Grösstes privates Segelboot, 96 Mio $, in den USA : Beim Vermögen der Reichsten nicht mitgerechnet © NickKenrick/flickr/cc
- © Eidg. Steuerverwaltung

So werden Reiche noch reicher – steuerfrei

Urs P. Gasche / 08. Jan 2015 - Börsenkurse und Häuserpreise boomen. Wer statt mit Arbeit mit Aktien oder Immobilien reich wird, zahlt auf Gewinnen keine Steuern.

Anders als in den USA und andern Ländern muss man Aktiengewinne und Wertsteigerungen von Immobilien in der Schweiz nicht versteuern (bei Immobilien nur bei deren Verkauf nach Abzug sämtlicher wertsteigernder Investitionen). Diese Einkommen verdanken die Reichen der (Null-)Zinspolitik der Nationalbanken und der Geldschwemme, welche die Nationalbanken produzieren: Wer hat und kann, verschiebt sein Vermögen in reale Werte wie Aktien und Immobilien.

Statt Steuern auf Kapitalgewinnen namhafte Steuerabzüge

Die Gewinne mit Wertpapieren werden mit null Franken besteuert. Solche ohne Anstrengung rasant gestiegenen Vermögenswerte belasten die Steuerbehörden lediglich mit einer bescheidenen Vermögenssteuer.

Vermögende profitieren zudem davon, dass nur sie beim steuerbaren Einkommen erhebliche Abzugsmöglichkeiten geltend machen können. Ins Gewicht fallen vor allem hohe Renovations- und Unterhaltskosten der Immobilien sowie Einkäufe in Pensionskassen. Beides kann man vom steuerbaren Einkommen abziehen. In Extremfällen führt dies dazu, dass Multimillionäre null Franken Steuern zahlen.

Damit die Öffentlichkeit an den Steuergeschenken für die Wohlhabenden und Besitzenden nicht ständig Anstoss nimmt, werden die steuerbaren Einkommen und Vermögen an den meisten Orten als geheim behandelt.

Zahlen der Eidgenössischen Steuerverwaltung beschönigen

Diese oben beschriebene Entwicklung macht die einseitige Verteilung der Vermögen noch einseitiger. Gemäss Statistik der Eidgenössischen Steuerverwaltung verfügt heute ein Viertel der Steuerpflichtigen über null Franken steuerbares Vermögen, 95 Prozent aller Steuerpflichtigen besitzen zusammen 38 Prozent aller Vermögen. Die superreichen 0,2 Prozent besitzen über 26,5 Prozent aller Vermögen. Man kann dies aus der folgenden Grafik ablesen:

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Diese Statistik der Eidgenössischen Steuerverwaltung ist allerdings noch stark beschönigend, weil sie nur die versteuerten Vermögen erfasst. Die tatsächlichen Vermögen der Reichen und Superreichen sind viel grösser:

  • Immobilienbesitzer müssen bekanntlich nicht den Marktwert ihrer Häuser und Bürogebäude angeben, sondern nur 60 bis 70 Prozent davon.
  • Häuser und Jachten, die Reiche im Ausland besitzen und dort versteuern, sind in der Vermögensstatistik der Steuerverwaltung mit null Franken erfasst.
  • Ebensowenig sind die Vermögen bei Lebensversicherungen, Pensionskassen und der Dritten Säule erfasst.
  • Bei der Altersvorsorge profitieren Kaderangestellte von Kaderversicherungen und hohen überobligatorischen Anteilen. Reiche, die selbständig sind, verfügen häufig über besonders hohe Altersguthaben.

Alle diese Vermögen erfasst die Eidgenössische Steuerverwaltung in ihrer Statistik nicht.

Aus diesen Gründen gibt die Steuerverwaltung das durchschnittliche Vermögen pro Kopf mit 189'000 Franken an, was genau der Hälfte der Wahrheit entspricht.

Nationalbank erfasst alle Vermögen

Tatsächlich ist das durchschnittliche Vermögen pro Kopf doppelt so hoch. Denn die Nationalbank, die sich auf die volkswirtschaftlichen Gesamtdaten stützt, gibt das durchschnittliche Vermögen pro Kopf mit 391'000 Franken an.

Von der Steigerung der letzten Jahre haben in erster Linie bereits Vermögende profitiert, die ihr Netto-Vermögen allein im Jahr 2013 um 10 und oft noch viel mehr Prozent erhöhen konnten – ohne dafür zu arbeiten. Sie konnten auf dem Sofa zuschauen, wie die Börsenkurse und der Wert ihrer Immobilien nach oben kletterten.

Selbst wenn man bei den Hausbesitzern die ebenfalls gestiegene Hypothekarverschuldung abzieht, blieb 2013 netto ein Vermögenszuwachs von 52 Milliarden Franken. Das sind laut Nationalbank-Statistik ein Drittel des gesamten Vermögenszuwachses der Haushalte im Jahr 2013 von insgesamt rund 160 Milliarden.

Der Besitz von Grund und Boden macht 44 Prozent aller Aktiven der privaten Haushalte aus.

Dazu kamen nach Angaben der Nationalbank 40 Milliarden Netto-Gewinne, weil die Aktienkurse gestiegen sind.

Die Reinvermögen stiegen vor allem dank Aktiengewinnen (Grafik SNB)

Statistik SNB

Guthaben bei Pensionskassen und Lebensversicherungen

Zu den Vermögen zählt die Nationalbank im Gegensatz zur Steuerverwaltung ebenfalls die Guthaben bei Pensionskassen und Lebensversicherungen. Diese profitierten zwar ebenfalls von der Wertsteigerung der Aktien, haben jedoch den grösseren Teil ihrer Milliarden in festverzinslichen Papieren wie Obligationen angelegt.

Den Obligationen bekommt die Geldschwemme nicht gut. Staatsobligationen und Anleihen bewährter Firmen bringen trotz gutem Rating nur noch eine magere Verzinsung nahe bei Null. Bereits ist von Rentenkürzungen (Herabsetzen des Umwandlungssatzes) und von Erhöhungen des Rentenalters die Rede.

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Über zunehmende Einkommensunterschiede in den USA ist folgende Satire ein Genuss: «Tonight with John Oliver: Wealth Gap».

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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17 Meinungen

Alles richtig, nur habe ich Einwände gegen drei der vier Bulletpoints betreffend «beschönigter Statistik»: (1) Ja, bei Immobilien wird nicht der Marktwert versteuert - aber es gibt bei uns - weltweit so ziemlich einmalig - den Eigenmietwert beim Einkommen. (2) Dass Immobilien und anderes, das Personen im Ausland besitzen und dort versteuern, nicht in der Statistik der Steuerverwaltung auftauchen, ist auch korrekt so - schliesslich werden die ja im Ausland versteuert. Dafür gibt es Doppelbesteuerungsabkommen. (3) Ja, es ist richtig, Selbständigerwerbende können massiv höhere Beiträge in die 3. Säule einbezahlen - haben aber im Gegenzug keine 2. Säule und tragen erst noch das ganze finanzielle Risiko ihrer Unternehmung mit ihrem Privatvermögen.
Michael Gisiger, am 08. Januar 2015 um 13:28 Uhr
Das finde ich gut, Herr Gasche. Den Fokus auf die Verteilung, nicht auf das Wachstum.
Olivier Bregy, am 08. Januar 2015 um 17:01 Uhr
...und wer was hat, verteilt es nicht.

Und die reichsten Schweizer kennen Sie in dem Fall nicht. Nehmen Sie mal den Geldadel unter die Lupe. Der mit dem «alten Geld». Nicht die Neureichen.
Olivier Bregy, am 08. Januar 2015 um 18:26 Uhr
Glauben Sie ja nicht, dass die reichsten Schweizer Steuern bezahlen. Sie zählen hier ein paar Neureiche auf. Vergessen Sie die. Die reichsten Schweizer tauchen auf keinen Listen auf.
Olivier Bregy, am 09. Januar 2015 um 05:12 Uhr
...gut getarnt hinter einem Netzwerk von Stiftungen. Die reichsten Schweizer verpachten seit Generationen Boden, ohne ihn jemals zu verkaufen, besitzen Parkhäuser, Wälder, Schlösser - und kassieren dafür noch Subventionen.

Die paar Unternehmer sind bloss geduldet.

Da muss natürlich schon die NZZ konsultieren... Merken Sie was?
Olivier Bregy, am 09. Januar 2015 um 05:21 Uhr
Und dann kommen Sie mit den Unternehmenssteuern... schon darüber sinniert, wieso Bertarelli und Co so hohe Gewinne versteuern (dabei ist der Grossteil in Steueroasen geparkt)? Man könnte auch die Arbeitnehmer besser entlöhnen, die Schmidheinys könnten endlich die Hinterbliebenen der Asbest-Opfer entschädigen...
Olivier Bregy, am 09. Januar 2015 um 06:45 Uhr
Ich bitte Sie, da spaziere ich eher mit einem Je-suis-Charlie-T-Shirt durch Raqqa. Nein sowas können Foren-Trolle mit falschem Namen posten.
Olivier Bregy, am 09. Januar 2015 um 16:25 Uhr
"Aber Unternehmen sind keine Hilfswerke. » Natürlich nicht, darum beharrt Schmidheiny auf die Verjährung bei der Entschädigung der Asbest-Opfer.
Olivier Bregy, am 09. Januar 2015 um 16:28 Uhr
SCHON 50 Millionen! 33'000.- für einen elendlich erstickten Ehemann. Gutes Geschäft.

"Schon 1980 sagte Schmidheiny in einem Interview mit dem «Magazin» des «Tages-Anzeigers», es sei ihm klar, dass Asbest gefährlich sei und dass man jetzt möglichst sauber produzieren und möglichst schnell davon loskommen müsse. Man kann doch nicht einerseits so reden und sich andererseits nicht daran halten. Da hat Schmidheiny ein Problem. Er hätte eingreifen können."

-> vorsätzliche Tötung nennt man sowas

https://www.woz.ch/1448/asbestkatastrophe/alle-asbestopfer-sind-zu-entschaedigen
Olivier Bregy, am 09. Januar 2015 um 18:54 Uhr
1990 verboten. Was wollen Sie damit sagen?
Olivier Bregy, am 09. Januar 2015 um 20:25 Uhr
In Italien ist die Klage in letzter Instanz abgewiesen worden, weil er von einem Verjährungsgesetz profitiert hat, das Berlusconi vorangetrieben hat.

1980 sagte er in einem Interview, dass ihm klar sei, dass Asbest gefährlich sei.

In der Schweiz hat er bis zum Verbot gegen strengere Vorschriften lobbyiert, die Einführung strengerer Vorschriften verzögert.

Zumindest Schmidheiny hat gemerkt, was ihm blühen könnte.
Olivier Bregy, am 09. Januar 2015 um 20:42 Uhr
Was wollten Sie sagen mit 1990 verboten und merken Sie was?
Olivier Bregy, am 10. Januar 2015 um 07:15 Uhr
Ich vermute aufgrund Ihrer Aussage «1990 verboten und merken Sie was» darauf hindeuten wollten, das Asbest erst 1990 verboten wurde.

Zumindest Ihr Rechstverständnis (was nicht verboten ist, ist erlaubt) scheinen Sie mit Schmidheiny.

Und natürlich können Sie hier mit Begriffen wie Kleingeist und Neid um sich schleudern.

Meine Bewunderung gilt Unternehmnern mit sozialem Gewissen. Duttweiler oder Hayek um zwei zu nennen.
Unternehmer, die ihre Arbeitnehmer reihenweise in einen qualvollen Tod schicken, machen nicht stolz.

Was das andere Thema anbelangt, überlasse ich es Ihrem Grossgeist zu beurteilen, ob diese Familien ihr Vermögen auf Stiftungen verteilt haben oder nicht.

Servus Herr Roelli!
Olivier Bregy, am 10. Januar 2015 um 09:18 Uhr
Kleingeister stellen sich eben vor, dass nur erlaubt ist, was sie selbst erlauben.

Kleingeister stellen sich eben auch vor, dass nur die Kinder von Mutter Theresa Unternehmer werden dürfen. Stiftungen dürfen sie dann aber trotzdem nicht einrichten. Sonst platzt den Kleingeistern wieder der Kragen vor Neid.

Zum Glück gibts nicht nur Kleingeister in der Schweiz. Sonst wäre diesem Land der «qualvolle Tod» gewiss.
Claudia Kramer, am 10. Januar 2015 um 17:48 Uhr
Ergebnis der hier geführten Redeschlacht: 1 : 0 für Dominik Roelli! Oliver Bregy beantwortet nicht nur die Fragen nicht, sondern ist auch nicht in der Lage eine einzige saubere Quelle für seine Behauptungen anzuführen.
Doch zurück zum Artikel von U. Gasche, der jene Fakten unterschlägt, die nicht in sein ideologisches Konzept passen.
Dass in der Schweiz als einzigem Land in Europa für selbst bewohnte Immobilien ein Eigenmietwert zum gleichen Satz wie das Einkommen versteuert werden muss (was Gasche verschweigt), ist hier schon moniert worden. Schon bei einem einfachen Einfamilienhaus ist dieser Wert oft höher als die AHV-Vollrente eines Ehepaares, die ebenfalls zu 100% versteuert werden muss.
Dass Grundstückgewinne nur anfallen, wenn Immobilien tatsächlich veräussert werden, liegt auf der Hand. Die entsprechenden Steuersätze sind, je nach Kanton, z.T. happig.
In Ländern, wo im Gegensatz zu Schweiz Gewinne auf das Aktienkapital versteuert werden müssen, besteht dafür keine Vermögenssteuer! Es ist wie immer: Die Forderungen der Linken nach einer Kapitalgewinnungssteuer tauchen immer in guten Börsenjahren auf. Wenn die Gewinne besteuert werden, müssten Verluste entsprechend abgezogen werden können. In schlechten Börsenjahren würde das zu massiven Einbrüchen der Steuererträge führen. Die Vermögenssteuer hingegen ist weniger Schwankungen unterworfen.
Und: Zw. 1946 und 2008 ist die durschn. Steuerbelastung in der CH von 10,5 auf über 26% des BIP gestiegen (OHNE Bundessteuern!)
Arnold Fröhlich, am 12. Januar 2015 um 17:20 Uhr
Uii, so viele Nebelgranaten gegen einen armen Kleingeist?

Herr Roelli, schön ist sie, Ihre Legende von den tapferen Unternehmer-Helden, deren Schweiss und Mühe wir unseren Wohlstand verdanken. Sie wollen Zahlen. Hier ist eine: 308 Milliarden. Soviel Gewinn(!!) machten hierzulande 2011 die 8766 reichsten Firmen. Das sind die Finanzimperien: Sie werden mit einem Beteiligungsabzug von 74% dafür belohnt, dass sie nichts produzieren, sondern durch das Absaugen von Gewinnen aus ausländischen Firmen Europa und die Welt destabilisieren. «Innovative Pioniere"?
Die übrigen 300'000 Schweizer Firmen - von KMU bis Grossindustrie - machen gerade mal 12 Milliarden Gewinn.
Alle Zahlen aus: http://www.estv.admin.ch/ Webcode d_05798_de

Herr Roelli lobt die reichsten 10%, weil sie 50% der Steuern zahlen. Nun, ich finde das eher gefährlich wenig. Denn sie besitzen 80% des Vermögens (siehe Kurve im Artikel). Auch wenn die Zahlen nicht genau vergleichbar sind: Es ist klar, wohin die Umverteilung geht.
Manuel Buser, am 13. Januar 2015 um 16:18 Uhr
Korrektur: Das waren die Zahlen 2010, www.estv.admin.ch -> Webcode d_05434_de
Manuel Buser, am 13. Januar 2015 um 16:36 Uhr

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