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Nur 3 Millionen interessierten sich für den Rücktritt von Wulff, aber 13 Millionen schauten sich den Box-Match von Klitschko an.
Nichts in der deutschen Medien-Welt ist so wichtig wie die Einschaltquoten der verschiedenen Fernseh-Programme. Der Branchendienst kressreport vermeldet jeweils schon «am Morgen danach», wie viele Zuschauer sich am Vorabend bei welchem Programm in den Schlaf hinein ergötzt haben. Wessen Unterhalt gesichert ist, dessen wichtigstes Geschäft scheint zu sein, dass auch die Unterhaltung noch stimmt. Panem et Circenses, Brot und Spiele, sagten sich schon die römischen Kaiser, wenn sie sich überlegten, was dem Volk zu bieten sei. Was braucht man denn sonst?
Klitschko gegen Wulff 4:1
Am Samstag, 18. Februar, um 09.47 Uhr, vermeldete der kressblitz, dass bei der Einschaltsendung Tagesschau Extra am Freitag anlässlich der Rücktrittserklärung von Bundespräsident Christian Wulff 1.15 Millionen Zuschauer in die Flimmerkiste geschaut hatten. Am Abend dann waren es beim «Brennpunkt» zum gleichen Thema 2.94 Millionen, beim ZDF um 19.30 Uhr sogar 3.63 Millionen. Noch besser war RTL um 18.45 Uhr mit «aktuell». Hier waren es 4.03 Millionen, darunter 1.40 Millionen der Gruppe 14- bis 49jährige. Das ist die wichtigste Gruppe für die TV-Werbung. Es dreht sich ja natürlich auch hier alles nur ums Geld.
Ganz andere Zahlen konnte kressblitz am Sonntag um 10.18 Uhr vermelden. Den Box-Match von Vitali Klitschko gegen Dereck Chistora auf RTL führten sich nicht weniger als 12.88 Millionen Deutsche zu Gemüte, was, im Slang der Medien-Profis, einem Marktanteil von 56,5 Prozent der «werberelevanten» Bevölkerung entsprach.
»Vitali hat sich gesteigert»
»Vitali hatte sich enorm gesteigert» konnte man da lesen, «seinen Fight gegen Tomasz Adamek im September vergangenen Jahres hatten damals (nur) 9,51 Mio Gesamtzuschauer verfolgt.» Merke: Vitali hatte sich nicht gesteigert, weil er besser boxte. Er hat sich gesteigert, weil er mehr Leute vor die Glotze brachte.
Frauen oder Männer, Einheimische oder Zugewanderte, Protestanten oder Katholiken, gebildet oder strohdumm: was soll's? Damit man wirklich zählt, muss man heute «werberelevant» sein. Sprich: man muss in einem Alter sein, in dem man Geld ausgibt – und man muss auch Geld haben, notabene.
Es lebe Deutschland.
Keine
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