kontertext: Schlechte Aussichten

Rudolf Walther © rw
Rudolf Walther / 19. Okt 2016 - Wie sich der Qualitätsjournalismus beerdigt und beerdigt wird. Auch durch modische Trends und Marotten der Redaktionen.

Red. kontertext greift Beiträge aus Medien auf und widerspricht aus politischen, journalistischen, inhaltlichen oder sprachlichen Gründen. Ob Analyse, Sprachkritik oder Statement - kontertexte sind undogmatische Einwürfe, die Publiziertes ernst nehmen, ohne selber dem Ernst ganz zu verfallen.

Dass die Arbeits- und Produktionsbedingungen, unter denen Journalisten bei Printmedien arbeiten, auf das Produkt ihrer Arbeit – die Zeitung – durchschlagen, ist plausibel und selbstverständlich. Alles andere wäre eine Überraschung.

Zu diesen Bedingungen, die die journalistische Arbeit massgeblich beeinflussen, gehören: 1. Geldmangel, 2. Personalkürzungen, 3. Zeitdruck, 4. Platzmangel und 5. modische Trends und Marotten.

Diese fünf Faktoren hängen zusammen und verstärken sich gegenseitig oder bilden nur Vor- und Rückseite einer Medaille – etwa beim Nexus von Geldmangel und Personalkürzungen.

1. Modische Trends und Marotten sind – im Unterschied zu den anderen vier Bedingungen – von Redaktionen und Journalisten selbst erzeugt worden. Die Verantwortung für modische Trends und Marotten, die den Qualitätsjournalismus gefährden und die damit verbundenen Ansprüche lächerlich machen, kann nicht auf Geschäftsleitungen, Aktionäre oder die Wirtschaftslage abgewälzt werden. Zur Illustration dieser modischen Trends und Marotten, die ernsthaften politischen Journalismus desavouieren, zwei Zitate:

«Schwarzer Anzug, dunkle Krawatte, der Körper drahtig, kein Gramm Fett: Manuel Valls (53) wirkt wie ein Fussballtrainer, der seiner Mannschaft Mut machen will. Alkohol rührt er nicht an, und auf Gluten verzichtet er inzwischen auch. Frankreichs Premier sitzt in einem goldverzierten Salon im Palais Matignon und empfängt eine Handvoll Vertreter der ausländischen Presse. Unter der Stuckdecke, über den immensen Türen, erinnern Schäferszenen in Blau an Zeiten, als Frankreich noch idyllisch schien.»

Martina Meister, DIE WELT und Tages-Anzeiger (5.6.2016), begann so ihren Bericht über eine Pressekonferenz des französischen Premierministers Manuel Valls.

Auch ihre Kollegin Michaele Wiegel von der FAZ (3.6.2016) schrieb über den selben Anlass:

«Ist Frankreich reformunfähig? Es ist der französische Premierminister Manuel Valls, der diese Frage stellt, kaum dass er sich gesetzt hat. Die soziale Unruhe im Land kann der ehernen Feudalroutine in seinem Amtspalast an der Rue Varenne nichts anhaben. Ein Diener in makellos weiss-schwarzem Livree serviert auf Silbertabletts Erfrischungen, auf kleinen Louis-XV-Tischen wartet feines Gebäck auf die Korrespondenten europäischer Medien, und über allem schweben die leicht bläulich schimmernden, in Holzstuck gefassten Chinoiserie-Malereien, denen der Empfangssaal den Namen Salon bleu verdankt. Valls zieht das Sakko aus und gibt den Blick auf ein eng geschnittenes Hemd frei. Es wirkt fast wie ein Statement, nach gut zwei Jahren als Regierungschef hat er kein Gramm Kummerspeck vorzuweisen, sein reformerischer Kampfgeist scheint ungebrochen.»

Was wollen uns solche Texte in im Prinzip anspruchsvollen Zeitungen, also nicht in Illustrierten, bunten Blättern oder Boulevardzeitungen, anderes mitteilen, als dass wir völlig irren, wenn wir noch naiv annehmen, der Bericht im politischen Teil einer Zeitung über ein politisches Ereignis sei etwas anderes als eine Home-Story in einer Frauenzeitschrift oder in einer Boulevardzeitung? Beide Berichte dokumentieren, dass der politische Journalismus in Qualitätszeitungen dabei ist, sich zu verabschieden.

Es sind zwei Beispiele, die sich beliebig vermehren liessen, um den Trend stichhaltig zu belegen. Und wie kommt es zu diesem Trend? Ich vermute, durch ein subtiles Zusammenspiel: Redakteure stehen unter dem Druck von Geschäftsleitungen angesichts der wirtschaftlichen Lage der Printmedien. «Durch gefälligere Texte mehr Auflage machen», lautet das Küchenrezept, das Redaktionen mit der Aufforderung an Journalisten weiterreichen, die ersten Sätze müssten – jeder kennt das Wort, das jetzt kommen muss – «den Leser in die Geschichte hineinziehen» – ungefähr so, wie man Kinder auf dem Jahrmarkt mit einem Bonbon an den Stand lockt, um ihnen das Öffnen des Portemonnaies zu erleichtern. Die simple, aber in ihrer Durchschlagskraft im Alltag gar nicht zu überschätzende Aufforderung, den Leser «hineinzuziehen», trifft bei Journalisten, insbesondere jener grossen Zahl, die durch Schreibkurse und Journalistenschulen gegangen sind, auf weit geöffnete Ohren. Die Lektion 1 vom wichtigen «ersten Satz» und das Rezept vom «Hineinziehen» haben sie an jenen Institutionen gelernt, in Praktika verinnerlicht und im Beruf zum Standard gemacht. Anders ist kaum erklärbar, dass die Berichte von zwei in mancher Hinsicht (Alter, beruflicher Werdegang etc.) unterschiedlichen Autoren wie Frau Meister und Frau Wiegel fast wörtlich übereinstimmende Passagen enthalten. Und falls sie das Patentrezept vom «Hineinziehen» nicht auf Journalistenschulen eingetrichtert bekommen haben, lernten sie es spätestens in Praktika und im Berufsalltag von den Redakteuren kennen.

An die Journalistenschulen und Redaktionen muss man die Frage stellen: Für wie kindisch, verführbar und simpel gestrickt halten sie eigentlich erwachsene Leser, die noch politische Zeitungen abonnieren und lesen, dass sie diese ausgerechnet mit solchen Bubenstücken bei der Stange halten wollen? Die Politik, um es pauschal zu sagen, tut selbst genug für die Personalisierung und sachliche Entkernung ihres Tuns. Warum soll ich in einem Bericht über ein politisches Ereignis auch noch etwas zu den Ess- und Trinkgewohnheiten und zur Figur des Premierministers lesen? Die Bildmedien, insbesondere das Fernsehen, sorgen ausreichend für die Vorfahrt von Personen und Stimmungen vor den Sachen und Fakten. Der FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube demonstrierte jüngst (2.9.2016) in einer brillanten Analyse, wie der Literaturkritiker Denis Scheck in seiner Sendung die Unterschiede «zwischen Reklame und Urteil, zwischen Dauerwerbesendung und Journalismus» systematisch unterläuft mit seiner klebrig-kumpelhaften Wurstigkeit, die nur noch unterboten wird von Thea Dorn vom SWR, die sich mit Martin Walser gleich duzt.

2. In scheinbarem Widerspruch dazu steht die zweite Produktionsbedingung, die auf die journalistische Qualität durchschlägt, der Platzmangel. Wer so schwelgerisch personenbezogene und atmosphärische Banalitäten ins Blatt drückt, kann ja theoretisch gar nicht über Platzmangel klagen. Irrtum: Platzmangel entsteht a u c h und gerade durch den ausgreifend-«hereinziehenden» Firlefanz, das People-Tam-Tam und den Emo-Atmo-Journalismus von der Stange bzw. aus der Journalistenklippschule.

Aber wichtiger für die Entstehung von Platzmangel in den Printmedien ist – ausser der wirtschaftlichen Notlage der Verlage – die Herrschaft der Layouter und Bildredakteure, die für fast jeden Artikel ein grosses Foto, ein paar Grafiken, mindestens ein Info-Kästchen und ein Autorenfoto empfehlen – neben grosskalibrigen Titeln und Untertiteln. Dem Aussehen von Zeitungen nach zu schliessen, rechnen Redaktionen nicht mehr mit Lesern, sondern mit Bilderfreaks und Überblickern. Zeitungen gleichen immer mehr Fernsehspot-Nachrichten. Anita Zielina, die bei der NZZ zuständige Redakteurin für die Digitalisierung, charakterisiert ihre Arbeit als «nicht inhaltlich» und verbucht es als Fortschritt, dass «immer mehr Redakteure Artikel selbständig durch Grafiken, Landkarten oder Quizfragen» (SZ 28.9.2016) ergänzen. Im Horizont der inhaltsfreien, digitalen Plattwalzerei wartet neben dem «Fernseher» also schon der «Zeitungsseher».

Die grossartige ZEIT-Seite, die früher «Zeitläufte» hiess, hatte noch vor 20 Jahren locker Platz für einen Essay von 25'000 Zeichen. Da konnte ein Thema gründlich durchgearbeitet werden. Die Seite heisst jetzt anders, bietet aber nach mehreren Layout-«Reformen» nur noch Platz für einen Text von 14'000 bis 15'000 Zeichen. Umfang und Qualitätsverlust verhalten sich nicht direkt proportional, aber hängen natürlich zusammen. Die Wochenzeitung FREITAG widmet eine Doppelseite einem Wochenthema – ein gutes Konzept. Aber man vergibt rund 40 Prozent dieses Platzes für ein ebenso «luftiges» wie kinderbuchadäquates und bilderreiches Layout.

3. Die dritte Produktionsbedingung heisst Zeitdruck. Zeitungen sehen nicht nur aus wie Nachrichtenspots am Fernsehen – sie wollen auch so schnell produziert und gedruckt werden, wie Radio und Fernsehen senden. Das ist zwar technisch nicht möglich, aber man kann das Tempo, wie alle marginalen Bedingungen, schon mal etwas verschärfen. Die weltbekannte Fotografin Barbara Klemm quittierte ihren Job bei der FAZ mit dem Hinweis, die Instant-Lieferung von Digital-Fotos direkt vom Ort der Geschehens in die Redaktion lasse sich nicht vereinbaren mit ihren Qualitätsansprüchen an Fotos.

Sachbuchredakteure gingen in den letzten Jahren dazu über, Buchbesprechungen möglichst am Erscheinungstag der Bücher zu drucken bzw. zu senden. Wenn man die Druckfahnen von den Verlagen nicht vorweg bekommt, wird das Rezensieren ein Wettlauf mit der Lesezeit, in dem die Qualität der Besprechungen zwangsweise auf der Strecke bleibt. Dazu zwei Beispiele.

Der Feuilletonchef der Wochenzeitung FREITAG charakterisierte sein Rezept für Sachbuchbesprechungen so: «Rhapsodische, kursorische Lektüre. Bei Sachbüchern befriedigt eine solche Lektüre immer dann, wenn das Buch ein Personenregister enthält.» Im Klartext: Für Sachbücher genügt das name-dropping, Inhalt und Niveau des Buches sind irrelevant und richtig lesen muss man es schon gar nicht. Er liess dem Modell dankenswerterweise auch gleich ein Muster folgen. Sein Sachbuchrezensent gab den Buffo und arbeitete fünf Sachbücher auf einen Streich mit ganzen 150 Zeilen ab – für insgesamt fast 1400 Buchseiten. Die zweitlängste Besprechung galt einem Buch, das mit einem seriösen Sachbuch etwa so viel gemein hat wie eine Vorabend-Schnulze mit einem Shakespeare-Stück. Die kürzeste Besprechung (nur 29 Zeilen) galt einer gehaltvollen historisch-biografischen Monografie.

Im Zürcher «Tages-Anzeiger» (16.8.2016) rezensierte Martin Ebel in einem Aufwasch acht Bücher von rund 4000 Seiten Umfang mit 8000 Zeichen, also etwa zwei Buchstaben pro Buchseite. «Schwarze Utopien» so das Thema der Sammelbesprechung. Als Rezensent bekommt man regelrecht unanständige Anfragen: «Können Sie das Buch bis Mittwoch besprechen?», wird man am Montag gefragt. Es handelte sich um eine wissenschaftliche Monografie von 600 Seiten. Im Besprechungswesen vieler Feuilletons sind schwarze Zeiten der Alltag und die Frage nach der Qualität unbekannt.

4. Mit dem Zeitdruck hängt natürlich der Personalmangel zusammen. Redaktionen wurden regelrecht ausgedünnt, die verbliebenen festangestellten Redakteure arbeiten wie flinke Schreibmaschinen, denn aus Geldmangel (dazu gleich mehr) wurden die freien Mitarbeiter weggespart. Die verbliebenen Schreibmaschinen schreiben und schreiben und füllen etwa bei der «Frankfurter Rundschau» zu viert vier Seiten – täglich. Das geht nur mit ganz grossen Bildern.

5.Der Geldmangel schliesslich als erste und letzte Produktionsbedingung bei den Printmedien steuert letztlich alles nach unten – von der Qualität bis zum intellektuellen Niveau. Und da wird auch mal ein gymnasiales Besinnungsaufsätzchen zum Thema «Ein Hoch auf die Höflichkeit» und obendrein zum Essay geadelt (Tages-Anzeiger vom 16.9.2016).

Die Steuerungsfunktion des Geldes bestimmt die Beerdigungsformen des Qualitätsjournalismus:

Beim «Tages-Anzeiger» wie bei der «Frankfurter Rundschau» ist Flachsparen (ausser bei den Redakteursgehältern der Restbelegschaft) seit Jahren das Rezept. Die Redaktionen werden personell ausgeweidet, die freien Mitarbeiter «freigestellt», der Umfang verschlankt und der Inhalt intellektuell verdünnt. Das Resultat dieser Rosskur ist täglich zu besichtigen: Banale Prosa für Schnell- und Querleser. Der Tamedia Konzern dagegen, zu dem der «Tages-Anzeiger» gehört, floriert und investiert kräftig, die Zeitung sackt dafür in jeder Hinsicht ab, nicht zuletzt auch durch «Kooperation» mit anderen, zum Teil ausgesprochen konservativen Blättern wie Springers WELT.

Bei der Zeitschrift «Du» wird der redaktionelle Inhalt einfach meistbietend verkauft: Wer Geld hat, kann eine ganze Nummer kaufen und den Inhalt bestimmen.

Bei der WELT, die zum Springerkonzern gehört, probiert man Geschäftsmodelle aus, die mit Zeitungen gar nichts mehr zu tun haben. 60 Prozent des Geschäftsvolumens von Springer laufen über das Internet mit Nebengeschäften.

Bei der «Basler Zeitung» versuchte man es mit einer politischen Umpolung durch den Verkauf des Blattes an Blocher.

Schlechte Aussichten für den Qualitätsjournalismus.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Der Autor ist Historiker, freier Journalist für deutsche und Schweizer Zeitungen und Zeitschriften, wohnhaft in Bad Soden a.T. in der Nähe von Frankfurt.

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11 Meinungen

Ich gebe dem Autor in vielen Belangen recht. Das Hauptproblem sehe ich vor allem beim Druck der Verlage auf die Redaktionen. Um möglichst grossen Profit zu machen, werden die RedaktorInnen angehalten, noch boulevardesker und süffiger zu schreiben. Trotzdem glaube ich nicht, dass früher alles besser war. Die Texte waren vielleicht länger und gingen mehr ins Detail, dafür sind sie heute vielleicht leserfreundlicher. Ich denke, einige wichtige Medien machen noch immer einen guten Job. Ich jedenfalls bin manchmal froh, wenn ich mich nicht durch 25 000 Zeichen durchkämpfen muss, um das Wesentliche zu erfahren. (A propos Länge: Warum sind auf infosperber eigentlich die Meinungen auf 1500 Zeichen begrenzt?)
Stefan Bachmann, am 19. Oktober 2016 um 11:52 Uhr
@Stefan Bachmann. Die Zeichenbeschränkung ist damit zu erklären, weil Leute wie ich, ein ehemaliger Journalist, der sich ins Lehrfach verirrte, und noch andere, epische Korreferate schrieben. Das Problem bei Infosperber liegt eher darin, dass im Gegensatz zu kommentierenden Beiträgen eigentliche Fachartikel bester Mitarbeiter im Einzelfall durchaus länger sein dürften. Sie sehen auch richtig, dass man - wie im Lehrfach - im Journalismus nicht einfach der guten alten Zeit nachträumen sollte. Es bleibt aber dabei, dass es im 19. und 20. Jahrhundert noch den Typus des sich verausgabenden Autoren-Journalisten gab, den authentischen, in der Regel hochgebildeten Analytiker, der im Einzelfall auch für die Recherche nicht zu faul war. Wie zum Beispiel ein sprachgewaltiger Einmann-Redaktor wie Ulrich Dürrenmatt (Grossvater von F.D.) als Reformierter grossartig, genau und vernichtend (in den 1870er Jahren) Berns verheerenden Kulturkampf im katholischen Jura darstellte, in seiner «Buchsi-Zitig», war bester Journalismus, wohl auch von Meienberg nicht übertroffen. Doch muss zugegeben werden, dass die NZZ im analytischen Teil mit Sicherheit schon besser war als heute. Damit meine ich nicht «rechter», «konservativer» oder «linker». Aber z.B. hat ein Roger Bernheim zur Zeit des Kalten Krieges über Moskau nun mal orientierender geschrieben als man es heute vorgesetzt bekommt. Auch vertiefende Literaturkritik in der Art einer Béatrice von Matt gibt es trotz Bucheli nur noch ausnahmsweise.
Pirmin Meier, am 19. Oktober 2016 um 12:25 Uhr
Von freien offiziellen kann schon lange nicht mehr die Rede sein, außer ein paar wenigen Internet Publikationen. Mein Bruder, Chr. Padrutt, Journalistik Prof. Uni ZRH, verst. 1975, würde sich im Grabe umdrehen, wenn er die 'imbedded' Medien von heute erleben würde.
Rätia Padrutt Guillaumet, am 19. Oktober 2016 um 13:09 Uhr
Vermischung von PR und Journalismus ist ein riesiges Problem. Ich habe aber auch Mühe, wenn Fakten und Meinungen zu stark vermischt werden. Das gibt es auch in der NZZ immer wieder und ich denke, das war früher sicher nicht besser.
Stefan Bachmann, am 19. Oktober 2016 um 14:19 Uhr
@Bachmann. Es gibt keine wertungsfreie Nachrichten, aber kompetente und weniger kompetente Nachrichtenvermittler. Profession Reporter. Über China war und ist z.B. Peter Achten nicht der schlechteste. Bernheim hatte nun mal ein grosses Wissen, im übrigen war die Haltung der NZZ bekannt. Bei Infosperber ist das ähnlich, eben ehrlicher, in seinem Verhältnis zur Wahrheit einschätzbarer Journalismus.


In der Aargauer Zeitung stand gestern, beim Konzert in Unterwasser hätten «6000 Rechtsextremisten» teilgenommen. Es wäre interessant, diese 6000 mal empirisch in die Mange zu nehmen, wieviele von ihnen es bei Einzelbefragung auf fünf oder drei politische Grundbegriffe bringen, die diese Einschätzung erlauben. Nach Orwell genügt allerdings für eine totalitäre Haltung bereits das binäre System «Vierbeiner gut - Zweibeiner schlecht». Trotzdem ist diese Art Berichterstattung analytisch unter jeder Sau. Gravierend ist, wenn die Berichterstatter und diejenigen, über die berichtet wird, als fundamentale Schnittmenge gleichzeitig an einem Dummheitsproblem leiden sowie an politischer Unzurechnungsfähigkeit.
Pirmin Meier, am 19. Oktober 2016 um 14:54 Uhr
@Bachmann. Es gibt keine wertungsfreie Nachrichten, aber kompetente und weniger kompetente Nachrichtenvermittler. Profession Reporter. Über China war und ist z.B. Peter Achten nicht der schlechteste. Bernheim hatte nun mal ein grosses Wissen, im übrigen war die Haltung der NZZ bekannt. Bei Infosperber ist das ähnlich, eben ehrlicher, in seinem Verhältnis zur Wahrheit einschätzbarer Journalismus.


In der Aargauer Zeitung stand gestern, beim Konzert in Unterwasser hätten «6000 Rechtsextremisten» teilgenommen. Es wäre interessant, diese 6000 mal empirisch in die Mange zu nehmen, wieviele von ihnen es bei Einzelbefragung auf fünf oder drei politische Grundbegriffe bringen, die diese Einschätzung erlauben. Nach Orwell genügt allerdings für eine totalitäre Haltung bereits das binäre System «Vierbeiner gut - Zweibeiner schlecht». Trotzdem ist diese Art Berichterstattung analytisch unter jeder Sau. Gravierend ist, wenn die Berichterstatter und diejenigen, über die berichtet wird, als fundamentale Schnittmenge gleichzeitig an einem Dummheitsproblem leiden sowie an politischer Unzurechnungsfähigkeit.
Pirmin Meier, am 19. Oktober 2016 um 14:54 Uhr
Als in der Mitte des Artikels ankam, musste ich den Artikel erst mal neu layouten, so viel Text ...
Spass beiseite, dem Autor ist voll und ganz zuzustimmen.
Thierry Blanc, am 21. Oktober 2016 um 18:09 Uhr
@Binder. Wenn es so ist, wie Du sagst, musst du aber auch wieder mal dem Infosperber was einzahlen, was ich selber noch vor Jahresende wieder besorgen möchte.
Pirmin Meier, am 22. Oktober 2016 um 10:35 Uhr
Ich freue mich ja über jeden Ansatz von Selnstkritik bei Journalisten. Aber muss man so penetrant den Eindruck erwecken: An allem sind nicht wir schuld, sondern unsere Arbeitsbedingungen? Das zentrale Problem der Journalisten ist und bleibt ihr fehlendes Interesse an der Wahrheit. Das zweite Problem ist und bleibt ihr fehlendes Interesse an den Lesern - was sich in der Unfähigkeit zeigt, argumentativ an den Voraussetzungen anzuknüpfen, die bei den Lesern vorhanden sind.
Rainer Möller, am 22. Oktober 2016 um 12:29 Uhr
So treffen Sie es, Herr Möller. Arbeitsbedingungen. Man kann sich nicht vorstellen, wie diese vor 50 Jahren zum Beispiel bei einer noch existierenden SP-Zeitung und bei einer katholischen Zeitung waren. Oft nicht kompensierte 7Tagewoche war normal bei schlechtem Lohn und man musste fast alles selber machen. Aber z.B. der spätere Regierungsrat und Nationalrat Silvio Bircher (SP) war nie so gut wie als Redaktor des «Freien Aargauers». Auch was Otmar Hersche, Niklaus Oberholzer, Franz Hophan, Matthias Saxer, Ursula Hürzeler, René von Euw, Klaus Streif, Max Wolf, Ruedi Baumann, Hansueli Fischer und andere beim «Aargauer Volksblatt» geleistet haben, war unglaublich und im Einzelfall Klasse. Christian Müller, damals beim Konkurrenzblatt «Badener Tagblatt», gehört zu denjenigen, die sich davon eine Vorstellung machen können. Keinen von diesen zum Teil verstorbenen Kollegen, darunter eine Kollegin, habe ich als «Jammeri» kennengelernt.
Pirmin Meier, am 22. Oktober 2016 um 12:57 Uhr
So treffen Sie es, Herr Möller. Arbeitsbedingungen. Man kann sich nicht vorstellen, wie diese vor 50 Jahren zum Beispiel bei einer noch existierenden SP-Zeitung und bei einer katholischen Zeitung waren. Oft nicht kompensierte 7Tagewoche war normal bei schlechtem Lohn und man musste fast alles selber machen. Aber z.B. der spätere Regierungsrat und Nationalrat Silvio Bircher (SP) war nie so gut wie als Redaktor des «Freien Aargauers». Auch was Otmar Hersche, Niklaus Oberholzer, Franz Hophan, Matthias Saxer, Ursula Hürzeler, René von Euw, Klaus Streif, Max Wolf, Ruedi Baumann, Hansueli Fischer und andere beim «Aargauer Volksblatt» geleistet haben, war unglaublich und im Einzelfall Klasse. Christian Müller, damals beim Konkurrenzblatt «Badener Tagblatt», gehört zu denjenigen, die sich davon eine Vorstellung machen können. Keinen von diesen zum Teil verstorbenen Kollegen, darunter eine Kollegin, habe ich als «Jammeri» kennengelernt.
Pirmin Meier, am 22. Oktober 2016 um 12:57 Uhr

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