Bargeld soll verschwinden, die Überwachung total werden. © mm

Bargeld soll verschwinden, die Überwachung total werden.

Das MANAGER MAGAZIN lanciert Vollgeld-Diskussion

Christian Müller / 06. Jun 2015 - In der Schweiz wird das Thema Vollgeld totgeschwiegen, trotz laufender Unterschriftensammlung. Und die Medien schlafen.

Was den meisten Leuten gar nicht bewusst ist: Das Geld, das sie zu haben glauben, ist gar nichts wert. Es ist – technisch gesprochen – nur eine «Forderung gegenüber der Bank». Wenn die Bank pleite ist, ist auch das Geld weg. Denn das meiste Geld, das die Leute haben, ist nur sogenanntes Buchgeld oder Giralgeld, also Geld, das nur im Computer der Bank existiert. Die Bank ihrerseits muss als Sicherheit nicht einmal 5 Prozent davon in Form von wirklichem Geld haben.

Wirkliches Geld mit unverlierbarem Wert ist nur Bargeld, also Noten und Münzen, die von der Nationalbank herausgegeben werden.

Kritiker fordern längst eine Reform

Da die Banken das Geld, das sie ausleihen, selber «schöpfen» können, produzieren sie andauernd Blasen – und Blasen platzen irgend einmal, man weiss nur nicht wann. Das Jahr 2008, der Ausbruch der internationalen Finanzkrise, lässt grüssen!

In vielen Ländern gibt es deshalb Wissenschafter und bereits auch ganze Organisationen, die eine Geldordnungsreform fordern: Das Recht, Geld zu schöpfen, soll nur noch die Nationalbank haben, und die Banken sollen nur noch Geld ausleihen dürfen, das sie ihrerseits von der Nationalbank haben. Dann wäre Geld wieder echtes Geld. Und nicht nur ein – eventuell leeres – Versprechen der Bank, dass das Geld auch in fernerer Zukunft noch etwas wert ist.

Auch in der Schweiz gibt es eine solche Organisation, die diese Reform fordert. Und zur Zeit werden Unterschriften für eine Vollgeld-Initiative gesammelt, damit dieses Thema endlich in die politische Diskussion kommt. Denn die Medien passen. Zu einer Medienkonferenz dieser Organisation am 6. Mai 2015 an der ETH in Zürich, an der mit Prof. Dr. Joseph Huber einer der wichtigsten deutschen Wissenschafter anwesend war, die eine Vollgeld-Reform fordern, erschienen genau zwei Journalisten. Der eine davon von Infosperber...

Jetzt steigt aber auch das deutsche Wirtschaftsfachblatt Manager Magazin ein in die Diskussion. Der Anlass: Dänemark beabsichtigt, das Bargeld abzuschaffen, mit dem Argument, es könne so die Kriminalität besser bekämpft werden, sprich: die Überwachung von uns allen wäre dann total, weil selbst Kaffee und Zigaretten dann mit einer Karte bezahlt werden müssten. Dahinter stecken aber natürlich nicht die Bekämpfer von kriminellen Aktivitäten, sondern die Banken, die damit die totale Herrschaft über das Geld übernehmen könnten.

Wollen wir das wirklich?

Rückblickend gesehen ist klar: Der Gesetzgeber wollte ursprünglich, dass nur der Staat das Recht hat, Geld herauszugeben. Daher wurden die Nationalbanken – auch Zentralbanken genannt – mit einem Geldschöpfungs-Monopol ausgestattet. Doch das ist Schnee von gestern: Seit die Banken sogenanntes Buch- oder Giralgeld selber schöpfen dürfen, also in ihren Buchhaltungen Kredite und Guthaben in Geld haben dürfen, das nur dort, im Computer der Bank, existiert, ist das Geldschöpfungs-Monopol de facto ausser Kraft gesetzt. Die Banken haben das alleinige Sagen!

Da ist nun selbst dem – selbstverständlich wirtschaftsfreundlichen! – Manager Magazin ein Licht aufgegangen. So kann das nicht weitergehen! Und sie hat die Diskussion eröffnet.

Es geht um die öffentlich geführte Diskussion

Die Initianten der Vollgeld-Initaitive sind realistisch: In einer Welt, die von den Banken und den globalen Konzernen regiert wird, wird es nicht leicht sein, so eine Reform durchzubringen. Aber sie sollte wenigstens öffentlich diskutiert werden! Es kann und darf nicht sein, dass die Banken Rechte haben, die ursprünglich dem Staat vorbehalten waren.

Mit dem Initiativrecht in der Schweiz besteht die Chance, das Thema zum Politikum zu machen. Dann nämlich würden sich endlich auch die Politiker und die Parteien um dieses Thema kümmern. Es ist höchste Zeit! Die nächste Blase kann schon sehr bald platzen!

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Der clevere Kurtli – oder so wird man Millionär (auf Infosperber)
Sie machen Geld mit Geld, das sie nicht haben (auf Infosperber)
Wer Bargeld verbietet, muss Vollgeld fordern
Wer Bargeld verbietet. muss Vollgeld fordern (Manager Magazin)
Sind Banken zukunftsfähig (auf Infosperber)
Leben ohne Bargeld (Prof. Peter Bofinger im "Echo der Zeit")
Manager Magazin Vollgeld-Initiative

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14 Meinungen

gut gemachter Kurzfilm zum Thema...

http://ragingbullshit.com/2015/06/03/fiat-money-cui-bono-and-cui-doesnt/
Luc Farinelli, am 06. Juni 2015 um 10:06 Uhr
Es darf nicht sein, dass bloss wegen des Vorwands der Geldwäsche Bargeld abgescchafft wird, wie dies Dänemark vorsieht.
Das ist zu kurzsichtig.
Die Vollgeldinitiative wäre eigentlich schon lange fällig gewesen. Es begann mit der Entkoppelung des Dollars vom Goldstandard und der inflationären Vermehrung des Dollars über den Petrolhandel (Petrodollars) in den frühen Siebziger Jahren; dann aber begann die Degeneration des Geldes mit dem strikten Monetarismus - die Geldwirtschaft verlor zusehends die Haftung an die Realwirtschaft und es folgte die Perversion der wunderbaren Geldvermehrungen, die nur deshalb nicht zur Hyperinflation führten, weil die realwirtschaftlich starke Asiaten, allen voran China, per massivsten Ankauf von US-Staatsanleihen die imaginären oder virtuellen Dollarmengen stützten.
Nun da China diese Krücke nicht mehr liefern will, die USA dehalb in der Billionenschuldenfalle zu ersaufen drohen, und subsequent per Inflation in der Billiardenschuldenfalle zusammenbrechen werden, ist diese Initiative besonders dringend.
Charles-Louis Joris, am 06. Juni 2015 um 12:56 Uhr
Die Diskussion um die Vollmilch- (pardon) Vollgeldinitiative soll geführt werden. Allerdings ist festzustellen, dass nicht die Banken, viele von ihnen sind ohnehin de facto pleite, sondern die Notenbanken und damit die Staaten selbst diese Vollgeldinitiative herbeisehnen. damit kann jeder Bürger überwacht und bevormundet werden, alle Macht dem Staate lautet die Losung der Vollgeld-Initianten. Die Unterbindung der Kriminalität durch Bargeld dient nur als Vorwand, um alle Bürger zur Finanzierung der Defizite zur Kasse zu bitten, die bedeutet Enteignung des Bürgers! Zwar haben viele Banken «gesündigt» allerdings ist ein Staatsmonopol sicherlich nicht die Lösung, Konkurrenz belebt das Geschäft.
Wichtig wäre eigentlich nur, dass man das Derivativgeschäft, welches heute bereits ein Mehrfaches des «Underlyings» entspricht, unterbinden würde, denn dies ist die ganz grosse Blase!
Und wo steht: «Der Gesetzgeber wollte ursprünglich, dass nur der Staat das Recht hat, Geld herauszugeben.» ? Dies steht nirgends, zumindest in keiner Verfassung der westlichen Welt!

Sehr geehrter Herr Düggelin

Die Meinungen sind frei. Diesmal aber liegen Sie sachlich falsch. Es gibt etliche Bücher zur Geschichte des Geldes und es gibt jede Menge Bücher zur Geschichte der Staaten. Daraus lässt sich sehen, dass überall bei Staatsgründungen die Meinung war, dass Geldschöpfung dem Staat vorbehalten sein muss, ähnlich wie zum Beispiel der Staat ein Gewaltmonopol hat In ordentlichen Staaten gibt es ja auch nur das Militär des Staates und die Polizei des Staates, und nur diese staatlichen Institutionen haben das Recht, im Bedarfsfall zu schiessen. Sollten wir auch "Wettbewerb" im Militärbereich und im Polizeibereich haben. Was dann herauskommt, kann man gegenwärtig in der Ukraine sehen, wo die Oligarchen ihre Privatarmeen haben.

Bevor die modernen Staaten "erfunden" und gegründet wurden, lag das Recht der Herausgabe von Geld (damals meisten Münzen) bei den Feudalherren. Die nahmen sich das Recht, Geld herauszugeben – meist mit ihrem Konterfei drauf. Genau DAS wollte man bei den Gründungen moderner Staaten nicht mehr. Es sollte nur eine Stelle geben, die das Recht hatte, Geld herauszugeben, und diese Stelle sollte der (selbstverständlich demokratisch regierte) Staat sein, bzw. dessen Nationalbank. Was heute mit den Banken geschieht, ist – historisch gesehen – ein klarer Rückschritt ins Zeitalter des Feudalismus, nur sind die neuen Feudalherren nicht mehr Könige und Fürsten, sondern eben die Banken. Dabei geht auch die sogenannte Seignorage an die Banken statt an den Staat (aber das ist jetzt vielleicht schon zu sehr fachmännisch gesprochen).

Mit bestem Dank für Ihr Interesse und Ihre Teilnahme an der Diskussion,
mfG, Christian Müller

Beda Düggelin, lic. oec. HSG, am 06. Juni 2015 um 16:19 Uhr
@Müller: Es stimmt nicht ganz, was Sie schreiben. Mit Gründung des modernen Bundesstaats 1848 nahm sich die Eidgenossenschaft zwar die Münzhoheit, das Banknotenmonopol wurde allerdings erst 1891 eingeführt. In den USA war es bis 1865 den Bundesstaaten überlassen, ob sie das Bankwesen und damit das Banknotenmonopol regeln wollten oder nicht. Interessant auch Schweden, das 1824 das Banknotenmonopol der Riskbank abschaffte und erst zu Beginn des 20. Jh. wieder einführte. Zum Fall Schweiz kann man in der Wikipedia folgendes nachlesen: «Im Laufe der liberalen Revolutionen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Schweiz wurde auch das Banksystem dereguliert. So erlaubten mehrere Kantone den Banken das Herausgeben von eigenen Noten. Dies führte dazu, dass es drei Typen von notenemittierenden Banken gab: kommerzielle, kantonale, von den kantonalen Regierungen geführte, und lokale, die sowohl Privatpersonen als auch Gemeinden gehörten. Die kantonalen Banken hatten einige Privilegien wie Steuer- und Gebührenfreiheit sowie Vollwertigkeit bei Steuerzahlungen. 1881 wurde die private Notenherausgabe ganz verboten, und Banken wurden gezwungen, fremde Noten zum Nennwert anzunehmen. Damit wurde die Notwendigkeit, zwischen einzelnen Noten zu differenzieren, stark gemindert, und Überemission war die Folge. In den 1890ern wurde das Banksystem weiter zentralisiert und 1907 eine Zentralbank mit Geldmonopol gegründet."
Michael Gisiger, am 06. Juni 2015 um 17:30 Uhr
@Christian Müller: Danke für Ihre Entgegnung. Ich denke nicht, das ich falsch liege, wir sprechen nicht vom gleichen. Natürlich liegt das Geldausgabemonopol beim Staate, der der Kreditmechanismus der Banken ist so alt wie es Banken gibt auf dieser Welt. Da ist die Vollgeldinitiative ein ziemlicher «Johnny come lately». Die Multiplikatortheorie ist eine Tatsache. Man kann allerdings den Multiplikator reduzieren, indem die Banken höhere Eigenkaptialquoten halten müssen, man spricht z.B. von 10-15 Prozent echtem Eigenkapital, natürlich kein «risk-adjusted capital"!
Wie bereits darauf hingewiesen liegt das Problem bei der immensen Grösse der derivativen Instrumente, welche ihrerseits ebenfalls noch «geleveraged» sind.

Und a pros pos Militär und Polizei: Warum gibt es heute Parallelorganisationen? z.B. Blackwater in den USA, private Sicherheitsfirmen auch in der Schweiz! Weil der Staat offenbar nicht mehr in der Lage ist, Ruhe und Ordnung herzustellen und aufrecht zu erhalten. Dies ist sehr bedenklich! Der Staat kommt also in diesen Bereichen seinen Verpflichtungen nicht mehr nach. Wem dürfen wir dies verdanken?
Beda Düggelin, lic. oec. HSG, am 06. Juni 2015 um 17:44 Uhr
"Wirkliches Geld mit unverlierbarem Wert ist nur Bargeld, also Noten und Münzen, die von der Nationalbank herausgegeben werden."
Bargeld unterliegt der Inflation, hat also keinen 'unverlierbaren Wert'. In Extremfällen des Staatsbankrotts ist sogar das Bargeld verloren.
Es ist richtig, dass Bargeld eine Forderung gegenüber der Nationalbank ist, während Bankeinlagen eine Forderung gegenüber der Bank darstellen. Banken sind i.d.R. private Unternehmen und Pleiten gehören zur Marktwirtschaft wie das Amen in die Kirche. Damit die Folgen für die Sparer abgemildert werden, gibt es Kontrollen, Vergleich bei Pleiten und staatliche Garantien. Kredite sind ein wesentlicher Bestandteil von Unternehmensgründungen und letztlich unseres Wohlstands. Wer Vollgeld sagt, der bläht die Geldmenge um das zehnfache auf, weil das Geld gebraucht wird.. Die Nationalbank ist dazu da, die Geldmenge zu verwalten, sie verwaltet nicht die Kredite, das machen die Banken.
Vollgeld bedeutet, dass die Nationalbank zehnmal soviel Geld in Umlauf bringen müsste als heute. Durch das heutige System braucht sie das nicht, denn sie kontrolliert die Geldmenge mit den Mindesteinlagesätzen der Banken. Das ist nicht schlecht, sondern ökonomisch sehr sinnvoll und effizient.
Willy Gruen, am 07. Juni 2015 um 09:21 Uhr
Die SNB wurde erst 1907 gegründet, nachdem der Bund in der Verfassungsreform 1891 das theoretische Monopol zur Geldemission erhalten hatte. In der Praxis sind Banknoten der «Monopolbank» - mit Ausnahme der Krisenperiode um 1930 - erst seit 1954 «legal tender». Die Nationalbank hatte also kein wirkliches Geldmonopol, da nur Münzen (vom Finanzdepartement herausgegeben) als «legales Zahlungsmittel» galten.

Bis 1926 war die Schweiz immerhin Mitglied der Lateinischen Münzunion bei der die Münzen einer ganzen Gruppe von Ländern auch in der Schweiz legales Zahlungsmittel waren.

Die Geschichte mir den fraktionellen Reserven ist etwas komplizierter, als es hier gezeichnet wurde. «Vollgeldpolitik» würde eine echtes Monopolsituation der Nationalbank wohl auch für Kredite voraussetzen. Immerhin darf daran erinnert werden, dass Yugoslawiens Geldsystem in den 80er Jahren auf der Basis von Kreditswaps unter mehr oder weniger staatlichen Firmen, ausserhalb der Nationalbankpolitik, durch eine Hyperinflation unterminiert wurde.

Die Kreditpolitik (monetary «easing") der US-Notenbank nach der Immobilienblase 2008 wurde von den betroffenen Banken nicht zur Vergabe von Hypothekarkrediten, sondern allein zur Spekulation an der Börse «missbraucht», etc. etc.
Josef Hunkeler, am 07. Juni 2015 um 11:51 Uhr
Willy Gruen schreibt:
"Wer Vollgeld sagt, der bläht die Geldmenge um das zehnfache auf, weil das Geld gebraucht wird..."
Willy Gruen übersieht, dass die Banken durch Kreditvergaben Geld erzeugen. Alles Buchgeld auf den Privat- und Transaktionskonten der Bürger und Unternehmen wurde von den Banken geschaffen. Das Buchgeld ist eine Forderungen gegenüber den Banken auf Auszahlung von «echtem Bargeld». Diese Forderungen werden als Geld verwendet und durch Überweisungen von Konto zu Konto transferiert.
Wenn heute von Geld sprochen wird, so ist damit landläufig die Geldmenge M1 gemeint, die aus dem Bargeld der SNB und dem Buchgeld der Banken besteht.
Durch die Vollgeldreform wird diese Geldmenge nicht erhöht, sondern das Buchgeld der Banken wird zu Buchgeld der Nationalbank aufgewertet. Die Banken können dann kein Geld mehr schöpfen. Sie sind aber natürlich weiterhin für die Kreditvergabe zuständig. Kredit vergeben die Banken im Vollgeldsystem mit Geld, was tatsächlich vorhanden ist, und den Banken zu diesem Zwecke von Sparern, Investoren oder SNB zur Verfügung gestellt wurde.
Heute kann die SNB die Geldmenge nur wenig durch den Leitzins steuern, da das Geld von den Banken erzeugt wird. Seit Jahrzehnten wächst die Geldmenge jährlich um etwa 8% die Wirtschaft aber nur um etwa 1,4%. Ein solches Auseinanderklaffen der Geldmenge von der Realwirtschaft ist langfristig nicht tragbar.
Thomas Mayer, am 07. Juni 2015 um 23:36 Uhr
Um es auf einen Punkt zu bringen: Wer die aktuelle Geldpolitik sämtlicher industrialisierter Länder durch eine Vollgeld-Politik ersetzen will, das ist als ob man einem Maurer vorschreiben will, dass er anstelle verschieden grosser Kellen nur noch eine Schaufel zu benutzen hat.
Willy Gruen, am 08. Juni 2015 um 18:40 Uhr
Sehr geehrter Herr Gruen, offensichtlich haben Sie die Vollgeldreform noch nicht verstanden. Die Banken sind nachwievor für die Kreditvergabe zuständig, hier mischt sich die SNB nicht in Einzelfälle ein. Die Vollgeld-Initiative ist ein liberales Projekt, es geht nicht um Zentralismus. Der Initiativtext regelt sogar extra, dass neben dem Schweizer Franken private Währungen herausgegeben werden dürfen. Doch diese müssen eindeutig als private Währungen gekennzeichnet sein. Schweizer Franken soll nur noch von der SNB erzeugt werden dürfen. Durch die Vollgeldreform bekommt die Staaten ihre Souveränität über die Geldpolitik zurück. Entsprechend können die einzelnen Staaten mit Vollgeld eher eigenständige Wege gehen als heute.
Thomas Mayer, am 08. Juni 2015 um 18:48 Uhr
Was auch immer «Vollgeld» sein soll, die Nationalbanken haben kein Monopol auf echtes Verstehen komplexer wirtschaftlicher Vorgänge. Geldpolitik ist eine Kunst, keine genaue Wissenschaft.

Als Mitte der 80er Jahre die Bankkarten flächendeckend eingeführt wurden und dazu auch noch das Interbankclearing perfektioniert wurde gab es eine implizite massive Ausweitung der Geldmenge M1. Die damalige SNB-Direktion geriet in Panik und versuchte die Geldmenge zu reduzieren. Die Hypothekarzinskrise 1987 war die direkte Konsequenz dieses Unverständnisses.

"Zirkulationsgeschwindigkeit», Liquiditätspräferenzen» usw haben keinen systematisch erfassbaren Inhalt, sondern können je nach konjunkturellem Zusammenspiel ganz unterschiedliche Auswirkungen haben.

Die einzge «vernünftige» Geldpolitik muss daher sein «Wellen zu glätten», um ein Minimum an Vorhersehbarkeit zu garantieren. Der 15.1.15 ist ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte.

1966 hat Herr Wilson in UK das Pfund um 14.3% abgewertet. Das war der «richtige» Satz, «um das Zahlungsbilanzgleichgewicht wieder herzustellen». Natürlich hat das nicht funktioniert, Soros hat aber seine ersten grossen Gewinne kassiert.

Nationalbankpolitik sollte nicht «Wellen machen» - das Alpha und Omega der Spekulanten und übrigen Hedgefunds - sondern «Wellen glätten», um Sicherheit in den Märkten zu generieren. Automatische Verhaltensregeln und sei es Vollgeldpolitik können diesen Ansatz nicht ersetzen. M3 ist hier ein besserer Indikator als M1.
Josef Hunkeler, am 09. Juni 2015 um 09:02 Uhr
Josef Hunkeler schrieb: «Automatische Verhaltensregeln und sei es Vollgeldpolitik"
Entschuldigung. Wenn man über die Vollgeld-Initiative schreibt, dann sollte man auch über diese schreiben und nicht über anderes. Es gibt mit Vollgeld überhaupt keine «Automatismen». Die Vollgeldreform sieht vor, dass alles Geld von der SNB erzeugt wird und dass dieses Geld teilweise auch durch schuldfreie Auszahlung an Bund, Kantone und Bürgerinnen und Bürger in Umlauf kommt, zusätzlich zu den Kredite der SNB an die Banken. Damit wird für die Kunden das Geld auf dem Konto so sicher wie Bargeld, alle Geldschöpfungsgewinne fliessen an uns Bürgerinnen und Bürger und die SNB hat bessere Möglichkeiten, die Geldmenge zu kontrollieren und damit Finanzkrisen zu vermeiden.
Zur konkreten Geldpolitik gibt es im Verfassungstext der Vollgeld-Initiative nur Grundsätze, aber natürlich keine konkreten Bestimmungen. Der Verfassungstext der Vollgeld-Initiative ermöglicht der SNB sehr wohl, die Zügel locker zu lassen und nur «Wellen zu glätten», wie Herr Hunkeler es vorschlägt. Von Automatismus zu sprechen ist eine Irreführung und hat nichts mit der Vollgeld-Initiative zu tun.
Thomas Mayer, am 09. Juni 2015 um 09:18 Uhr
@ Mayer
Sorry, war auch nicht so gemeint. Was ich sagen wollte, ist dass die Nationalbank auch mit den besten Verhaltensregeln für die Kommerzbanken keinen «Mist» bauen sollte. Die besondere Form der Konvertibiität oder der Deckung der Kredite ist hier wohl eher zweitrangig.

Die SNB hat (bereits) Regulierungsmöglichkeiten und direkte Interventionsmöglichkeiten, welche weit über die traditionelle Zinsfixierung hinausgehen, deren Anwendung aber eben etwas mehr als nur Fingespitzengefühl verlangt.
Josef Hunkeler, am 09. Juni 2015 um 09:50 Uhr
@Josef Hunkeler
Dank für die Präzisierung. Dass die Zentralbanken in der Geldpolitik viele Fehler machen können und gemacht haben, ist natürlich richtig. Das ist schon heute so. Deshalb ist hier in meinen Augen viel öffentliche Aufmerksamkeit und Diskussion nötig, sowie eine Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit dem Geldwesen.
Thomas Mayer, am 09. Juni 2015 um 10:19 Uhr

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