren, dass sein Lehrstuhl vom Schweizerischen Versicherungsverband und mehreren Versicherungskonzernen finanziert wird.

Im Bereich der Medizin hat die international besetzte «Cochrane Methodologie Review Group» in einer im Dezember 2012 veröffentlichten Studie nachgewiesen, dass von Konzernen mit finanzierte Studien den Nutzen von medizinischen Geräten und Medikamenten signifikant positiver darstellen als neutral finanzierte Studien. Auch stimmten die (allzu positiven) Schlussfolgerungen in den «Summarys» häufig nicht mit dem Inhalt der Studien überein.

Eine volle Transparenz über die Geldflüsse an Professoren und universitäre Institute sollte selbstverständlich sein. Doch traurig, aber wohl wahr: Längst nicht alle der 400 Professoren hätten sich in die Datenbank eintragen lassen, wenn sie ihre finanziellen Quellen und Nebentätigkeiten gegenüber der Öffentlichkeit hätten offen legen müssen.

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Siehe «Appell gegen Wissenschafts-Sponsoring durch UBS» von Christian Müller, 2.3.2013

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Cochrane-Studie vom Dezember 2012: «Industry sponsorship and research outcome»
Parlamentarische Initiative zur Transparenz der Interessen im Wortlaut

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Eine Meinung

Interessenverbindungen Prof. Dr. iur. Rolf U. Watter, Titularprofessor für «Handels- und Wirtschaftsrecht» der Universität Zürich: Er trägt viele Hüte:
Selbst Aktionärsvertreter kritisieren die Ämterkumulation und die fehlende Unabhängigkeit eines der einflussreichsten Wirtschaftsanwälte der Schweiz, angesiedelt bei der zweitmächtigsten Anwaltskanzlei der Schweiz: «Bär & Karrer» Zürich.
Soeben vom Mitglied zum VR-Präsidenten der Postfinance aufgestiegen. Danebst soeben am 04.04.2013 anlässlich der GV von «Zurich Insurance Group Ltd.» in zwei Verwaltungsräten wiedergewählt worden. Weiter nicht schlimm, zugegeben. Und doch: Watters Unabhängigkeit kann keine sein: «Zurich» u^. Postfinance arbeiten zusammen. Postfinance bietet ihren Kunden Spezialbedingungen bei allen Versicherungsleistungen von «Zurich Connect» in exklusiver Weise an. Bei UBS, welche der Universität Zürich einen nicht unbedeutenden Sponsoring hat zukommen lassen, sitzt Herr Prof. Watter als Vizepräsident der «UBS Alternative Portofolio AG". Übrigens handelt es sich bei Herrn Prof. Watter um den Sohn DES berühmten Herrn «UBS-Watters".
Peter Barbara Siegenthaler, am 10. April 2013 um 19:34 Uhr

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