Empa: Immer mehr PFAS im Regen
Fluorchemikalien, die in der Natur nicht zerfallen, sind ungemein praktisch und werden breit verwendet. Sie sind seit Jahrzehnten Bestandteil von etlichen Alltagsgegenständen. Es wird immer deutlicher, wie problematisch das ist. Während einzelne Substanzen aus der riesigen Stoffklasse der PFAS bereits verboten sind, ist die Wirkung von anderen völlig unbekannt. Bei manchen besteht ein Verdacht.
Zum Beispiel bei Trifluoracetat oder kurz: TFA. Das kleinste bekannte PFAS ist sehr gut wasserlöslich und wird seit Jahrzehnten verwendet. Es findet sich in quasi allen Gewässern und galt als sicher, bis es vor zwei Jahren in den Verdacht geriet, Geburtsschäden auszulösen.
Vor allem aus Pestiziden und Kühlmittel
Im vergangenen Jahr warnten bereits die Wasserversorger vor den ständig steigenden Mengen im Grund- und Oberflächenwasser (Infosperber berichtete). Wenn TFA einmal im Wasser ist, ist es sehr schwer zu entfernen. Reguliert ist Trifluoracetat dennoch nicht. In der Schweiz und der EU gibt es lediglich Empfehlungswerte. Die Neubewertung der Chemikalie durch die EU-Chemikalienagentur Echa läuft.
TFA in der Umwelt stammt hauptsächlich aus drei Quellen: Pestizide, aus denen sich die Chemikalie abspalten kann, verdampfende Kältemittel, die in der Atmosphäre Trifluoracetat abgeben, das mit Regen wieder zur Erde gelangt, sowie Industrieabwässer.
Die Empa hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) und der Uni Bern untersucht, wie TFA in der Atmosphäre gebildet wird und ins Wasser gelangt. Mit besorgniserregenden Ergebnissen: Die TFA-Konzentration im Wasser steigt immer weiter an.
TFA-Konzentration in der Umwelt hat sich vervielfacht
Nicht nur deshalb, weil Triflouracetat nicht zerfällt und sich anreichert; sondern auch, weil der Eintrag in die Umwelt wächst. In den letzten Jahren habe sich die TFA-Konzentration im Regen und Gewässern vervielfacht, stellten die Studienautoren in der in der Zeitschrift «Atmospheric Chemistry and Physics» publizierten Arbeit fest.
Grund für den Anstieg sind vor allem Kältemittel. Vor allem sogenannten Hydrofluorolefine (HFO), die verstärkt zum Ersatz von langlebigen klimaschädlichen Fluorverbindungen genutzt werden. Sie zerfallen in der Atmosphäre schnell, was sich am Anstieg der TFA-Menge im Regen und im Wasser beobachten lässt.
Das Modell der Empa ist universell. Es erlaubt Vorhersagen darüber, wie viel TFA in ganz Europa in die Umwelt gelangt oder gelangen wird. Bis 2050 könnte sich der TFA-Eintrag aus der Luft verzehnfachen oder verzwanzigfachen, schätzen die Studienautoren.
Für ihre Analyse fertigten die Forschenden eine Modellierung an und zogen Wasserproben von Schweizer Gewässern aus den Jahren 2020 bis 2023, Regenwasserproben sowie historische Wasserproben bis 1984 hinzu.
Ein Drittel der Quellen ist ungeklärt
Völlig TFA-frei war das Wasser auch damals nicht, in den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich die TFA-Konzentration im Regen aber vervierfacht. In den grossen Flüssen wie Aare und Rhein ist nun sechsmal mehr TFA. Am meisten TFA fand sich in der Rhone bei Chancy und im Genfer See, am wenigsten bei S-chanpf im Inn. Am meisten TFA regnete es in Bern. Das die Rhone so belastet ist, sei auf Industrieabwasser zurückführen, schreiben die Autoren.
Bei einem Drittel des TFA-Eintrags konnten die Wissenschaftler nicht klären, woher er kommt. «Das heisst, es gibt wahrscheinlich weitere Vorläufersubstanzen und Entstehungspfade, die wir noch nicht kennen», sagt der Erstautor der Studie, Stephan Henne, in einem Bericht der Empa.
Der Empa-Forscher Stefan Reimann warnt davor, die Belastung auf die leichte Schulter zu nehmen. TFA reichere sich im Wasser immer weiter an und lasse sich kaum wieder entfernen, während seine Giftigkeit noch nicht abschliessend geklärt sei. «Wir sollten daher nach dem Vorsorgeprinzip handeln und den Einsatz der Vorläuferstoffe so gut es geht einschränken», sagt er.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









Mit Meldungen dieser Art wurden wir in den letzten Monaten regelrecht überschwemmt: PFA, PFAS, Mikroplastik und zahlreiche andere gesundheitsschädliche Chemikalien überschwemmen uns förmlich. Sie werden u. a. für Krebs, frühzeitige Demenz, Vergiftungen der Organe usw. verantwortlich gemacht. Das mag durchaus stimmen und ich bin auch Gegner dieser Giftstoffe. Aber allein nur dokumentieren und kommentieren reicht nicht. Unter kapitalistischen Verhältnissen steht der Profit über allem, auch der Gesundheit, deshalb wird sich durch lamentieren nichts ändern. Was wir brauchen, ist der Wechsel zu einem System, in dem an erster Stelle der Mensch kommt. Allerdings kenne ich kein solches, außer den Utopien vom Kommunismus. Und: Wir sind für erhebliche Umweltbelastungen selber verantwortlich, ich denke bloß an das Entsorgen von Giftstoffen ins Meer oder auf illegale Halden, an den schädlichen (und überflüssigen) Einsatz von Weichspülern, Haushaltschemikalien, Böllerknallerei, Impfungen etc.
@Jürgen Schiebert – Stimmt, wir müssten – entschlossen, weil bereits spät – Naturgesetze-Anerkennung etablieren: Leben «Reduce-to-the-Max» (gesundschrumpfen) statt Religion «Ewiges Wachstum» (Kapitalismus Onkologie Adipositas). Meine Projektidee bereits ausgearbeitet auf Papier: Gesundheitswohnen-Prototyp ohne Immissionen (wesentlich weiter gehend als MCS-Haus Zürich-Leimbach) mit Waldbadenluft Chlorophyllfülle Paradies Flora Fauna zwecks «Vorbild für die Welt» (Dominoeffekt).
Reifenabrieb, Windräderabrieb, Pestizide & Co. im ganzen Körper, so kann es nicht weitergehen oder sonst «gehen» wohl wir evolutionär. Statt dass Staat und Private/Stiftungen jährlich Milliarden in «Kultur» wie Museen, «Kunst» (was höchstens nice-to-have ist) ausgeben, sehe ich Projekte wie meines als vorzuziehend, Must-have, Essential.
Die «Krone der Schöpfung» (Eigendeklaration) scheint aber auch alles zu vermasseln.
Sisyphus. Wie sollten wir jeden Schluck schweizweit filtern können? Sogar Umkehrosmose kann TFA nur teilweise aus dem Wasser entfernen.
Einerseits SRF 8.6.2025 – TFA (…) bedarf Umkehrosmose, welche technisch komplex und teuer sei. «Wenn wir flächendeckend eine solche Aufbereitung in der Schweiz einführen müssten, würde das zu einem Strukturwandel in der Trinkwasserversorgung führen», sagt Christos Bräunle vom Schweizerischen Wasserverband.
Andererseits Luzerner Kantonsspital 1.3.2022 – Bereits kleine Veränderungen der alimentären Aufnahme (verminderter Appetit oder Durchfall) und fortgesetztes Trinken von Osmosewasser kann zu lebensgefährlichen Veränderungen der Blutzusammensetzung, der Gewebeflüssigkeit und der intrazellulären Flüssigkeit führen.
Das alles erinnert mich an die Schlussszene im Kinostreifen «Silent Running». Die man-made Kakophonie bildete sich ein, weiser als die Naturgesetze zu sein.
Kühlmittel die verdampfen? Die Verursacher sind dann wohl vorallem Wärmepumpen und Klimaanlagen. Und schon sind wir wieder einmal auf dem Holzweg mit der neuen, umweltfreundlichen, weltrettenden Technologie. Ich bleibe bei meiner Holzheizung, soll Kachelmann doch wettern.
@Alex Seiler – Wärmepumpen/Klimaanlagen sind schlecht (nur schon wegen Lärm), aber Holzfeuer erst recht, Feinststaub schlimmer als Erdöl/Erdgas. Einsparen liesse sich insbesondere der immense Motorfahrzeuge-Vergnügungsverkehr (ist grösser als Arbeitsverkehr) und der weiter wuchernde Strassenbau. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass man auf geplanten oder bestehenden Strassen dann Wohnblöcke bauen könnte.