Post-Agentur: Werbebild der Post AG © Post AG

Das ist «Service public» nach der Volksabstimmung

Urs P. Gasche / 28. Dez 2016 - In Post-Agenturen einiger Touristenorte erhalten Postcard-Besitzer nur 50 Franken Bargeld ausbezahlt. Und kaum Briefmarken.

Postagenturen, die Postämter ersetzen, haben meistens einen grossen Vorteil: Sie sind länger geöffnet. Doch die Freude ist zuweilen von kurzer Dauer. Denn die Post AG schreibt neuen Post-Agenturen an stark frequentierten Touristenorten nur vor,

  • wenigstens drei Briefmarken anzubieten (85 Rappen, 1 Franken sowie 1.50 Franken für A-Post ins Ausland). Ausländische Gäste, die Karten oder Briefe mit B-Post ins Ausland senden möchten, bekommen keine 1.40er Marken und auch keine 10-Rappen-Marken zum Ergänzen.
  • bei Postcard-Barbezügen müssen die Agenturen nur 50 Franken pro Tag garantieren.

Zu mehr seien sie nicht verpflichtet, erklärten Verantwortliche von Post-Agenturen. In den neuen Post-Agenturen der Walliser Ferienorte Riederalp und Bettmeralp beispielsweise, mit denen sich Touristen diesen Winter an Stelle der beiden geschlossenen Poststellen zum ersten Mal anfreunden müssen, hängt es vom Kassenbestand der Agentur-Betreibenden ab, ob über den Mindestbetrag hinaus auch mal 100 oder 150 Franken ausbezahlt werden.

Touristenorte Riederalp und Bettmeralp VS: Keine Post mehr, kein Postomat mehr

Wer meint, es seien Postomaten vorhanden, täuscht sich. Auf der Riederalp gibt es keinen mehr. Auf der Bettmeralp befindet sich zwar noch einer an der Wand der ehemaligen Post. Doch darüber hängt ein Informationsblatt der Post: Dieser Postomat sei leider kaputt, werde jedoch «schnellstmöglich» wieder in Betrieb genommen.

Der Zettel hängt jetzt schon mehrere Wochen. Er verweist als «Alternative»

  1. auf andere Poststellen. Solche gibt es aber nur noch weit im Tal unten;
  2. auf Barbezugs-Möglichkeiten in der Migros. Dummerweise gibt es weder auf der Bettmeralp noch auf der Riederalp eine Migros.

Wer mit einer normalen Postcard Geld an einem vorhandenen Bancomaten beziehen möchte, wird mit einer Gebühr von 2 Franken bestraft – ausser man verfüge über ein genügendes Polster. Postfinance-Kunden mit mehr als 25‘000 Franken auf ihren Post-Konten können das «Set Plus» wählen und dann Bargeld an allen Bancomaten spesenfrei beziehen.

Post: «Das Angebot in den Agenturen ist nicht im Detail geregelt»

Infosperber wollte bei der Post AG erfahren, welche Mindestleistungen Post-Agenturen in bestimmten Regionen oder Städten überhaupt anbieten müssen («Wie viel Bargeld abheben?, «Briefmarken mit welchen Frankaturen?»). Ausweichend antwortete Post-Sprecherin Jacqueline Bühlmann mit Standard-Sätzen: «Das Postagenturmodell deckt die gesetzlich geforderte Grundversorgung mit Postdiensten ab ... Welche Dienstleistungen Sie in einer Postagentur erhalten, können Sie der beigefügten Broschüre entnehmen.»

Auf die Rückantwort von Infosperber, weder im Postgesetz noch in der erwähnten Broschüre fänden sich konkrete Antworten auf unsere Fragen, rückte die Post-Sprecherin endlich mit der offensichtlich richtigen, aber unbefriedigenden Antwort heraus:

«Das Angebot in den Agenturen ist nicht im Detail geregelt

Auch die Verordnung zum Gesetz enthält keine Mindestanforderungen etwa für den Bargeldbezug oder das Angebot an Briefmarken. Was die viel beschworene Grundversorgung im Detail heisst, kann die Post AG im Rahmen der allgemein formulierten gesetzlichen Bestimmungen also selber bestimmen.

Die Abstimmung «Pro Service public» ist vorbei. Die Initiative hätte es nötig gemacht, dass die Leistungen der «Grundversorgung» gesetzlich definiert werden. Doch die Initiative wurde mit grossem Mehr verworfen.

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Postcard-Besitzer

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Eine Meinung

Das Argument, dass die Kundenfrequenzen in den Postfilialen abgenommen haben, ist nicht stichhaltig, denn wenn ich unsere Poststelle besuche, habe ich Wartezeiten. 2-3 Personen stehen meist vor mir am Schalter. Die Post ist nach wie vor ein Bundesbetrieb und der Bundesrat hätte es in den Händen dem Filialabbau Grenzen zu setzen. Leider ist aber von dieser Stelle nicht viel zu erwarten.
Peter Gadient, am 28. Dezember 2016 um 13:43 Uhr

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