Die USA unterhalten mehr als 700 Militärbasen im Ausland © GlobalSecurity
Eine volle Seite Kriegshetze © NZZ

Die NZZ ruft zum Krieg gegen Russland auf

Christian Müller / 21. Jun 2016 - Die NZZ erinnert an den noch immer ungelösten Ukraine-Konflikt. Sie bedauert, dass der Westen militärisch nicht interveniert hat.

Es ist schlicht unglaublich: Die NZZ, die (immer noch) bedeutendste und renommierteste Zeitung der Schweiz, oft zitiert in ausländischen Presseschauen, sich selber als Weltblatt verstehend, betreibt Kriegshetze vom schlimmsten. In der gleichen Samstagsausgabe, in der Chefredaktor Eric Gujer Europa dazu aufruft, sich zu einigen und näher an die USA zu rücken, schreibt der NZZ-Korrespondent Christian Weisflog in Moskau einen Kommentar – mit einem farbigen Bild von ukrainischen Manövern aufgeblasen auf eine volle Seite – , in dem er ausdrücklich bedauert, dass auf der Krim nicht tüchtig geschossen wurde. Mit dem Verzicht auf eine militärische Intervention in der Ukraine, so Weisflog, hätten die USA und die EU die Ukraine verraten und damit Putin freie Hand gegeben, beliebig Grenzen zu verschieben.

Für Christian Weisflog – und damit für die NZZ – sind die Friedensabkommen von Minsk eine Katastrophe, weil sie Kiew zwingen, die Ukraine zu dezentralisieren. Die Friedenabkommen von Minsk, zustande gekommen mit weltweit anerkannter Schweizer Mediation, mit dem Ziel, die Kriegshandlungen in der Ostukraine zu stoppen: eine Katastrophe! Ein Schweizer, in Schlieren bei Zürich in der Schweiz aufgewachsen und vermutlich schon seit der Primarschule mit der Tatsache vertraut, dass in der Schweiz mehrere Sprachen gesprochen werden und verschiedene Konfessionen nebeneinander Platz haben, kritisiert den selbst von der UNO und vom UNO-Sicherheitsrat mitgetragenen Auftrag an Kiew, die verschiedenen Kulturen in der Ukraine endlich zu anerkennen!

Der Westen sei für Russland keine Bedrohung, schreibt Weisflog, diese Bedrohung sei eine reine Propagandalüge Putins, um seine Machtspiele spielen zu können. Hat Christian Weisflog in Moskau vielleicht keine Internetverbindung und ist nicht in der Lage, sich zu informieren, wo überall US-amerikanische Militär-Basen unterhalten und neu eingerichtet werden? Die USA selber bestätigen den Unterhalt von über 700 Militärbasen im Ausland! Über 700 Militärbasen ausserhalb der USA! Und das soll andere Länder einfach kalt lassen? Wissend, dass die USA zum Beispiel 2003 mit erlogenen Begründungen im Irak einmarschiert sind und das Land zerstört haben?

Die Ukraine ist (noch) kein «Nationalstaat»

Wer die Ukraine von eigenen Reisen auch nur ein wenig kennt, wer nicht nur in Kiew, sondern vielleicht auch in Odessa, auf der Krim, im Osten der Ukraine oder zum Beispiel in Transkarpatien war und dort jeweils auch direkten Kontakt mit der Bevölkerung hatte, der weiss, wie historisch und kulturell heterogen die Ukraine ist, wie verbittert die Leute vielerorts sind, weil Kiew ihnen selbst die eigene Sprache zu sprechen zu verbieten versucht, und wie etliche Regionen sich von Kiew wirtschaftlich benachteiligt und kulturell diskriminiert fühlen. Aber nein, nach Christian Weisflog gibt es für die ganze Misere in diesem Land nur einen Verursacher, nur einen Schuldigen: Putin. So einfach ist die Welt! Und sowas publiziert die NZZ!

Ein Kommentar zur Ukraine, der direkt von der Nato bestellt und von der Nato bezahlt wäre, könnte nicht einseitiger ausfallen. Aber leider gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die NZZ für die Publikation solcher Kriegshetze-Artikel schämt. Im Gegenteil, solche Kommentare werden im Layout auf eine volle, attraktive Seite aufgeblasen. Man muss sich mittlerweile als Leser bald schämen, immer noch – neben anderen Blättern – auch in die NZZ zu schauen.

Immerhin, einen kleinen Trost gibt es: liest man die über 500 Kommentare unter dem Artikel von Christian Weisflog, dann sieht man, dass sich viele NZZ-Leserinnen und -Leser nicht mehr ganz alles bieten lassen.

Wer eine differenziertere Analyse des Ukraine-Konflikts lesen will, der greife zum Beispiel zu Erhard Eppler, in gekürzter Fassung zu lesen auch auf Infosperber.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

NZZ: Lügner dürfen öffentlich reden (auf Infosperber)
Die 7 wichtigsten Fehler in der Ukraine-Krise (auf Infosperber)
Transkarpatien: keine Identifikation mit Kiew (Christian Müller in der GAZETTE)

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10 Meinungen

Wie würde die NZZ reagieren, wenn Russland wie die USA auf anderen Kontinenten während Jahren, Woche für Woche mit Drohnen Menschen, «Verdächtige» töten würde?

Sowohl der Info Sperber, die NZZ und die Schweizer Medien wagen es nicht auf den riesigen Balken im Auge der USA hinzuweisen, auf die absurde Verschwörungstheorie von den Terrorattacken vom 11. September 2001. Zahllose Ungereimtheiten sind in dieser 9/11 Story enthalten, mit der Krieg gegen der Terror der USA und der NATO gerechtfertigt wurde, die Bombardierung Afghanistans, der Krieg gegen den Irak usw.

Architekten, Ingenieure (http://www.ae911truth.ch/) und Piloten (http://pilotsfor911truth.org/) haben ausführlich diese ganze Osama Bin Laden Al Kaida Verschwörungstheorie untersucht, diese so perfekten Terrorattacken auf das World Trade Center in New York, auf das US Kriegsministerium Pentagon in Washington, die Lahmlegung der ganzen Luftabwehr der USA am 11. September 2001, der seltsame Einsturz eines dritten Wolkenkratzers im World Trade Center, ohne das ein Flugzeug hineingeflogen war usw. BBC meldete den Einsturz dieses dritten Wolkenkratzers des World Trade Center schon 20 Minuten vorher, was sicher den meisten Schweizer Medienleuten auch längst bekannt ist.

Siehe auch:
Global Research Kanada: THE 9/11 READER. The September 11, 2001 Terror Attacks
http://www.globalresearch.ca/the-911-reader-the-september-11-2001-terror-attacks/5303012
Heinrich Frei, am 21. Juni 2016 um 12:15 Uhr
Kriege sind doch das Manna der Waffenlobby und der Waffenindustrie! Und mit korrupten mafiösen Systemen und Regierungen rollt der sprichwörtliche Rubel noch leichter!
Hermann K.J. Fritsche, am 21. Juni 2016 um 12:19 Uhr
Danke Christian Müller und danke Infosperber für diese Berichterstattung! Ja, Infosperber ist sehr wichtig!
Beda Düggelin, am 21. Juni 2016 um 13:15 Uhr
Das ist Journalismus wie ich ihn mag, vielen Dank Infosperber, Herr Müller und Mitwirkende für diesen Beitrag. Offenbar haben da einige keine Ahnung, was für Kräfte hinter dem Ukrainekonflikt stehen bei der NZZ. Auch scheint die NZZ keine oder nur wenig Ahnung zu haben über das Potential von Russland, einerseits Wirtschaftlich und andererseits Militärisch. Dazu kommt noch, dass der Bildungsstand in Russland immens höher ist als es bei uns zugegeben wird. Ob es bei der NZZ überhaupt eine Person gibt, welche einen oder mehrere Russen kennt und sich mit diesen austauscht? Irre ich mich, oder gibt es in unserem Land eine pro Usa Anti-Russland Probaganda? Danke und Gruss B. Gubler
Beatus Gubler, am 21. Juni 2016 um 13:46 Uhr
Zur Ausrichtung der NZZ fand ich sehr erhellend: https://swisspropaganda.wordpress.com/die-nzz-studie/

Derartige Beiträge sind in Deutschland leider häufig. Beunruhigend, dass die Zeitungen nun sogar in der Schweiz zunehmend kriegslüstern werden.
Sandra Reinhart, am 21. Juni 2016 um 15:09 Uhr
Ich glaube, die Karte hat Wheelus in Lybien vergessen. Natürlich hat Khadaffi diese grösste Basis ausserhalb der USA bei seiner Machtübernahme 1969 geschlossen...

Containment ist ein alter Sport der US- und Nato-Generäle. Sandkastenspiele sind der Zeitvertreib oisiver Wasp-Kinder.

Bei unserem Besuch im Kissinger-Security Center in Washington 1972 hat mich mein damaliger libysche Kollegen auf die Namenschilder der Türen der Top-Etage aufmerksam gemacht. Nur blonde blauäugige Leute schienen damals dort Arbeit zu finden. Alle diese Leute sind nun tot, aber die Geisteshaltung der Leute «am Drücker» hat nicht geändert.

Was mich immer wieder erstaunt ist das kurze Gedächtnis unserer Artikelschreiber.

Aber die NZZ war schon immer etwas einseitig. Das war das Resultat einer meiner Science-po-Seminararbeiten 1968 zur Berichterstattung zum Vietnamkrieg. Daran hat sich kaum etwas geändert. Unter 150 publizierten Artikeln in einem 3-Wochenintervall gab es immerhin einen mit deutscher und zwei mit französischen Quellen. Der Rest war AP und UPI.

Schön ist, dass das bei uns niemand sieht oder sehen will. Ist das wirklich schön ?
Josef Hunkeler, am 21. Juni 2016 um 19:49 Uhr
Kriegstreiber, Kriegsgewinnler und einäugige Scharfmacher im Dienst unserer Demokratie:
«Die Welt ist ein Pulverfass; die Lunte brennt!»
Am 19. November 2015 Divisionär a D Peter Regli, ehemaliger Chef schweizerischer Nachrichtendienst, in Glarus. Er hielt auf Einladung der Glarner Offiziersgesellschaft, GOG, einen öffentlichen Vortrag.

«Unsere Welt gerät aus den Fugen . . . und Grenzen werden
verändert.» Die demokratischen Rechtssysteme seien bedroht. In Bezug auf den Krieg in der Ostukraine meinte Regli: «Putin hat den Krieg zurückgebracht nach Europa.» Und zudem: «Russland hat grosses Interesse an Syrien.»

http://www.fridolin.ch/uploads/PDF-Zeitung-Archiv/20151126/Seite_01.pdf
http://www.gog-glarus.ch/event/wer-bedroht-die-schweiz/

Einseitiger geht es kaum. Offiziere unserer Milizarmee helfen mit den USA und der NATO Spannungen zu schüren.
Spannungen verleihen jeder Verteidigungsarmee ihre Existenzberechtigung.
Armee stärken heisst demnach Feindbildpflege und Aufhetzung, ist einfacher als Entspannung, stärkt zudem das Selbstbewusstsein alter Krieger hinter den Fronten.
Die NZZ ist leider nicht so einsam...
(mein besorgter Brief an die «GOG» wurde nicht beantwortet)
Urs Lachenmeier, am 22. Juni 2016 um 14:41 Uhr
@Urs Lachenmeier: Absolut mit Ihnen einverstanden! Wann erewacht die Schweiz, d.h. wann erwacht unser Bundesrat, unser Bundesparlament und das ganze VBS? Die Lunte brennt längst, aber selbst Div aD Regli wird nicht beachtet!
Beda Düggelin, am 22. Juni 2016 um 15:36 Uhr
Guter Artikel! Danke.

Dass Eric Gujer nicht mehr zu helfen ist, war mir nach seinem (Antritts-?) Artikel (http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/liberale-sind-skeptisch-und-rebellisch-1.18523027) schon bewusst. Dazu schrieb ich vor nicht allzu langer Zeit:

«Lieber xxx,

Was den Artikel in der NZZ angeht, da habe ich nur einen Kommentar: dem Verfasser Eric Gujer empfehle ich aller wärmstens Zen.

Ansonsten kann die NZZ – ehemals ein gutes Blatt – schon seit Jahren nicht mehr mithalten mit internationalen Medien wie zum Beispiel WikiLeaks, New York Times, dem Guardian, Al Jazeera, Huffington Post, Heise.de, Espresso, Spiegel (obwohl: der wird auch rasant schlechter!), Wired, Financial Times und ein paar exzellenten kleinfeinen Newsagenturen wie Democracy Now (sicher eines der besten News Outlets unserer Zeit). […] Auch da habe ich einen guten Queschnitt von rechts bis links zwischen der Webseite des Bundes (sehr gut!), Tagi, NZZ, Weltwoche und WoZ.

Ein Blick auf die erste Seite des Geschäftsberichts der NZZ (Bilanz!) sagt sehr viel und auch viel über Eric Gujer’s Artikel.»

Hier der Link zum NZZ-Geschäftsbericht, der zeigt, dass die NZZ in den letzten Jahren kontinuierlich massiv schlechter finanziert ist. Wie lange noch, bevor sie von einem «Privatier» abhängig wird? http://lbwp-cdn.sdd1.ch/nzz-mediengruppe/files/1458567037/gb2015_komplett.pdf
Caio Gutzwiller, am 26. Juni 2016 um 11:37 Uhr
Immer wieder verblüffend zu sehen, wie beflissen sich das einstmals, vor langer Zeit angesehene Weltblatt NZZ zum devoten Sprachrohr der NATO und der USA degradieren lässt. Dies war schon zur Zeit des Vietnamkriegs so und hat sich folgerichtig fortgesetzt, über den frenetischen Beifall für den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg von Bush und Blair im Irak bis zur publizistischen Kriegstreiberei heute im Ukrainekonflikt. Kein Wort zur fatalen Einkreisungspolitik der NATO gegenüber Russland. Kein Wort wird dafür verloren, dass der Westen an Russlands Südgrenze den skrupellosen georgischen Brandstifter Saakashvili aufbaute, einem politischen Hasardeur hofierte, der dann auch umgehend sein Land in einen verheerenden Konflikt mit Moskau gestürzt hat. Die Chefredaktion der NZZ scheint völlig lernresistent zu sein, anders ist es nicht erklärbar, dass diese einem verantwortungslosen journalistischen Maulhelden wie Christian Weisflog ein Podium für seine Kriegshetze bieten konnte.
René Edward Knupfer-Müller, am 30. Juni 2016 um 14:27 Uhr

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