Velofahrer

Einkäufe werden konsequent per Velo oder zu Fuss erledigt (Symbolbild). © Shtak3t / Depositphotos

So verbraucht man drei Viertel weniger Strom

Martina Frei /  Ein Beispiel, wie man umweltschonender leben kann – und dabei noch Geld spart.

Herrn Müllers* Jacke hat einen Riss im Innenfutter, die abgerissene Tasche hat er wieder angenäht und der Reissverschluss ist kaputt. Aber für Arbeiten rund ums Haus tut es diese Jacke noch, die jemand anderer weggeworfen hätte. Herr Müller trägt sie auf. Kleider kauft er in der Brockenstube, flicken lässt er sie im Reparatur-Café.

Im Haus dauert seine Heizperiode von Dezember bis Februar, beheizt wird nur jeweils der Raum, in dem er sich aufhält, und auch dieser nur mit 14 Grad. Warm angezogen, sei das machbar, findet er. Pro Grad Raumtemperatur weniger spare er so circa sechs Prozent Energie, rechnet er vor. Rund 500 Liter Heizöl benötigt Herr Müller pro Jahr, um sein Haus zu heizen. Der Durchschnittsverbrauch für ein vergleichbares Haus liegt bei etwa 1360 Litern.

Vor allem, wenn die Sonne scheint oder wenn die Bise bläst, wird durchgelüftet, damit sich keine Feuchtigkeit oder Schimmel an den Wänden bilden. 

Täglicher Einkauf mit dem Velo

Um Energie zu sparen, verzichtet Herr Müller auch auf einen Kühlschrank. Im Winter sei dieser sowieso nicht nötig, im Sommer gehe er täglich einkaufen. Auf dem Speiseplan stehen vor allem saisonale, regional angebaute Gemüse, Obst und weniger tierische Nahrungsmittel. Genau wie die Kleidung wird auch das Essen aufgebraucht. Vorräte hortet Herr Müller nicht. Und weil er sehr konsequent versucht, Müll zu vermeiden, fällt bei ihm nur wenig an – auch digital. Nicht mehr benötigte E-Mails und Anhänge löscht er, weil dies bei den Rechneranlagen Strom spare. Sein Handy benützt er nur, wenn unbedingt nötig. 

Das Einkaufen erledigt Herr Müller mit einem alten Velo, erstanden an der lokalen Velobörse. Dabei trägt er einen Rucksack, den er für wenige Franken in der Brocki gekauft hat, ein altes, gut verarbeitetes Modell mit Lederriemen und aus festem Stoff. 

Ein Auto besitzt er zwar – ein kleines, leichtes, ohne elektrischen Schnick-Schnack –, aber meist geht er zu Fuss oder er fährt mit dem Velo. Hat das Velo einen Platten, flickt Herr Müller den Schlauch, anstatt einen neuen zu kaufen. Wenn immer möglich, wird repariert.

Wasserverbrauch aufs Minimum reduziert

Gekocht wird am Holzofen, seinen Herd schalte er so gut wie nie an, sagt er, «höchstens zum Backen». Wenn Herr Müller warmes Wasser braucht, erhitzt er es mit einem Wasserkocher oder in der Mikrowelle. Den Stromfresser Warmwasserboiler hat er abgeschaltet, auch den Wäschetrockner benützt er nie. Sonne und Luft erledigen das Wäschetrocknen, aufs Glätten verzichtet er. 

Der durchschnittliche Stromverbrauch einer Einzelperson in einem Haus beträgt in der Schweiz etwa 2300 Kilowattstunden (kWh). Herr Müller verbraucht weniger als ein Viertel davon, circa 550 kWh.

Auch beim Wasserverbrauch ist er sparsam. Zum Duschen geht Herr Müller einmal wöchentlich ins öffentliche Hallenbad. Sein jährlicher Verbrauch daheim beträgt laut seinen Angaben 8 Kubikmeter Wasser. Der Durchschnittsverbrauch einer Person hierzulande: rund 103 Kubikmeter.

Fliegen ja, aber sparsam

Die Schweiz verbraucht laut dem «WWF» die Ressourcen von zwei bis drei Erden.

Seine Lebensgewohnheiten seien für die Allgemeinheit aber höchstens teilweise umsetzbar – und in einer Demokratie politisch und wirtschaftlich schon gar nicht durchzusetzen. Dessen ist sich Herr Müller bewusst. Er möchte andere auch nicht überzeugen, den gleichen Lebensstil zu pflegen, denn das sei mit Unannehmlichkeiten verbunden. Aber für ihn stimme es so. 

Völlig «öko» lebt aber auch Herr Müller nicht. Er liebt das Fliegen und leistet sich sogar Fernreisen – immer in der «Holzklasse». Seinen nächsten Flug hat er schon gebucht. Darauf angesprochen, dass das aber nicht sehr umweltfreundlich sei, entgegnet er: «Ich fliege in einem A320 neo – zwei Liter Treibstoffverbrauch pro 100 Kilometer und Passagier!» Es ist eines der sparsamsten Passagierflugzeuge, die derzeit unterwegs sind. Bei diesem Thema, findet Herr Müller, «sollten erst einmal Politiker und dabei primär die Grünen als überzeugendes Beispiel vorangehen und ihre ‹Privatjets› am Boden lassen».

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* Name ist der Redaktion bekannt


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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7 Meinungen

  • am 5.01.2026 um 11:35 Uhr
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    Interessant, zu dieser Zeit, das Feedback auf «War dieser Artikel nützlich?»: 40% nützlich, 60% nicht nützlich. Nicht mal die offenere und intelligentere Leserschaft von Infosperber will sich mit diesem Thema wirklich und mit echtem Interesse auseinandersetzten. Zwar den Artikel lesen / überfliegen, aber dann als nicht nützlich abwerten… Naja. Darum von mir, extra danke für diesen Beitrag. Auch wenn ich nicht so leben will, kann und werde, es sind inspirierende Infos, Hut ab Herr Müller und Frau Frei.

  • Portrait Hans Haldimann
    am 5.01.2026 um 12:11 Uhr
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    Mit dem Fliegen ist es halt so eine Sache. Selbst wenn der erwähnte Airbus von Herrn Müller komplett vollbesetzt wäre und wirklich bloss 2 Liter pro 100 km brauchen sollte (keine Warterunden, keine Wartezeit am Boden etc.), kämen z.B. auf der Strecke Zürich-Bangkok (retour 18’000 Kilometer) 360 Liter Kerosin pro Person zusammen. Mit einem guten Kleinwagen könnte man damit nur schon zu zweit pro Person gegen 20’000 Kilometer (zu viert 40’000) weit fahren, mit einem Elektrogöppel noch viel weiter. Auch z.B. Kühlschränke liessen sich durch den Verzicht auf Flugreisen gleich zu Dutzenden betreiben. Ein einziger Fernflug macht die ganze akribische Sparerei (an der es nur wenig zu kritteln gibt) zunichte.

  • am 5.01.2026 um 12:50 Uhr
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    Jaja, Herr Müller soll sparen, demütig und hoffnungsvoll sein.
    Wer ist schon wieder verantwortlich für den meisten Energie- und Ressourcenverbrauch?
    Diesen Beitrag kann ich nur als Satire verstehen.

  • am 5.01.2026 um 12:53 Uhr
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    Herr Meier hat sich entschieden in eine Schlafklinik einzutreten und hat sich ein Fach für sich gemietet.
    Er wird dort in den Tiefschlaf versetzt und alle paar Tage von einen Therapeuten bewegt.
    Er braucht nichts weiter als sein Krankenhaushemd und alle paar Tage eine neue Flasche Nährlösung.
    Politisch korrekt, hat er all seinem Besitz entsagt und den Grossteil einer Tierklinik gespendet.
    Sollte Herr Müller eines Tages sterben, wird er, nach der Organentnahme, CO2-neutral einfach in dem Fach kremiert.

  • am 5.01.2026 um 13:34 Uhr
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    Grundsätzlich verdient jedes Bemühen um weniger Umweltbelastung eine Anerkennung!
    Leider, leider dürfte auch Herr Müller mit seinem aus dem Rahmen des Üblichen fallenden Verhaltens keinen wesentlich unter dem Durchschnitt liegenden ökologischen Fussabdruck erreichen.
    Das liegt an zwei Dingen: Erstens ist jede von uns mitbeteiligt an sämtlichen Infrastrukturen. Und diese sind in der Schweiz nun einmal extrem umweltbelastend eingerichtet. Zweitens ist das Fliegen, egal in welchem Flugzeugtyp extrem umweltbelastend. «Holzklasse» gibt es nicht!
    Nun aber das Wichtigste: Die Begründung für den Luxus des Fliegens ist sowohl moralisch als auch politisch derart peinlich, dass ich fast hoffen möchte, «Herr Müller» sei eine fiktive Gestalt aus den Redaktionsräumen. Allerdings, wenn ich’s genau überlege, eigentlich auch das nicht …

  • am 5.01.2026 um 18:03 Uhr
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    Artikel klingt wie eine Persiflage gegen die Grünen.
    Unpraktikabel für fast 100% der Bevölkerung. Da hätte ich bessere (wirksamere) Vorschläge. Bitte Ideenwettbewerb im Infosperber!
    Wie viele Müller* gibt es in der Schweiz? Er ist Hausbesitzer im Land mit dem höchsten Mieteranteil europaweit.
    «Gekocht wird am Holzofen».
    Die Gesundheit wird vor allem durch die hohen Emissionen an Feinstaub und gasförmigen Kohlenwasserstoffen der Holzfeuerungen beeinträchtigt.
    Jörg Kachelmann kritisiert das Heizen mit Holz (Kachelöfen, Holz- und Pelletheizungen) scharf, da es trotz Klimaschutzbemühungen zu massiven Feinstaubbelastungen, besonders in Städten und bei Inversionswetterlagen, führt und die Luftqualität verschlechtert, was Gesundheitsprobleme verursachen kann; er vergleicht die Situation mit schlechter Luft in chinesischen Städten und sieht die Förderung solcher Systeme als «Heuchelei», da moderne Holzheizungen mit Filtern zwar besser, aber immer noch schlechter als Öl- oder Gasheizungen sind.

  • am 6.01.2026 um 06:19 Uhr
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    Der Schweizer Energiepolitik fehlt das dritte Bein: Genügsamkeit!

    Die Energiewende setzt auf Alternativstrom und Effizienz. Damit sie gelingt, braucht es einen dritten Pfeiler: Genügsamkeit.

    Obwohl heute viele Leute mehr als genug oder genug von immer mehr Ballast haben, ist Suffizienz als energiepolitisches Mittel verpönt. Die Verfasser der neuen Energiestrategie, die Schweizer Regierung und ihre Berater:innen, klammerten solche nachfragesenkenden Verhaltensänderungen bewusst aus mit dem Argument: «Solange technologische Optionen zur Verfügung stehen, werden Suffizienzstrategien als nicht akzeptabel angesehen.» Oder mit den Worten der damaligen Energieministerin Doris Leuthard: «Ich will keine asketische Gesellschaft».

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