Zeit sparen – teuer oder gratis

Hanspeter Guggenbühl ©

Hanspeter Guggenbühl /  Mit einem weiteren Ausbau des Bahnnetzes könnten Pendler Zeit sparen. Das kostet Milliarden von Franken. Es geht aber auch gratis.

Die Eisenbahn-Fachmänner Jürg Perrelet und Hans Bosshard befruchten die nationale Bahnplanung seit vier Jahren mit wechselnden Ideen. Im April 2010 schlugen sie in der «Berner Zeitung» vor, eine neue Bahnlinie von Roggwil nach Zürich zu bauen, welche die Distanz verkürzt, Tempo 320 erlaubt und damit die Fahrzeit Bern–Zürich auf 30 Minuten halbiert. Vor einigen Tagen haben sie diesen Plan unter dem Titel «Bahn 2000 plus» modifiziert und diesmal via NZZ verbreitet. Demnach wollen sie das Tempo auf ihrer neuen Linie Roggwil–Zürich auf 200 km/h drosseln. Damit liesse sich die Fahrzeit von der Bundes- in die Wirtschafthauptstadt immer noch um 14 Minuten vermindern. Die Baukosten für ihr neustes Projekt beziffern sie auf fünf Milliarden Franken.
Leute aus Bern, die täglich nach Zürich pendeln (respektive ihre Nachkommen) können sich freuen, wenn «Bahn 2000 plus» verwirklicht wird. Denn auf dem Hin- und Rückweg zusammen werden sie werktäglich 28 Minuten Zeit sparen. Die Frage ist nur, was sie damit tun. Die Erfahrung zeigt: Dank Autobahnen und Bahnausbau hat sich die Geschwindigkeit beim Pendeln in den letzten Jahrzehnten zwar etwas erhöht. Noch stärker aber wuchs die zum Pendeln beanspruchte Zeit, weil die Pendlerwege deutlich länger wurden. «Bahn 2000 plus» fördert diese Entwicklung. Sie wird es Bernerinnen und Bernern mit Arbeitsplatz in Zürich erlauben, ihren Wohnsitz ins ländliche Münsingen oder nach Freiburg zu verlegen. Und das Schöne daran: Der Bund subventioniert dieses Nullsummen-Spiel jährlich mit Milliardenbeträgen.
Derweil fährt der Schreibende auf der bestehenden Bahnlinie in 58 Minuten von Bern nach Zürich, und er freut sich auf die mindestens 90 Minuten Zeit, die er am Abend sparen wird. Wie denn? Ganz einfach und obendrein noch gratis: Er pfeift auf die Fussball-Weltmeisterschaft.


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Eine Meinung zu

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    am 2.07.2014 um 20:51 Uhr
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    Wer mit dem Zug fährt, verliert eh keine Zeit – er oder gewinnt Zeit. Im Gegensatz zu einer Fahrt mit Velo oder Auto kann ich im Zug produktiv sein oder mich regenerieren. Günstiger ginge das nirgends sonst.

    0

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