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Humorvoll und kritisch: Sebastian Lege zeigt beim ZDF, wie Esswaren produziert werden. Hier: Tassimo-Kapselkaffee © ZDF:zeit

Pulver statt «Alpenmilch»: Ein Lebensmittelgigant trickst

Pascal Sigg /  Eine sehenswerte Doku von ZDF zeigte, mit welchen Werbekniffen ein Grosskonzern industrielle Esswaren als natürlich verkauft.

Milka und Tassimo: Die bekannte Marken für Schokolade, Kaffee und Guetsli gibt es auch in der Schweiz zu kaufen. Unlängst zeigte eine ZDF-Sendung, wie der Hersteller seine Kundschaft bei Produktion und Bewerbung der Lebensmittel verschaukelt.

Die Marken stammen allesamt aus der Küche des US-Lebensmittelgiganten Mondelēz (ursprünglich Kraft Foods), der hierzulande seinen Europahauptsitz hat und auch die Toblerone-Schokolade verkauft.

In der Sendung zeigt der Produktentwickler Sebastian Lege, wie Mondelēz trickst. Das Ziel: Möglichst tiefe Produktionskosten bei gleichzeitig möglichst hohem Verkaufspreis. Dafür braucht es eine hochindustrialisierte Produktion, welche die Zutaten verfremdet. Und Marketing, welche diese Verfremdung verschleiert.

Konkret: Auf der Milka-Verpackung heisst es, die Milchschokolade werde mit «100% Alpenmilch» produziert. «Sehen Sie schon das Alpenpanorama und hören Sie schon Kuhglocken läuten? Schön, ne? Da hat man doch das Gefühl von hochwertigen Zutaten in diesen Produkten», sagt Lege in die Kamera. Auf Anfrage teilt Mondelēz ZDF jedoch mit, die Milch stamme von Höfen aus den Alpen und dem Alpenvorland, «innerhalb eines 100-Kilometer-Radius in den Alpen».

Das Problem: Die Bezeichnung «Alpenmilch» ist gesetzlich nicht geregelt – die Kühe könnten irgendwo in den Bergen oder im Flachland ihr ganzes Leben im Stall verbringen. Und in der Schokolade steckt ausschliesslich Magermilchpulver. «Von all den gesunden Inhaltsstoffen echter Alpenmilch bleibt da nur wenig übrig», heisst es im Beitrag.

Nur Instantkaffee

Ähnlich verfährt das Unternehmen bei den bekannten Tassimo-Kaffeekapseln. Der verwendete Kaffee ist in Tat und Wahrheit «Instantkaffee». Mit kindlicher Freude demonstriert Lege, wie wenige richtige Kaffeebohnen dafür gebraucht werden – und was sonst noch alles in einer Kaffeekapsel steckt. Sein Fazit: «Mit richtigem Kaffeegenuss hat das nix zu tun.» Gleichzeitig sind die Tassimo-Kapseln teurer als bei der Konkurrenz, wo echter Kaffee drinsteckt.

Derartige Tricksereien verstossen eigentlich gegen das Gesetz. So hat das Schweizer Lebensmittelgesetz eigentlich zum Zweck, «die Konsumentinnen und Konsumenten im Zusammenhang mit Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen vor Täuschungen schützen».

Für den Vollzug des Gesetzes sind bei den genannten Produkten die KantonschemikerInnen zuständig. Beim Kanton Zürich heisst es auf Anfrage, die Produktkontrollen würden «nach festgelegten Risikokriterien geplant und durchgeführt». Man dürfe aufgrund der Schweigepflicht aber keine Angaben dazu machen, ob die beiden Produkte kontrolliert wurden.


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2 Meinungen

  • am 18.03.2022 um 22:57 Uhr
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    Man nennt Steuerbetrug Steueroptimierung und schon ist es legal. Man nennt Volksverdummung Informieren der Bürger und voilà schon glauben wir alles. Man nennt Kolonialismus Entwicklungszusammenarbeit und die ist ja humanitär. Man nennt Krieg Friedensmission und die kann ja nicht schlecht sein. Ja, in orwellschen Zeiten ist es nicht einfach Lüge und Wahrheit auseinander zu halten. Wie sollte es da bei «Schoggi und Kafi» anders sein. Um nicht als Trottel dazustehen, muss man heutzutage alles hinterfragen. Alles! Und wer nicht allem gegenüber eine gesunde Skepsis entwickelt, wird halt zum Trottel gemacht und verdient kein Mitleid.

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  • am 20.03.2022 um 18:13 Uhr
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    Wiederholte geschmackliche Tests von Milka-Tafelschokoladen haben bei mir stets nur das eine ergeben: Erinnert geruchlich an ein Produkt, welches bei der Rosanutztiermast anfällt.

    Im thematischen Zusammenhang sei ein Beitrag empfohlen, welcher mit dem Begriff «Hauptsache billig: Was wirklich in der Supermarkt-Wurst steckt» eryoutuublet werden kann.

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