50 Prozent weniger Zucker und Salz, 60 Prozent höherer Preis
«50 % weniger Zucker & Salz.» So bewirbt der US-Konzern Heinz sein zucker- und salzreduziertes Ketchup. Die vordergründig gesündere Variante hat ihren Preis. Bei Coop und Migros kostet eine Halbliter-Flasche statt 3.30 Franken satte 5.25 Franken.
Mit Steviolglycosiden
Interessanter als der Preis ist allerdings die Zutatenliste. Das zucker- und salzreduzierte Ketchup enthält zwar 18 Prozent mehr Tomaten. Doch diese liefern offenbar nicht genügend Süsse. Deshalb setzt Heinz dem Ketchup auch noch Steviolglycoside aus der Stevia-Pflanze zu.
Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) «gibt es Hinweise, dass gewisse Inhaltsstoffe der Stevia-Pflanze bei zu hoher Dosierung die Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten gefährden könnten. Zudem gehört die Stevia zu den Korbblütengewächsen, welche für ein hohes Allergierisiko bekannt sind.»
Vier Milligramm pro Kilo
Es gibt auch Hinweise, dass Steviolglycoside in hohen Dosen Krebs auslösen und das Erbgut schädigen könnten. Die Uno-Ernährungsorganisation (Fao) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen daher eine maximale Tagesdosis von vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ebenfalls.
Infosperber fragte deshalb bei Migros und Coop nach, wie viel Steviolglycoside in 100 Gramm Ketchup enthalten seien.
«Rezepturgeheimnis»
Die Antwort der Migros: «Aufgrund des Rezepturgeheimnisses können wir keine Angaben des Herstellers kommunizieren.»
Die Antwort von Coop: «Für die Rezepturen ist der Markenhersteller verantwortlich.»
Das ist dreist. Denn immerhin geht es um die Gesundheit der Kunden und vor allem um die Gesundheit ihrer Kinder. Denn namentlich bei geringem Körpergewicht ist die maximale Tagesdosis rasch erreicht. Infosperber fragte bei den beiden Detailhändlern nochmals nach:
- Wie soll ein Kunde wissen, wie viel Ketchup er beziehungsweise seine Kinder verzehren dürfen?
- Ist die Wahrung des Rezepturgeheimnisses wichtiger als die Gesundheit der Kunden?
- Wissen Sie überhaupt, wie viel Steviolglycoside das Ketchup enthält?
Die Migros macht es sich einfach und schreibt, beim Heinz-Ketchup handle es sich nicht um ein Migros-Eigenprodukt. Deshalb solle man sich doch bitte an den Hersteller wenden. Coop schreibt lapidar: «Das Produkt entspricht den Vorschriften und ist daher auf dem Schweizer Markt zugelassen.» Aber darum geht es ja nicht. Es geht darum, dass der Kunde erfährt, wie viel Ketchup er verzehren darf. Und diese Information verweigern Coop und Migros.
Deshalb die Frage an den Ketchup-Hersteller Heinz: «Wie hoch ist der Anteil an Steviolglycosiden?» Heinz beantwortet die Frage nicht.
Zum hohen Preis sagen Coop und Migros nichts Konkretes. Nur dass die Zusammensetzungen der beiden Ketchups unterschiedlich seien und dass die zucker- und salzreduzierte Variante bereits im Einkauf mehr koste.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









Drei Sachen zum Thema: 1) Geschmacklich wird zusätzlicher Zucker eigentlich nicht benötigt. Er dient den Herstellern als Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel. Tomaten enthalten von Natur aus genug Fruchtzucker, um dem Ketchup einen süßen Geschmack zu geben. 2) Als Zuckerersatz zugesetzte Steviolglycoside oder Sucralose sind für uns Menschen unnatürlich; wir nehmen sie nirgends in natürlicher Form zu uns. Sie gaukeln Zuckergehalt vor. 3) Der Zuckergehalt ist mittlerweile astronomisch: ca. 20 g / 100 ml – das sind 100 g Zucker auf 500 ml Ketchup. Eine ganze Müslischüssel voll Zucker! Fazit: Wir alle sind an viel zu süße Industrieketchupsorten gewöhnt – ob mit Zucker oder Ersatzstoff, ob konv. oder bio. Hier müssten wir wieder in eine natürliche Geschmacksbildung zurück.
Ja viel Erfolg, wenn es um die Rezeptur solch eines «kultigen» Produkt geht 😂
Stevia wenigstens (noch) besser als Sucralose, da kommen gesundheitliche Probleme ungeahnter Grössen auf uns zu…
Vor ein paar Wochen habe ich hier in den USA eine Fernsehsendung gesehen u.a. Über dieses Heinz Ketchup. Da wurde darauf hingewiesen dass die europäische Version viel gesünder sei als die amerikanische, da in den USA Konservierungsmittel beigefügt werden die in Europa nicht erlaubt sind. Demzufolge bringt Heinz in Europa eine gesündere Version auf den Markt.
Da ist doch (hoffentlich) das letzte Wort noch nicht gesprochen. Soviel Arroganz schreit nach Boykott.
Ich finde, wer Produkte von Konzernen wie Heinz kauft, hat eine denaturierte Grundeinstellung. Was ist denn von solchen Firmen zu erwarten? The Kraft Heinz Company, ein grosser US-amerikanischen Lebensmittelkonzern, der 2015 aus der Fusion von Kraft Foods und H. J. Heinz entstand und seinen Hauptsitz in Chicago und Pittsburgh hat.
Ich lese in Medien «Hochverarbeitete Lebensmittel als Risiko für frühen Tod» und «Der Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln (UPFs) nimmt zu und die Menschen essen davon immer mehr».
Mein Rat: Möglichst alles Essen unverarbeitet und Bio kaufen und selbst zubereiten. Einfachheit. Ich frage mich, welche «Bausteine» der Körper braucht. Besten Quellen für Eiweiss, Fett? LowCarb, die besten Früchte: Kanadische Wildheidelbeeren tiefgekühlt, Saft, Granulat. Evtl. separat Vitamine B12, D, C. Zink etc. – Daraus ergibt sich das Menü.