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Professor Richard Reich: «Solche Entwicklungen gefährden den Kapitalismus» © R.R.

Wie kamen sie zu Milliarden? Als Monopolisten, Insider, Erben

Robert Reich /  Superreich wurden sie nicht im harten Wettbewerb. Ihre Leistung besteht im Korrumpieren des Staates. Extrem so 2025 in den USA.

upg. Robert Reich war Arbeitsminister unter Präsident Bill Clinton, Professor für öffentliche Politik an der University of California und gibt heute «Inequality Media» heraus.


Sie verfügen über ein Monopol, treiben Insiderhandel, zahlen Schmiergelder, erpressen einen Grossinvestor oder sie erben ein riesiges Vermögen. Im Jahr 2025 zeigten sich Milliardäre besonders schamlos. In den USA wurde die Korruption besonders offensichtlich.

Seit vielen Jahren warne ich davor, dass immer mehr nationaler Reichtum in die Hände immer weniger Menschen wandert. In den USA besitzt ein einziges Prozent der Einwohner die Hälfte aller Börsenwerte und 40 Prozent des gesamten Reichtums. Zehn Prozent der Einwohner kontrollieren 90 Prozent des gesamten Reichtums. Oft höre ich dann: «Das ist doch der freie Markt» oder «Der Wettbewerb hat entschieden, dass sie es verdienen».

Das ist Unsinn. Einen «freien Markt» gibt es nicht. Was heute so genannt wird, ist das Ergebnis politischer Entscheidungen – über Monopole, Arbeitnehmerrechte, Privateigentum, Finanzen, Handel, Steuern und mehr.

Hinter diesen politischen Entscheiden steht zunehmend eine kleine Gruppe Superreicher, die sich einen unverhältnismässig grossen Einfluss auf die Politik gesichert hat. Sie haben fünf Wege geschaffen, um Milliarden oder mehr anzuhäufen.


1. Erstens: das Ausnützen eines Monopols

Hat Jeff Bezos seine Milliarden verdient, weil er Amazon gegründet und aufgebaut hat? Nein. Amazon beherrscht fast 40 Prozent des gesamten E-Commerce-Einzelhandels – ein Monopolist, geschützt durch zahlreiche Patente, welche die US-Regierung erteilt hat.  

Im Jahr 2023 verklagte die US-Regierung – vertreten durch die Federal Trade Commission und 17 Bundesstaaten – Amazon. Der Vorwurf: Das Unternehmen halte illegal ein Monopol, unterdrücke den Wettbewerb, treibe Preise in die Höhe und schade Verbrauchern durch wettbewerbswidriges Verhalten.

So bestrafe Amazon etwa Verkäufer, die ihre Produkte anderswo günstiger anbieten. Der Prozess soll 2027 beginnen.

Würde die Regierung die Kartellgesetze konsequent durchsetzen und Amazon keine weitreichenden Patente mehr gewähren, wäre Jeff Bezos deutlich weniger vermögend.

Auch andere Tech-Giganten wie Elon Musk (X, Tesla), Mark Zuckerberg Meta), Tim Cook (Apple) und Larry Ellison (Oracle) müssten dann mit erheblichen Vermögenseinbussen rechnen.


2. Das Nutzen von Insiderinformationen, die anderen Investoren nicht zur Verfügung stehen

Der Milliardär Steven A. Cohen führte eine Hedgefonds-Firma, in der laut einer Strafanzeige des Justizministeriums Insiderhandel «erheblich, weit verbreitet und in einem Ausmass betrieben wurde, das in der Hedgefonds-Branche beispiellos ist». Neun seiner aktuellen oder ehemaligen Mitarbeiter gestanden ihre Schuld oder wurden verurteilt. Cohen selbst entging einer Haftstrafe, zahlte eine Geldbusse, änderte den Namen seiner Firma und ist offensichtlich wieder aktiv. 

Der frühere Milliardär und Investor Bill Hwang erhielt Ende 2024 wegen Betrugs im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch seiner Archegos Capital Management eine Haftstrafe von 18 Jahren. Die Anklage warf ihm Insiderhandel, Marktmanipulation und Betrug vor.

Der Kryptomarkt schwankt oft stark, beeinflusst durch politische Ankündigungen der Trump-Regierung. Kurz nach Trumps Bekanntgabe neuer Zölle für China verdiente ein Insiderhändler mit einer gehebelten Short-Position um 150 Millionen Dollar. 

Insiderhandel ist in Chefetagen weit verbreitet. Forscher der SEC fanden heraus, dass Führungskräfte ihre Aktien nach der Ankündigung eines Aktienrückkaufs, wenn die Kurse steigen, doppelt so oft verkaufen wie in den Tagen davor.

Würde die Regierung hart gegen Insiderhandel vorgehen, verdienten Hedgefonds-Experten und Top-Manager deutlich weniger.  


3. Politiker bestechen, um die Regeln des «freien Marktes» zugunsten ihrer Geldgeber zu ändern

Dank der Steuersenkung unter Trumps erster Amtszeit sparte Charles Koch und Koch Industries jährlich 1 bis 1,4 Milliarden Dollar – ohne die Vorteile aus im Ausland geparkten Gewinnen und der gesenkten Erbschaftssteuer einzurechnen. Die zweite Steuersenkung unter Trump brachte den Kochs noch mehr. Sie und ihre verbundenen Gruppen hatten etwa 20 Millionen Dollar für Lobbyarbeit für die Steuersenkung ausgegeben und 550 Millionen Dollar für Trumps Wahlkampagne von 2024. Eine lohnende Investition.

Elon Musk, der reichste Mensch der Welt, hat eine Viertelmilliarde Dollar in die Wahl Trumps im Jahr 2024 gesteckt und plant, mindestens ebenso viel auszugeben, um das Repräsentantenhaus und den Senat in republikanischer Hand zu halten. Was bringt ihm das? Niedrigere Steuern für sich und seine Unternehmen, weniger Vorschriften, die seine Gewinne schmälern, und Bundesaufträge, die sein Vermögen weiter steigern.

Auch Trump und seine Familie haben kräftig profitiert, indem sie die Spielregeln der Wirtschaft zu ihren Gunsten änderten. Bis Ende 2025 verdienten sie mindestens 1,2 Milliarden Dollar mit Krypto-Investitionen – deren Wert vor allem durch Trumps Entscheidungen, Deregulierung und Förderung von Kryptowährungen explodierte.

Der Wert dieser Investitionen stieg weiter, als Trump Changpeng „CZ“ Zhao begnadigte, der sich der Geldwäsche schuldig bekannt hatte. Binance war eng mit World Liberty Financial verbunden, einem Unternehmen, das Eric Trump und Donald Trump Jr. aktiv leiteten.

Anfang 2025 kaufte ein staatlich kontrolliertes Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Kryptowährungen im Wert von 100 Millionen Dollar, die von World Liberty Financial ausgegeben wurden – im Grunde eine riesige Einlage, die World Liberty jährliche Renditen in zweistelliger Millionenhöhe einbringen könnte.

Trumps Vermögen stieg Mitte Dezember erneut sprunghaft an, als bekannt wurde, dass die Trump Media & Technology Group, ein börsennotiertes Unternehmen, dessen grösster Anteilseigner Trump ist, mit TAE Technologies fusioniert. TAE, ein privates Unternehmen für Fusionstechnologie, profitierte von einem neuen Amt für Fusionstechnologie, das Trumps Energieministerium eingerichtet hatte, um die Kommerzialisierung der Fusion zu fördern – ein weiterer Fall von Selbstbereicherung.

Auch Howard Lutnick, milliardenschwerer US-Handelsminister, verdiente mit politischem Einfluss Millionen. Sein Familienunternehmen unterstützte Toby Neugebauer, einen Milliardär, der riesige Rechenzentren für die nächste Generation der KI baut. Bei der Kapitalbeschaffung kassierte er Millionen an Gebühren. Lutnick setzte zudem amerikanische Verbündete unter Druck, politische Gefälligkeiten gegen Investitionen in US-Industrieprojekte einzutauschen, was den Kunden seiner Familie Zugang zu ausländischem Kapital verschaffte.

Mit strengen Antikorruptionsgesetzen, die solche politischen Zahlungen und Selbstbereicherungen unterbinden, könnten die Kochs, Musks, Trumps, Lutnicks und andere Grossinvestoren nicht länger von ihrem Einfluss profitieren. Steuererleichterungen, Deregulierungen und staatliche Subventionen, die ihr Vermögen wachsen liessen, blieben ihnen verwehrt.


4. Der vierte Weg zur Milliarde: Grossinvestoren erpressen.

Adam Neumann überzeugte J.P.Morgan, SoftBank und andere Investoren, Hunderte Millionen Dollar in WeWork zu stecken, ein Start-up für Büro-Sharing. Mit einem Teil des Geldes kaufte er Gebäude, die er an WeWork zurückvermietete, und finanzierte einen luxuriösen Lebensstil, zu dem auch ein Privatjet für 60 Millionen Dollar gehörte. WeWork schrieb nie einen Cent Gewinn.

Als Neumann gezwungen wurde, seine Interessenkonflikte offenzulegen, scheiterte der Börsengang und der Unternehmenswert von WeWork stürzte ab. Um den Schaden zu begrenzen, zahlten die Investoren ihm über eine Milliarde Dollar, damit er den Vorstand verliess und seine Stimmrechte abgab. Die meisten anderen Mitarbeiter von WeWork bleiben auf nahezu wertlosen Aktienoptionen sitzen. Tausende verloren ihren Job.

Einige wenige wohlhabende Betrüger wurden verurteilt und mussten ihre unrechtmässig erworbenen Gewinne zurückzahlen. So erhielt Bankman-Fried, Gründer der Kryptowährungsbörse FTX, 2024 eine 25-jährige Haftstrafe, nachdem er Kunden und Investoren um fast zehn Milliarden Dollar betrogen hatte. Sein Vermögen war einst auf 26 Milliarden Dollar geschätzt worden. 

Doch viele andere kamen ungeschoren davon. Mit strengeren Betrugsgesetzen und konsequenterer Durchsetzung wären Neumann und seinesgleichen keine Milliardäre geworden.


5. Das Geld von reichen Eltern oder Verwandten erben

Ein neuer Bericht der UBS schätzt, dass im Jahr 2025 eine Rekordzahl von 91 Menschen durch Erbschaften zu Milliardären wurde. Ihr Gesamtvermögen soll fast 300 Milliarden Dollar erreichen.

Damit beginnt wohl der grösste Vermögenstransfer zwischen Generationen in der Geschichte: In den nächsten 15 Jahren werden Erben mindestens 5,9 Billionen Dollar erhalten (US-amerikanisch «trillion»). 

Schätzungsweise 45 Prozent des gesamten Vermögens in den USA werden vererbt. Das liegt daran, dass nach dem US-Steuerrecht – stark geprägt von der Lobbyarbeit der Reichen – Kapitalgewinne einer Generation bei der Übertragung auf die nächste Generation praktisch ausradiert werden

Wie Mitt Romney kürzlich erklärte: Hätte Elon Musk seine Tesla-Aktien für beispielsweise 1 Milliarde Dollar gekauft, sie bis zu seinem Tod behalten und wären sie dann 500 Milliarden wert, hätte er nie die 24-prozentige Kapitalertragssteuer des Bundes auf den Gewinn von 499 Milliarden Dollar zahlen müssen. Nach geltendem Recht gelten die Aktien für Musks Erben als versteuert erworben. Auf den Kapitalgewinn von 499 Milliarden Dollar würde also niemand je Steuern zahlen.

Würden unverdientes Einkommen und verdientes Einkommen steuerlich gleichbehandelt, gäbe es in den USA keine Milliardäre, die nicht arbeiten. Und würden Kapitalgewinne beim Tod besteuert, würden viele Erben ebenfalls keine Milliardäre.

Die gute Nachricht: Immer mehr Amerikaner erkennen den Schaden, den Milliardäre dem System zufügen.

  • Eine Harris-Umfrage vom November 2025 zeigt, dass 53 Prozent der Amerikaner Milliardäre als eine Bedrohung der Demokratie sehen.  
  • 71 Prozent der Amerikaner fordern eine Vermögenssteuer. Eine Mehrheit plädiert zudem für eine Obergrenze beim Vermögen, das Einzelne anhäufen dürfen.


Elementare Forderungen

Solche Entwicklungen gefährden den Kapitalismus. Das System scheitert, wenn Monopole, Insiderhandel, Schmiergeld, Betrug und riesige Erbschaften es verzerren. Verliert die Öffentlichkeit das Vertrauen, zerfällt es.

Wollen vernünftige und integre Menschen die US-Regierung zurückerobern, müssen sie dafür sorgen,

  • dass grosse Vermögen besteuert werden;
  • dass Kapitalgewinne beim Tod des Eigentümers nicht mehr steuerfrei gelöscht werden und den Erben unversteuerten Reichtum zuschanzen;
  • dass das grosse Geld aus der Politik verschwindet.

Nur so lassen sich Bestechung, Korruption und schreiende Ungerechtigkeit beenden, die den Kapitalismus zugunsten einer kleinen Elite verzerrt haben.

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Diesen Beitrag veröffentlichte Robert Reich auf Substack. Übersetzung von Infosperber.


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