Die ärmsten Flüchtlinge lassen wir im Stich

Benno Büeler © bb
Benno Büeler / 12. Feb 2016 - Bis zu uns schaffen es fast nur gesunde Flüchtlinge mit Geld. Um diese wenigen kümmern wir uns und lassen die meisten im Elend.

upg. Benno Büeler ist bekannt als Vorstandsmitglied von Ecopop, welche u.a. die Zunahme der Bevölkerung in der Schweiz auf jährlich höchstens rund 35'000 Personen beschränken will. Deren entsprechende Initiative hat das Volk allerdings mit einer Mehrheit von 74 Prozent abgelehnt. Ein Gastbeitrag.

Schweden ist an seine Grenzen gestossen

Schweden hat bisher im Verhältnis zur Bevölkerung am meisten Flüchtende aufgenommen und ist an soziale und politische Grenzen gestossen. Die rot-grüne Regierung hat das Land fast über Nacht abgeschottet und will Entwicklungshilfegelder jetzt mehr im Inland für das Asylwesen einsetzen als für Entwicklungshilfe vor Ort. In der Folge haben Norwegen und Dänemark ebenfalls die Grenzen geschlossen. Wir stehen vor der Tatsache, dass viel mehr Menschen nach Europa kommen möchten als Europa politisch-gesellschaftlich bereit ist aufzunehmen. In Deutschland dürften 2016 schon bei weniger als einer Million Flüchtlinge die Tore zugehen.

Unabhängig von den Aufnahmekapazitäten und dem Aufnahmewillen stellt sich indessen die Frage, ob die Fokussierung auf Flüchtende, die es bis Westeuropa geschafft haben, die richtige Priorisierung ist. Es geht um folgende Probleme:

  • Bevorzugung: Da es nur ein sehr kleiner Teil der Armen und Bedrohten nach Europa schafft, die meisten aber vor verschlossener Tür stehen werden, muss die Frage gestellt werden: wem soll geholfen werden? Den Alten und Kranken welche in den Uno-Flüchtlingszentren bleiben oder den mobilen jungen Männern mit Zugang zu Geld, welche den Weg nach Zentraleuropa schaffen? Und was ist mit den Verfolgten oder Hungernden, welche weit weg von Uno-Flüchtlingszentren leben und von denen es laut Uno viele hundert Millionen gibt? Die jetzige Hilfe bevorzugt wenige im reichen Westen und lässt die grosse Mehrheit im weit entfernten Elend hocken.
  • Effizienz: Wenn die Mittel nicht reichen, um überall und allen zu helfen, stellt sich die Frage der Effizienz. Wie kann mit den gegebenen Mitteln möglichst vielen geholfen werden? Wenn der Bund hypothetisch eine Milliarde Franken im Asylwesen ausgibt und damit pro Jahr 30'000 Asylbewerber betreuen kann – wie viel mehr Menschen könnte in einem Uno-Flüchtlingszentrum oder anderen lokalen Strukturen mit dieser Milliarde geholfen werden? Da in der Schweiz die Löhne bis zu einige hundert Mal höher liegen als in Krisenregionen muss angenommen werden, dass eine vielfach grössere Zahl von Menschen unterstützt werden könnte, wenn das Geld statt ins schweizerische Asylwesen in Hilfe vor Ort gelenkt würde.
  • Wirtschaftliche Entwicklung: Die Mittel für das Asylwesen fliessen zu den Sozial- und Asylarbeitenden, zu Bau- und Immobilienfirmen und in die Kassen unserer Grossverteiler. Das hilft den reichen Ländern, wirtschaftlich weiter zu wachsen, anstatt den Nachbarländern von Krisengebieten zu Wirtschaftsimpulsen zu verhelfen.
  • Struktur-Effekte: Ein Asylwesen, welches diejenigen belohnt, welche nach Zentraleuropa kommen und sich nichts zuschulden kommen lassen, wirkt wie ein gigantischer Filter. Junge mobile Männer mit überdurchschnittlicher Bildung und Zugang zu Geld nehmen wir auf, während die Armen, Kranken oder zurückgeschafften Kleinkriminellen als Rumpfgesellschaft zurück bleiben. Aus Sicht der betroffenen Krisenländer ist dies tragisch: wie sollen sich solche Gesellschaften wieder aufbauen, wenn genau die Tatkräftigen und Fähigen fehlen? Wie demotivierend muss es für die letzten vor Ort sein zu sehen, wie viel einfacher eine Flucht erscheint gegenüber dem zähen Aufbau vor Ort?

Wir helfen den Bessergestellten statt den wirklich Armen, die Hilfsgelder bleiben im reichen Westen statt in die armen Regionen zu fliessen, wir verschwenden die Mittel an wenige statt vielen zu helfen, und zum Schluss erschwert unsere Hilfe die Befriedung und den Wiederaufbau von Krisenländern. Die Priorität sollte klar sein: Mit Hilfe der Uno ist die Hilfe vor Ort massiv auszubauen. Gleichzeitig sind die strukturellen Ursachen für Armut und Destabilisierung anzugehen. Hier steht der Westen in der Verantwortung.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Der Mathematiker und Agraringenieur Benno Büeler ist im Vorstand der «Vereinigung Umwelt und Bevölkerung» Ecopop.

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4 Meinungen

Benno Büeler bringt es auf den Punkt; vielen Dank! Was diesen Lösungsansatz verhindert: 1. die hiesige Asylgesetzgebung und die institutionalisierte Materielle Hilfe lädt zur Massenmigration; 2. für Hilfe in den Herkunftsländern sich einzusetzen, bietet den Politikern keine mediale Plattform für Stimmenfang; 3. die organisierten Schlepper bleiben bei ihrem hochprofitablen Geschäft unbehelligt.
Ignaz Heim, am 12. Februar 2016 um 13:41 Uhr
Schlüssige Überlegungen, die wirklich die bedürftigste Menschen in den Fokus rücken.
Was mich jeweils sehr stört, sind Argumente, welche die Interessen der Wirtschaft in den Mittelpunkt stellen, das erachte ich als puren und kurzsichtigen Egoismus. Wie Bühler richtig schreibt, ziehen wir damit die fähigsten Menschen auf unsre Arbeitsmärkte ab, diese fehlen dann in den Heimatländern für wichtige (Aufbau-) Funktionen.
Als Waffenlieferant bsw. für den Agressor Saudiarabien ist unser Land an den Ungeheuerlichkeiten mit beteiligt, damit leider auch an der «Produktion» von Flüchtlingen - und dies für unsre Wirtschaft und für unsre Arbeitsplätze! :-(((
Urs Lachenmeier, am 13. Februar 2016 um 10:51 Uhr
An und für sich richtige Überlegungen. Nur ... wenn dann dieselben Politiker, die das Argument bringe, man solle den Leuten vor Ort helfen statt sie hierher lassen, eine Woche später im Parlament die Gelder für Entwicklungshilfe u.ä am liebsten auf 0.00 streichen würden, werden sie als das entlarvt, was sie sind: Heuchler.
Damit meine ich nicht Hr. Büeler, ich weiss nicht, ob er die humanitäre Hilfe im Ausland und Entwicklungshilfe echt stärken möchte oder einfach ein paar schöne Worte spricht im Wissen, dass dies in Bern nie eine Mehrheit finden wird.
Franz Abächerli, am 13. Februar 2016 um 15:19 Uhr
Wie recht hat Herr Beno Büeler, die wahren Opfer des Elends schaffen es gar nicht nach Europa zu kommen. Wir bedienen hier eine «Wirtschaftsflüchtlings-Gruppe der Mittel-Oberschicht». Zudem möchte ich doch hinzufügen, dass ein Rentner, der bei uns das ganze Leben hart gearbeitet hat, im Rentenalter gleichviel (-oder auch weniger nach Steuerabzüge) zum leben hat als ein Asylant mit Sozialhife mit allen Verbilligung und Geschenke des Staates. Ich glaube im ernst es kann so nicht weitergehen. Wir brauchen echte Politiker, die mit Vernunft und Ernst diese Problematik angehen. Den verbleibenden Politiker die jetzt in den Migrationsämter verweilen, wünsche ich sie hätten den Mut würdig abzutreten und Menschen den Stuhl freizugen, die wie der Österreichische Aussenminister, nach richtigen Lösungen streben. Die Auslandhilfe für die Ärmsten dieser Welt ist auszubauen und etwas sehr wertvolles !
Patrick Greber, am 02. April 2016 um 11:52 Uhr

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