Spritverbrauch wird klein geschrieben

Hanspeter Guggenbühl © bm

Hanspeter Guggenbühl /  Wie eine Meldung zweimal in die Medien kommt.

Das Bundesamt für Energie (BFE) veröffentlichte am 27. Juni 2013 die neusten Daten über den Spritkonsum und die Emissionen der Schweizer Neuwagenflotte. Demnach sank der durchschnittliche Verbrauch der 2012 neu in Verkehr gesetzten Autos auf 6,21 Liter Treibstoff pro 100 Kilometer Fahrt. Das entspricht einem CO2-Ausstoss von 151 Gramm CO2 pro Kilometer.

Infosperber und einige wenige andere Medien hatten am 28. Juni über diese BFE-Mitteilung berichtet. Infosperber wies damals darauf hin, dass der Praxis-Verbrauch, den der TCS jeweils bei seinen Testfahrten ermittelt und publiziert, im Mittel 1,1 Liter höher ist als der vom BFE veröffentlichte Verbrauch auf dem Prüfstand. Die Gründe dafür: Der europäische Fahrzyklus ist large; er vernachlässigt unter anderem starke Beschleunigungen, den Verbrauch von Klimaanlagen und weiteres.

Am 2. August 2013, als auf dem Nachrichtenmarkt Flaute herrschte, veröffentlichte auch die TCS-Zeitung «Touring» die Daten des BFE vom 28. Juni und ergänzte diese mit früheren Prüfstand-Daten. Das wiederum veranlasste mehrere Tageszeitungen, welche die BFE-Meldung vom 27. Juni verschlafen hatten, die alten Daten am 3. August als Neuigkeit weiter zu verbreiten. Der «Tages-Anzeiger» etwa tat dies unter dem Titel «Benzinverbrauch von Neuwagen sinkt weiter». Als Quellenangabe gaben die meisten Medien den TCS an.

Der Praxisverbrauch des TCS hingegen wurde in dieser BFE/TCS-Mitteilung nicht erwähnt. Damit vermittelten die neu-alten Meldungen über den rückläufigen Spritverbrauch ein geschöntes Bild. Fakt ist: Vom Jahr 2000 bis 2012 hat der Spritverbrauch der Neuwagen abgenommen. Gemäss Messungen auf dem Prüfstand betrug der Rückgang in diesen zwölf Jahren 26 Prozent, gemäss Praxistests des TCS aber nur 17 Prozent. Die Differenz zwischen Prüfstand- und Praxisverbrauch hat in den letzten Jahren also zugenommen, nämlich von 0,4 Liter im Jahr 2000 auf 1,1 Liter im Jahr 2012. Das relativiert die guten Nachrichten von den sparsamen Autos.


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3 Meinungen

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    am 4.08.2013 um 09:22 Uhr
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    Infosperber, sieht was andere übersehen.
    Sehr schön, danke vielmal.

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    am 5.08.2013 um 09:03 Uhr
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    Solche Meldungen würden meines Erachtens zu den Hauptaufgaben des heutigen Journalismus gehören. Spreche Herrn Guggenbühl meine Hochachtung auf, wiewohl es eigentlich nur eine Selbstverständlichkeit ist.

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    am 7.08.2013 um 10:56 Uhr
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    Statt den Spritverbrauch (oder noch besser -konsum) zu reduzieren schmelzen unsere Gletscher weiterhin und komplett dahin. Aber wen interessiert das denn noch?
    Ich schliesse mich dem Dank von Herrn Meier an!

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