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Kein Geheimnis, nur will es niemand wahrhaben...

Die nächste Blase ist kurz vor dem Platzen (III)

Christian Müller / 26. Aug 2012 - Neue Zahlen im April lassen das schlimmste befürchten: Die Studenten-Darlehen in den USA belaufen sich auf über 1 Billion Dollar.

Zum Thema der steigenden Verschuldung der US-amerikanischen Studenten publizierte Infosperber am 4. Februar 2012 einen ausführlichen Bericht und aktualisierte ihn mit neuen Zahlen am 11. April 2012. Am 24. August 2012 hat sich nun auch die NZZ des Themas angenommen und liefert dabei auf einer vollen Zeitungsseite interessante Zahlen.

Die NZZ ist allerdings der Ansicht, dass auch in der Schweiz die Absolventen einer Hochschule für die Ausbildung deutlich mehr bezahlen sollten. Dass dabei eine gesellschaftspolitisch wichtige Errungenschaft der Schweiz, nämlich den jungen Menschen eine grösstmögliche Chancengleichheit in der Ausbildung zu bieten, weitestgehend verloren gehen würde, wird im NZZ-Text allerdings nicht eingehend thematisiert.

Hier die ursprünglichen Informationen von Infosperber.

11. April 2012:

Zwei neue Zahlen schockieren die USA: Die Summe aller geschuldeten Ausbildungs-Darlehen ist mittlerweile höher als eine Billion Dollar – oder anders: höher als tausend Milliarden Dollar! Und das Besondere daran: Von den Schuldnern sind viele bereits über 65 Jahre alt. Allein diese Altersgruppe schiebt 36 Milliarden Dollar Schulden vor sich her. Mit wenig Chance, je schuldenfrei zu werden.

Die Summe der Schulden für Ausbildungs-Darlehen ist höher als die Summe der Kreditkarten-Schulden und höher als die Summe der Schulden für auf Kredit gekaufte Autos.

Siehe unten die Berichte zu der neusten Erhebung (in englischer Sprache).

Und hier zum Artikel, den infosperber zu diesem Thema am 4. Februar online stellte:

Bei uns in Europa noch kaum ein Thema, in den USA kurz vor der Katastrophe: die «Higher Education Bubble», die Ausbildungs-Schulden-Blase. Da die Colleges und Universitäten für die Studenten in den USA sehr teuer sind, können sich nur wenige ein Studium leisten. Da aber die Eltern möchten, dass es ihren Kindern dereinst besser geht als ihnen selbst, nehmen sie Geld auf, um die Kids ins College schicken zu können – in der Annahme, ein «Bachelor» oder sonst ein Abschluss sei eine Lebensgarantie für ein anständiges Gehalt und also für den Eintritt in die Middle-Class. Oder die Studenten beantragen und erhalten selbst ein Darlehen fürs Studium.

Inflation im Bildungsmarkt

Während 1970 noch etwa 11 Prozent der Bevölkerung einen College-Abschluss hatte und so ein «Papier» damals tatsächlich eine gewisse Sicherheit gab, einen anständig bezahlten Job zu finden, ist es mittlerweile fast ein Drittel der Bevölkerung, der einen solchen Abschluss vorweisen kann. Dafür ist der Marktwert eines solchen Abschlusses massiv gesunken und garantiert für gar nichts mehr. Das für das Studium aufgenommene Geld aber muss verzinst und zurückbezahlt werden. Immer weniger aber sind in der Lage, dies zu tun.

50'000 US-Dollar für ein Jahr an der Uni

Universitäten und Colleges sind in den USA private Unternehmen. Sie verkaufen Ausbildung wie andere Autos, Uhren oder Golf-Schläger. Und die Preise sind horrend. Rund 50'000 US-Dollar verlangt ein normales College, also eines ohne klingenden Namen, im Durchschnitt für Zimmer, Verpflegung und Unterricht - im Jahr! Die Kosten für das Zimmer und die Verpflegung sind seit 1982 auf das Doppelte angestiegen, die Kosten für den Unterricht aber auf mehr als das Vierfache! Business eben!

Die Qualität der Ausbildung ist umgekehrt, wie zahlreiche Studien übereinstimmend bestätigen, massiv schlechter geworden. Kunststück, wenn dreimal mehr junge Leute so eine Ausbildung ergreifen.

Die Ausbildungsschulden in den USA sind höher als die Haushalts-Schulden, die meist als Kreditkarten-Schulden anfallen. Bis etwa 2004 stiegen die Ausbildungsschulden gesamthaft etwa gleich schnell wie die Household Depts. Ab dann aber stiegen sie deutlich schneller an. Gegenüber 1999 sind die Gesamt-Haushalts-Privatschulden (ohne Ausbildungsschulden) um etwa 150 Prozent gestiegen, die Schulden auf Ausbildungsdarlehen aber um etwa 500 Prozent.

Es war gut gemeint...

Auch bei diesem Problem ist die Politik nicht ganz unschuldig. Denn so wie man glaubte, man könne mit der Erleichterung eines Hauskaufs den Mittelstand stärken, so dachte man sich das auch mit der Subventionierung von Ausbildungsdarlehen. Aber der Eintritt in die Mittelklasse ist nicht käuflich. Er muss mit grosser Selbstdisziplin erarbeitet werden!

Eine Tragödie für Hunderttausende

Die menschliche Tragödie ist indes programmiert. Bereits sind die durchschnittlichen Schulden der College-Studenten bei ca. 24'000 US-Dollar – bei den weniger begüterten also deutlich höher. Im Gegenzug schaffen es nur noch etwa 45 Prozent dieser Studenten, das College erfolgreich abzuschliessen. Eine offene Schere, die weitere Millionen von Menschen für Jahre in ein Schuldendebakel und damit ins persönliche Elend stürzen wird.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Eine amerikanische Website warnt die Studierenden
Nähere Ausführungen zur Higher Education Bubble - auf Englisch.
Mehr und mehr wird die Higher Education Bubble auch in den US-Medien ein Thema
Neue Zahlen zur Ausbildungs-Darlehen-Blase 1 (April 2012)
Neue Zahlen zur Ausbildungs-Darlehen-Blase 3 (April 2012)
Neue Zahlen zur Ausbildungs-Darlehen-Blase 2 (April 2012)

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4 Meinungen

Ich frage mich, wo Christian Müller diese Zahlen her hat. Meine Tochter besucht ein College in Des Moines, Iowa; es kostet 4000 Dollar pro Semester, also 8000 im Jahr; hinzu kommen ca. 1000 Dollar Lebenshgaltungskosten pro Monat, zusammen also rund 20'000, nicht 50'000 Dollar im Jahr. 50'000 würden die absoluten Elite-Unis wie Berkeley oder Princeton kosten.
Artur Vogel, am 13. Februar 2012 um 11:36 Uhr
Der Kommentar von Hr. Vogel ist berechtigt. Ich frage mich wieseo Journalist Müller diese Bemerkung nicht kommentiert. Immerhin ist sein Kommentar vom 13. Februar, Zeit genug also um eine Reaktion abzugeben. Das ist nicht professionell.
ralph manz, am 08. April 2012 um 11:53 Uhr
Dem Problem sind wir kürzlich an der Uni Washington in Seattle begegnet, wo wir den Kunst- und Architekturstudierenden den Max Bill-Film vorgeführt hatten. Sie müssen jährlich 40‘000 Dollars Studiengebühr bezahlen, ohne „accommodation and food“. Danach im Restaurant, im Studentenviertel Freemont, bediente uns eine aussergewöhnlich beredte und gebildete Kellnerin, die sich schliesslich als studierte Architektin outete und versicherte, sie müsse die nächsten zwanzig Jahre ihr Studiendarlehen zurückzahlen. Meine ausgewanderte Schwägerin studiert am California College of the Arts CCA in Oakland und bezahlt eine Studiengebühr von 20‘000 Dollars pro Semester, ebenfalls ohne Unterkunft und Essen. Sie muss kein Darlehen zurückzahlen, da sie gespart hatte. Beide Unis haben einen guten Ruf, gehören aber noch nicht unbedingt zu den Elite-Universitäten. – Ob nächstens eine Schuldenblase platzt, wie bei der Bankenkrise, können wir nicht beurteilen, aber zumindest sind die Zahlen von Christian Müller sicher nicht aus der Luft gegriffen. Denn kommen Unterkunft mit Verpflegung auf einem Campus hinzu, bezahlt man in den USA für ein Studium durchschnittlich ohne weiteres 50‘000 Dollars pro Jahr. Dass man das Zweiklassen-System mit Darlehen bekämpft, ist tragisch und gleichzeitig die Folge einer Politik, die rechtsbürgerliche Kreise auch in der Schweiz verfolgen.
Angela Thomas
angela thomas, am 08. April 2012 um 13:48 Uhr
Anmerkung des Autors: Die genannten Zahlen sind immer Durchschnittswerte. Wir haben dies jetzt im Text auch so ergänzt bzw. präzisiert.
Christian Müller, am 11. April 2012 um 12:56 Uhr

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