Bevor Japaner Junkfood und viel Zucker assen, blieben sie gesünder und lebten länger als Europäer © arte

Die süssen Lügen der Zuckerindustrie

Urs P. Gasche / 14. Jun 2016 - Der hohe Konsum von Zucker in Süssigkeiten und Fertigprodukten macht krank. Doch Prävention schreckt vor der Industrie zurück.

An den verbreiteten sogenannten Zivilisationskrankheiten sind in erster Linie schuld:

  1. zu wenig körperliche Bewegung und
  2. der raffinierte Zucker

Süssigkeiten sind beliebt und ein Genuss. Doch zu viele sollten es nicht sein. Und mit vielen Fertigprodukten belasten wir unseren Körper mit zusätzlich viel raffiniertem Zucker, ohne dass wir es merken. Wir muten unserem Organismus heute über vierzig Prozent mehr Zucker zu als noch vor dreissig Jahren, als auch schon viel Süsses eingenommen wurde.

Viel Zucker macht krank

Zucker ist giftig, wesentlich beteiligt an Übergewicht, Stoffwechselkrankheiten, zu hohem Blutdruck, Diabetes und Herzkrankheiten.

Vermutlich trägt der hohe Konsum von raffiniertem Zucker auch zu Krebs und Demenz bei. Entsprechende Studien zahlt keine Industrie. Und ohne «Drittgelder» der Industrie führen Universitäten und Forschungsinstitute heute kaum mehr aufwändige und teure Studien durch.

Umso aktiver ist die starke, weltweite Zuckerlobby. Sie finanziert, mit ähnlichen Methoden wie früher die Tabakindustrie, Studien über Studien, welche die Gefährlichkeit des Zuckers in Frage stellen sollen. «Die Forschungsresultate ergeben kein sicheres Bild, um Massnahmen zu rechtfertigen», sagen dann die Behörden. Sie geben sich nicht die Mühe, unter den Studien die Spreu vom Weizen zu trennen.

Als Zuckerersatzstoffe auf den Markt kamen, machte die Zuckerindustrie eine grosse Anstrengung, um diese in Verruf zu bringen (Bild Arte: Zitat aus der New York Times ca. 1968)

Drastische Folgen der «modernen» Ernährung in Japan

Epidemiologische Studien in der Gegend von Okinawa ergaben, dass der steigende Konsum von Zucker und Junkfood wesentliche Faktoren waren, weshalb die dortigen Japanerinnen und Japaner nicht mehr so alt werden wie früher und viel häufiger an Zivilisationskrankheiten leiden. Früher waren dort auch Brust- und Prostatakrebs sehr selten.

Bevor Japaner Junkfood und viel Zucker assen, blieben sie gesünder und lebten länger als Europäerinnen und Europäer (Bild Arte)

Konzerne sponsern Fachkongresse

Unter dem Titel «Die grosse Zuckerlüge» hat «Arte» im letzten Oktober eine kanadische Dokumentation ausgestrahlt, welche das langjährige Vertuschungsmanöver der Zuckerindustrie aufdeckt. Das Schweizer Fernsehen SRF hat diese informative Recherche bis heute nicht übernommen und ausgestrahlt.

Die Konsumentenzeitschrift «Saldo» erwähnt einige Ausschnitte:

  • Hauptsponsoren eines Fachkongresses gegen Fettleibigkeit in Ottawa waren McDonald's und Coca-Cola. Sie bestimmten mit, welche Redner welche Studien vorstellten.
  • Im Jahr 1975 kam ein US-Untersuchungsausschuss zum «Schluss», Zucker sei «gesundheitlich harmlos». Der Vorsitzende des Ausschusses war ein wissenschaftlicher Berater der Zuckerindustrie.

Der Zuckerfilm gewann 2016 den Preis des «The Donald Britain Award» als besten sozial-politischen Dokumentarfilm

Kuschen vor der Zuckerlobby

Kaum ein Parlament wagt es, aus Präventionsgründen den Zucker ähnlich zu besteuern wie Tabakwaren. Und ähnlich klare Deklarations- und Warnvorschriften zu erlassen.

Gesundheits-Prävention wird weitgehend beschränkt auf das, was viele Verdienstmöglichkeiten bringt: Grippe-Impfkampagnen, Brustkrebs-Screening für gesunde Frauen, PSA-Tests für gesunde Männer etc. Das zeigt den Einfluss starker Lobbys in den Parlamenten und auf die Behörden. In der Schweiz wird der Anbau von Zuckerrüben sogar hoch subventioniert – das gilt allerdings auch für den Tabakanbau.

Es lohnt sich, den kanadischen Dokumentarfilm in Ruhe anzuschauen (deutsch synchronisiert oder deutsche Untertitel):

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Link zum gleichen Video auf Youtube

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22 Meinungen

Wer sich auch nur ein bischen mit den Inhalten der neoliberalen Ideologie auskennt versteht warum das alles so ist.

Regulierend, Verbietend, Fördernd, Empfehlend darf hier nicht mehr der Staat (in Vertretung des Volkes) sein sondern ausschliesslich die Branchen selber. Die zweifelhafte Annahme das -Beamte- , staatlich Beschäftigte und somit der Staat auch hier wieder im Sinne einer gesellschaftlichen Vertretung sich gar nicht eigenen um Forschungen von Branchen unabhängig von diesen durchzuführen. Deren Ergebnisse im Sinne der Gesellschaft (Gesundheit, Wohlbefinden, Genuss, Lebensqualität versus schutz von Investitionen, Profite) zu präsentieren verursache zuviel Aufwand und Fehler und geht grad gar nicht.

Deshalb soll dies die betroffene Branche doch zum Vorteil für alle selber tun. Man spart Geld, Aufwand und muss nocht alles mehrfach erforschen etc. Der Staat darf nur noch aufgrund von Brancheninternen Untersuchungen regulierend tätig werden und dies auch nach Konsultation mit Branchevertretern. Das hier die Gesellschaft und Individuen auf einem Altar geopfert werden ist klar und welcher Investor will schon nicht einen schwachen Staat der nur stark sein darf um Investitionen aber nicht Leben zu schützen?

Kein Wunder sind Wir heute schon so weit das wir den Lügen der Industrie mehr Glauben schenken als einem Staat der noch dazu in der Lage ist das Volk zu vertreten und vor Schlangenölverkäufern zu schützen. Das mit der Selbstregulierung setzt Altruismus vorraus
Uwe Borck, am 14. Juni 2016 um 12:35 Uhr
Man erkennt einen Staat daran, wie gut «er» die Schwächsten zu schützen weiss. Schon als Kind war ich zuckersüchtig. Kein Volksvertreter hat mich und Millionen von anderen Süchtigen vor dem weissen Gift geschützt. Das ist auch so bei anderen leiderzeugenden Themen: z.B. bei gewalttätigen Computerspielen. Auch da war unser Parlament auf der Seite der Geldmafia... und hie und da wundert man sich über Kinder, die ihre Schulkameraden abknallen. Dem sagt man im Nato-Jargon Kollateralschaden.
alec gagneux, am 15. Juni 2016 um 22:15 Uhr
Leute, paternalistisches und gutmenschiges Gerede und Getue nervt mich zunehmend. Egal ob es von links, rechts oder von religiöser Seite kommt. Ich dachte, wir seien ein aufgeklärtes Volk. Seit dem Mittelalter. Oder seit der Reformation. Oder wenigstens seit dem 20. Jahrhundert...? Nicht? Mist! Dann sollten wir zuerst an unserer Aufklärung arbeiten, bevor wir uns um das Luxusproblem ZUCKER kümmern. Aufklärung ist das A und O allen Tuns und Lassens. Aufklärung durch Bildung und Erziehung, das ist der Schlüssel zu eigenverantwortlichem Handeln. Das beginnt zu Hause in der Erziehung und wird mit lebenslangem Lernen ergänzt. Aufgeklärte Leute sind gebildete Leute - und vice versa. Die brauchen ihren Verstand und entscheiden für sich und meist richtig. Aufgeklärte Leute brauchen weder Vater Staat, noch Mutter Oberin, die mir erklären, was für mich gut oder schlecht ist. Und vergesst niemals Erich Kästner: «Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich!'' Das gilt auch für das Leben vor dem Tod mit Zucker, Tabak, Salz, zuwenig Bewegung, zuviel Abgasen, etc. etc.
Peter Müller, am 20. Juni 2016 um 13:58 Uhr
...beinahe 100% von dem was Wir täglich hören, sagen, sehen, behaupten, verteidigen... das meiste davon beruht auf dem Glauben an etwas. Das Bild der Welt das Wir als Erwachsene mit uns tragen, das uns durch die Welt begleitet, an das Wir glauben wird bis in die Zeit eines jungen Erwachsenen gebildet und das ändert sich bis zu unserem Lebensende in der Regel nicht mehr.

Von daher ist der Begriff der Aufklärung etwas in die Irre führend. Die Weisheit das der Glaube Berge versetzt schon weniger...

Spricht man vom paternalistisch-maternalistischen Staat und verachtet diesen und alle Gutmenschen gleich mit hat nicht viel Verstanden. Noch immer suche ich nach einem Reichen, einem Investor der ohne die Gesellschaft und ohne den Stast dermassen viel Reichtum anhäufen konnte.

Trotzdem schafft es diese winzige Minderheit immer wieder sich gegenüber der Mehrheit als ultimative Leistungsträger zu verkaufen. Da viele vergangene und aktuelle Service Public Systeme durch verstaatlichung von misslungenen privaten Profitschemas das Licht der Welt erblickt haben sollten Wir uns diesen Unfug nicht mehr bieten lassen.

Komme ich wieder auf Investoren und Finanzler zurück die ohne staatliche Leitplanken rein gar nichts tunnwürden noch tun könnten. Wie auch, den so ein Versuch würde in der Barbarei und Sklaverei enden. Wenige begreifen das liberalisiert, also der Sorgende Staat, stets nur für die ganz unten als Unsinn verkündet wird wärend oben umfassender Eigentumsschutz gilt...
Uwe Borck, am 20. Juni 2016 um 17:02 Uhr
...beinahe 100% von dem was Wir täglich hören, sagen, sehen, behaupten, verteidigen... das meiste davon beruht auf dem Glauben an etwas. Das Bild der Welt das Wir als Erwachsene mit uns tragen, das uns durch die Welt begleitet, an das Wir glauben wird bis in die Zeit eines jungen Erwachsenen gebildet und das ändert sich bis zu unserem Lebensende in der Regel nicht mehr.

Von daher ist der Begriff der Aufklärung etwas in die Irre führend. Die Weisheit das der Glaube Berge versetzt schon weniger...

Spricht man vom paternalistisch-maternalistischen Staat und verachtet diesen und alle Gutmenschen gleich mit hat nicht viel Verstanden. Noch immer suche ich nach einem Reichen, einem Investor der ohne die Gesellschaft und ohne den Stast dermassen viel Reichtum anhäufen konnte.

Trotzdem schafft es diese winzige Minderheit immer wieder sich gegenüber der Mehrheit als ultimative Leistungsträger zu verkaufen. Da viele vergangene und aktuelle Service Public Systeme durch verstaatlichung von misslungenen privaten Profitschemas das Licht der Welt erblickt haben sollten Wir uns diesen Unfug nicht mehr bieten lassen.

Komme ich wieder auf Investoren und Finanzler zurück die ohne staatliche Leitplanken rein gar nichts tunnwürden noch tun könnten. Wie auch, den so ein Versuch würde in der Barbarei und Sklaverei enden. Wenige begreifen das liberalisiert, also der Sorgende Staat, stets nur für die ganz unten als Unsinn verkündet wird wärend oben umfassender Eigentumsschutz gilt...
Uwe Borck, am 20. Juni 2016 um 17:02 Uhr
Ich kann folgenden Dokumentarfilm meiner australischen Kollegen «Globesity» wärmstens empfehlen:
https://www.youtube.com/watch?v=mGL3iT5MMdQ
Sandra Weiss, am 20. Juni 2016 um 21:22 Uhr
@Sandra Weiss - Ich habe das Video auch gesehen und stelle ebenfalls eine Aneinanderreihung von Fakten in losem und scheinbar logischen Zusammenhang fest. Gut gemeint, schlecht gemacht. Beeindruckende Dokumentation, die nichts erklärt.

@SonjaReber - Lebensmittel und Lebensmittelindustrie können tatsächlich nicht Schuld an Adipositas sein. Das wäre absurd. Das Entgleisen des Stoffwechsels ist ein individuelles Problem, das gehäuft in sogenannt zivilisierten Ländern leider in Massen auftritt. Weil Leute Lebensmittel konsumieren wie Luft. Beim Atmen muss man nämlich nicht dran denken, ein- und auszuatmen. Essen sollte man schon bewusst und die Nahrungsmenge und Zusammensetzung mit dem geschätzten Energiverbrauch abstimmen. Das wissen wir doch alle, aber wir vergessen es laufend wieder. Weil Nahrungsmittel wie Commodities viel zu billig herumliegen und an jeder Ecke gekauft und konsumiert werden können. Gelegenehit macht fett. Abhilfe: Halt wieder mal ein Schulbuch hervornehmen und sich mit Lebenmittelpyramide und Lebensmittelzusammensetzung und Nahrungsverwertung auseinandersetzen. Dann kann kaum etwas passieren, ausser einem Ränzchen oder Fettpölsterli, das weder schadet noch vom Zucker verursacht wurde.
Peter Müller, am 21. Juni 2016 um 15:46 Uhr
...können tatsächlich nicht Schuld sein... und folgend müssen oder vieleicht besser können kei e Verantqortung dafür übernehmen. Aber für wen den sonst? Bleibt wirklich nur die völlige Reduktion des Profite scheffelns und deren freie Verfügung für die Unternehmensseite?

Ernährung ist wie alles in der Natur nicht für alle Umstände in unserer jahrtausende alten Entwicklung soweit gekommen. Schon gar nicht für die listigen Betrügereien der Lebensmittelindustrie die ganz genau wissen wie man unsere natürlichen Essgewohnheiten für Profitmaximierung überlistet kann. Das wir also viel essen, nicht mehr richtig satt werden, gewaltige Aromen- und Geschmacksexplosionen erfahren und so die Feinheiten unserer Sensoren völlig überdecken und uns Vorgauckeln wir hätten uns ernährt. Zucker, Fett, Aromen, Farbstoffe gezielt dazu missbraucht werden um den ewigen Heisshunger zu stillen... möglichst schnell viel runter stopfen und doch hungrig zu bleiben.

Es gibt einige Info Grafiken dazu. Diese findet man mit - what happens after drinking coke, eating a big mac... etc.

Die für unsere Ernährung irreführenden Effekte mit unserem Körper sind also gut bekannt. Keiner davon ist für die Gesundheit noch das Wohlbefinden in den Lebensmitteln... Warum nicht? Warum keine Verantwortung für diese Konzerne für unsere Gesundheit? Warum wird trügerische Werbung erlaubt die uns in die Irre führt? Nicht das gleiche wie gefälschte Gewichtssteine oder die faule Frucht beim Einkauf?
Uwe Borck, am 21. Juni 2016 um 16:26 Uhr
Interessant, für mich geht es in dem Film überhaupt nicht um eine wissenschaftliche Kausalitäts-Diskussion (die hätte man ja auch in einem Labor drehen können und nicht um die Welt reisen müssen), sondern um die Enthüllung der skrupellosen Marketing- und Lobbymethoden der Konzerne in Schwellenländern, wo sie es schaffen, dass dort erst gar keine solchen Regeln im Sinne der Volksgesundheit aufgestellt werden, wie sie bei uns üblich sind. Das ist auch der Hintergrund von TTIP und diesen ganzen Freihandelsverträgen, die entsprechende Spielräume der Politik immer mehr einschränken sollen, weil etwaige Gesetze vor Schiedsgerichten angefochten werden können.
Ich habe den Kampf u.a. in Mexiko, Brasilien, Ecuador und Uruguay (da ging es allerdings gegen die Tabakindustrie) hautnah miterlebt. Man braucht sehr viel politisches Rückgrat, sich dagegen durchzusetzen, und Uruguay hat der Rechtsstreit bislang Millionen gekostet. Viel einfacher ist es, sich von der Lobby bezahlen zu lassen und die Kosten dem Gesundheitssystem und damit dem Nachfolger aufzubürden. Und irgendwann ist das staatliche Gesundheitssystem dann pleite, dann hat man einen guten Grund, es zu privatisieren.
Sandra Weiss, am 21. Juni 2016 um 19:03 Uhr
@Sonja Reber. @Peter Müller Welches ist Ihre Motivation, den übermässigen Zuckergenuss zu verteidigen?
Urs P. Gasche, am 22. Juni 2016 um 08:47 Uhr
@UrsPGasche - Schreiben wir unklar? Ich denke nicht. Aber vielleicht haben wir die Journalistische Neugier nicht befriedigt? Oder das Interesse an Diskussion geweckt? Ich kann nur für mich antworten:
Mit ihrem Fragesatz spannen sie den Bogen über «Motivation + übermässig + Zucker + Genuss». Das sind viele Stichworte in einem Satz. Meine Antwortfragemente dazu sind:

- Selbstbestimmung ist mir aus Überzeugung wichtiger als ein (journalistischer) Zucker-Thema-Hype mit verdeckter staatlicher Empfehlung/ Lenkung der Volksgesundheit durch Obrigkeit
- Ich befasse mich professionell mit Bildungspolitik im Gesundheitswesen und der Volksgesundheit
- Ich bin weder gewählter Politiker noch Lobbyist im Umfeld von Lebensmitteln oder Zucker oder Landwirtschaft oder dergleichen
- In unserem Familienkreis hat niemand Motivation, Zucker zu bejubeln. Zucker hat in unserer Familie untergeordnete Bedeutung. Wir essen und trinken zuckerarm gesund und ausgewogen, Kohlehydrate sind im Überfluss als Nahrungsmittel verpönt.
- Als Pädagoge bestehe ich darauf, dass Individuen mit Stoffen dieser Welt - auch Zucker - lernen, umzugehen. Journis und Politiker können ein Thema lancieren, sich damit auseinander setzen müssen sich aber die Individuen.

Aufforderung und Gruss an die Volks- und Grundschule, die viel mehr in diese Richtung tun müsste. Das Thema gehört auch - weils wichtig ist - in den ABU der Lehre und ins Gymi. Alles klar jetzt?
Gruss vom Pesche
Peter Müller, am 22. Juni 2016 um 19:10 Uhr
Aufklärungskampagnen und Bildung sind zweifellos das wichtigste. Aber begleitende Regelungen sind es auch (z.B. entsprechende Ampel-Kennzeichnung der Lebensmittel wie in Ecuador, Werbeverbot im Kinderprogramm, gesunde Schulspeisungen aus kleinbäuerlicher Öko-Landwirtschaft wie in Brasilien etc.). Doch der geballten Macht der Konzerne zu widerstehen und solche Regeln durchzusetzen ist gerade für Staaten in der «Dritten Welt» ungemein schwierig. Und der Grad der Volksbildung ist eben auch nicht mit der CH vergleichbar. Darum sind diese Länder auch viel mehr Zielscheibe der Marketing-Strategien der Nahrungsmittel-Riesen. Zumal sie schneller wachsen, eine jüngere Bevölkerung haben usw.
Sandra Weiss, am 22. Juni 2016 um 19:33 Uhr
Eigenverantwortung ohne Information
Eigenverantwortung ohne Wissen
Eigenverantwortung ohne Rechte noch Mitbestimmung

Wärend Organisationen sich alle beliebigen «Spezialisten» Einkaufen und Entscheidungen immer im Kollektiv treffen (die angeblich Einsamen Helden des Kapitalismus gibt es nicht) soll sich der einzelne gefälligst selber organisieren und ist offenbar selber Schuld wenn es nicht klappt.

Auf der anderen Seite soll sich jeder selber Informieren, die Volksschule soll es dann aber doch wieder richten. Warum das wenn der Staat unsichtbar regulierend Konzerne im Sinne der Gesellschaft zur Pflicht und Verantwortung rufen kann. Auch hier zu erkennen das am Ende doch wieder jeder selber Schuld ist.

Dieses ziemlich verächtliche und ignorante Bild des Menschen missachtet vollends alle sozialen und sensorischen Fähigkeiten des Menschen die durch Marketing gezielt unterlaufen werden. Dazu muss ein Schlangeölverkäufer nur möglichst früh in die Köpfe unserer Kinder und schon bald geraten selbst die Eltern an die zweite Stelle hinter den Verkäufern. Stetige Wiederholung und mag es noch so Sinnlos sein, (Werbung die angeblich nie für Kinder und Jugendliche ist) trägt viel dazu bei uns alle zu manipulieren...

Das mit der Eigenverantwortung des Individuums setzt voraus das ständig alle nötigen Informationen Verfügbar sind, das diese Verstanden werden, das die Zeit dazu vorhanden ist und immer von Vorteil auch Geld.
Uwe Borck, am 22. Juni 2016 um 21:10 Uhr
Urs P. Gasche hat vollkommen recht. Sowohl Peter Müller als auch Sonja Reber scheinen den Zuckerkonsum genau so zu verteidigen, wie die Tabaklobby jahrelang den Tabakkonsum verteidigt hat: «Es ist nichts bewiesen.» Man lasse sich davon nicht in die irre führen. Die beiden tönen meines Erachtens nach gut bezahlten Lobbyisten. (Wenn dem so ist folgt wahrscheinlich der Angriff ad hominem als nächstes, mal sehen…)

Selbstverständlich ist Zucker etwas, dass dem Körper sofort instant Energie gibt und vor 200'000 Jahren kam man an diese Energie nicht so schnell ran, wenn man nicht von Dutzenden Bienen gestochen werden wollte. Genetisch ist also der Körper von Säugetieren so programmiert, dass der Zuckerkonsum mit einer zusätzlichen Belohnung des Gehirns gekoppelt ist, um (vor 200'000 Jahren wichtig!) diesen wertvollen Energielieferanten sofort zu sichern. Im Übermass ist er aber selbstverständlich absolut schädlich, nicht nur für das Übergewicht, wie Frau Reber und Herr Müller argumentieren, sondern z.B. auch für die Zähne (das weiss sogar mein 9-jähriger Sohn!). Deshalb ist eine SACHLICHE, NICHT REISSERISCHE, Aufklärung der Bevölkerung absolut nötig. Und diese kann – wie so oft gesehen – nur eine Volksvertretung leisten, kein gewinnorientiertes Unternehmen, das mit Zucker seinen Absatz steigert (ziemlich logisch, oder?). Das wird in der Schweiz übrigens teilweise schon geleistet: mein Sohn darf keine Znünis mit Zucker in die Schule nehmen. Auch die Schulzahnärztin klärt auf etc. …
Caio Gutzwiller, am 26. Juni 2016 um 13:01 Uhr
Ausserdem zeichnet der Kommentar von Sandra Weiss oben sehr schön einen systemischen Ansatz das Ganze zu verstehen. Danke, @Sandra, für den guten Kommentar!
Caio Gutzwiller, am 26. Juni 2016 um 13:05 Uhr
Frau Reber,
Würde ein gut bezahlter Lobbyist hier zugeben, dass er ein gut bezahlter Lobbyist ist? Nein. Eben…

Wie die Dinge genau zusammenhängen können Interessierte relativ effizient in Wikipedia nachlesen unter den Stichworten «Kohlenhydrate», «Adipositas» und Fehlernährung. Es lohnt sich! Dort ist es besser und korrekter beschrieben, als ich es je könnte (und, so wie es scheint auch besser als es Frau Reber je könnte).

Ein Zitat aus dem Artikel «Adipositas»:
«Zu viel und falsche Ernährung einerseits – zu wenig Bewegung (Energieverbrauch) andererseits – führen zu Überschuss bei der individuellen Energiebilanz eines Menschen. Per Lebensmittel zugeführte und nicht verbrauchte Energie wird letztlich in Fettdepots gespeichert.

Bei der Ernährung scheinen zuckerhaltige Getränke eine wichtige Rolle zu spielen.[7][8][9][10] Zwar kommen einige Übersichtsarbeiten zu dem Schluss, dass kein Zusammenhang nachweisbar wäre, eine neue Arbeit zeigt jedoch, dass dies vor allem in Arbeiten mit finanziellem Interessenskonflikt der Fall ist.[11] Studien ohne finanziellen Interessenskonflikt zeigen in über 80 Prozent der Fälle einen Zusammenhang zwischen dem regelmäßigen und hohen Konsum zuckerhaltiger Getränke und Übergewicht.»

Fruchtsäfte, vor allem diejenigen aus Konzentrat, führen zu einer «Überschuss bei der individuellen Energiebilanz». Die darf mein Sohn nicht als Znüni mitnehmen. Früchte hingegen schon, sie führen nicht zu einem «Überschuss bei der individuellen Energiebilanz»
Caio Gutzwiller, am 27. Juni 2016 um 13:41 Uhr
Und nein, Frau Reber, sie sind sicher keine Philosophin. Von Logik haben sie nur eine begrenzte Ahnung. Von «ethisch handeln» gar keine. Die Metaphysik kann ich bei Ihnen zur Zeit noch nicht beurteilen, aber ich habe da meine sehr grossen Zweifel.

Auch hier: Wen es interessiert, der kann bei Wikipedia unter dem Stichwort «Philosophie» sehr schnell plausibel erklärt bekommen, wieso Frau Reber keine Philosophin ist per Definition.

Was aber viel interessanter ist, ist zu verstehen was Frau Reber hier mit den Lesern versucht. Dafür gibt es einen Namen, nämlich: Reframing. Wenn sie also nur wenig Zeit haben, lesen sie lieber den Artikel «Reframing» in Wikipedia.
Caio Gutzwiller, am 27. Juni 2016 um 13:46 Uhr
Godwin's Law: «Godwin’s law (englisch für ‚Godwins Gesetz‘) ist ein Begriff aus der Internetkultur, der von dem Rechtsanwalt und Sachbuchautor Mike Godwin 1990 geprägt wurde. Es besagt, dass im Verlaufe längerer Diskussionen, beispielsweise in Usenet-Newsgroups, mit zunehmender Dauer die Wahrscheinlichkeit, dass jemand einen Nazi-Vergleich einbringt, sich dem Wert Eins annähert.»
Caio Gutzwiller, am 27. Juni 2016 um 13:57 Uhr
https://www.youtube.com/watch?v=6lc-kFF4VXA
Caio Gutzwiller, am 27. Juni 2016 um 17:21 Uhr
Ich teile die Ansicht von Herrn Gutzwiller (nicht beim Video-Link, dessen Relevanz auch mir entgangen ist, sondern weiter oben). Bei jemandem, die so gut schreibt wie Frau Reber und sonst nicht auf dem Internet publizistisch zu finden ist, ausser im Infosperber immer in derselben Rolle - der Verteidung von schädlichen Industrieaktiväten, ist ein Pseudonym oder eine versteckte Agenda wahrscheinlich.

Es gibt natürlich auch die Rolle des «advoctus diaboli», die ich auch sehr liebe, aber ein echter «advoctus diaboli» oder eine «Liebe zu Weisheit» aus Leidenschaft mischt sich vielfach ein und nicht nur in einer begrenzten Thematik.
Theo Schmidt, am 26. August 2016 um 09:37 Uhr
Klar tut Ihre Person etwas zur Sache, Frau Reber, da Sie uns Ihren Hintergrund nicht erklären und systematisch Desinformations-PR zugunsten verschiedener Industriezweige machen; bisher habe ich neben dem Zuckerthema hier, Beiträge zugunsten der Waffen- und fossilen Rohstoffindustrie gesehen, oder den diesen nahestehenden politischen Richtungen.

Ich bewundere durchaus, wie geschickt und höflich Sie das machen, aber nicht, dass Sie es machen, denn unzählige Menschen leiden wegen der Praktiken, die Sie verteidigen.

Was den Zucker angeht, bin auch ich ein süchtiges «Opfer». Es ist nicht schlimm, aber es gelingt mir nicht, meinen Konsum von Industriezucker auf ein gänzlich unbedenkliches Mass zu reduzieren, weil ich schon als Kind mit den einschlägigen Produkten gefüttert wurde respektive meine Eltern meinem kindlichen Drängen nachgegeben hatten. Das geht bis zu Entzugserscheinungen, wenn ich eine Weile nicht Süsses gegessen habe. Ihre Tätigkeit schädigt also auch mich ganz direkt, dehalb spreche ich sie an.
Theo Schmidt, am 26. August 2016 um 12:23 Uhr
...das Personen nicht mehr sich selber und Ihre Sache vertreten sondern die von anderen... völlig losgelöst der eigenen Herkunft, der Erziehung, Emotionen und Erlebnisse ist man in der Lage beliebiges völlig neutral, emotionslos, inhuman zu vertreten. Alles gesagte basiert ja dann, ohne diese lästigen emotionalen Komponenten, nur noch auf reinen belegbaren rationalen Tatsachen... etwas das nur wenige in der Lage sind zu tun, man denke da an den dunklen Dreiklang der einige dieser Persönlichkeitskonstrukte in einer Person vereint... die Menschen die nun feststellen das Zucker als Ernährung gerade im industriellen Bereich der Lebensmittelherstellung ungesunde Anteile für den Menschen hat wirft man vor das immer zuwenig Tatsachen eben nicht vorhanden sind, das die Relationen aus einem trüben nicht verifizierbaren Teich gefischt werden und das alles andere schreckliche Einzelschicksale sind für die niemand etwas kann und somit Verantwortung für Denken und Handeln von sich weisen kann...soviel zur Eigenverantwortung als Konzept das dem realen Leben nicht paroli bieten kann. Ganz neu ist, das nun kranke Menschen normal sind, dPerversion zur Banalität reduziert wird und gleichzeit als neue Freiheit verkündet, wärend gesunde einem fiktiven Standard verfallen sind. Aus fit wird fett... aus Mann und Weib wird... man wähle.
Uwe Borck, am 26. August 2016 um 14:30 Uhr

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