«Holt das Gold aus den USA zurück», fordert der «Spiegel»
Das Vermögen von Nationalbanken gilt als unantastbar. Deshalb platzierte Russland einen Teil davon im Westen. Und deshalb sieht die Deutsche Bundesbank kein Problem damit, mehr als ein Drittel ihrer Goldreserven in den USA zu lagern.
«Holt das Gold zurück», titelte jedoch kürzlich der «Spiegel». Präsident Donald Trump habe mehrfach bewiesen, dass ihn «internationales Recht nicht die Bohne interessiert».
Finanzredaktor Tim Bartz hält es für «verantwortungslos», 1236 Tonnen deutsches Gold im Wert von rund 150 Milliarden Euro in einem Land zu lagern, «dessen Führung keine Skrupel mehr kennt». Die Heimholung mit der Begründung «Germany first» sollte den Super-Nationalisten Trump doch überzeugen, meinte er. Seit 2013 hat die Bundesbank lediglich 300 Tonnen aus den USA zurückgeholt.
Allerdings hatte der gleiche «Spiegel» die Nutzung von Staatsvermögen der russischen Zentralbank in Höhe von über 200 Milliarden Dollar für die Ukraine eher befürwortet. Das meiste russische Zentralbankgeld im Ausland verwahrt das europäische Clearinghaus Euroclear in Belgien. Für die Zweckentfremdung des russischen Nationalbankgeldes haben sich insbesondere Kanzler Friedrich Merz und EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen eingesetzt. «Am Ende hat die EU der Mut dann doch wieder verlassen», bedauerten die Tamedia-Zeitungen.
«Wehret den Anfängen», kommentierte Peter A. Fischer in der «NZZ». Falls das Eigentum der russischen Zentralbank nicht respektiert werde, «wer garantiert dann», dass «in New York aufbewahrtes Gold und Geld von Zentralbanken unantastbar bleibt»? Und wie sehr können wir noch darauf vertrauen, «dass in einem Konfliktfall beispielsweise die USA nicht plötzlich auf Schweizer Vermögenswerte zugreifen»?
Kein Schweizer Gold mehr in den USA
Statt ihr Gold mit Flugzeugen und Schiffen aus den USA zurückzuholen und dadurch internationales Aufsehen zu verursachen,, verkaufte die Schweizer Nationalbank in den Jahren 2000 bis 2005 nach eigenen Angaben insgesamt über 1300 Tonnen ihrer Goldreserven im damaligen Wert von rund 14,5 Milliarden Dollar – darunter sämtliche ihrer Bestände in den USA. Heute wären diese 1300 Tonnen rund 188 Milliarden Dollar wert – 13 Mal so viel. Für den damaligen Verkauf war wesentlich Nationalbank-Direktor Jean-Pierre Roth verantwortlich.
Nach weiteren Goldverkäufen in den folgenden Jahren besitzt die Schweizer Nationalbank heute nur noch 1040 Tonnen Gold: rund 70 Prozent davon in der Schweiz, 20 Prozent bei der Bank of England und 10 Prozent bei der Bank of Canada.
Am 30. November 2014 lehnten die Abstimmenden mit einem Nein-Anteil von 77 Prozent eine Volksinitiative ab. Sie verlangte, die Nationalbank solle mindestens 20 Prozent ihrer Reserven in Gold halten (damals waren es rund 8 Prozent). Ende 2014 kostete ein Kilo Gold 38’000 Dollar – heute rund 144’000 Dollar. Hätte die Nationalbank damals ihre Goldreserven aufgestockt, hätte sie ihr Vermögen um viele Milliarden erhöht.
Trotz des ablehnenden Volksentscheids schlug Peter Bernholz, emeritierter Professor für Nationalökonomie an der Universität Basel, Anfang 2015 vor, die Nationalbank solle vom damals niedrigen Goldpreis profitieren, ihre Anlagepolitik überprüfen und den Anteil «realer Werte wie Gold deutlich erhöhen».
Die Nationalbank war dagegen, unter anderem weil bei einem höheren Goldanteil an den Reserven «die Gewinnausschüttung an Bund und Kantone tiefer ausfallen dürfte».
Ironie der Geschichte: Der im letzten Jahr stark gestiegene Wert der Goldreserven erlaubt es der Nationalbank im laufenden Jahr, Kantonen und Bund vier Milliarden Franken auszuschütten.
Zweifel an der Unantastbarkeit der Goldreserven
Die Deutsche Bundesbank besitzt heute rund 3350 Tonnen Gold im Wert von rund 400 Milliarden Euro. Davon lagern 37 Prozent im Wert von 150 Milliarden Euro bei der Federal Reserve Bank of New York.
Während des Systems mit fixen Wechselkursen tauschten die Notenbanken ihre Dollar, die sie vom Umtausch von Exporteuren in Deutschen Mark oder Franken erhielten, in Gold um. Für 35 Dollar gab es eine Feinunze. Das entsprach gut einer Million Dollar für eine Tonne. Nachdem die USA 1971 den fixen Goldpreis aufgaben, stieg der Preis des Goldes.
Um sich im Kalten Krieg gegen einen sowjetischen Angriff zu schützen und das Gold notfalls rasch in Dollar, Pfund Sterling oder Francs umtauschen zu können, verteilten die Bundesbank und die Schweizer Nationalbank einen grossen Teil der Goldreserven auf die Zentralbanken in New York, London und Paris.
Als Erster hatte der französische Präsident Charles de Gaulle befürchtet, dass es mit der Golddeckung des Dollars bald zu Ende sei und holte zwischen 1963 und 1966 mit Schiffen und Flugzeugen über 3000 Tonnen Nationalbank-Gold nach Europa zurück. De Gaulle sah in der Konzentration von Gold in US‑Tresoren auch ein potentielles Druckmittel Washingtons. Gold im Ausland könnte im Konfliktfall eingefroren oder als Faustpfand benutzt werden.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.
Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









Ihre Meinung
Lade Eingabefeld...